Auch im 15. Jahr seines Bestehens sind die Dienste des Sozialen Netzwerks Oberharmersbach derart gesucht, dass nicht allen Anfragen nachgekommen werden kann.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Foto: Inka Kleinke-Bialy
„Unser Verein ist mittlerweile ein anerkannter Bestandteil der Gemeinde für die qualifizierte Versorgung und Betreuung von älteren Menschen, womit wir der Gesellschaft wertvolle Dienste erweisen“, betonte Vorsitzende Cornelia Lehmann und unterstrich, „der Einsatz unserer ehrenamtlichen Helfer ist qualitativ hochwertig.“ Zu hören war dies bei der Mitgliederversammlung des Sozialen Netzwerks. Diese fand am vergangenen Dienstagabend im Stubensaal des Hotel Bären statt, unter den rund 30 Teilnehmenden befand sich Ehrenbürger Otmar Ritter.
Einsatzleiterin Anna Rombach gab einen Überblick über das von dem 153-Mitglieder-Verein im Jahr 2025 Geleistete. 7897 Stunden waren es und damit geringfügig weniger als im Vorjahr. Davon wurden 81 Prozent in der häuslichen Betreuung und durch Begleitdienste erbracht – mit 63 Prozent zum größten Teil in Oberharmersbach, weitere 26 Prozent entfielen auf Zell.
Die übrigen der insgesamt geleisteten Stunden verteilten sich mit sieben Prozent auf die Betreuungsgruppe, die weiteren Prozentanteile entfielen auf Verwaltung, Fortbildungen, Helferschulungen und Spielenachmittag.
„100 Klienten nahmen unsere Hilfe in Anspruch“, berichtete Anna Rombach, „64 Frauen und 36 Männer.“ Circa 90 Prozent der Leistungen konnten als Entlastungsleistungen respektive Verhinderungspflege direkt mit der Pflegekasse abgerechnet werden. Die Einsatzleiterin freute sich, dass die Zahl der HelferInnen von 41 im Jahr 2024 auf „aktuell Gott sei Dank 48“ gestiegen ist.
Dennoch werden dringend weitere helfende Hände und auch FahrerInnen benötigt, sowohl aus Oberharmersbach als auch sehr gerne aus dem Raum Zell und Umgebung. Denn weil es aus gesundheitlichen Gründen immer mal wieder Ausfälle gibt oder jemand pausiert, „muss ich immer mal wieder Klientenanfragen absagen oder sie auf die Warteliste setzen“, bedauerte Anna Rombach.
Sie bedankte sich bei den FahrerInnen wie auch HelferInnen, „dass alles so unbürokratisch klappt“, in größtenteils direkter Abwicklung mit den Klienten, „insgesamt sind wir ein sehr gut aufgestelltes Team.“
Den Zeiteinsatz wie auch die Zeiteinteilung kann jeder selbst bestimmen. Die meisten HelferInnen haben ihren regelmäßigen wöchentlichen Einsatz im Haushalt beziehungsweise in der Betreuung. Manche sind an mehreren Einsatzorten tätig. „Wir zahlen eine gute ehrenamtliche Aufwandsentschädigung“, betonte die Einsatzleiterin.
Ein Hit: Der gemeinsame Mittagstisch
Das Projekt „Gemeinsamer Mittagstisch“, im November 2024 vom Sozialen Netzwerk als Initiative gegen Einsamkeit im Alter gestartet, findet alle zwei Monate statt und „ist ein voller Erfolg – je nach Kapazität der Gaststätte können wir immer zwischen 60 und 90 Personen begrüßen.“ Für alle sei es stets ein toller Tag, so Anna Rombach, „mit leckerem Essen und guten Gesprächen, manchmal bis in die Abendstunden.“
Für den nächsten Termin auf dem Brandenkopf, am Donnerstag, 28. Mai um 12 Uhr, können noch Anmeldungen entgegen genommen werden. Falls benötigt, werden Fahrgelegenheiten angeboten. Weitere Termine sind für Juli, September und November geplant, stets am letzten Donnerstag des jeweiligen Monats. Die genauen Termine und der Name der jeweils veranstaltenden Gaststätte werden im Amtsblatt veröffentlicht.
