Gemeinsam wurde der offizielle Baubeginn für ein neues Vereinshaus begangen. Das alte Vereinsheim sowie der gesamte Standort sind aufgrund eines Erdrutsches nicht mehr nutzbar.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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Foto: Verein
„Der Vorstand hat sich – mit dem klaren Rückhalt der Mitglieder – entschieden, nicht nur zu reparieren, sondern zukunftsfähig zu bauen“, legte Christian Heizmann am vergangenen Mittwochabend in seinem Grußwort zum Spatenstich für ein neues Imkerhaus dar. Als zweiter Vorsitzender des Imkervereins Biberach, Prinzbach und Unterentersbach hatte er zuvor rund 30 Menschen begrüßt, die sich im Heuduft einer vor Kurzem gemähten Wiese unterhalb der B33 eingefunden hatten – zwischen Biberach und Prinzbach, in der Nähe des Kinzigstegs auf der einen Seite und dem Steinbruch, bei dem die Firma Swietelsky einen Standort betreibt, auf der anderen Seite.
„Für uns ist das ein ganz besonderer Moment“, betonte Christian Heizmann, denn der Verlust des alten Vereinsheims stellt einen großen Einschnitt im Vereinsleben dar. Nachdem ein Erdrutsch Anfang Juni 2024 das alte Vereinsheim aus dem Fundament gehoben hatte, sind Dach und Statik derart beschädigt, dass das Gebäude nicht mehr gefahrlos nutzbar ist. In der Folge musste der Standort aus Sicherheitsgründen ganz aufgegeben werden. Dort besteht weiterhin akute Gefahr durch Steinschlag und Erdrutsch. Eine dauerhafte Sanierung mit Hangsicherung wäre wirtschaftlich nicht tragbar.
Neubau mit klaren Zielen
Für den Verein waren die Ereignisse ein Anstoß, neu zu denken. Von Beginn an standen dabei einige Grundsätze im Vordergrund: Das neue Gebäude soll so klein wie möglich, aber so groß wie nötig sein. Es soll ökologisch, nachhaltig und funktional gebaut werden. Und es soll ein Ort für Ausbildung, Nachwuchsarbeit und Gemeinschaft sein – an einem zukunftsfähigen Standort mit guter Anbindung.
Letztere ist zum einen – zu Fuß oder per Fahrrad – von der Biberacher Seite aus durch den Kinzigsteg gegeben. Zum anderen bietet sich auch von der Prinzbacher Seite aus eine gute Erreichbarkeit. Überdies handelt es sich bei dem Baugrundstück um eine Fläche, „die von der Gemeinde nicht für etwas anderes hätte genutzt werden können“, wie der zweite Vorsitzende erläuterte. Aufgrund der Lage im Hochwasserbereich muss das künftige Vereinsheim hochgeständert werden.
Viel Unterstützung erfahren
„Dass wir hier stehen können“, fuhr er fort, „ist das Ergebnis vieler Gespräche, Sitzungen, Planungen, Berechnungen – und ja, auch einiger schlafloser Nächte.“ Und weil sich ein solches Projekt nicht von einer Person allein stemmen lässt, nutzte der zweite Vorsitzende die Gelegenheit, „um Danke zu sagen“.
Dies galt erstens für Gemeinde und Gemeinderat. Sie haben das Projekt von Anfang an konstruktiv begleitet und lösungsorientiert unterstützt, sowohl durch „sehr gute Vorschläge zur Standortwahl“ und schließlich die Verpachtung des Grundstücks als auch durch die Beteiligung am Kofinanzierungsanteil, der notwendig ist für die LEADER-Förderung. Dies alles stets mit einem offenen Ohr seitens des Bürgermeisters und obendrein auf dem kurzen Dienstweg.
