Der Tag der offenen Tür wartete bei Kaiserwetter mit Mitmachaktionen, Rahmenprogramm und vielfältigen Informationsmöglichkeiten auf.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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Foto: Inka Kleinke-Bialy„Einfach Spitze, dass ihr da seid“, sangen die Kinder. Auf „eins, zwei, drei“ hatten sie losgelegt und unter dem mächtigen Baum im Außenbereich des Kinderhauses Sonnenblume so kräftig geschmettert, dass es kein Mikrofon brauchte, beileibe nicht.
Nicht nur die vielen zuhörenden und zuschauenden Gäste – Eltern, Geschwister, sonstige Verwandte, Förderkreismitglieder, Gemeinderäte, Sponsoren – applaudierten, sondern auch Bürgermeister Richard Weith. „Ja, liebe Kinder“, meinte er zum Vergnügen von Groß und Klein, „wir können einfach nur sagen: Ihr habt einfach spitze gesungen.“
Nicht weniger humorig auflockernd ging es weiter in seiner Begrüßung anlässlich des Tages der offenen Tür von 13 bis 17 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein. Angesichts der vielen Besucher und Kinder unterschiedlicher Altersstufen fragte sich der Rathauschef scherzhaft, warum Oberharmersbach eigentlich nur rund 2400 Einwohner habe. „Da kann irgendwo an dieser Zahl was nicht ganz stimmen“, schmunzelte er und erntete herzhaftes Lachen aus vielen Kehlen.
Familienfreundliche Gemeinde
Dass die Gemeinde schon immer den Anspruch gehabt habe, eine familienfreundliche zu sein, betonte Richard Weith: „Dafür tun wir alles – und ich glaube, wir können sagen, diesem Anspruch werden wir weitgehend gerecht.“ Eine funktionierende Kinderbetreuung gehöre natürlich dazu, für die jüngste Kindergeneration beginne diese im Kinderhaus Sonnenblume und in der ihr angeschlossenen Naturgruppe.
„Unser Kinderhaus hat einen sehr guten Ruf“, betonte er mit Blick auf die hervorragende Arbeit, die von der Kindergartenleitung und deren Team geleistet werde. Das Publikum reagierte mit kräftigem Sonderapplaus.
Ein solcher wurde auch Förderverein, Elternbeirat und Sponsoren zuteil. Die Firma Ritter hatte ihren Traktor zur Verfügung gestellt, die großzügigen Nachbarn (Familie Haubold) erlaubten die Nutzung von Hof und Garage nebenan, Franz Breig von der Forstbaumschule hat einen Tannenbaum als zukünftigen Schattenspender gestiftet, die Gärtnerei Golla die Blumendekoration in und um das Haus und das Sägewerk Burger die Hackschnitzel als Fallschutz an den Spielgeräten.
Auch dem neuen Hausmeister Marc Herrmann galt ein Dank für dessen großartige Unterstützung, ebenso der Gemeindegärtnerin Steffi Kempf. Die Naturgruppe wiederum kann sich dank des Bauunternehmens Martin Lehmann über Trockenmauern freuen sowie über eine wetterfeste Werkbanküberdachung aus den Händen von Karl-Heinz Flassig und dessen Sohn Sven.
Betreuung: liebevoll und individuell
Den Worten des Bürgermeisters schloss sich die Begrüßung durch Kinderhausleiterin Pamela Cruickshank an. „Unsere Einrichtung ist ein Ort, an dem Kinder sich wohlfühlen, spielen und sich individuell entwickeln können“, fasste die Deutsch-Kanadierin mit ihrem umwerfend-offenen Strahlen zusammen. Großer Wert werde auf eine liebevolle Betreuung gelegt, ergänzte sie und hob in Bezug auf den jeweiligen Entwicklungsstand der Schützlinge des Kinderhauses hervor: „Ganz wichtig ist es für uns, mit den Eltern, den Familien zusammenzuarbeiten, die Kinder zu fördern und sie da abzuholen, wo sie sind.“
Um den Eltern am Tag der Offenen Tür einen guten Einblick in die pädagogische Arbeit des Kinderhauses zu ermöglichen, habe das Team vielfältige und mit viel Liebe gestaltete Mitmachangebote vorbereitet, lud Pamela Cruickshank Kinder und Erwachsene dazu ein, die Kindertagesstätte spielerisch zu entdecken. „Bleiben Sie neugierig!“, ermunterte sie die Gäste dazu, durch das mehrstöckige Gebäude mit seinen vielen Räumen zu streifen.
Um des Überblicks Willen gab es pro Familie oder auch pro Kind eine bunte Karte, auf die bei jeder besuchten Station ein Stempel gedrückt wurde, „damit Sie wissen, wo Sie schon waren.“ Anfangen konnte man, wo immer man wollte: „Es gibt keinen Anfang und kein Ende“, erläuterte die Kindergartenleiterin das offene Konzept. „Schwing den Pinsel“ lud zum Malen ein, im „Beauty-Salon“ wurden schmückende Perlenschnüre ins Haar geflochten, „Allerlei Buttons“ konnten hergestellt oder in der „Kreativ-Werkstatt“ nach Herzenslust gebastelt werden. Beim „Sinneszauber“ war die Nase gefordert.
