Über die vielfältigen Tätigkeiten und Engagements von Mitgliedern, Vorstandsmitgliedern und Projektteilnehmern konnte der Vorsitzende Bertram Sandfuchs im Rahmen der Mitgliederversammlung berichten.
Foto: Schwarzwaldverein
Foto: Digitalisat: Joseph Ringwald
Foto: Bertram SandfuchsEhrliche Bilanz zu ziehen über das abgelaufene Jahr, war eine Aufgabe der sehr gut besuchten öffentlichen Mitgliederversammlung des Historischen Vereins Zell im Kultur- und Vereinszentrum.
Über die vielfältigen Tätigkeiten und Engagements von Mitgliedern, Vorstandsmitgliedern und Projektteilnehmern konnte so der Vorsitzende Bertram Sandfuchs berichten. Schatzmeister Bernd Kähms beschrieb in seinem Rechenschaftsbericht eine „erfreulich gute“ Kassenlage. Spannender Höhepunkt dieser Veranstaltung war der mit treffendem Bildmaterial unterstützte, bewusst kompakt gehaltene Vortrag des Biberacher Historikers Josef Ringwald über die Geroldsecker und ihre Burgen.
Gedenken an Walter Haaf
Im Mittelpunkt der Totenehrung zu Beginn stand der an vielen Orten der Raumschaft und der gesamten Region weiter präsente Künstler Walter Haaf. Die Vorstandsmitglieder Horst Feuer, Bernd Kähms und Bertram Sandfuchs zeichneten eine umfassende Rückerinnerung an den bis zuletzt agilen Zeller Graphiker, Maler und Bildhauer und würdigten auch die Rolle dieses treuen Mitglieds bei der Wiedergründung des Historischen Vereins in den Siebzigern.
Auch gedacht wurde an das Wirken von Joachim Buntru, der vor allem im Zusammenhang des Peterlistags als Brauchtumspfleger Jahr für Jahr tätig gewesen war.
Viele Vereinsmitglieder engagieren sich
Vorsitzender Sandfuchs gab dann einen Überblick über die wichtigsten Tätigkeiten und Engagements des Historischen Vereins im Jahr 2025. Er lobte dabei die Mitwirkung vieler Vereinsmitglieder – auch in der Breite.
Wolfgang Krämer und Bernd Kähms gestalten als Brauchtumspfleger jährlich den Peterlistag. Mehrere Mitglieder wechseln sich seit 2014 bei der zuverlässigen Wartung der historischen Bahnhofsuhr ab, u.a. beim wöchentlichen Aufziehen und Einstellen, bei der jahreszeitlichen Dekoration der Schaufenster und bei der Beseitigung von Schäden und der Meldung von Vandalismusfällen (zweimal in 2025).
Bertram Sandfuchs lieferte nach intensiver Recherche in der Festschrift zur Renovierung des Rathauses zwei Beiträge zur kunsthistorischen Würdigung des Rathauses und zur Geschichte, Konstruktion und zum Betrieb der historischen Rathausuhr, was übrigens noch nie zuvor erfasst und beschrieben wurde. Vorstandsmitglied Dieter Petri steuerte kompetente Artikel bei zur Geschichte des Rathauses insgesamt und zur Renovierung der historischen Wappenscheiben.
Gerhard Hug berät als Mitglied der AG Bahnhof mit seiner umfassenden Kenntnis zum Zeller Bähnle und zu allen Themen der Deutschen Eisenbahn. Er verfasste neue Schildertexte zum historischen Bahnhof und zur historischen Lokomotive auf dem Dernauer Platz in Unterharmersbach. Stadtmarketing Zell hat die Anfertigung der neuen Schilder übernommen.
Vorschlag: Kombiführung Stadt, Wald, Industrie
Nach dem großen Erfolg der überörtlichen Schwarzwaldvereinswanderung wird ein neues Format des Wanderangebots vom Historischen Verein vor allem für auswärtige schwarzwaldferne Besuchergruppen vorgeschlagen: eine neue Kombiführung Stadt, Wald, Indus-trie (Rundofen). Eingeschlossen ist dabei ein Spaziergang zum Städtleblick.