Ein zweites großes Dankeschön ging an die Gasversorger Badenova und Terranet. „Unser Projekt liegt in einem sensiblen Bereich“, erklärte Christian Heizmann, „unter anderem, weil wir hier bestehende Gasleitungen kreuzen.“ Dass das Bauvorhaben in enger Abstimmung, mit viel Vertrauen und partnerschaftlicher Zusammenarbeit dennoch ermöglicht worden sei, zeige, wie gut ein Miteinander vor Ort funktionieren könne.
„Bienehiesli, kein Einfamilienhaus“
Ein besonderer Dank richtete sich an die LEADER-Geschäftsstelle Mittlerer Schwarzwald, vertreten durch Henry Heller und Julia Kiefer. Letztere war eine große Hilfe bei der Bewältigung des bürokratischen Aufwands in puncto Förderantrag.
Die LEADER-Förderung – ein Förderinstrument der Europäischen Union zur Stärkung und Weiterentwicklung der ländlichen Räume – machte das Projekt überhaupt erst möglich. „Sie zeigt eindrucksvoll, wie wichtig der ländliche Raum ist“, so der zweite Vorsitzende des Imkervereins, „und wie Ehrenamt, Naturschutz und regionale Entwicklung erfolgreich zusammenspielen können.“
Besonders hervor hob er zudem die Unterstützung durch Nikolas Knäble von der Swietelsky Baugesellschaft mbH, Michael Schilli von der Firma M-Handwerk (Elektroinstallationen) sowie Karl Ringwald von der Firma Ringwald (Architekt und Zimmerei). Letztere habe die Imker über die gesamte Planungsphase hinweg begleitet, was bei dem engen Budget nicht einfach gewesen sei, berichtete Christian Heizmann und zitierte zur Erheiterung aller einen in Diskussionen immer wieder gefallenen Satz: „Des git ä Bienehiesli un kein Einfamilienhuus. Des bruche mr alles nidd. Do könne mr no ä bissle sparen.“
Kein klassisches Vereinsheim
Aktuell zählt der Imkerverein 38 engagierte Mitglieder. Der zweite Vorsitzende hob hervor: „Gemeinsam betreuen wir 557 Bienenvölker, leisten aktive Nachwuchsarbeit, sind präsent auf Märkten und Veranstaltungen und tragen ganz konkret zum Erhalt der Artenvielfalt bei.“ Das neue Imkerhaus werde kein Vereinsheim im klassischen Sinne, sondern eine Arbeitsstätte ebenso wie ein Lernort sowie ein Symbol für Nachhaltigkeit.
Ein Projekt wie dieses lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, unterstrich er. Daher dankte er dem gesamten Vorstand für die intensive und engagierte Arbeit der letzten Monate ebenso wie den Mitgliedern, die tatkräftiges Mitanpacken zugesagt haben. Denn: Ein großer Teil des Gebäudes wird in Eigenleistung entstehen. Zudem werden für das Bauprojekt Baumaterialien des beschädigten alten Vereinsheims teilweise recycelt. „Ich denke, gemeinsam werden wir das Ganze gut gewuppt bekommen“, schloss der Vereinsmann.
Kaum hatte er geendet, stürmte Philipp Smithson – ebenfalls Vereinsimker und außerdem Gemeinderat – auf Christian Heizmann zu. Auch diesem gebühre ein großes Dankeschön, betonte er im Namen aller Vereinsmitglieder – ob des Löwenanteils an Zeit, den Christian Heizmann bislang bereits persönlich in das Projekt investiert habe. „Das kann man nicht mit Gold aufwiegen.“
Geschätzte 28 Millionen Bienen
Dieser Würdigung schloss sich der Schiltacher LEADER-Geschäftsführer Henry Heller ausdrücklich an. Gleichzeitig verdeutlichte er den unverzichtbaren Beitrag, den die Imkerei für die Umwelt leistet: „Bienen sind von zentraler Bedeutung für die Bestäubung zahlreicher Nutz- und Wildpflanzen und damit für die Sicherung der biologischen Vielfalt sowie unserer Nahrungsgrundlagen.“
Somit trage die Arbeit der Imkerinnen und Imker wesentlich zum Erhalt dieser ökologischen Balance bei. Eine Arbeit, die nicht unbedingt einfacher werde, wenn man an die Varroamilbe und – ganz aktuell – an die eingeschleppte Asiatische Hornisse denke.