Bestens durchdacht
Sich ebenfalls ausprobieren durfte man bei „Grasgeflüster und Blütenzauber“ und bei „Was sinkt? Was schwimmt?“, und dann war da noch die Einladung zu „Rüdiger der Lesewurm“ im Ruheraum. Aufstellertafeln informierten über die Uhrzeiten der verschiedenen Angebote. Großen Zulauf hatte das Kinderschminken im Außenbereich, gleich nebenan lockte das Eismobil des Zeller Eiscafés Venezia bei nahezu frühsommerlichen Temperaturen.
Auch sonst war für das leibliche Wohl bestens gesorgt: Im Turnraum im Untergeschoss warteten sage- und schreibe 35 selbstgebackene Kuchen und Torten sowie Getränke und Snacks, die man wahlweise im gleichen Raum oder draußen an liebevoll gerichteten Tischen unter Sonnenschirmen genießen konnte.
18 – beziehungsweise in Kürze 19 – Erzieherinnen sind es, die aktuell 108 Kinder betreuen. Diese sind in normalerweise sieben – lerneffektiv nach Farben benannte – Gruppen aufgeteilt. Die Betreuung gilt für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren und für Kleinkinder ab einem Jahr.
Der Krippenbereich für Kinder von ein bis drei Jahren besteht aus zwei Gruppen und ist in einem vom Haupthaus separierten Kleinkindbereich mit Bistro und Bad untergebracht. Im Hof befindet sich außerdem ein separater Spielbereich, und auch für Ausflüge in die Natur ist gesorgt.
Für die drei- bis Sechsjährigen stehen vier Gruppenräume, ein (auch von den Kleinen genutzter) Turnraum, ein Bistro mit Terrasse und drei Bäder zur Verfügung. Hinzu kommt ein großer Außenbereich mit Klettermöglichkeiten, Sandkasten, Rutschen, Fahrzeugen und viel Platz zum Toben.
Ein Beispiel für die kreative Durchdachtheit des Kinderhauses stellt die kindgerecht-lehrreiche Nutzung der Treppen dar: Teils sind die Stufen mit Zahlen und Buchstaben beschriftet.
Enge Zusammenarbeit mit der Familie
Das Kinderhaus hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erziehung in der Familie zu ergänzen und zu unterstützen. Mit Bezug auf die Grundrechte und Grundbedürfnisse der Kinder liegen die Ziele der „Sonnenblume“ in der Förderung von Selbstständigkeit und Sozialverhalten, Persönlichkeit/ Individualität, Gemeinschaftsfähigkeit, Eigenverantwortung, Verantwortungsbewusstsein, Demokratiefähigkeit.
Durch das Freispiel mit freier Entscheidung des Kindes bezüglich Spielpartner, Spielmaterial und Spielart sowie durch abwechslungsreiche Angebote sollen diese Ziele verwirklicht werden.
Das, was man über das pädagogische Konzept wissen wollte, konnte man am Tag der offenen Tür im Gespräch mit den pädagogischen MitarbeiterInnen erfahren. Der guten Erkennbarkeit halber trugen diese einen großen Sonnenblumen-Button. Alle Gruppenräume waren geöffnet, ebenso die Funktionsräume.
Für Fragen stand auch die Kindergartenleiterin zur Verfügung, die sich bei ihrer Stellvertreterin Nadine Müller sowie bei dem gesamten Team bedankte, für Tatkraft und Unterstützung.
Naturgruppe
Ab 14 Uhr konnte man auch bei der im Oktober 2023 eröffneten Naturgruppe vorbeischauen, in 600 Metern Entfernung am Sportplatz gelegen. Derzeit 15 Kinder werden hier betreut von Silvia Glatz, Deborah Brandstetter und der hier ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierenden Zoe Himmelsbach. Fünf Plätze sind in der Naturgruppe noch frei.
„Bei uns ist ganz wichtig, dass Kinder mit all ihren Sinnen die Natur erfahren, erfühlen, schmecken. Wir kochen auch mal was – neulich war es eine sehr leckere Brennnesselsuppe – oder machen Kräuteraufstriche. Einfach die Natur entdecken ist uns ganz wichtig“, erläuterte Silvia Glatz und verwies auf das in der Naturgruppe über allem stehende Motto: „Solange die Kinder klein sind, gib´ ihnen Wurzeln, wenn sie größer werden, schenk´ ihnen Flügel.“
Diverse Stationen im Außenbereich laden zum Erkunden und Spielen ein, ein Hang dient als natürliche Waldrutsche. Und weil Mathematik, Physik und Chemie in der Natur eine große Rolle spielen, „lernen die Kinder das hier auch, ganz nebenbei.“ Für sehr schlechtes oder sehr kaltes Wetter steht eine Hütte zur Verfügung.
Silvia Glatz hob das enorme Engagement der Eltern der Naturgruppe-Kinder hervor, „die unterstützen uns das ganze Jahr über, zum Beispiel, wenn was fehlt oder repariert werden muss.“





