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Oberharmersbach | 27.01.2017

44-jähriges Bärenzunft-Jubiläum in Oberharmersbach:

Schleppen und Gestank gehören dazu

Foto:
Foto: Inka Kleinke Bialy
von Inka Kleinke-Bialy

Hoch her gehen wird’s am 28. und 29. Januar in Oberharmersbach, wenn die dortige Bärenzunft ihr 44-jähriges Jubiläum feiert. Dass man es als Hästräger im wahrsten Sinne des Wortes schwer haben kann, weiß Zunftmeister Lothar Killig.

»Wegen dem zweitägigen Fest hatten wir in letzter Zeit fast jeden Tag eine Sitzung«, verrät Lothar Killig, »meine Frau hat schon gemeint, dass ich vier Hände und zwei Köpfe bräuchte.«
Vor 11 Jahren – beim 33sten also – hat er schon einmal die Vorbereitungen auf ein großes Jubiläum mitgemacht. Als Häsvogt allerdings. Und der kommt sofort zum Vorschein, als sich ein Schindelmocher fürs Foto zu ihm gesellt. Den knöpft sich der 49-Jährige im wahrsten Sinne des Wortes vor. Denn: Die Jacke ist nicht richtig geschlossen.

Diesen Makel zu beheben, ist kein einfaches Unterfangen ob der Schindeln, mit denen die Jacke besetzt ist. Starr und unnachgiebig sorgen sie dafür, dass das Kleidungsstück unterhalb des Hästrägerhalses klafft. Lothar Killig geht in die Knie und verdreht und verbiegt sich, um die schwer zugänglichen oberen Verschlüsse der Jacke nicht nur zu fassen zu bekommen, sondern diese auch dazu zu bringen, ihrer Funktion nachzukommen.

Von einem Schindelmacher aus Gutach stammen die mit einer Lasur gegen Witterungseinflüsse geschützten Holzbesätze, denn in Oberharmersbach selbst wird dieses uralte Handwerk schon längst nicht mehr ausgeübt. Der Vater des Häs-Erfinders Reinhold Schwarz hingegen hatte diese Kunst noch beherrscht.

Als »letzter Schindelmocher« gewann Schwarz dereinst einen Preismaskenball. Mit einer selbstgeschnitzten Maske und mit einer Jacke, deren dichter Schindelbesatz den Schutz vor Wind und Wetter symbolisierte. Die flickenbesetzte Hose und die unbequemen Holzschuhe belegten, dass man es in diesem Berufsstand ganz gewiss nicht zu Reichtum brachte. Der von Hand mit bunten Blumen bestickte Kragen verwies auf das Nahen des Frühlings, während das Geklapper der Schindeln den Winter vertreiben sollte.

1993 war das. Wobei des Schindelmacher-Sohnes Auftritt einen derartigen Eindruck hinterließ, dass die damals bereits seit 20 Jahren bestehende Bärenzunft dieses Häs als zweites in ihre närrischen Reihen aufnahm. Ein Jahr später bereicherte es die Fasend in bereits 15-facher Ausfertigung.

Zig Kilo am Körper

Wahrlich wackere Gestalten sind es, die dieses Häs tragen. Denn die Jacke wiegt stramme zehn bis zwölf Kilo. »Wenn man die bei einer Hallenveranstaltung auszieht und über den Stuhl hängt, dann kippt der um«, weiß der Zunftmeister aus Erfahrung und lacht: »An der Garderobe kann man sie auch nicht abgeben, weil sonst der Haken krumm wird.«

Was durchaus erheiternd klingt, birgt ein veritables Problem: »Immer mehr Hästräger sind wegen des Gewichts nicht mehr bereit, als Schindelmocher zu laufen«, bedauert Lothar Killig, »weil sie Probleme mit dem Rücken kriegen.«

Der Zunftmeister weiß, wovon er spricht – hat er doch selbst einmal als »Schindelmocher« in der Zunft angefangen, bevor er nur drei Jahre später in den Vorstand gewählt worden war. »Wegen dem Häsgewicht wechseln immer mehr zurück zum Bärenhäs, oder sie laufen als Steinteufel rum«, erzählt er. Der Bär, das Jubiläumshäs, habe es am einfachsten, meint der Mann, der im
»ernsten« Leben als Industriemechaniker agiert.

Als Wegbegleiter des Heiligen Gallus, dem Schutzpatron des ehemaligen Reichstales Harmersbach, tauchte das Tier schon vor Jahrhunderten in den Siegeln des damaligen Zwölferrates auf und ziert auch heute noch das Gemeindewappen. Das braune Fellkostüm ist gut zu tragen, als obligatorischer Krachmacher dient ein »Datscher« in Form einer Schaufel.

Die zuvor genannten Steinteufel stellen die jüngste Figur der Oberharmersbacher Narrenzunft dar. 2010 als private Fasendgemeinschaft gegründet, wurden sie im letzten Jahr offiziell von den Oberharmersbacher Bären und Schindelmochern aufgenommen, die dem Verband der Oberrheinischen Narrenzunft angehören.

Wie sich’s gehört: Der Teufel stinkt.

Der Steinteufel geht zurück auf eine Sage, die im Zuwald, »ganz im Hintertal von Oberharmersbach« entstanden ist, berichtet Lothar Killig. Dort gibt es einen Sandstein, in den eine Teufelsfigur gemeißelt ist. Zwei Freimaurer waren hier einmal am Holzschlagen, so heißt es, als der eine sagte: »Wenn ich hier drei mal den Teufel rufe, dann erscheint dieser.« Gesagt getan – woraufhin sich Beelzebub höchst selbst tatsächlich zeigte.

Die zum Häs gehörige Maske schnitzt – wie die der Bären auch – der Nordracher Holz- und Keramikkünstler Berthold Eble. Mit dem aus echtem Ziegenfell bestehenden Kostüm allerdings ist es so eine Sache. Zum einen ist das Rohmaterial schwer zu beschaffen. Zum anderen riecht es ziemlich stark – wie sich’s für einen richtigen Teufel gehört »Bis der Geruch verflogen ist, dauert es zwei oder drei Jahre«, schmunzelt Killig, »die Steinteufel sind diesbezüglich nicht zu beneiden.« Dennoch gibt es inzwischen 25 dieser Gestalten, »das ist eine ganze Menge«, freut sich das Oberharmersbacher Oberhaupt von insgesamt 213 aktiven Hästrägern.

Offiziell getauft wurde der Steinteufel heuer am 14. Januar, beim Aufstellen des Narrenbaums. Anschließend gab es ein Hästrägertreffen in der Reichstalhalle – als Auftaktveranstaltung eines Jubiläums, dessen Programm am 28. und 29. Januar sich unter www.baerenzunft-oberharmersbach.com einsehen lässt.

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