Bewegende Ehrungen bei der Frühjahrsmatinee in Nordrach.
Es sind genau diese Momente, die das Vereinsleben prägen und ihm Seele verleihen: Augenblicke des Innehaltens, des Dankes und der Anerkennung. Bei der diesjährigen Frühjahrsmatinee der Trachtenkapelle Nordrach wurde ein solcher Moment in besonders würdigem Rahmen gefeiert. Vier Musiker, die über Jahrzehnte hinweg die Geschichte und den Klang des Vereins mitgestaltet haben, standen im Mittelpunkt eines emotionalen Vormittags.
Vor zahlreichen Gästen, Musikfreunden und Ehrengästen eröffnete der zweite Vorsitzende Simon Huber die Ehrungen mit einfühlsamen Worten. Er betonte, wie selten und wertvoll es sei, Menschen für eine derart lange und intensive Verbundenheit auszeichnen zu dürfen. Die Frühjahrsmatinee, ein musikalischer Höhepunkt im Jahreskalender, wurde so zur Bühne für Geschichten voller Leidenschaft, Treue und gelebter Gemeinschaft.
25 Jahre Herzblut – Georg „Schorsch“ Wimmer
Mit spürbarer Herzlichkeit wurde Georg Wimmer, von allen liebevoll „Schorsch“ genannt, für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich weit mehr als ein Vierteljahrhundert Vereinszugehörigkeit. Wimmers musikalische Wurzeln reichen zurück in seine bayerische Heimat, wo er bereits viele Jahre in einer Blaskapelle aktiv war.
Die Liebe führte ihn schließlich nach Nordrach – und mit ihr auch zur Trachtenkapelle. Seit 2001 ist er aus dem Verein nicht mehr wegzudenken. Als Trompeter prägte er über viele Jahre hinweg den Klang auf der ersten Stimme, bevor er – aus Überzeugung und im Sinne des Miteinanders – auf die zweite Stimme wechselte. Eine Geste, die seinen Teamgeist und seine Bescheidenheit unterstreicht.
Besonders bewegend ist sein unermüdlicher Einsatz trotz gesundheitlicher Herausforderungen. Immer wieder fand er den Weg zurück zur Musik – getragen von Leidenschaft und innerer Stärke. Heute, mit 74 Jahren, ist er das älteste aktive Mitglied der Kapelle und ein Vorbild für alle Generationen.
Vier Jahrzehnte Engagement – Oliver Vollmer
Ein weiteres herausragendes Jubiläum feierte Oliver Vollmer, der auf 40 Jahre Mitgliedschaft zurückblicken kann. Seine musikalische Laufbahn begann bereits 1983 mit der Ausbildung an der Klarinette, doch im Laufe der Jahre entwickelte er sich zu einem echten Multitalent. Ob Es-Klarinette, Alt-Saxophon oder Bassklarinette – Vollmer beherrscht sein Handwerk in beeindruckender Vielfalt.
Doch sein Wirken beschränkt sich längst nicht nur auf die Bühne. Über viele Jahre hinweg engagierte er sich im Verwaltungsrat und übernahm schließlich Verantwortung als erster Vorsitzender. In dieser Zeit wurde ein bedeutender Meilenstein gesetzt: die Eintragung des Vereins als eingetragener Verein. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit setzte er wichtige Impulse und sorgte dafür, dass die Kapelle auch über die Ortsgrenzen hinaus wahrgenommen wird.
Dass seine Begeisterung für die Musik auch in der Familie weiterlebt, zeigt sich an seinen Söhnen, die selbst aktiv im Verein musizieren. Ein lebendiges Beispiel dafür, wie Tradition weitergegeben wird.
Sechs Jahrzehnte Treue – Klaus Neumeyer und Hubert Huber
Ein ganz besonderer Höhepunkt der Ehrungen war die Auszeichnung von Klaus Neumeyer und Hubert Huber für jeweils 60 Jahre Mitgliedschaft – eine Zahl, die für ein ganzes Musikerleben steht.
Klaus Neumeyer, seit 1966 Mitglied der Kapelle, ist der Posaune von Beginn an treu geblieben. Ausgebildet vom damaligen Dirigenten Heinz Kopitz, entwickelte er sich zu einer tragenden Säule des Vereins. Neben seinem musikalischen Engagement brachte er sich auch im Verwaltungsrat ein und wirkte aktiv an der Entwicklung des Vereins mit. Seine Verlässlichkeit, seine klare Haltung und seine tiefe Verbundenheit zur Kapelle werden bis heute hoch geschätzt.
Auch Hubert Huber trat im selben Jahr in den Verein ein und ist seitdem untrennbar mit ihm verbunden. Als Baritonspieler und langjähriger Notenwart sorgte er über viele Jahre hinweg für einen reibungslosen Ablauf im Hintergrund – eine Aufgabe, die oft wenig sichtbar, aber von unschätzbarem Wert ist.
Besonders bemerkenswert ist sein familiäres Engagement: Alle drei Kinder sind heute selbst aktiv im Verein tätig, zwei davon sogar in der Vorstandschaft. Damit zeigt sich eindrucksvoll, wie sehr die Begeisterung für die Blasmusik in der Familie verwurzelt ist.
Würdigung durch den Verband
Die offiziellen Ehrungen wurden durch den Präsidenten des Blasmusikverbands Kinzigtal, Stefan Polap, vorgenommen. Gemeinsam mit Geschäftsführerin Daniela Polap und Kassiererin Martina Lauble war er eigens zur Matinee angereist, um die Auszeichnungen zu überreichen.
In seiner Ansprache fand Polap eindringliche Worte für die Bedeutung dieses langjährigen Engagements. Er hob hervor, dass es gerade diese Menschen seien, die das kulturelle Leben in den Gemeinden tragen – bei kirchlichen Festen, Prozessionen, der Fasnacht oder bei Konzerten. Ohne ihren Einsatz wäre vieles nicht denkbar.
Die Jubilare wurden mit Ehrennadeln des Bundes Deutscher Blasmusikverbände ausgezeichnet: in Silber für 25 Jahre, in Gold für 40 Jahre und in Gold mit Kranz und Diamant für 60 Jahre Mitgliedschaft. Ergänzt wurden die Ehrungen durch Urkunden und persönliche Präsente der Kapelle. Auch die Partnerinnen der Geehrten wurden mit Blumen bedacht – als Zeichen des Dankes für ihre Unterstützung im Hintergrund.
Ein Vormittag voller Emotionen
Was an diesem Sonntagmorgen spürbar wurde, war mehr als nur die Würdigung von Zahlen und Jahren. Es war die Anerkennung von Lebenswegen, von Freundschaften, von gemeinsam erlebten Momenten. Die Musik verband – und verbindet – Generationen.
Die Frühjahrsmatinee der Trachtenkapelle Nordrach wurde so zu einem eindrucksvollen Zeugnis dessen, was Vereinsleben ausmacht: Zusammenhalt, Leidenschaft und die Freude an der Musik. Und sie zeigte einmal mehr, dass hinter jedem Ton eine Geschichte steht.





