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Haslach | 7.11.2018

Ernährung, Bewegung und Gehirntraining kann Alzheimer vorbeugen

Vortrag in der Haslacher Stadthalle klärt über Hintergründe der Krankheit auf und empfiehlt Strategien zur Vorbeugung

Foto:
Anlässlich des 30-jährigen Jubiläum der ökologischen Verbrauchergemeinschaft Kiebitz referierten Dr. Kurt Mosetter (links) und Dr. Bernhard Dickreiter (zweiter von rechts) in der voll besetzten Haslacher Stadthalle. Hanni Schaeffer (zweite von links) stellte den Verein kurz vor, Carlo Carosi (rechts) bedankte sich seitens der Sparkasse Haslach-Zell. Foto: Christina Kornfeld
von Christine Störr

Alzheimer ist keine Krankheit, die man bekämpft. Vielmehr muss das „Ökosystem“ des Menschen flott gemacht werden. So jedenfalls sieht es der aus Gutach stammende Arzt Kurt Mosetter, der zusammen mit Dr. Bernard Dickreiter in der Haslacher Stadthalle referierte.

Das Interesse am Thema Alzheimer war enorm, die Stadthalle voll besetzt. Und schnell war klar: Eine Sache alleine macht den Menschen nicht krank. Wenn allerdings Fehlernährung auf Bewegungsmangel trifft, gerät das „Ökosystem“ des Menschen in Schieflage. „Die Leber ist das Sprungbrett zur Krankheit“, erklärte Mosetter. „Sie haben etwa 20 Jahre Zeit, um zu reagieren.“ Wer auf Weißmehl, raffinierten Zucker und Konserven verzichte, habe schon viel für den eigenen Körper getan. „Alzheimer ist Diabetes Typ III – die Blutzucker-Krankheit im Gehirn“, fasste er seine wissenschaftlichen Ausführungen zusammen. Doch der Körper habe DNA-Reparatur-Werkstätten; deshalb gelte: keine Bekämpfung der Krankheit, sondern an der Reparatur arbeiten! Alzheimer sei reversibel – es denn, der „Flächenbrand“ wäre schon zu groß. Es gebe endlos viele Arbeiten darüber, dass ein verrückter Lebensstil und falsche Ernährung krank machen würden. Es brauche Aufklärung über die Frühwarn-Symptome, wie beispielsweise Heißhunger bei normal erscheinendem Blutzuckerspiegel, niederem Eisenwert oder Vitamin D-Mangel, die es ursächlich zu beheben gelte. Die Basis des Lebens müsse eine intelligente Ernährung und ein gesunder Lebensstil sein, wurde immer wieder erklärt. „Zucker und Süßgetränke sollten als Gift gehandelt und verboten werden“, war die Botschaft. Mosetter verwies gleichzeitig auf die Eigen-Verantwortung: „Die Entscheidung muss nicht in der Politik fallen – sondern bei jedem einzelnen selbst.“ Dr. Bernhard Dickreiter arbeite in der zellbiologischen Rehabilitationsmedizin und sei einst sein Mentor in der Nordracher Klausenbach-Klinik gewesen, leitete Mosetter zum zweiten Referenten über. „Was wir brauchen sind neue, ganzheitliche Präventions- und Therapiestrategien“, schickte Dickreiter voraus und erklärte: „Das Modell der Zukunft wird der Fisch im Aquarium sein.“ Wenn der Fisch in einer Dreckbrühe schwimme, nütze es nichts, eine Infusion anzulegen – das Wasser müsse ausgetauscht werden. „Wir haben kein Gehirn – wir sind unser Gehirn. Und das macht die Krankheit so dramatisch für die Betroffenen“, betonte der Arzt. Man müsse davon wegkommen zu glauben, man schlucke eine Pille und werde gesund. „Lebensstil bedingte Krankheiten sind nicht durch chemische Mittel zu heilen!“ Nach der Erklärung des Hippocampus als Eintrittstor ins Gedächtnis und der Möglichkeit zur Neurogenese bis ins hohe Lebensalter verdeutlichte Dickreiter: „Bewegung ist der stärkste Stimulus für die Neubildung von Nervenzellen.“ Schlaf entgifte das Gehirn, das Alter habe mit Alzheimer wenig zu tun. Der Lebensstil sei der entscheidende Faktor. „Was heute als normal gilt, ist noch lange nicht natürlich!“ Über Ernährung, Bewegung und Gehirntraining lasse sich Alzheimer vorbeugen und auch heilen – aber nur mit Konsequenz. „Wir werden Verantwortung für unser Leben übernehmen müssen“, endete der Arzt.

„Verhalten, Lebensstil, Umwelt, Epigenetik/Genetik, Stress, Stresshormone, Zucker, Insulinresistenz und Entzündung sind entscheidende Schrittmacher zum Alzheimer“, erklärte Dr. Kurt Mosetter. Er hat verschiedene Bücher zum Thema Zucker und Alzheimer veröffentlicht. Künftig sei die systembiologische Sichtweise auf den einzelnen Menschen unabdingbar, führte Dr. Bernhard Dickreiter aus und verglich: „Wenn ein Auto ohne Luft in den Reifen, ohne Benzin, ohne Öl und mit leerer Batterie im Hof steht, kann es nicht fahren.“ Es müsse eben vieles beachtet werden.

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