THW-Frühjahrsbrunch erlebte großen Zuspruch. Neben vielen Worten des Dankes gab es nicht weniger eindringliche Mahnungen.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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Foto: Inka Kleinke-Bialy„Der heutige Brunch ist bereits der zweite seiner Art, wir sind also auf dem besten Weg der Tradition“, meinte Hans Jörg Sorychta, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW) in Biberach, in seiner Eröffnungsansprache. „Und wie beim THW üblich, gilt: Nach dem ersten Versuch wird optimiert“, fuhr er fort, „ich bin gespannt, ob wir heute schon Serienreife erreichen.“
Unter den am vergangenen Sonntag mindestens 130 Anwesenden begrüßte er eine lange Liste von Personen und Organisationen namentlich – darunter Bürgermeister der umliegenden Gemeinden sowie eine große Zahl hochrangiger örtlicher und regionaler Vertreter der Feuerwehren, des THW, des Deutschen Roten Kreuzes, der Polizei.
Hans Jörg Sorychta betonte den Stellenwert der Gemeinschaft, des Miteinander innerhalb des THW. „Wir sind mehr als Einsatzkräfte“, unterstrich er: „Wir sind ein Team, wir sind verlässlich füreinander da, und wir tragen gemeinsam Verantwortung – für unsere Mitmenschen und für unsere Region.“ Und dies in einer Zeit, die alles andere als ruhig sei.
Der nun schon lange andauernde Krieg in der Ukraine hat auch für den Ortsverband weitreichende Folgen. Mehrfach bereits war er konkret eingebunden, insbesondere im Bereich von Hilfsgütertransporten. Der Ortsbeauftragte hob hervor: „Diese Einsätze haben uns nicht nur logistisch gefordert, sondern gezeigt, wie wichtig unsere Arbeit inzwischen auch im internationalen Kontext geworden ist.“
Auch die beunruhigenden Entwicklungen im Nahen Osten bedeuten für den THW-Ortsverband direkte Auswirkungen. Die gestiegenen Energiepreise insbesondere der Kraftstoffe verteuern jeden Einsatz, jede Übung, jede Fahrt. Gleichzeitig steigen die Werkstattkosten – Ersatzteile, Wartungen und Reparaturen belasten das Budget zunehmend.
„Das betrifft unsere Einsatzfähigkeit“, mahnte Hans Jörg Sorychta, „und genau hier wird deutlich: Ehrenamt braucht verlässliche Rahmenbedingungen.“ Ob der gestiegenen Anforderungen sei das THW in den letzten Jahren dankenswerterweise in punkto Fahrzeuge und Ausstattung mit moderner Technik ausgerüstet worden. Die aber brauche Platz, Struktur. Weil aber die Liegenschaften nicht mitgewachsen seine, bemängelte er, „stoßen wir immer häufiger an Grenzen, was Unterbringung, Lagerung und Arbeitsmöglichkeiten betrifft.“
Rahmenbedingungen anpassen!
Eine dringend notwendige Entlastung sei an bürokratischen Hindernissen gescheitert. Daher appellierte er an die Verantwortlichen auf übergeordneter Ebene, künftig praktikable Lösungen zu ermöglichen, bestehende Hürden zu überdenken. Wer Einsatzbereitschaft erwarte, müsse die passenden Rahmenbedingungen schaffen.
„Wir leisten hier in Biberach einen wichtigen Beitrag zum Bevölkerungsschutz“, so der Ortsbeauftragte, „wir stehen bereit – bei Hochwasser, Sturmschäden, technischen Hilfeleistungen. Wir tun das freiwillig, unentgeltlich und mit großem Engagement.“ Dies aber brauche Unterstützung in Form funktionierender Ausstattung, einsatzbereiten Fahrzeugen sowie finanziellen Mitteln, die der Realität gerecht werden. Auch die Zuweisung von Sachmitteln müsse mit der Realität Schritt halten.
