Nach einem Minus im Jahr 2024 hat das Seniorenzentrum 2025 einen deutlichen Überschuss erwirtschaftet. Bei der Mitgliederversammlung standen zudem die geplante Zusammenlegung mit St. Raphael und die Gründung eines Fördervereins im Mittelpunkt.
Foto: Inka Kleine-Bialy
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„Ziel unserer ehrenamtlichen Vorstandsarbeit im Seniorenzentrum St. Gallus war es, die Qualität der Versorgung, die wirtschaftliche Stabilität und die Weiterentwicklung unserer Angebote für ältere und pflegebedürftige Menschen sicherzustellen“, fasste Pfarrer Bonaventura Gerner als Vorsitzender des eingetragenen Vereins zusammen.
Dieser hatte am vergangenen Mittwochabend zu einer Mitgliederversammlung eingeladen, mit einem Rückblick auf die Jahre 2023 bis 2025. Daran nahmen auch Bürgermeister Günther Pfundstein sowie die jeweiligen Bürgermeister-Stellvertreter von Biberach und Haslach, Sigrid Armbruster und Joachim Prinzbach, teil.
Dass die Belegungszahlen in der stationären Pflege im Jahr 2025 nochmals gesteigert werden konnten, hob der Vorsitzende hervor. „Als wichtiger Teil unseres Versorgungsauftrages“ habe sich überdies die Kurzzeitpflege bestätigt – „als bedeutender Baustein zur Entlastung pflegender Angehöriger sowie zur Überbrückung akuter Versorgungssituationen.“ Wesentlich mit dazu gehöre der – extern über die letzten drei Jahre hinweg sehr gut bewertete – ambulante Dienst „Route 66“. Angesichts hoher stationärer Pflegekosten leiste er einen entscheidenden Beitrag dazu, dass hilfsbedürftige Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben können, so der Vorsitzende.
Wie ein Angebot wieder in die schwarzen Zahlen fand
Das „Essen auf Rädern“ als weiteres Geschäftsfeld stand finanziell infrage, konnte inzwischen jedoch aus den roten Zahlen herausgeführt werden – dank eines Teams, „das Wahnsinniges geleistet hat.“ An dieser Stelle werde deutlich, so Pfarrer Gerner, „dass wir viele Mitarbeiter haben, die schon lange hier arbeiten und die sich mit diesem Haus und mit den Menschen, die zu uns kommen, identifizieren und dementsprechend engagieren“. Auch den Vorstandsmitgliedern dankte er sehr herzlich für die qualifizierte Arbeit, für das Miteinander.
Ein weiteres dickes Lob galt dem Heimleiter und Geschäftsführer Michael Schlosser. Immer am Puls der Zeit sei er, und „sehr, sehr engagiert hat er viel mehr geleistet, als in seinem Dienstvertrag drin steht.“ Der Geschäftsführer wiederum hob hervor, dass im Seniorenzentrum St. Gallus nach wie vor das Soziale, das Menschliche im Vordergrund stehe.
In Bezug auf betriebliche Dinge konnte er berichten, dass das vor zweieinhalb Jahren mit der Techniker Krankenkasse und „Gesundes Kinzigtal“ gestartete Gesundheitsprojekt Früchte getragen hat – mit dem Ziel, dass die Mitarbeiter in ihrer Freizeit aktiv werden. Im Ergebnis liegt der Krankenstand knapp unter sieben Prozent und damit etwas niedriger als der diesbezügliche Durchschnitt in der Gesundheitsbranche. „Das ist akzeptabel.“ Ebenfalls positiv fiel die externe Bewertung des stationären Bereichs aus, bei geändertem Begutachtungssystem. Dank des sehr gut funktionierenden Qualitätsmanagementsystems im Hause seien es nur marginale Dinge gewesen, die es aufzuarbeiten gegolten habe, so Michael Schlosser.
