Helmut Dold präsentierte seinen zweiten Kolumnen-Band. Auch der Erlös dieser Verkäufe wird einem guten Zweck dienen.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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„Das ist Wahnsinn, was Ihr heute Abend gelacht habt“, wird sich Helmut Dold alias „de Hämme“ über sein Publikum am Ende einer denkbar ungewöhnlichen Buchvorstellung freuen. Groß war seine Freude bereits zu Beginn des Donnerstagabend-Events im Bürgersaal: „Ich fühle mich jetzt richtig geehrt, dass Sie so zahlreich gekommen sind.“
Schon für die ersten Lachsalven gesorgt hatte des Hämmes launige, stimmgewaltig-übersprudelnde Begrüßung unter anderem von Bürgermeister Jonas Breig sowie weiterer Ehrengäste. Und für all jene, die „schon immer wissen wollten, wie die Frau vom Hämme eigentlich aussieht“, stellte selbiger schließlich seine Frau Diana Dold vor. Noch saß diese scheinbar ungerührt am Büchertisch, während der Herr Gemahl den geneigten ZuhörerInnen erzählte, wie es zu dem Buch „De Hämme meint“ überhaupt gekommen ist.
Es handelt sich um das zweite seiner Art. Denn: Seit vielen Jahren schreibt der ausgebildete Lahrer Trompeter und weitläufig vernetzte Conférencier, Entertainer, Witze- und Mundartfan eine Samstagskolumne. Nun aufgelegt worden ist die zweite Hundertschaft – allerdings ohne dass sich Helmut Dold an diesen Büchern eine goldene Nase verdienen würde. Im Gegenteil: Er verdient nichts daran, gar nichts, spendet alles für einen guten Zweck.
„Aus dem Leben“
Beim ersten Band waren es stolze 28 000 Euro, die an die Aktion „Leser helfen“ von der Mittelbadischen Presse gingen und an den Verein „Hilfe gegen sexualisierte Gewalt“ weitergeleitet wurden. Der Erlös des aktuellen Bandes wird einem Verein zu Gute kommen, der sich für behinderte Menschen einsetzt.
Wovon aber handeln sie, diese Kolumnen? „Es sind Beobachtungen aus dem Leben“, setzt der Autor den entspannt-gespannten Saal in Kenntnis. Beobachtungen, in denen er sich selbst oder „die Frau Dold“ oder andere auf die Schippe nimmt, mit mal mehr oder weniger erhobenem Zeigefinger – frei nach dem Motto: „Und die Moral von der Geschicht´.“
Für die aktuell im Werden befindliche Kolumnen-Hundertschaft „geh´ ich jetzt immer Kaffeetrinken mit tollen Menschen“, erzählt der Menschenfreund, über das Besprochene schreibt er dann gewohnt humorig reflektierend. Zum Vergnügen aller – und erst recht dem des Betroffenen – verrät er: „Mit dem Bürgermeischder vun Bibere zum Beispiel würd´ ich auch wahnsinnig gern mal Kaffeetrinken.“
Die erste Kolumne, die de Hämme aus seinem aktuellen Buch vorliest, hat er seiner Frau gewidmet. Unter dem Titel „Die Gazelle und der Elefant“ erzählt der Autor von seinem Stolz, mal wieder abgenommen zu haben, dank regelmäßigem Sport und einem wachsamen, uhrzeitbestimmten Auge auf die Zusammensetzung der Ernährung. Die einen finden das Ergebnis gut, den anderen gefällt die beleibte Hämme-Version besser.
Dementsprechend meinte eine der reduzierten Hämme-Statur Wohlgesonnene in lustiger Runde: „Wenn der Hämme mit der schlanken Frau Dold aufgetaucht ist, hieß es immer: Da kommt die schöne Gazelle mit dem Elefant.“ Woraufhin des Hämmes Freund gnadenlos konterte: „Jetzt kommt die Gazelle halt mit ihrer Wildsau.“ „Ist das nicht schön, wenn man solche Freunde hat“, wandte der so Geschmähte sich an sein Publikum. Mit einem Lachen – samt der dazugehörigen Mimik -, dem man sich kaum entziehen konnte.