Förster Pfundstein stellt dazu seine Ausführungen zur Waldbewirtschaftung zur Verfügung. Auf dem Weg zum Städtleblick eröffnet sich entlang einer hübschen Pappelallee der Blick in die Weite, zum Gut Gröbern, zum Sommerberg mit der ehemaligen Papierfabrik und bis zur Burg Hohengeroldseck. Vor allem vom Städtleblick aus ist jenes Bonmot von Heinrich Hansjakob bestens nachvollziehbar, er kenne kein Städtle im badischen Lande, das lieblicher gelegen sei als Zell am Harmersbach. Der Weg ins Städtle zurück geht dann über die an den Geländekonturen noch gut erkennbare Lehmgrube, die für die Töpfer und die Ziegelfabrik von Zell so wichtig war, dann zur Wallfahrtskirche, die die für die Glaubenswelt der Talbevölkerung und von Tausenden von Pilgern fest verankerte gotische Madonna im Zentrum hat. Immer noch fasziniere Besucher auch die Erzählung der in dem kunstgeschichtlich bedeutenden barocken Deckengemälde dargestellte Kranz von Kettenlegenden.
Insgesamt sei also ein landschaftlich reizvoller Mehrwert in diesem Spaziergang enthalten mit zelltypischen Highlights, die beim klassischen Stadtrundgang unberücksichtigt bleiben.
Bildsteinpreis-Verleihung
Zu den wichtigen Vereinsleistungen gehört die Durchführung des Bildstein-Aufsatzwettbewerbs in Kooperation mit dem Ritter von Buss Bildungszentrum. Vorrangig ist es dem großen Einsatz der Fachlehrer zu verdanken, dass sie es schaffen, die Schüler beim Abfassen der Aufsätze motivierend zu begleiten. Die Bildsteinpreiskommission trifft sich, um die Aufsätze zu bewerten und die Preise zu verteilen. Bei der Bildsteinpreisverleihung am 9. Juli 2025 würdigten Kommissionsmitglieder dann die Preisarbeiten mit treffenden Lobreden. Auf Antrag des Historischen Vereins Zell wurde Stadtarchivar und Vorstandsmitglied Wolfgang Mössinger vom Stadtrat in die Kommission berufen.
Aufsichtsdienst im Rundofen
Eine große Zahl von Mitgliedern, Vorstandsmitgliedern und Exkursionsteilnehmern des Vereins engagierten sich auch 2025 ehrenamtlich, und das ganzjährig, beim zuverlässigen Aufsichtsdienst im Rundofen: Stefan Falk, Wolf-Dieter Geissler, Christa Griesser, Franz Hug, Konrad Isenmann, Margarete Kopf, Wolfgang Krämer, Doris Lehmann, Lutz Lefèvre, Wolfgang Mössinger, Martin Rösch, Bertram Sandfuchs, Klaus Schätzle, Helmut Siefert, Hans Spathelf, Ulrich Spitzmüller und Hansjörg Wörner. Die aufwändige Verwaltung der Spendengelder versieht Schatzmeister Bernhard Kähms.
Vorsitzender Sandfuchs informierte die Anwesenden über weitere Leistungen und Ehrungen von Vereinsmitgliedern.
Er hob die mehrfachen Einsätze seines Stellvertreters Horst Feuer hervor, die lokale Geschichte einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen. Horst Feuer wirkte maßgeblich mit bei den Jubiläumsfeierlichkeiten von Entersbach Mitte des Jahres 2025, zum Beispiel bei der Darstellung der historischen Zusammenhänge und bei der Gestaltung des Jubiläumsfilms. Zuvor schon jahrelang komme Horst Feuer der große Verdienst zu bei der Ausarbeitung des Entersbacher Ortsführers und bei der Beschilderung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Ober- und Unterentersbach. Auch seine Mitwirkung bei den Informationsgesprächen mit den Schülern der Werkrealschule sei nicht zu unterschätzen. Hier helfe er den Bildsteinaufsatzverfassern, Schreibhemmnisse zu überwinden, und gebe wertvolle inhaltliche Tipps zur Themenfindung und -ausgestaltung.
Besondere Ehrung durch den Landrat
Im Sitzungssaal des Kreistags in Offenburg wurden anlässlich des Jubiläums der VHS Ortenau am 18. September 2025 die Mitglieder Sybille Nock, Ulrich Spitzmüller und Bertram Sandfuchs für „besondere Verdienste für die Weiterbildung“ von Landrat Thorsten Erny geehrt.
Weitere innerstädtische Hinweisschilder zum Rundofen beantragt
Vorsitzender Sandfuchs berichtete dann vom Antrag des Historischen Vereins vom Juli 2025 an den Verkehrsausschuss der Stadt Zell, eine zielführende Beschilderung zum Rundofen, auch in der Stadtmitte, zu installieren.
Der Historische Verein hatte im Vorjahr vorgeschlagen, an den Bundesstraßen vor den Ausfahrten nach Zell die bisherigen Schilder für Zeller Keramik zu ersetzen durch neue Schilder mit dem Text „Historischer Rundofen – Zeller Keramik“. Herr Reich vom Hauptamt hat dankenswerterweise den Vorschlag angenommen und in die Tat umgesetzt. Laut Auskunft des Hauptamts wurde der neue Antrag weitergeleitet und wird derzeit vom Landratsamt bearbeitet.