Wenn Pflege für viele zur finanziellen Belastung wird
Für Stirnrunzeln sorgten bei ihm die hohen privaten Zuzahlungen für stationäre Plätze. Diese führen dazu, dass derzeit rund 40 Prozent der Pflegebedürftigen auf finanzielle Hilfe zur Pflege angewiesen sind. Zwar sei diese Zahl vergleichbar mit anderen Einrichtungen. Aber als christlicher Träger „möchten wir gerne jeden Menschen aufnehmen, unabhängig von seiner finanziellen Situation.“ Verzögerungen bei der Unterstützungsbewilligung durch Sozialhilfeträger können St. Gallus allerdings zwingen, in Vorleistung zu gehen – „finanziell ist das für uns ein gefährlicher Weg.“
„Sehr viel Spaß hingegen“ bereite ihm die Entwicklung bei den Mitarbeitern, betonte der Geschäftsführer. In den unterschiedlichen St.-Gallus-Bereichen habe er „total aufgeschlossene“ Kolleginnen und Kollegen. Die Todesfälle in der Corona-Zeit „haben uns sehr belastet“, doch der Umzug in den Neubau sei geglückt – dank hervorragender Mitarbeit, auch später in der Umsetzung der modifizierten Hausgemeinschaft.
Neue Wege bei der Personalgewinnung
Des Weiteren erläuterte Michael Schlosser, dass im St. Gallus kultursensible Arbeit gerade auch im Hinblick auf Mitarbeiter zugenommen habe. Der Rückgang adäquater Bewerbungen führte zur Integration ausländischer Pflegekräfte, unter Wahrung des Qualitätsanspruchs. Erfolgreiche Beispiele: zwei indische Pflegekräfte im ersten Ausbildungsjahr, ein Vertrag mit einer afrikanischen Fachkraft. Zwei ehrenamtliche Lehrerinnen haben ihnen Deutsch- und Englisch-Unterricht gegeben. Vor dem Hintergrund des politisch diskutierten Pflegebemessungssystems und eines Übergangs zum europäischen Qualifikationsrahmen hat sich St. Gallus überdies der Weiterbildung von sogenannten Nicht-Fachkräften verschrieben. Mit dem Ziel, den Anstieg der Personalkosten zu dämmen, ohne Verlust von Fachlichkeit und Verantwortung in der Pflege.
Im Jahr 2024 verzeichnete der Verein einen Jahresfehlbetrag von 55.000 Euro, der – neben weiteren Kostenfaktoren – vor allem durch die deutlichen Lohnerhöhungen von 11,5 Prozent verursacht worden war. „Für unsere Mitarbeiter hat uns das gefreut“, verdeutlichte der Heimleiter, „aber das Ganze muss auch irgendwie bezahlt werden.“
Nach dem Minus folgt wieder ein Überschuss
Das Geschäftsjahr 2025 schloss mit einem Jahresüberschuss von 176.000 Euro ab. Gemäß Angaben der prüfenden Revisionsgesellschaft resultieren diese Verbesserungen im Wesentlichen – in etwa jeweils zur Hälfte – aus gestiegenen Umsatzerlösen und rückläufigen Personalaufwendungen.
Hierzu erläuterte der Heimleiter: Die Fachkraftquote werde eingehalten, doch es erfolge vermehrt der Einsatz zweijährig ausgebildeter oder angelernter Kräfte. Die Pflegeintensität ist leicht rückläufig. Das Personal wurde zahlenmäßig entsprechend angepasst, der Pflegeschlüssel dabei eingehalten.
Der Anstieg der Umsatzerlöse geht hauptsächlich auf die Erhöhung der Tagessätze zurück. Die Auslastung ist leicht gestiegen, sie beträgt 98,40 Prozent gegenüber 97,80 Prozent im Vorjahr. Damit hat sie eine „magische Grenze“ überschritten, denn „die Kostenträger unterstellen uns eine Auslastung von 98 Prozent“, wie Michael Schlosser verdeutlichte.
Warum zwei Einrichtungen zusammengehen
Die versammelten Mitglieder genehmigten die Jahresabschlüsse und entlasteten den Vorstand, beides erfolgte einstimmig. Auch über Satzungsänderungen wurde abgestimmt. Erforderlich waren diese geworden durch die anstehende Zusammenlegung des Caritas Seniorenzentrums St. Gallus mit der ebenfalls kirchlich getragenen Sozialstation St. Raphael.