Auch zum Nachdenken geeignet
Die unterschiedlichsten Themen behandelten die zum Besten gegebenen Texte. Da ging es beispielsweise um eine Ode ans Grüßen, um Post von Karl Lauterbach mit der Bitte sich impfen zu lassen, um menschliche Double, um Ziegel und des Hämmes grinsende Schwiegermutter und deren handwerklich völlig unbegabtes Schwiegersöhnchen, um Oma Erni, um die Herren von der Deponie, um ein Lob auf orangene Straßenmänner, um eine „Sustainabilitiy-Managerin“, aber auch um Muggedatscher und weitere Lieblingswörtle in der „Muaddersproch“ („unser Dialekt ist doch einfach super)“, sowie um südbadische Schimpfworte und deren Übersetzung ins Hochdeutsche. Aus dem überaus harmlos klingenden „Chrischdkindle“ beispielsweise würde dann ein „XXL-Soft-Weichei“ werden.
Zwischendurch klangen immer wieder nachdenkliche Zwischentöne an. Wie bei dem Kolumnentitel „ Nicht nur von außen auf etwas Schauen“. Oder wie in Bezug auf eine Kolumne zu Schwiegervater und Gesangsverein: „Unsere Gesangvereine dürfen nicht untergehen und ich bitte alle: Setzt euch zusammen, sucht nach Lösungen. Begeistert die Jugend für den Gesang, die Musik und das schöne Leben in einem Verein, denn Singen ist genauso wunderbar wie Trompeteblasen.“
Und dann war da noch die zum Schluss aus tiefstem Herzen in Mundart endende Bemerkung: „Es ist so herrlich, wenn Ihr richtig lacht – es gibt so viele Idioten, die das nicht können, man muss nur an seller Trump denge.“ Dafür, dass eine Kolumne die Mundwinkel der LeserInnen (im vorliegenden Fall der ZuhörerInnen) in endgültig zuverlässig aufwärtsstrebende Gymnastikstimmung versetzt, sorgt abschließend stets ein Witz. Was wiederum nicht von ungefähr kommt, denn de Hämme hat einige Bücher mit Witzesammlungen verfasst – nicht immer jugendfrei, dennoch nicht anstößig.
„Die kleinste badische Einheit“
Und so wurde im Biberacher Bürgersaal immer wieder gelacht und applaudiert was das Zeug hielt, auch gegrölt, mitunter in fasendähnlicher Manier, mit einem dann vielkehligen „Bumbäääh, bumbäääh“. Was zum einen am Inhalt lag, zum anderen an der inbrünstig-gekonnten Vortragsweise. Mit dem Eindruck, dass de Hämme bei seinen pointierten Vorträgen eines nicht immer nötig hat: das Atmen. Wozu auch, wenn die Leidenschaft für alles körperlich Notwendige sorgt – und eine lebenslang trainierte Trompeterlunge sowieso.
Selbige – die langjährig ausgebildete und jahrzehntelang dann selbst ausbildende Trompeterlunge – hatte den Abend mit spritzigen Blechbläsertönen eröffnet. Immer wieder trat von da an der Vollblutmusiker in Erscheinung – in Personalunion mit dem Vollblutgatten. Der ließ seine einem Gesangverein angehörende Gattin das selbst komponierte Lied „Leider spreche ich kein Badisch“ singen – gekonnt lapidar und zurückhaltend, als dramaturgischer Gegenpol zur emotionalen Urgewalt des Angetrauten. Der wiederum gab Songs wie den „Muggeseggel-Blues“ zum Besten, mitreißend hin- und hertänzelnd und fingerschnippend. Dass ein Muggeseggel die kleinste badische Einheit sei, erläuterte de Hämme den möglicherweise Unwissenden unter den Anwesenden – durchaus zur Erleichterung der Schreiberin dieser Zeilen, die den „Muggeseggel“ daraufhin für sich als den Hessischen „Piff“ übersetzte.
„Ich sag jo nix…“
„Liebe Gäste, ich wünsche Euch, dass Ihr jeden Tag sagen könnt: Mir geht´s so gut, ich brauch´ nicht mal mehr ´nen Muggeseggel“, gab Helmut Dold dem Bürgersaal als Fazit mit auf den Weg. Gemeinsam schließlich performten die Dolds den neuesten Hämme-Song „Ich sag´ jo nix, ich mein´ halt bloß.“
Am Ende des dritten Abends der derzeitigen Buchvorstellungs-Tour dankte Bürgermeister Jonas Breig mit einem Präsent im Namen der Gemeinde, de Hämme schwang – fleißig Bücher signierend – den Kugelschreiber, und im Foyer sorgten „drei wundervolle Damen“ für Speis´ und Trank.
Weitere Infos: Siehe www.de-haemme.de.