Gleichzeitig betonte er: „Trotz aller Herausforderungen leisten wir hier vor Ort Großartiges.“ Dazu gehören die enge Zusammenarbeit und der Austausch innerhalb der Blaulichtfamilie in Biberach sowie gemeinsame Aktionen. Denn wenn es darauf ankomme, „müssen wir uns aufeinander verlassen können – ohne lange Abstimmungen, ohne Reibungsverluste. Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, THW – wir ziehen gemeinsam an einem Strang“, und das funktioniere in Biberach vorbildlich.
Ebenso wertvoll sei die enge und verlässliche Zusammenarbeit mit den anderen Ortsverbänden im Regionalbereich Freiburg. Hans Jörg Sorychta: „Gerade bei größeren Lagen zeigt sich, wie wichtig abgestimmtes Handeln, gegenseitige Unterstützung und ein gemeinsames Verständnis von Einsatz ist.“ In diesem Zusammenhang galt sein besonderer Dank auch der Feuerwehr Zell sowie der Führungsgruppe Kinzigtal.
Aber auch die kleinen Einsätze im nicht klassischen Sinne seien unglaublich wichtig, wie bei der Betreuung des Alten-Cafés oder bei der Begleitung und Absicherung des St.Martin-Umzugs. Genau hier liege eine der großen Stärken des Ehrenamts: Nähe zu den Menschen. Solche THW-Einsätze zeigten: „Wir sind Teil der Gemeinschaft – nicht nur wenn es brennt oder Katastrophen passieren, sondern auch im Alltag.“
Ehrenamt als THW-Rückgrat
Bei allem dürfe eines nicht vergessen werden, so der Ortsbeauftragte: „Für uns alle ist das hier ein Hobby, kein Beruf. Wir stehen im Alltag in unseren Jobs, in der Familie, in der Ausbildung. Und trotzdem nehmen wir uns die Zeit – für Übungen, für Einsätze, für Ausbildungen und für Veranstaltungen wie diese.“
Das bedeute, dass Freizeit geopfert, Termine verschoben werden. Dass man auch mal müde sei und trotzdem komme. weil man wisse: „Es zählt. Es wird gebraucht.“ Dafür bedankte sich Hans Jörg Sorychta sehr herzlich bei allen HelferInnen: „Sie investieren Ihre Freizeit, Ihre Energie und oft auch ein Stück Ihres Privatlebens – für andere, für die Gemeinschaft, für unsere Sicherheit.“ Desgleichen galt sein Dank den Familien, den THW-Partnern und Unterstützern.
Auch in den folgenden Grußworten kam der mehrfache Dank der Redner für das Engagement der HelferInnen des THW sowie der gesamten Blaulichtfamilie zum Ausdruck – als auch der Wunsch, dass sie von jedem ihrer Einsätze gesund und wohlbehalten zurückkommen mögen. Große Anerkennung auch fand der große und würdige Rahmen, in dem dieses Engagement anlässlich des Frühjahrsbrunchs gezeigt wurde.
Yannick Bury sagt Abhilfe zu
Yannick Bury (CDU), Mitglied des Bundestages aus dem Wahlkreis Emmendingen-Lahr, überbrachte Grüße von Alexander Dobrindt und Alex Throm als Landesvorsitzende der Helfervereinigung. Er betonte die Einzigartigkeit des THW: „Das findet man in der Art nur in Deutschland, dass es eine Katastrophen- und Zivilschutzorganisation gibt des Bundes, die aber getragen wird durch ehrenamtliches Engagement.“ Das führe dazu, dass schon alleine die diesbezügliche Helferzahl in Deutschland größer sei als im europäischen Ausland.
