Allerbeste Stimmung bei bestem Laufwetter und bis ins Detail durchdachter Organisation. Speerwurfmeisterin Christina Obergföll gab den Startschuss.
„Das ist wahrscheinlich ein Teilnehmerrekord“, mutmaßte Mitorganisator Willi Kohler bei seiner Begrüßung am Mikrofon auf der Bühne, kurz vorm Start des Zeller Schutzengellaufs. Und damit sollte er Recht behalten: Zu den rund 1300 LäuferInnen, die sich im Vorfeld online angemeldet hatten – so viele wie noch nie -, waren so viele Kurzentschlossene hinzugekommen, dass sich die Gesamtzahl auf 1573 belief.
Der bisherige Rekord lag bei 1305 TeilnehmerInnen anno 2024, im vergangenen Jahr waren es 1223. „Dass wir solche Unterstützung erfahren, freut uns riesig“, sprach Willi Kohler im Namen der Mukoviszidose Selbsthilfe Ortenau. Dieser Verein hatte das Event mit der Unterstützung des Turnvereins Unterharmersbach zum achten Mal ausgerichtet. Hätte die Pandemie nicht dazwischengefunkt, hätte die Veranstaltung heuer ihr zehnjähriges Jubiläum feiern können.
Helfen. Forschen. Heilen.
Mukoviszidose ist eine angeborene, nicht heilbare Stoffwechselerkrankung: Ein Gendefekt führt dazu, dass alle Körpersekrete extrem zähflüssig sind. Dies betrifft vor allem die Lunge und die Bauchspeicheldrüse, wo der Schleim lebenswichtige Organe verstopft und zu schweren Infektionen sowie Verdauungsstörungen führt.
Noch ist Mukoviszidose nicht heilbar. Daher hat sich der Verein dem Ziel „Helfen. Forschen. Heilen.“ verschrieben, groß prangte es auf einer Fahne bei der Bühne am Rathausplatz. Denn zur Umsetzung ist Geld erforderlich. das die Selbsthilfe unter anderem mit Spendenläufen generiert.
Recht behalten sollte auch Bürgermeister Günter Pfundstein, dem Willi Kohler das Mikrofon weitergab. „Wir brauchen heute keinen Schirm“, nutzte der Schirmherr der Veranstaltung die Steilvorlage zum Wortspiel. Und tatsächlich herrschte die folgenden beiden Stunden bestes Laufwetter, nicht zu warm und nicht zu kalt, ab und an tief dunkel drohenden Wolken und einigen wenigen, nur ganz kurz fallenden Tropfen zum Trotz.
Der Menschenmenge, die sich vor dem Rathaus und die Hauptstraße hinauf gesammelte hatte, wünschte er viel Spaß, den sie dann auch sichtlich und in der ganzen Ortsmitte hör- und spürbar haben sollte. Vorab eingestimmt worden waren sie von den „Dal Dänzer“, gefolgt von einem sportlichen Aufwärmen mit Sonja Paulus-Eyder. Für schwungvolle Musik sorgten drei DJ´s am Rathaus, bei der Metzgerei Damm und am Rundofen. Und dann gab es da noch die „Blue Bloosers“, die mitliefen und mit ihren Blasinstrumenten für Zusatz-Stimmung sorgten.
Gas geben für den guten Zweck
Doch zunächst noch einmal zurück zur Bühne. „Alle laufen nur so schnell, wie sie können oder wollen“, betonte Bürgermeister Günter Pfundstein und befand: „Hinterher wird man glücklich sein und sich freuen, dass man heute dabei war.“ Das weiß er aus erster Hand, da er selbst regelmäßig mitläuft. Eine große Ehre war es ihm, das Mikrofon Christina Obergföll zu reichen. Die ehemalige deutsche Speerwerferin ist mehrfache Weltmeisterin und Olympiamedaillengewinnern, in der Ortenau geboren und lebt hier noch immer.
