Die Bürgermeister der Talgemeinden starten mit einem dichten Aufgabenprogramm ins Jahr 2026. Investitionen in Infrastruktur, Kinderbetreuung, Hochwasserschutz, Klimaschutz und Ortsentwicklung stehen vielerorts im Mittelpunkt. Hinzu kommen neue Anforderungen wie der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule sowie laufende Projekte zur Sicherung der Daseinsvorsorge.
In den Interviews wird deutlich, dass der finanzielle Spielraum der Kommunen enger geworden ist. Steigende Kosten, wachsende rechtliche Vorgaben und lange Verfahren erschweren Entscheidungen und zwingen zur Priorisierung. Gleichzeitig zeigen die Bürgermeister, dass sie trotz dieser Rahmenbedingungen an der Weiterentwicklung ihrer Gemeinden arbeiten.
Während alle die große Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements betonen, unterscheiden sich die Ansätze: von intensiver kommunaler Unterstützung bis hin zur stärkeren Betonung von Eigenverantwortung. Ähnlich vielfältig sind die Einschätzungen beim Wohnungsbau und bei der Frage, welche Aufgaben Kommunen selbst übernehmen können und wo andere Akteure gefordert sind.
Auch politische Veränderungen spielen eine Rolle. Die Landtagswahl 2026 mit neuem Wahlrecht und abgesenktem Wahlalter wird aufmerksam begleitet – verbunden mit Erwartungen, aber auch mit Vorbehalten.
Worauf sich die Bürgermeister im neuen Jahr besonders freuen, teilen Sie mit den Lesern der „Schwarzwälder Post“ am Ende ihrer Interviews.
Bürgermeister Richard Weith:
„Freiwillige Aufgaben liegen nicht mehr im Ermessen der Gemeinde“
Ehrenamt unter Druck: Wo spüren Sie in Ihrer Gemeinde aktuell, dass es schwieriger wird, Menschen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen? Und wie versucht die Kommune, dieses Engagement zu unterstützen?
Die Corona-Pandemie war für das Ehrenamt im Allgemeinen ein Rückschlag. Meine Wahrnehmung ist aber, dass sich diese Negativentwicklung ein Stück weit wieder umkehrt. Es ist erfreulich zu sehen, dass in einigen Vereinen und auch in der Feuerwehr besonders die Jugendarbeit einen hohen Stellenwert hat und die Bemühungen der Akteure meist von Erfolg gekrönt sind. Die Gemeinde unterstützt das Ehrenamt dauerhaft mit nennenswerten finanziellen Zuwendungen sowie an vielen Stellen mit unentgeltlicher Raum- und Grundstücksnutzung sowie kostenloser Unterstützung durch den Gemeindebauhof und die Gemeindeverwaltung. Für besondere Jubiläen beziehungsweise Leistungen im Ehrenamt wird durch den Bürgermeister auf Wunsch eine Ehrung vorgenommen.
Welche Themen werden Ihre Gemeinde im Jahr 2026 besonders beschäftigen oder herausfordern – und warum?
Voraussichtlich wird das Jahr 2026 wieder einmal ganz im Zeichen der zukunftsweisenden Ortsentwicklung stehen. Die rechtlichen Grundlagen für die Erschließung und Bebauung der Restfläche der „Ballmatte“ sind geschaffen. Es soll dort durch einen Bauträger im größeren Umfang bezahlbarer Wohnraum entstehen. Das Bebauungsplanverfahren für das Gewerbegebiet „Wittum“ wird zum Abschluss kommen, sodass mit der baulichen Erschließung des Areals noch im Jahr 2026 begonnen werden kann. Die beteiligten Unternehmer stehen bereits „in den Startlöchern“. Des Weiteren werden wir unter Einsatz der Infrastrukturmittel des Bundes in die Sanierung von gemeindeeigener Gebäudesubstanz, die Straßensanierung, die Fahrzeugbeschaffung für den Bauhof sowie in die Winterdienst-Infrastruktur investieren. Der Breitbandausbau in den Außenbereichen wird voraussichtlich starten und wir werden mit den Anliegern in den Seitentälern Holdersbach und Waldhäuser den Ausbau der Kanalisation erörtern.
Aufgaben vs. Ausgaben: Welche zusätzlichen Aufgaben hat Ihre Gemeinde in den vergangenen Jahren freiwillig übernommen? Und bei welchen würden Sie heute zögern oder sie nicht mehr übernehmen?
Die Entscheidung, ob die Gemeinde zusätzliche freiwillige Aufgaben übernimmt, liegt leider schon lange nicht mehr in deren eigenem Ermessen. Die Frage ist vielmehr, wie wir es schaffen, alle Pflichtaufgaben, deren Anzahl stetig wächst, zu bewältigen.
Das komplette Interview und weitere Bilder finden Sie in der Print-Ausgabe der Schwarzwälder-Post.