Mit der Berggaststätte Brandenkopf „haben wir nun alle Gaststätten berücksichtigt, die ihr Interesse an diesem Mittagstisch gezeigt hatten“. Sollten weitere Gaststätten an diesem Angebot interessiert sein, dürfen sie sich gerne bei dem Verein melden. „Zur Vermeidung von Überschneidungen werden die Termine stets mit dem Forum Älterwerden abgesprochen“, hob Anna Rombach hervor. Erfreulich sei, dass zunehmend neue Gäste aus den umliegenden Gemeinden am Mittagstisch teilnehmen.
Dringender Appell: Hilfe!
„Wir brauchen dringend Unterstützung in der Betreuung, beziehungsweise für hauswirtschaftliche Tätigkeiten und Begleitdienste zum Arzt oder Einkauf respektive Fahrdienste“, macht die Einsatzleiterin eindringlich deutlich. Sie wendet sich mit ihrem Aufruf an all jene, die gerne mit Menschen umgehen und „noch ein bisschen Zeit übrig“ haben. „Schon mit vier bis zehn Stunden im Monat wäre uns viel geholfen. Gerne natürlich auch mehr.“
Über neue Mitglieder würde der Verein sich ebenfalls freuen. Finanziell unterstützen kann man den Verein auch durch eine Mitgliedschaft – diese verpflichtet zu nichts, also auch nicht zu Einsätzen.
Montägliche Betreuungsgruppe
Die Betreuungsgruppe mit ihrem abwechslungsreichen Programm fand im vergangenen Jahr 46 Mal im Foyer der Reichstalhalle statt, jeden Montagnachmittag von 14 bis 17 Uhr. Im Schnitt nahmen sechs bis sieben Personen teil, betreut von einer Fachkraft und einer He lferin. Auf Wunsch wurden die TeilnehmerInnen von zu Hause abgeholt und zurückgebracht.
Der Förderung der kognitiven Fähigkeiten dienten Gedächtnistraining, themengezogene Rätsel und biografische Gespräche, Gedichte und Geschichten von früher, Wörtersuche und –zusammensetzungen, Rechen-
übungen und vieles mehr. Zu Erhalt und Förderung der körperlichen Beweglichkeit angeboten wurden beispielsweise Sitzgymnastik und –tänze, Übungen zur Feinmotorik, Fingerbeweglichkeit, Ballspiele, Übungen mit der Faszienrolle und mit Gymnastikbällen.
Hinzu kamen themenbezogene Angebote wie Basteln nach Jahreszeiten, das Feiern von Fastnacht, Ostern und Advent, sowie Ausflüge in ein Café oder einen Park zum Spaziergang. „Wir haben auch gebacken und eine Kürbissuppe gekocht, das war richtig lustig“, berichtete die Fachkraft Mona Pfend.
Für 20 bis 30 teilnehmende HelferInnen fanden zwei Schulungen á jeweils vier Fortbildungsstunden statt. Die Themen: Neuerungen im Pflegegesetz, gesetzliche und private Betreuung, He rzinfarkt, Umgang mit herausforderndem Verhalten bei SeniorInnen, Schlaganfall und Infektionsschutz. Die Möglichkeit zu kollegialem Austausch wurde besonders gut angenommen.
Die Montagsgruppe dient zum einen der Entlastung von Angehörigen und kann durch die Krankenkassen finanziert werden. Zum anderen will die Gruppe für ältere Menschen einen Raum schaffen, um sozialer Isolation entgegenzuwirken.
Spielenachmittag, Handarbeitskreis
Der Spielenachmittag fand im Jahr 2025 elf Mal mit durchschnittlich 15 Besuchern statt, von 14 bis 17 Uhr, mit großem Spieleangebot Kaffee und Kuchen sowie angeregten Unterhaltungen. Elisabeth Huber betonte: „Wir freuen uns immer wieder über neue Gesichter, es gibt keine Altersgrenze.“ Zur Deckung der Unkosten wird stets eine Spendenkasse aufgestellt.