„Ich finde es großartig, dass Ihr hier alle heute Gas gebt für den guten Zweck“, rief sie der Menge zu, mit der Startschusspistole in der Hand. Selbst an den Start gehen konnte die Ausnahmesportlerin aus Termingründen nicht, „aber nächstes Jahr, wenn ich kann, bin ich dabei und lauf´ mit, ich sag´s Euch, dann schieße ich nicht nur mit der Pistole.“
Bevor sie den Abzug betätigte, erfolgte noch eine Mahnung: „Passt auf Euch auf und gebt auf die anderen acht, wir haben heute auch viele sehr junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei.“ Zudem sprach Pfarrer Uli Henze, der gemeinsam mit Andreas Kühnpast den Lauf moderierte, den Segen. Sobald er diesen mit einem die Menge erheiternden „Und-jetzt-zack!“ beendet und Christina Obergföll den Countdown heruntergezählt hatte, knallte es.
Erstmals Urkunden
Und los ging´s. Ganz gleich, ob sportlich ambitioniert oder im Spaziergang oder irgendwo dazwischen. Ob mit Nordic-Walking-Stöcken in den Händen oder Kind auf den Schultern, im Tragetuch vor der Brust oder im Kinderwagen, ob auf zwei Beinen – auch mit Hilfe eines Rollators – oder im Rollstuhl.
Die 1,5 Kilometer lange Strecke führte zum Kreisel, am Storchenturm vorbei und ein Stück die Hauptstraße hinauf. Vom „Kneissler“ aus ging´s dann Richtung Villa Haiss und am Rundofen vorbei. Für jede absolvierte Runde erhielt man hier von HelferInnen ein Gummiband für´s Handgelenk, bevor es zurück zum Rathaus ging.
Zwischen 14 und 16 Uhr hatte man Zeit, so viele Runden zu laufen wie man wollte. Nicht alle TeilnehmerInnen nutzten die volle Zeit, und doch war auf der Strecke durchgängig viel los. Dürsten oder hungern musste unterwegs niemand. Auch dafür sorgten die unzähligen Helfer, schon von Weitem gut sichtbar in strahlend blaue T-Shirts gekleidet: An drei Verpflegungsständen gab es Wasser (in Mehrwegbechern) sowie Bananen, Äpfel oder Energieriegel in handlichen Stücken und somit auch im Vorbeirennen gut greifbar – oder von bereitstehenden Helfern gereicht.
Ebenfalls beste Organisation herrschte auf dem Kanzleiplatz. An Ständen erfolgte hier die Anmeldung der TeilnehmerInnen, und hierhin kehrten die LäuferInnen zurück, um die gesammelten Gummibändchen abzugeben, in Gesamtkilometer umrechnen zu lassen und (erstmals!) eine Urkunde entgegen zu nehmen. Am Ende des Laufs herrschte hier ein Hochbetrieb, der von mindestens 15 gleichzeitig hantierenden Helferinnen gemeistert wurde. Pro Runde kann ein Betrag nach eigenem Ermessen gespendet werden.
Bei strahlendem Sonnenschein und Musik konnte man es sich dann auf Bänken und an Stehtischen gemütlich machen, was im wahrsten Sinne des Wortes lebhaft genutzt wurde. Der Sportkegelclub Unterharmersbach, die Freiwillige Feuerwehr, die Selbsthilfegruppe Mukoviszidose und `s Biereckle sorgten für Speis´ und Trank.
Das Ergebnis
Nach dem derzeitigen Stand wurden insgesamt 18.321 Kilometer von den teilnehmenden EinzelläuferInnen, Gruppen, Vereinen und Firmen absolviert, was 12.214 Runden entspricht. „Wie viele Spenden wir bekommen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen“, so Mitorganisatorin Silke Bildstein.
Das sind die Spitzenreiter
Firmen:
– AAM Metaldyne:
86 Teilnehmende / 814,5 km
– Prototyp Walter:
67 Teilnehmende / 865,5 km
– Fischer group aus Achern:
38 Teilnehmende/ 654 km
Gruppen:
– Club 82/ Lebenshilfe:
93 Teilnehmende/ 1.860 km
– FV Unterharmersbach:
75 Teilnehmende/ 538,5 km (neu dabei)
– BlackFit:
31 Teilnehmende/ 402 km (neu dabei)
Spitze waren auch die Schulen:
– SBBZ:
30 Teilnehmende
– Grundschule Unterharmersbach: 43 Teilnehmende
– berufliche Schulen Wolfach:
37 Teilnehmende
– Fritz -Ullmann-Grundschule Fischerbach:
52 Teilnehmende (neu dabei)
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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