Das Motto „Närrisch lassen wir uns treiben durch die schönsten Filme aller Zeiten“ bescherte der ausverkauften Festhalle einen prämierungswürdigen Abend.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Foto: Inka Kleinke-Bialy„Klappe, die erste“, hieß es in der bis auf den allerletzten Platz besetzten Sport- und Festhalle am Samstagabend, viele weitere „Takes“ sollten folgen: Absolut Oskar-reifes brachten die Reiherhexen der Biberacher Narrenzunft beim diesjährigen Hexenball auf die Bühne, zum größten Vergnügen des Publikums. Gleichzeitig feierte die Fasentfigur ihr 60-jähriges Jubiläum.
„Voller Ehrfurcht blicken wir in die Logen der Hall of Fame“, begrüßten – nach einem bunten Eröffnungstanz – zwei Oberhexen die Ehrengäste, unter ihnen Bürgermeister Jonas Breig. Mit viel Ehr ging es weiter. Auf das Kommando „Film ab“ flimmerten Auftrittsausschnitte langjähriger Mitglieder über eine funkelnagelneue Leinwand an der Hallendecke (die auch sonst häufigen Einsatz fand): Für 44 Jahre „Hexerei“ geehrt wurden Martin Geiger, Jutta Gissler, Georg und Karl Ringwald; für 33 Jahre Oliver Götze, Sabine Gutmann, Andrea Hug, Nicole Reif; für 22 Jahre Anne Griesbaum, Jan Ringwald.
Mit trefflich gereimter Moderation führten fortan Andreas Kammerer und Tanja Roser durch ein Programm, das die Lachmuskeln in der ausverkauften Halle ebenso heftig strapazierte wie es Schunkel-, Mitwipp, Mitsing- oder sonstige Stimmungs-Gene aktivierte.
Kino und TV
In einer Kinoszene zum Einstieg zogen die Besucher die Orbau-Baustelle am ehemaligen Gasthof Kreuz ebenso durch den Kakao wie bei einer fiktiven Einkaufstour alles, was Biberach an Diesbezüglichem zu bieten hat. In den engen Sitzreihen dann endlich ausruhen? Nix da – denn nun hieß es, von Sitznachbar zu Sitznachbar und mit mehr oder weniger Körpereinsatz die Liebesbeweise eines Pärchens weiterzugeben, das an den entgegengesetzten Enden der Reihe saß.
Sich gar nicht erst irgendwohin begeben musste eine ortsbekannte Geherin. Ein Fernsehteam kam zu der noch immer sportlich aktiven 90-Jährigen mit Europa- und Weltmeistertiteln nach Hause, ein Interview stand an. In bester Loriot-Manier fiel eine Klappe nach der anderen, bei der vierten hieß es „Ich bin Erna die Vierte und habe 90 Weltmeisterschaften gewonnen“ – damit jedoch hatte das verbale Durcheinander noch lange kein Ende.
Loriot-Perlen
Zwei weitere auf örtliche Begebenheiten umgemünzte und herrlich präsentierte Loriot-Adaptionen brachten die Halle dazu, sich vor Lachen zu krümmen. Das betraf zum einen jenen berühmten Zeichentrickfilm mit zwei in einer zunächst leeren Wanne sitzenden Herren und der doch sehr empört geäußerten Einstiegsfrage „Was machen Sie in meiner Badewanne?“ Diese stand im ehemaligen Gasthof Kreuz (ja, die Orbau-Großbaustelle wurde im Laufe des Abends immer wieder aufs Korn genommen), zwei Handwerker holten die Wanne mit den irgendwann abgetauchten Herren schließlich ab, zur Entsorgung in der Baugrube.
Ebenfalls kein einziges Zuschauerauge trocken blieb bei dem zufälligen Zusammentreffen je eines Spirituosen-, Staubsauger- und Versicherungsvertreters anlässlich eines Hausbesuchs. Die tragende Rolle spielte fleißig ausgeschenkter Biberacher Whisky, mit denkbar skurrilen Konsequenzen.
Und dann war da noch Werner, der mit einem waschecht knatternden und stinkenden Moped auf die Bühne rollte – beziehungsweise ins Büro eines Sanitärbetriebs, reichlich verdreht geführt von einem Meister mit köstlich friesischem Zungenschlag. Eine der Szenen: Auf einer Sanitärbaustelle der „Bachwasserabmarschgemeinschaft oder so“ (Prinzbacher Abwassergemeinschaft) versucht der Meister einem Problem mit einem medizinischen Abhörrohr beizukommen, doch ein „Herr Orbau“ findet die Ursache schließlich selbst – eine verstopfte Pumpe.
Chat und „brave“ Nonnen
Auf die Schippe genommen sah sich überdies ein WhatsApp-Chat zwischen Schülern. Dass die unverzichtbaren Emojis an der richtigen Stelle auftauchten – dafür sorgte ein versierter Hexerich, der zudem ein neues Emoji mit der Aufschrift „narri narro“ erfand.