Ausstellung „Bedrohte Völker“ und Keramikkunst als Hauptereignis
Sandfuchs erinnerte auch an das vom Historischen Verein Zell organisierte Hauptereignis im Runofen: Die beeindruckende Fotoausstellung von Lutz Lefèvre über „Bedrohte Völker“ und die Keramikkunst von Georg Eiselt. Diese Doppelausstellung habe eine überaus große, auch überregionale, positive Resonanz gefunden. Die bestens besuchte Vernissage am 15. April 2025 habe auf dieses Ereignis motivierend eingestimmt.
Aktuelle Projekte
Zu den anstehenden Projekten führte Sandfuchs die Rundumerneuerung der Historischen Fenster im Bahnhof Zell auf sowie die Finalisierung einer Veröffentlichung zu den Bildzeugnissen in der Stadtpfarrkirche „St. Symphorian“. Recherche- und Forschungsergebnisse zur Herkunft des Patronats, zu einzelnen noch unbekannten Bildnissen des Chorgitters und zu den Prozessberichten des römischen Gerichts über den Heiligen werden derzeit noch bei Universitätsexperten eingeholt.
Ziel neuer Schriften müsse immer sein, den aktuellen wissenschaftlichen Stand zu beschreiben und nicht bei den alten Erkenntnissen stehen zu bleiben. Dieses Prinzip sei auch bei den vorigen, kürzlich herausgegebenen Schriften eingehalten worden, dem Neudruck der Fabrikrede von Franz Joseph Buss mit weithin unbekannten Begleitmaterialien und dem Rundofenführer.
Kassenbericht mit guter Finanzlage
Schatzmeister Kähms berichtete anschließend von den getätigten Ein- und Ausgaben. Das Spendenaufkommen habe die Herausgabe von historischen Neuerscheinungen und die Anschaffung einiger Exponate für den Bahnhof erlaubt. Kassenprüfer Wolfgang Krämer bescheinigte Bernd Kähms eine tadellose, in jeder Einzelheit überprüfbare Kassenführung.
Gemeinderat Max Bergsträsser leitete die Entlastung des Vorstands für die geleistete Arbeit und für den soliden Kassenbericht, die mit einstimmigem Votum erfolgte.
Der Experte für die Geroldsecker spricht
Als Höhepunkt der öffentlichen Versammlung konnte der Vortrag von Josef Ringwald aus Biberach bewertet werden, der sich anschloss. Ringwald gelang es, die hochkomplexe Geschichte der Adelsfamilie Geroldseck auf den Punkt zu bringen mit den entscheidenden Umbrüchen, den Aufs und Abs der immer streitbaren Familie seit ihrem Aufkommen in der Stauferzeit.
Markante Stationen wurden mit aussagekräftigen Dokumenten und Abbildungen auch visuell sehr anschaulich den Anwesenden nahegebracht. Dazu zählte jene kaum bekannte Zeichnung der Burg Hohengeroldseck, die sie im ausgebauten Zustand vor ihrer Zerstörung zeigt.
Einige beeindruckende Zeugnisse aus seinem reichhaltigen Fundus der Adels- und Burgengeschichte hatte Ringwald auch mitgebracht und ließ sie herumgehen. Dies alles trug Ringwald in freier Rede vor, ohne Abschweifungen von dem in seinem Hinterkopf genau verfolgten Plan einer kompakten Gesamtschau. Entsprechend begeistert und herzlich fiel der Beifall aus, den die Zuhörer dem Referenten abschließend zollten.
Historische Rätselfrage
Die Veranstaltung ging, wie auch in den vergangenen Jahren, zu Ende mit einer historischen Rätselfrage: „Sichtbar am Rande der Hauptstraße einer Gemeinde der Stadt Zell ist dieses Steindenkmal aufgestellt. Wo befindet sich dieses historische Zeugnis?“
In diesem Jahr wusste keiner der Anwesenden eine Antwort. Bei der Zusatzfrage „Wer wird in diesem Kleindenkmal dargestellt?“ rieten jedoch zwei Teilnehmer spontan und gleichzeitig richtig: Links neben dem Hoteleingang des Gasthauses „Pflug“ in Unterentersbach ist von der Besitzerfamilie Bitsch dankenswerterweise diese Stele aufgestellt worden.
Es handelt sich um eine beim Umbau des Hotels vor kurzem aufgefundene, im Mauerwerk verbaute, Stele. Obwohl nur noch schemenhaft erkennbar, weisen die Insignien Krummstab, Mitra und Bischofsrobe auf den Kirchenpatron von Entersbach, den Hl. Nikolaus.