Der Handarbeitskreis unter der Leitung von Anja Weith traf sich ausnahmslos einmal monatlich, dienstags von 14 bis 17 Uhr. Die Gemeinde spendete Kaffee und Kaltgetränke, Kuchen wurden jeweils von teilnehmenden Frauen mitgebracht. Die gesellig-freudige Strick- und Häkelrunde bestand im Durchschnitt aus zehn bis zwölf Frauen im Alter von 30 bis 90 Jahren aus Gengenbach, Nordrach, Oberharmersbach und Zell.
„In der Regel haben wir an eigenen Projekten gearbeitet“, berichtete Anja Weith. Handarbeitszeitschriften wurden zur Auslage mitgebracht, Wollspenden ausgelegt und verteilt. Ein Highlight war erneut der Seniorentag im Oktober, an dem viele schöne Handarbeiten auf Spendenbasis abgegeben wurden, der Erlös kam dem sozialen Netzwerk zugute.
Viele Termine
In ihrem Rückblick berichtete Vorsitzende Cornelia Lehmann neben Vorstandssitzungen und „jeder Menge Dienst- und sonstiger Besprechungen“ von unter anderem folgenden Terminen: Teilnahme an zwei Infotagen inklusive Mitgliederversammlung der Nachbarschaftshilfe auf der Insel Reichenau sowie an einem Austauschtreffen der Nachbarschaftshilfen im Landratsamt Offenburg. An der Bürgerversammlung in der Reichstalhalle nahm der Verein mit einem Infostand teil, an der örtlichen Leistungsschau war das Büro geöffnet. Ein Rot-Kreuz-Kurs und interne Fachkraft-Fortbildungen fanden statt.
Zudem waren HelferInnen und Klienten zweimal bei „Frohe Herzen“, eine vom Europa-Park ausgelobte Aktion für ehrenamtlich Tätige. Hinzu kamen gesellige Veranstaltungen, darunter ein Helferausflug.
Alljährlich im April stellt der Verein für das laufende Jahr die Anträge für Fördermittel aus Landesförderung und Pflegekassen. Diese müssen in gleicher Höhe von den Kommunen co-finanziert werden. Für ihre Unterstützung bedankte sich die Vorsitzende bei der Gemeinde ebenso wie bei der Stadt Zell, die für das häusliche Betreuungsangebot ein Drittel der Co-Finanzierung übernimmt.
Verabschiedungen, großer Dank
Auch für die gänzlich unverzichtbaren Spendeneingänge jeder Größenordnung dankte Cornelia Lehmann, dankte überdies den Vorstandsmitgliedern und natürlich den HelferInnen/ FahrerInnen des Vereins: „Das ist immer eine tolle Leistung, die sie erbringen.“ Immer wieder kämen die von ihnen betreuten Menschen auf den Verein zu und signalisierten: „Ja was wäre denn, wenn es Euch nicht gäbe?“, hob die Vorsitzende hervor. Nicht weniger dankbar zeigen sich die Familien, die dem Sozialen Netzwerk ihr Vertrauen schenken.
Nachdem die Vorsitzende den umfangreichen Bericht des Steuerberaters für das Geschäftsjahr 2025 vorgestellt hatte, erfolgte die Entlastung des Gesamtvorstands inklusive der Kassenbuchführerin Anneliese Stehle (80) einstimmig.
Letztere gab ihr Amt, das sie seit Gründung des Vereins anno 2011 innehatte, aus persönlichen Gründen ab und wurde mit großem Dank ebenso verabschiedet wie Angelika Bohn. Die Helferin war seit 2012 für das Soziale Netzwerk tätig und will sich nun anderen Zielen widmen. Als neue Kassiererin wurde Melanie Müller gewählt, zunächst bis zu den nächsten Hauptwahlen und damit für ein Jahr.
Zum Schluss verwies Cornelia Lehmann auf einen vom Landratsamt Ortenaukreis ausgeschriebenen Pflegepreis. Vor-geschlagen werden können Privatpersonen und Vereine. Weitere Infos siehe www.compass-pflegeberatung.de/pflegecompass.