Bürgermeister Carsten Erhardt:
„Wer mit 16 wählen darf, muss auch mit 16 als volljährig gelten“
Ehrenamt unter Druck: Wo spüren Sie in Ihrer Gemeinde aktuell, dass es schwieriger wird, Menschen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen? Und wie versucht die Kommune, dieses Engagement zu unterstützen?
Das Ehrenamt ist das Rückgrat unseres Gemeindelebens, steht aber auch in Nordrach zunehmend unter Druck. Berufliche Belastungen, familiäre Verpflichtungen und eine geringere zeitliche Flexibilität erschweren das Engagement. Insbesondere sehen wir auch, dass bei Kindern und Jugendlichen die geänderten Schulformen nur wenig Zeit für das Vereinsleben lassen. Die Kinder, die in jungen Jahren die Vorzüge eines Vereins nicht kennen lernen durften, fehlen dann als Erwachsene in den Vereinen. Als Kommune unterstützen wir das Ehrenamt durch finanzielle Zuschüsse, die Bereitstellung von Räumen, Fortbildungsangebote und Wertschätzung. Zudem weisen wir Neubürger auf die vielfältige Vereinslandschaft in Nordrach hin.
Welche Themen werden Ihre Gemeinde im Jahr 2026 besonders beschäftigen oder herausfordern – und warum?
Im Jahr 2026 werden uns vor allem die Themen finanzielle Handlungsfähigkeit, Infrastrukturunterhaltung und die Sicherung der Daseinsvorsorge beschäftigen. Steigende Kosten bei gleichzeitig stagnierenden Einnahmen stellen insbesondere kleine Gemeinden wie Nordrach vor große Herausforderungen. Hinzu kommen der Erhalt unserer Straßen, Gebäude und der Wasserversorgung mit Abwasserentsorgung sowie Fragen der Energieversorgung und des Klimaschutzes. Auch der demografische Wandel und die Sicherung einer wohnortnahen Betreuung und sowie bezahlbarer Wohnraum bleiben zentrale Aufgaben.
Aufgaben vs. Ausgaben: Welche zusätzlichen Aufgaben hat Ihre Gemeinde in den vergangenen Jahren freiwillig übernommen? Und bei welchen würden Sie heute zögern oder sie nicht mehr übernehmen?
Nordrach hat in den vergangenen Jahren bewusst freiwillige Aufgaben übernommen, etwa im Bereich der Kinderbetreuung, der Landwirtschaftsförderung, im ÖPNV, der Vereinsförderung und des Tourismus. Diese Bereiche sind wichtig für Lebensqualität und Zusammenhalt. Angesichts der angespannten Haushaltslage würden wir heute jedoch bei neuen freiwilligen Leistungen sehr genau prüfen, ob sie dauerhaft finanzierbar sind. Insbesondere Projekte mit hohen Folgekosten müssten kritisch hinterfragt werden, um die Pflichtaufgaben der Gemeinde nicht zu gefährden.
Das komplette Interview und weitere Bilder finden Sie in der Print-Ausgabe der Schwarzwälder-Post.
Bürgermeister Jonas Breig:
„Wer sich aufs Notwendigste beschränkt, wird zur Schlafgemeinde“
Ehrenamt unter Druck: Wo spüren Sie in Ihrer Gemeinde aktuell, dass es schwieriger wird, Menschen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen? Und wie versucht die Kommune, dieses Engagement zu unterstützen?
In Biberach wären viele Angebote ohne ehrenamtliches Engagement nicht denkbar. Zweimal jährlich laden wir die Vereinsvorstände zum Austausch über aktuelle Themen der Vereinsarbeit ein, zuletzt auch zu Wertschätzung, neuen Organisationsformen und einer besseren Aufgabenverteilung. Gemeinsam mit dem Sprecher der Vereine begleiten wir Umstrukturierungen in den Vorständen. Besonders gefreut hat mich die Neugründung von biberstark e.V. Wir haben diese Vereinsgründung aktiv unterstützt. Zur Stärkung des Ehrenamts gibt es eine feste Ansprechpartnerin in der Verwaltung. Zudem stellen wir Räume kostenlos zur Verfügung und schaffen mit verschiedenen Formaten Möglichkeiten zur Präsentation und für Einnahmen.
Welche Themen werden Ihre Gemeinde im Jahr 2026 besonders beschäftigen oder herausfordern – und warum?
Die Haushaltsberatungen waren herausfordernd, aber konstruktiv. Ein zentrales Thema 2026 ist das Förderprogramm „MOGENA“. Biberach wurde als Modellgemeinde ausgewählt. Ziel ist es, die Entwicklung insbesondere im Ortskern zu stärken. Davon profitieren auch private Eigentümer. Im Ortskern beschäftigen uns zwei Objekte: Für eine neue Arztpraxis im ehemaligen Gasthaus Kreuz laufen Gespräche, beim Gebäude Hauptstraße 21 stehen wir mit Investoren und engagierten Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt. Ab dem Schuljahr 2026/27 gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für den ersten Grundschuljahrgang. In Biberach bauen wir dafür bewährte Strukturen aus. Herausfordernd bleiben die wenigen Schließtage in den Ferien. Auch der Katastrophenschutz wird weiter gestärkt, ebenso beschäftigt uns die Zukunft kirchlicher Grundstücke.
