Ortenauer Städte sind Hitze-Schlusslicht

Offenburg ist laut Deutscher Umwelthilfe im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland bundesweit am wenigsten für besonders heiße Temperaturen gerüstet – dicht gefolgt von Lahr. Das geht aus dem aktuellen „Hitze-Check“ hervor.

Sommertemperaturen, Bevölkerungs-dichte aber auch die mithilfe von Luftbildern abgeschätzte Menge an Beton und Asphalt, Zahl der schattenspendenden Bäume sowie Grünflächen – all das fließt laut Deutscher Umwelthilfe in den „Hitze-Check“ ein. Untersucht wurden alle 195 deutschen Städte, die mehr als 50.000 Einwohner haben.

Offenburg erhielt in allen drei betrachteten Kategorien – Beschirmungsgrad (rund 13 Prozent), Versiegelungstrend (plus 0,5) und Hitzebetroffenheit (rund 16,6) – die Ampelwertung rot. Hinzu kommt ein „Baumverlust“ zwischen 2018 bis 2025 von 2243. Das bescherte der größten Stadt der Ortenau den letzten Platz. Lahr schnitt marginal besser ab: Be-schirmungsgrad (rund 14 Prozent) rot, Versiegelungstrend (plus 0,8) rot und Hitzebetroffenheit (rund 15,9) immerhin gelb. Hier wurden laut Deut-scher Umwelthilfe im Betrachtungszeitraum aber sogar 2403 Bäume gefällt.

Doch was steckt eigentlich hinter den kryptischen Katego-rien? Der Beschirmungsgrad gibt laut Legende den Grad der Bedeckung des Bodens durch Vegetation an, die höher als 2,5 Meter ist. Der Versiegelungstrend soll zeigen, wie sich die versiegelte Fläche zwischen 2018 und 2025 veränderte. Der Hitzebetroffenheitsindex soll Maß dafür sein, wie stark die Bevölkerung von sommerlicher Hitze betroffen ist – und nimmt verschiedene Aspekte in den Blick. Es handelt sich alles in allem um Schätzwerte, bei denen nicht alle Faktoren berücksichtigt werden. Neu gepflanzte Bäume gehen weitgehend nicht in die Schätzung ein.
Auf das schlechte Abschneiden angesprochen, reagierte die Stadt Lahr zugeknöpft: Man wolle sich erst mit dem „Hitze-Check“ inhaltlich auseinander-setzen, bevor man sich äußere, so die Antwort auf eine Anfrage unserer Redaktion. Eine Reaktion stehe für Freitag, allerspätestens Montag in Aussicht. Weiter verwies die Stadt auf ihren „Hitzeknigge“ und weitere Informationen zum Umgang mit Sonne und Hitze auf ihrer Webseite lahr.de. Die eigene Fächer-Verteilaktion zum „Hitzeaktionstag“ am gestrigen Donnerstag blieb derweil unerwähnt.

Die Stadt Offenburg präsentierte auf Anfrage ein ganzes Maßnahmenpaket, mit dem man dem Klimawandel begegnen will. Zwar könne man aktuell zum „Hitze-Check“ keine Aussage treffen, „da uns die Ergebnisse nicht vorliegen und wir keinen Einblick in die zugrundeliegende Methodik und Datenerfassung haben“, heißt es auch aus dem Offenburger Rathaus.

Grundsätzlich gelte jedoch: Offenburg liege in einer der wärmsten Regionen Deutschlands. Dass die Stadt über-durchschnittlich von Hitze betroffen ist, sei keine Überraschung. Auch die eigene Stadtklimaanalyse zeige einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur, eine deutliche Zunahme von Sommer- und Hitzetagen sowie das inzwischen regelmäßige Auftreten von Tropennächten. Aus diesem Grund arbeite die Stadt seit 2020 systematisch an mehreren Konzepten. Dazu gehören: die Stadtklimaanalyse, ein Rahmenplan Hitze mit Vorgaben für die Bauleitplanung, Hoch-bau und Straßenbau, ein Klimaanpassungskonzept sowie ein Stadtbaumkonzept, das Potenzialflächen für neue Baumstandorte identifiziert.

Auf dem Offenburger Markt-platz etwa entsteht derzeit ein „Klimahain“. Dabei handelt es sich um ein „Leuchtturmprojekt“ mit 21 Baumpflanzungen, Entsiegelung und Wasserspiel. Zudem würden an weiteren Orten in der Innenstadt Bäume gepflanzt, so die Stadt. Hinzu kommen Trinkbrunnen in und um die Innenstadt, beschattete Sitzgelegenheiten, Sonnensegel auf Spielplätzen und die Kampagne „Coole Orte“, die neben den erwähnten „coolen Orten“ auch Tipps zum richtigen Verhalten bei Hitze gibt.

Darüber hinaus unterstützt ein Förderprogramm private Entsiegelung sowie Dach- und Fassadenbegrünung. Aktuell wird auch ein „Notfallplan Hitze“ erarbeitet, der Abläufe und Kommunikationswege bei akuten Hitzewellen festlegt.

Spitzenreiter Kiel

Der Gesamt-Spitzenreiter Kiel ist laut Umwelthilfe mit einem Beschirmungsgrad von rund 32 Prozent deutlich besser aufgestellt als Lahr oder Offenburg. Pflanzen und Grünflächen sorgen neben Schatten auch für Verdunstungskühle. Das unterscheidet sie von versiegelten Flächen, die Hitze speichern und später wieder abgeben.

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