Parallelität der Ereignisse: Die Katastrophen von 1919 und 1991
Das katastrophale Hochwasser vom 21./22. Dezember 1991 (4. Adventswochenende) ist noch vielen Harmersbachern in Erinnerung. Damals kam einiges zusammen: gefrorener Boden, Schnee auf die Höhen, einsetzendes Tauwetter und 24 Stunden Dauerregen – ein verheerender Mix für die folgende Katastrophe.
Es war nicht das erste Mal – und wird möglicherweise auch nicht das letzte Mal gewesen sein.
Pfarrer Johann Busse, der von 1911 bis 1927 in der St. Gallus Pfarrei Oberharmersbach als Seelsorger wirkte, führte in jenen Jahren, oft akribisch, Tagebuch. Er notierte nicht nur peinlich genau Herkunft, Lebensweise und „Heldentod“ der im Ersten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten, er widmete sich auch den „sittlichen Verfehlungen“ (nur) der Jungfrauen, gab Auskunft über Ernteergebnisse, schilderte die schwierige Versorgungslage in den Kriegsjahren und die Not der „einfachen Menschen“ wegen der größer werdenden Inflation. Nicht minder interessant sind Auswirkungen der Wettererscheinungen, oft verbunden mit Missernten. Und er erwähnte auch die verheerende Hochwasserkatastrophe am 23./24. Dezember (Dienstag/Mittwoch-Heiligabend 1919) – mit ganz ähnlichen „Voraussetzungen“…
Pfarrer Johann Busse notierte: „Der sonst so zahme und viel Nutzen bringende Harmersbach hat am 23. u. 24. Dez. gewaltigen Schaden angerichtet. Im hinteren Teil des Tales lag hoher Schnee. Nun wurde es außergewöhnlich warm u. es regnete sehr stark. Der Bach schwoll sehr rasch und sehr hoch an u. wurde furchtbar reißend.
Er hat vor Wickersbach die Straßenböschung beschädigt, hat die Straße schwer geschädigt an der Hub zwischen Wilh. Damm u. Wilh. Schöpf u. an anderen Punkten, hat die Straße überschwemmt von der Matte des Lukasbauern bis zum Metzger Fridolin Lehmann, hat Gartenmauern an der Mühle d. Mathäus Kornmayer bis zum Dorf vielfach geschädigt u. die guten Gartenerde mitgenommen, hat namentlich auch an der Talmatte des Pfarrgutes schweren Schaden angerichtet, auch beim Lunzenbauern und auch i.d. Gemarkung Unterharmersbach, wo ein Haus halber zum Opfer fiel u. an der Strecke unterhalb Zell bis zur Mündung.
Ungemein groß war der Schaden, v.d. Kinzig u. in Offenburg und unterhalb Offenburg Dammbruch – in den Gemeinden u. Gemarkungen Weier, Gries-Heim, Bühl, Kehl etc, anrichtete. In der Nacht v. 23.- 24. Dez. war die Feuerwehr ausgerückt, um d. Ärgste zu verhüten.“
Es ist nicht überliefert, wie hoch der Schaden (finanziell) war, mit der einsetzenden Inflation wäre ein Vergleich kaum möglich gewesen. Ob Hilfe bzw. Unterstützung von auswärts kam, darf bezweifelt werden, zumal die Talgemeinden mit sich selbst beschäftigt waren, schwere Maschinen fehlten und im ersten Nachkriegsjahr – mit Verlaub – jeder sehen musste, wo er bleibt…