Aufgaben vs. Ausgaben: Welche zusätzlichen Aufgaben hat Ihre Gemeinde in den vergangenen Jahren freiwillig übernommen? Und bei welchen würden Sie heute zögern oder sie nicht mehr übernehmen?
Würde sich eine Kommune nur auf das Notwendigste beschränken, würde sie zur reinen „Schlafgemeinde“. Gerade im ländlichen Raum braucht es zusätzliche Angebote, um die Lebensqualität zu erhalten. Deshalb unterstützen wir aktiv die ärztliche Versorgung vor Ort und gestalten mit dem Erwerb des Gebäudes Hauptstraße 21 die Entwicklung in zentraler Lage mit. Das Waldterrassenbad ist dabei nicht nur ein Freizeitangebot, sondern auch ein sozialer Treffpunkt. Ebenso unverzichtbar ist die Unterstützung der Vereine, die das Gemeinschaftsleben prägen und Versorgungslücken schließen. Diese freiwilligen Aufgaben zeigen, warum kommunale Selbstverwaltung wichtig ist – auch bei knappen finanziellen Spielräumen.
Das komplette Interview und weitere Bilder finden Sie in der Print-Ausgabe der Schwarzwälder-Post.
Bürgermeister Günter Pfundstein:
„Wir müssen uns unserer Pflichten wieder bewusster werden“
Ehrenamt unter Druck: Wo spüren Sie in Ihrer Gemeinde aktuell, dass es schwieriger wird, Menschen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen? Und wie versucht die Kommune, dieses Engagement zu unterstützen?
Für viele Vereine wird es tatsächlich immer schwerer, Ehrenamtliche für bestimmte Funktionen zu gewinnen. Sowohl die Besetzung der Vorstände als auch die Begeisterung für Trainer- und Übungsleiterposten wird zusehends eine Herausforderung.
Im Rahmen unseres Silvesterempfangs machen wir die Verdienste im Ehrenamt immer wieder sichtbar. Die nahezu 100 Vereine und Verbände erhalten bei uns jedes Jahr eine finanzielle und materielle Unterstützung, wie sie bei vergleichbarer Größe nur selten anzutreffen ist. Wir hoffen natürlich, dass uns das auch in Zukunft – angesichts der angespannten Kommunalfinanzen – weiterhin möglich sein wird. Durch die zahlreichen Veranstaltungen bieten sich gute Gelegenheiten, die Vereinskassen aufzubessern, indem sich beispielsweise ein Bewirtungsteam einbringen kann. Eine funktionierende Vereinsgemeinschaft, die sich unter anderen durch gegenseitige Besuche bei Turnieren, Konzerten unterstützt, trägt viel zum Gelingen unseres Ehrenamtes bei. Wertschätzung ist das Wort, das in diesem Zusammenhang nicht oft genug erwähnt werden kann.
Welche Themen werden Ihre Gemeinde im Jahr 2026 besonders beschäftigen oder herausfordern – und warum?
Der Neubau eines Kindergartens, die Sanierung des Feuerwehrgebäudes, der Breitbandausbau, die Flüchtlingsunterbringung, der Klimaschutz, die Wärmeplanung, die Sanierungsmaßnahmen, Hochwasserschutz, die Erschließung des Bahnhofs-Areals sowie die Wiederbelebung des Keramik-Areals, ein Verkehrs- und Mobilitätskonzept, die Wasser- und Abwasserversorgung mit einem Generalentwässerungsplan, die Vorbereitung zur Erschließung von Wohnbauflächen, die Landtagswahl und mehr sorgen dafür, dass es uns an Aufgaben vor Ort nicht mangelt. Es fällt mir schwer, ein bestimmtes Thema hervorzuheben. Ich befürchte, dass dieses Jahr wieder schnell vorübergeht und noch Aufgaben übrig sein werden. Wichtig sind motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Lust darauf haben, mit Ihrer Arbeit unsere Stadt jedes Jahr ein bisschen besser zu machen. Und das haben wir.
Aufgaben vs. Ausgaben: Welche zusätzlichen Aufgaben hat Ihre Gemeinde in den vergangenen Jahren freiwillig übernommen? Und bei welchen würden Sie heute zögern oder sie nicht mehr übernehmen?
Im Rahmen der Haushaltsplanung stellen wir jedes Jahr fest, dass freiwillige Aufgaben so gut wie nicht mehr vorhanden sind. Mir fällt – mit Ausnahme der uns wichtigen Unterstützung des Ehrenamtes – jedenfalls nichts ein, auf das wir unbedingt verzichten können und verzichten sollten. Bei den vielen Aufgaben, die uns der Gesetzgeber zur Erledigung überträgt, haben wir in aller Regel keinen Entscheidungsspielraum.
Das komplette Interview und weitere Bilder finden Sie in der Print-Ausgabe der Schwarzwälder-Post.