Scheinbar manierlich ging es weiter mit zwei Männern in sittsamer Nonnentracht. Der Freizügigkeit früherer Auftritte abschwörend wollen sie ins Kloster eintreten. „Ich hab´ gehört, ihr habt früher auf der Bühne weniger angehabt als die Chippendales“, schimpft der Abt. Mit Unterstützung eines Gospelchors à la Sister Act tun die beiden daher Buße. Nach ihrem Gelöbnis fortan „brav“ zu sein, verbeugen sie sich mit gefalteten Händen nach allen Seiten. Ihre Kehrseiten zeigen: bis zum Rücken hinauf ausgeschnittene Gewänder, darunter nackte Haut und wohlgeformte, wenngleich lediglich mit Tangas bewehrte Popos. Die Halle johlt.
„Hexencare“
Für weitere Hingucker sorgten das schwungvolle Frauenballett (Cowgirls in Goldstiefeln), das als martialische Boxer auftretende Männerballett und ein effektvoller Light Dance. Als „Hinhörer“ gestaltete sich eine Singnummer, mit „pingeliger Singerei“ machte sie sich einen Reim auf Allerlei.
Ganz wie beim Filmegucken im richtigen Leben durften zwischen den einzelnen Programmpunkten die Werbeblocks nicht fehlen – und zwar für „Hexencare“, wobei das „care“ durchgestrichen und durch „kehr“ ersetzt war. Für alles Mögliche warben die Reiherhexen in kurzen Sketchen, sammelten beispielsweise einen Betrunkenen auf mit der Botschaft „Wir helfen bei der Heimkehr.“
Als das offizielle Programm in der aufwändig dekorierten und mit bunten Lichtern in Szene gesetzten Halle kurz vor Mitternacht beendet war, konnte bei Live-Musik bis spät in die Nacht getanzt werden.
Akteure Hexenball 2026
Moderation: Tanja Roser, Andreas Kammerer
Eröffnung: Marika Heizmann, Jutta Gissler, Petra Weiler, Hans-Peter Fautz, Nicole Reif, Lucas Büdel, Pia Schmider, Lisa Gutmann, Joshua Roser, Karin Kernberger, Timo Schmider, Normen Paul, Celine Hug, Lisa Gutmann, Ursula Knäble, Lars Kirstein, Christina Schröter, Jan Ringwald
Kinobesucher: Brigitte Joos, Corina Schmieder, Michaela Stöhr, Simone Armbruster, Pia Joos, Valentin Joos, Anna Ringwald, Theresa Totzke
Werbung: Anika Schmider, Martin Schmider, Andrea Fix, Andrea Lehner, Frank Lehner
Loriot (1. Akt): Martin Geiger, Jutta Gissler, Timo Lienhard, Philipp Isenmann, Normen Paul, Lukas Ringwald
Werner: Ralf Geiger, Tobias Geiger, Jan Ringwald, Anna-Lena Geiger, Carina Echle, Frank Schmid, Matteo Heizmann
Werbung: Anika Schmider, Martin Schmider, Andrea Fix, Andrea Lehner, Frank Lehner
Singnummer: Lisa Bernhard, Hans Peter Fautz
Loriot (2. Akt): Martin Geiger, Jutta Giesler, Timo Lienhard, Timo Schmider, Lukas Ringwald
Frauenballett: Laura Würz, Anna-Lena Geiger, Celine Hug, Andrea Lehner, Anika Schmider, Lisa Gutmann, Alisa Christ, Anne Grießbaum, Kira Damm, Sophia Prandzioch, Andrea Fix, Anna Schmid, Petra Weiler, Pia Schmieder, Anna Ringwald, Christina Schröter, Sabrina Brohammer, Carina Echle
Choreographie: Alisa Christ
Loriot (3. Akt): Martin Geiger, Jutta Gissler, Timo Lienhard, Hans-Peter Fautz, Julian Echle
Light Dance: Karin Kernberger, Simone Armbruster, Barbara Obert, Svenja Kirstein, Sabrina Paul, Maylis de Barry, Pia Joos
WhatsApp Chat: Anna Ringwald, Anja Lienhard, Anne Grießbaum, Anna Schmid, Matteo Heizmann, Tanja Roser, Henrik Obert
Sister Act: Timo Lienhard, Lukas Ringwald
Werbung: Anika Schmider, An-drea Fix, Andrea Lehner
Männerballett: Timo Schmider, Henrik Obert, Lars Kirstein, Joshua Roser, Lucas Büdel, Martin Schmider, Frank Lehner, Julian Echle, Lukas Ringwald, Tobias Geiger, Niklas Armbruster, Dominic Brucher, Frank Schmid, Ralf Geiger, Normen Paul, Jan Ringwald, Philipp Isenmann, Mateo Heizmann
Choreographie: Sabrina Brohammer
Abschluss: Alle Akteure





