Das Städtle ist geflutet. Unter dem diesjährigen Motto des großen Fasendumzugs verwandelte sich Zell in eine hinreißende, sprudelnde Wasserwelt.
Der Fasendsunndig stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass man im Schwarzwald auch Tiefsee kann. Unter dem Motto „Koralle, Nixen, Haifischzahn – Zeller Narren feiern im Ozean“ von Mottoerfinderin Tanja Kienzler verwandelte sich das historische Städtle in ein buntes Narrenmeer. Die Zuschauer drängten sich am Straßenrand, um zu erleben, wie sich die Zeller Fasendtradition mit maritimer Frische kombinieren lässt.
An der Fasend wird anders gerechnet
Doch da war noch was: Punkt 14 Uhr begann das Spektakel mit dem traditionellen Narroerwecken am Storchenturm. Es war ein beeindruckendes Bild, als sich das „Narrengrab“ leerte: Fast 800 der hiesigen Fasendfiguren strömten in die Freiheit. Es dauerte stolze 25 Minuten, bis auch der letzte Hästräger den Turm verlassen hatte und sich der Umzug in Bewegung setzen konnte. An der Spitze marschierte der »Elferrat,« der seit Neuestem mathematische Besonderheiten bietet: Von den 13 Mitgliedern des Narrenrats liefen zwölf voraus – der 13. im Bunde hatte den Taktstock fest im Griff und dirigierte die Stadtmusik durch die Fluten der Zuschauer. Alles relativ.
Großer Besuch aus Wolfach
Auf den Fersen des Narrenrats folgten die Schneckenhüsli-, Welschkorn-, Karten- und Bändelenarros. Sie bereiteten den Weg für einen besonderen Gast: Die Freie Narrenzunft Wolfach. Die Nachbarn waren mit Hunderten Narren angerückt. Viele davon kamen mit dem „Bähnle“ und wurden früher am Tag vom Narrenrat samt Musik standesgemäß vom Bahnhof abgeholt und ins Städtle geleitet. Die Wolfacher brachten ihre gesamte Figurenpracht mit. Die Umzugsmoderatoren erläuterten die Wolfacher Traditionen, wie das Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch und was hinter den „alte Rungunklen“ steckt, die zwar schaurig aussehen, aber keinesfalls mit Hexen verwechselt werden wollen.
Uli Henze und Wolfram Dreher moderierten jedes Umzugsloch charmant weg und teilten herrlich gegen die Nachbarn aus Unterharmersbach aus. Die Fasendgemeinschaften hatten das kulinarische Angebot perfekt ans Motto angepasst – wer Hunger hatte, konnte stilecht zum Backfischweck greifen.
Meeresrauschen unter Piratenflagge
Optisch setzten die Gruppen wieder einmal Maßstäbe. Die Klein-Pariser entführte die Menge in das sagenumwobene „Zellantica“ und präsentierte magische Wasserelfen, die mit einer Eleganz durch die Menge glitten, als kämen sie direkt aus einer fernen Unterwasserwelt.
Dass die Fasend in Zell eine Familienangelegenheit ist, zeigten die jüngsten Teilnehmer mit vollem Einsatz. Das Dörfle hatte sich als kleine und große Piraten verkleidet, um das närrische Gold der Zuschauer zu erbeuten. Ein besonderer Hingucker war die Gruppe aus Unterentersbach: Hier waren es vor allem die Taucher, die für Staunen sorgten. In ihren schwarzen Anzügen, ausgestattet mit Sauerstoffflaschen auf dem Rücken und Taucherbrillen, wirkten sie, als wären sie gerade erst den Fluten des Harmersbachs entstiegen. Der Entersbach konnte es nicht sein – zu flach. Die Entersbacher Musik sorgte derweil dafür, dass die akustischen Wellen ebenso hoch schlugen wie die visuellen.
Den kompletten Bericht und weitere Bilder finden Sie in der Print-Ausgabe der Schwarzwälder-Post.



