»Ein Bild für Frieden«

Volles Haus beim Flüchtlingsfest der Zeller Kleiderkammer

Flüchtlingsfamilien aus der gesamten Raumschaft hatten am vergangenen Samstag den Weg in die Zeller Klosterhalle gefunden, wo die Kleiderkammer bei Kaffee, Kuchen und spontanem Tanz einen geselligen Nachmittag samt Bescherung ausgerichtet hatte.

Pralles Leben in der Halle des Zeller Kapuzinerklosters. Mehr als 100 Besucher haben sich um 15 Uhr an den weihnachtlich geschmückten Tischen niedergelassen. Kinder aller Altersstufen wuseln fröhlich umher, basteln in einer eigens dazu eingerichteten Ecke, lassen ihre Gesichter fantasievoll bemalen, oder sie spielen mit Begeisterung Tischfussball. Und das über allem liegende Stimmengewirr, das setzt sich aus Sprachen unterschiedlichster Couleur zusammen.

Weil ein syrisch-kurdischer Musiker aus Offenburg offenbar kurzfristig verhindert ist, ertönt kurzerhand orientalisch klingende Musik aus einem CD-Player. Spontan fassen sich drei junge Männer an den Händen und beginnen einen traditionellen Tanz aus ihrer Heimat. Eine Frau mit blondierter Mähne gesellt sich nach einer Weile hinzu, dann eine Frau mit Kopftuch, ein Mann mit einem Baby auf dem Arm. Der Saal klatscht den Takt.

»Wenn Menschen unterschiedlicher Kulturen, die unterschiedliche Sprachen sprechen und aus unterschiedlichen Ländern kommen, sich an einem Tisch versammeln, wenn sie miteinander singen und tanzen, dann ist das ein Bild für Frieden.« So beginnt Gemeindereferentin Judith Müller ihre kurze Ansprache. »Diesen Frieden wünschen wir Ihnen hier«, spricht sie im Namen der Ausrichter und anwesenden Flüchtlingsbetreuer, »Und Frieden wünschen wir Ihren Familien, die noch in Kriegsgebieten leben, und um die Sie sich Sorgen machen.«

Wie sehr in der Welt verstreut diese Angehörigen leben, verdeutlicht eine kurze Bühnenaufführung, welche die Unterharmersbacher Grundschullehrerin Tamara Zeier mit einigen Flüchtlingskindern und -jugendlichen einstudiert hat. Dass sie aus Syrien kommen, aus Russland, Afghanistan, Brasilien, Mazedonien und Thereran: Das erzählen die tapferen Bühnenakteure dem Mikrofon, in mehr oder weniger flüssigem Deutsch, nachdem jeder von ihnen – ebenso tapfer – eine Zeile eines Friedensgedichts aufgesagt hat.

Allerdings nicht allen Musliminnen, die hätten mitmachen wollen, sei es von den Männern in der Familie erlaubt worden, auf die Bühne zu gehen, bedauert Tamara Zeier in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Und betont gleichzeitig mehrfach, dass diese Einstellung keinesfalls pauschalisiert werden dürfe, wenngleich »unsere Arbeit nicht immer einfach« sei. Um so wichtiger ist der Lehrerin eine der Zeilen eines gemeinsam vorgetragenen Gedichtes: »Egal, woher wir kommen/ egal, wohin wir gehen/ wir schließen heute Freundschaft/ und das soll jeder sehen.«

Freude und Verständigung

Viel Applaus gibt es dann, als der Bühnenvorhang aufgezogen wird und eine lange Reihe hoch aufgestapelter Geschenkpäckchen zum Vorschein kommt. Gepackt von Zeller Familien, die den Flüchtlingen eine Freude bereiten wollen. Und per Aufruf anhand von vorbereiteten Listen per Aufruf verteilt, auf dass kein Kind zu kurz komme. Organisiert und durchgeführt wurde die Bescherung von jenen acht Frauen und jenem einen Mann, die als Team die Zeller Kleiderkammer betreiben: »Auch das ist Frieden.« Bei der Geschenkverteilung unterstützt werden sie von Isabel Armbruster, der für Zells staatliche Gemeinschaftsunterkunft zuständigen und hoch engagierten Sozialarbeiterin. Als sie die Bühne betritt, skandieren etliche Kehlen lautstark ihren Namen.

Ihr dankte das Kleiderkammer-Team am Ende der bis in den frühen Abend dauernden Veranstaltung ebenso wie Fraidon Baqi – denn der in Offenburg wohnende Dolmetscher sorgte mit seinen Kenntnissen in Arabisch, Kurdisch und Deutsch für die sprachliche Verständigung.

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