Rechne man die Zahl der vom örtlichen Imkerverein betreuten Bienenvölker statistisch hoch, so handele es sich um rund 28 Millionen Bienen – „so viele Einwohner hat Australien oder Nepal oder Venezuela“, brachte Henry Heller seine Zuhörer zum Lachen.
Spendenbedarf trotz Förderung
Ernst führte er dann weiter aus: Mit dem neuen, sicheren und funktionalen Vereinsheim werde eine wichtige Struktur geschaffen, um Wissen weiterzugeben, Nachwuchs zu fördern und die Bevölkerung für die Bedeutung der Bienen zu sensibilisieren. Fördergegenstand ist ein Vereinsheim in ökologischer Holzbauweise mit Werkstatt, Lager, Schleuderraum und barrierefreier Toilette. Der Außenbereich wird eine barrierefreie, überdachte Fläche für 16 Bienenvölker umfassen.
Von LEADER unterstützt wird das Projekt im Rahmen des 4. Projektaufrufs mit der Auswahlentscheidung am 8. Juli 2025. Es stärkt das ehrenamtliche Engagement in der Region und leistet einen wertvollen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz.
Das Auswahlgremium des Vereins „Regionalentwicklung Mittlerer Schwarzwald“ hat bei seiner Entscheidung folgende Punkte besonders gewichtet: den Beitrag zu den Querschnittszielen „Klimaschutz und Klimafolgenanpassung“ sowie „Barrierefreiheit und Chancengleichheit“ und die Bürger- und Akteursbeteiligung bei Planung, Umsetzung und Betrieb.
Die zuwendungsfähigen Nettokosten belaufen sich auf rund 54.200 Euro. Bei einem vorgeschriebenen Kofinanzierungsanteil seitens der Kommune Biberach von rund 11.100 Euro ergibt sich bei einem Fördersatz von 60 Prozent der Nettokosten ein LEADER-Zuschuss von rund 16.700 Euro. „Die überbringen wir heute in eloquenter Form sowie in Form einer Urkunde – und später in barer Münze auf das Konto des Projektträgers“, gratulierte Henry Heller mit einem Schmunzeln.
Letzterer weist nachdrücklich darauf hin: Um das Projekt zu realisieren, ist der Verein trotz Förderung und Gemeindezuschuss auf Spenden angewiesen. Ein Spendenkonto wurde bei der Sparkasse eingerichtet.
Zukunftsraum „ländlicher Raum“
Bürgermeister Jonas Breig schließlich ging in seinem Grußwort besonders auf das Stichwort „ländlicher Raum“ ein: Dieser stehe vor großen Herausforderungen im Strukturwandel. „Er ist ein sehr sensibler Bereich, aber ich sage immer: Er ist auch Gestaltungs- und Zukunftsraum.“ Was ihn besonders auszeichne, sei das Engagement der hier lebenden Bürgerinnen und Bürger sowie die regionale Verbundenheit und „die kurzen Wege, die wir miteinander haben“. Eben das habe das Projekt „Neues Imkerhaus“ so schnell vorangebracht.
Auch der Rathauschef dankte Christian Heizmann für dessen enormes Engagement: „Mit was für einer Ruhe und mit wie viel Herz!“ Viel Erfolg, Schaffenskraft und Tatkraft wünschte Jonas Breig dem Verein beim Bau des neuen Vereinsheims. „Lasst den Mann jetzt nicht hängen“, mahnte er mit einem Augenzwinkern, „klemmt euch dahinter – ich freue mich darauf, wenn es fertig ist.“
→ Mehr Details zum Spendenaufruf „Neues Imkerhaus für den Imkerverein Biberach Prinzbach Unterentersbach“ unter www.betterplace.org/de/projects/174550 .





