Bei der hoch emotionalen Verabschiedung des DJK-Langzeit-Vorstands und frisch ernannten Ehrenvorsitzenden blieb niemand ungerührt. Zudem wurden weitere Mitglieder geehrt und / oder aus Ämtern verabschiedet.
„Das habe ich so noch nie erlebt“, wird Claudia Jörder vom Vorstand des DJK-Diözesanverbandes Freiburg gegen Ende der Mitgliederversammlung gestehen – tief berührt von der Art, wie Horst Lehmann vom Verein verabschiedet wurde, nach insgesamt 27 Jahren Vorstandsarbeit. Die vergangenen 15 Jahre hatte er das Vorsitzteam geprägt, gemeinsam mit Brigitte Lehmann und Jürgen Fritsch, sportlich wie menschlich hoch engagiert.
Seine lange, sorgfältig vorbereitete Abschiedsrede sprach Bände, hier ein Auszug: „Fast die Hälfte meines Lebens habe ich mit sehr viel Herzblut, Leidenschaft und Engagement die Geschicke unseres Vereins mitgeprägt und mitgestaltet, gemeinsam mit einem klasse Vorstandsteam um mich herum. Vieles hat einfach so funktioniert, weil wir es gemeinsam so wollten und immer am selben Strick gezogen haben.
Meine persönliche Motivation war stets ungebremst, doch mein Ansporn am Ende war immer der Mensch als solches und die Menschlichkeit. Für mich war es immer eine Bereicherung, wenn Kinder, Jugendliche, Erwachsene – auch Senioren – den Weg zu uns in den Verein und im Sport ihr Glück und ihre Zufriedenheit fanden. Sport verbindet (…), ist Motivation und Geselligkeit.
Nun aber ist für mich eine andere Zeit angebrochen. Meine jahrelange Erkrankung hat dieses Frühjahr leider ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden, so dass ich quasi über Nacht den Vorsitz niederlegen musste. Das ist für mich insofern traurig und bitter, als ich den Verein gerne noch ins 50. Vereinsjubiläum im Juni 2029 geführt hätte.
Noch mehr Traurigkeit kommt in mir hoch, dass ich zumindest aktuell überhaupt keinen Sport mehr ausüben kann (…), das trifft mich ins Mark, habe ich doch bis 2019 noch exzessiv Sport betrieben. Sport war mein Leben und meine Leidenschaft, und gerade im Sport habe ich viele Menschen kennen- und mögen gelernt.“ Er sprach völlig gefasst. Doch fast jeder im Raum hatte mit den Tränen zu kämpfen, insbesondere die Vorstandskollegen, so wie schon bei den Dankes-, Ehrungs- und Verabschiedungsreden zuvor.
Doch Horst Lehmann schaffte es, die Stimmung seiner Zuhörer ins Positive zu lenken – indem er eine Vielzahl von Höhepunkten in Bezug auf Vereinsentwicklung und -ereignisse Revue passieren ließ, seiner Freude darüber und seinem Dank Ausdruck verlieh: „Meine Güte, was haben wir nicht alles erlebt.“ Dass die DJK Oberharmersbach auch über die Ortsgrenzen hinaus bekannt und sehr beliebt ist, sei für ihn fast der wichtigste Punkt, betonte er.
Menschlichkeit, Gesellschaft
Besonders hob er Jürgen Fritsch hervor, „der all die Jahre an meiner Seite stand, den ich 1999 schon in mein Jugendteam holte und der jeden Weg mit mir gegangen ist.“ Für die Zukunft als Vorstand wünschte er ihm Zuversicht und alles Gute. „Ich bin mir sicher, dass du mit Brigitte den Verein zielgerichtet, auch umsichtig weiterführst. Du hast `ne tolle Mannschaft hinter dir, die dich unterstützt, wo es eben notwendig ist.“
Auch alle Mitglieder rief er zur Unterstützung auf: „So entsteht Menschlichkeit und Gesellschaft, Toleranz und Verständnis, die Grundlagen jedes angenehmen Schaffens. Dann wird die DJK auch in Zukunft ein wichtiger Anker für die Bevölkerung im ganzen Harmersbachtal sein.“ In seinen Ruf „Auf die DJK ein dreifach Ping-Pong!“ stimmte die Versammlung lauthals ein, nun mit dem einen oder anderen Lächeln.