Vorstandsmitglied Ansgar Horsthemke erläuterte die strukturelle Neuausrichtung. Hintergrund sind die diözesanen Strukturreformen im Rahmen der „Kirchenentwicklung 2030“. Sie führten zu Vorgaben und Empfehlungen, auch die Rechtsform kirchlich getragener, karitativer Einrichtungen zu prüfen. Die Gründe für die nun in Zell anstehende Rechtsformänderung sind Haftungsfragen bei wachsender wirtschaftlicher Größenordnung (die von einem Verein nicht mehr abgedeckt werden können), die zunehmende Schwierigkeit, Ehrenamtliche zu gewinnen, sowie Entlastungsbedarf für aktive – eben ehrenamtliche – Vorstandsmitglieder.
In einem ersten – rechtlich komplexen – Schritt ist vorgesehen, die beiden Einrichtungen rückwirkend zum 1. Januar 2026 zusammenzuführen. Die „Verschmelzungsversammlung“ soll am 16. Juli stattfinden, jeweils für St. Gallus und St. Raphael nacheinander an einem Tag. In einem sich anschließenden zweiten Schritt soll der formale Rechtsformwechsel vom eingetragenen Verein in eine ebenfalls gemeinnützige GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) erfolgen. Bis etwa Ende Oktober soll der Rechtsformwechsel wirksam werden.
Mit neuer Struktur in die Zukunft
Im Ergebnis wird es eine operative Geschäftsleitung mit zusätzlichen Gremien geben sowie einen Aufsichtsrat als ehrenamtliches Gremium. Dadurch werden weniger Ehrenamtliche benötigt. „Das Ehrenamt und die Kirchengemeinden ziehen sich zurück auf ihre Vertretung in der Gesellschafterversammlung beziehungsweise im Aufsichtsrat“, fasste Ansgar Horsthemke zusammen. Das bedeute eine Entlastung der Kirchengemeinde wie auch der handelnden Personen: „In der GmbH haben wir deutlich klarer definierte Haftungsbestände als in einem eingetragenen Verein.“ Während die Gesellschafter bereits feststehen, ist die genaue Zusammensetzung des Aufsichtsrats noch nicht bekannt.
Mit das Wichtigste bei der Zusammenlegung der beiden Vereine sei die Rechtswirksamkeit, hob das Vorstandsmitglied hervor. In Bezug auf die Auswirkungen auf Arbeitsverträge, Kunden, Lieferanten etcetera müsse Heimleiter Michael Schlosser mit seinem Team viel Arbeit in die Vorbereitung investieren. Auch die Rechtssicherheit bei Verhandlungen mit beispielsweise Sozialkassen und Trägern ist zu gewährleisten.
Mitarbeitende sollen vom Wandel profitieren
Ansgar Horsthemke bekräftigte, dass es bei der Zusammenlegung der beiden Einrichtungen nicht primär um Kostensenkungen gehe. „Uns geht es darum, dass wir die gute kirchliche Pflege, die beide Einrichtungen machen, sicher in eine wirtschaftlich gute Zukunft bringen können.“ In diesem Zuge werde es keine Einschränkungen oder Einschnitte an irgendeiner Stelle geben, machte er klar. Im Gegenteil: „Wir sind dankbar um die Mitarbeitenden, die wir haben. Wir sind auf der Suche nach Pflegekräften.“ Diese Menschen wolle man durch das neu entstandene Unternehmen fördern, merkte er unter anderem im Hinblick auf Schulungen an. „Wir wollen wachsen, gemeinsam nach vorne gucken.“
Dieses Wachstum zwecks wirtschaftlicher Sicherheit machte Geschäftsführer Michael Schlosser am Umsatz fest. Die Zielgröße bezifferte er auf rund 12 Millionen Euro, nicht zuletzt auch zur besseren Organisation von Bereichen wie Social Media, Datenschutz und Fortbildung. Aktuell beträgt der gemeinsame Umsatz der beiden zusammenzulegenden Vereine knapp über 10 Millionen Euro.
Förderverein soll die Bindung an die Region stärken
Parallel zur Zusammenlegung der beiden Vereine soll die zeitnahe Gründung eines Fördervereins erfolgen, um weiterhin Personen, die gern ehrenamtlich unterstützen wollen, eine Einbindung zu ermöglichen. Ansgar Horsthemke: „Der Förderverein wird ein ganz wichtiges, aktives Instrument sein, um die Bindung an die Region, an die Menschen hier vor Ort aufrechtzuerhalten.“ Als Kirche habe man damit überdies die Möglichkeit, „vielleicht das eine oder andere mehr zu machen, als es andere Einrichtungen tun können.“





