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Harmersbachtal | 5.09.2025

Gelöbnis der Talgemeinden aus bedrohlichen Zeiten

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Wallfahrt: Ein kurzer Weg durch die Stadt führt die Gläubigen zum gemeinsamen Gottesdienst in die Wallfahrtskirche. Foto: Lehmann-Archiv
von Karl-August Lehmann

Am Samstag, 13. September 2025, beginnt um 9 Uhr die Prozession zur Wallfahrtskirche. Heuer hat das Gemeindeteam der Pfarrgemeinde Prinzbach „St. Mauritius“ die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung übernommen.

Alljährlich lädt die Seelsorgeeinheit Zell a. H. zur Gelöbniswallfahrt in die Wallfahrtskirche „Maria zu den Ketten“ ein. Auf Kreuzerhöhung (14.09.) 1689 hatten die Talgemeinden das gemeinsame Versprechen für eine Wallfahrt abgelegt und 1703 erneuert, weil sie zweimal vor Schlimmerem verschont geblieben waren.

Vor 336 Jahren geriet das Harmersbachtal in arge Bedrängnis. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) hatten französische Truppen den Rhein überschritten. Offenburg wurde zerstört und am 07.09.1689 Gengenbach in Schutt und Asche gelegt. Zell drohte dasselbe Schicksal. Doch die Talgemeinden wurden „wunderbahrlichen undt ohne zweiffel von der gnadenreichen güethigkeit der allerseligste Mutter Gottes“ davor verschont.

So haben die Gemeinden und Landstäbe Zell, Harmersbach, Nordrach, Biberach, Ober- und Unterentersbach gelobt, „von  nunahn undt zue ewigen Zeiten, daß ißt solange das Zellische wesen undt die gnadenreiche Capellen stehen wirt“, mit Kreuz und Fahnen nach Zell zu pilgern. Verbunden war dieses Gelöbnis mit der Zelebration eines Amtes und vier Hl. Messen. Für die Armen sollten drei Viertel Frucht sowie eine Kerze gespendet werden. Während eines neuerlichen Waffenganges im Spanischen Erbfolgekrieg waren 1703 wiederum Leib und Leben der Talbevölkerung bedroht. Nachdem die feindliche Übermacht bereits Gengenbach erreicht hatte, entschied man sich, „in Gottes Namen französische Salveguarde anzunemmen“. So war tatsächlich Schutz gegen Abgaben gewährleistet.

Feierlich und festlicher beschworen am 12.05.1703 die Stadt Zell, der Harmersbacher Vogt, Ratsherren und sämtliche Pfarrer ihr vor 14 Jahren gegebenes Versprechen. Man schien zu ahnen, dass in besseren Zeiten die Erinnerung getrübt werden könnte und deshalb erhielten die weltlichen Archive und die Pfarreien sowie das Kloster Gengenbach eine Abschrift der Gelöbnisurkunde.

Trotz allem geriet in den 1960er Jahren das Gelöbnis in Vergessenheit. Die veränderten Arbeitsverhältnisse und der zunehmende Verkehr auf der Talstraße schienen die Tradition der Fußwallfahrt zusätzlich auszuhöhlen. Erst 1980 wurde diese Tradition wieder belebt. Wo möglich, nutzten Pfarrer und Gläubige, Ministranten mit Kreuz und Fahnen, die Talbahn, um nach Zell zu kommen.

Am kommenden Samstag, 13. September 2025, beginnt um 9 Uhr die Prozession beim Gasthaus „Sonne“ in Zell a.H. durch die Hauptstraße zur Wallfahrtskirche. Dieser kurze Weg blieb erhalten als Rest eines früher langen und oftmals beschwerlichen Fußmarsches von den Höfen der Talgemeinden zur Feier des gemeinsamen Gottesdienstes. Gegen 9.30 Uhr beginnt die Feier der Hl. Messe in der Wallfahrtskirche „Maria zu den Ketten“.

Heuer hat das Gemeindeteam der Pfarrgemeinde Prinzbach „St. Mauritius“ die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung übernommen. Das Thema in diesem Jahr lautet: „Mit Mut und Hoffnung Zukunft gestalten“. Prinzbach stiftet auch die traditionelle Votivkerze.

Musikalisch wird der Kirchenchor Prinzbach unter der Leitung von Adrian Sieferle den Gottesdienst mitgestalten. Es werden Kyrie, Gloria. Sanctus, Benedictus und Agnus Dei aus der Turmbläsermesse von Fridolin Limbacher mit Orgel und Bläserquartett gesungen.

Im Anschluss an den Gottesdienst ist im Klostergarten die traditionelle Begegnung geplant, die bei schlechter Witterung in der Klosterhalle stattfindet.

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Schlagworte:
Seelsorgeeinheit Zell am Harmersbach, Wallfahrtskirche Maria zu den Ketten

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