Brigitte Lehmann meinte in ihrer Verabschiedung des Mannes, der seit seinem 10. Lebensjahr Mitglied im DJK ist: „Er war nie „nur“ Mitglied – er war Herz, Motor und Gesicht der DJK“, mit einer beeindruckenden persönlichen Identifikation mit dem Verein. „Er hatte immer Ideen, die uns weitergebracht haben“, sagte sie mit Blick auf neue Sportangebote wie beispielsweise Badminton und Indoor-Cycling. Unzählige Stunden seiner Freizeit habe er investiert, oft über Jahre hinweg mehrere Abende pro Woche – als Sportler, Trainer, Organisator, Ansprechpartner.
DJK-Medaille, Ehrenvorstand, Silbermünze
Als Jugendleiter hatte er den Jugendvorstand neu aufgestellt, bis zu 15 zusätzliche Veranstaltungen im Jahr organisiert und mit der Einführung einer eigenen Jugendordnung die Jugendarbeit nachhaltig gestärkt. Als Verwaltungsvorstand dann führte er den Verein wirtschaftlich in eine stabile, moderne Zukunft, unter seiner Verantwortung wuchs die Mitgliederzahl von 450 auf circa 670.
„Horst war immer professionell, verlässlich, teamorieniert – und gleichzeitig jemand, der mit seiner agilen, motivierenden Art alle mitgerissen hat“, führte sie aus. „Vieles, was wir heute als selbstverständlich erleben, trägt deine Handschrift“, wandte sie sich an den scheidenden Vorstand: „Du hast Generationen begleitet, ihnen Vereinswerte vermittelt und uns alle immer wieder motiviert und zusammengeführt.“
Sie übergab einen Wellnessgutschein mit der Botschaft: „Du hast so viel gegeben – nun darfst du dich selbst verwöhnen.“ Ein liebevoll gestaltetes Fotobuch enthielt auf 180 Seiten „die wertvollsten Momente aus deiner DJK-Geschichte.“ Und mit der Ernennung zum Ehrenvorstand dankte der Verein „für alles, was du für die DJK warst und immer bleiben wirst.“
Bürgermeister Richard Weith verlieh Horst Lehmann die Silbermünze der Gemeinde, als Dank für seine großen Verdienste: „Die DJK hat mittlerweile ein sportliches Angebot, das seinesgleichen sucht, mit einer Strahlkraft und Attraktivität auch über Oberharmersbach hinaus.“ Überdies habe Horst Lehmann es hervorragend verstanden, seine Verantwortung als Vereinsfunktionär sowie seine Vorbildfunktion
als Sport-Enthusiast in einer Person zu vereinen.
Und hiermit nun zurück zur eingangs erwähnten Claudia Jörges. Für „herausragende, langjährige Verdienste um die Ziele und Aufgaben der DJK Sportgemeinschaft Oberharmersbach e.V.“ überreichte die DJK-Verbandsvertreterin Horst Lehmann die nur selten verliehene, weil höchste DJK-Ehrenauszeichnung: das Carl-Mosterts-Relief.
Zudem nahm sie drei weitere Verbandsehrungen vor: Fabian Isenmann, Sandra Rothmann und Markus Wehrle erhielten das DJK-Ehrenzeichen in Bronze für langjährige Vorstandstätigkeit. Der Ortsverein wiederum ehrte Thomas Schwarz für 40 Jahre Mitgliedschaft, seit 25 Jahren treu dabei sind Gerda Furtwengler, Tabea Maier und Alina Kälble. Letztere erhielt für 25 Jahre Tischtennisspielen zudem vom Süddeutschen Tischtennisverband die STTV-Spielernadel in Bronze.