Weil klimabedingte Großschadens- sprich Katastrophenereignisse zunähmen und auch der Zivilschutz – die ursprüngliche Kernzuständigkeit des THW – eine neue, in Teilen beunruhigende Aktualität bekommen habe, seien die Herausforderungen, denen das THW gegenüberstehe, gewachsen. „Deshalb haben wir über die vergangenen eineinhalb Jahre – und das setzen wir jetzt auch fort – für das THW höhere Mittel als je zuvor bereitgestellt.“
Die Bereitstellung alleine reiche jedoch nicht aus, griff er Hans Jörg Sorychtas zuvor geäußerte Kritik dankend auf, sondern die Mittel müssten auch vor Ort ankommen. An der Umsetzung werde gearbeitet, versicherte er und gestand: „Manche Dinge müssen noch schneller werden.“
Überdies merkte er an, dass eine Rechtsverschärfung auf den Weg gebracht worden sei um gegen BürgerInnen vorzugehen, die Einsätze der Blaulichtfamilie behindern oder stören, „das hat mittlerweise einen erschreckenden Zug angenommen.“
Frieden ist nicht selbstverständlich
Staatssekretär Volker Schebesta, Mitglied des Landtags, nahm besonderen Bezug auf die Anforderungen, „die durch das, was in der Friedenssicherung notwendig ist“, andere geworden seien. Angesichts des Krieges in der Ukraine und damit auf europäischem Boden, mit dem ein Staat die Grenze zum anderen Staat gewaltsam verschieben will, „müssen wir uns als Gesellschaft widerstandsfähig zeigen“, betonte er.
Nehme man das nicht ernst, „wird unsere Freiheit angegriffen und in Frage gestellt.“ Dazu gehöre eine entsprechende Gestaltung des Zivilschutzes, „damit wir im Falle der Fälle gerichtet sind, und zwar damit es nicht zum Fall der Fälle kommt.“ Zu lange habe sich unsere Gesellschaft nach hinten gelehnt und ausgeruht in der Annahme, dass es selbstverständlich sei, dass Frieden in Europa besteht. „Selbstverständlich ist da gar nichts“, mahnte Volker Schebesta, „wir kriegen es leider vor Augen geführt.“
Die Bevölkerung sensibilisieren
Biberachs Bürgermeister Jonas Breig legte den Schwerpunkt seiner Äußerungen auf die Zusammenarbeit in der Blaulichtfamilie, die ihm besonders am Herzen liege. Vor Ort werde ein sehr guter Austausch untereinander gepflegt durch quartalsweise Treffen an den unterschiedlichsten Standorten und Liegenschaften.
Das Ziel liege darin, sich kennenzulernen, reinzuhören: „Was gibt es Neues, wo drückt der Schuh, wie kann man sich unterstützen, wie lief der letzte Einsatz, wo kann man nachschärfen, was kann man verbessern?“ Gerade auch während der Corona-Zeit habe sich das bewährt. „Ich bin sehr stolz darauf, dass wir hier in Biberach an einem Strang ziehen und uns sogar gemeinsam nach außen präsentieren“, unterstrich der Rathauschef.
Zum Thema Bevölkerungs- und Katastrophenschutz brachte er die kommunale Perspektive ein. Es sei richtig, vor Ort zu versuchen, resilienter und souveräner zu werden. Dazu gehöre der Mut, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz ernst zu nehmen und beispielsweise die Stabsdienstordnung (SDO) anzugehen. (Anm. d. Red.: Diese definiert Aufbau, Aufgaben, Befugnisse und Abläufe, um Einheiten wie die der Blaulichtfamilie effizient zu führen.) Eine solche ist für Biberach erstellt und verabschiedet worden.
Zudem habe man Feuerwehr, Rathaus, Bauhof, Wasserversorgung und Schmutzwasserbeseitigung mit Notstrom ausgestattet. „Noch sind wir nicht am Ziel“, so Jonas Breig. Und: Auch die Bevölkerung müsse mit ins Boot geholt werden, vor Ort brauche es die Eigenverantwortung der BürgerInnen. Hierbei sei es wichtig zu sensibilisieren: „Was gehört denn dazu – was müssen auch die Bürgerinnen und Bürger leisten können und wie sollen sie gerüstet sein?“
Nach dem offiziellen Veranstaltungsteil lockte ein reichhaltiges Buffet, für musikalische Unterhaltung sorgte das Saxophon-Ensemble des Musikvereins Biberach.





