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Gengenbach | 8.08.2025

Macht, Glaube und Wandel: Die Geschichte des Klosters Gengenbach

Foto:
Das ehemalige Benediktinerkloster mit seiner Kirche von Osten. Foto: Fotos/Repros: Dieter Petri
von Dieter Petri

Vor 1300 Jahren gründete ein Wandermönch das Kloster Gengenbach. Was folgte, wäre Stoff für eine spannende Mittelalter-Serie – inklusive Mord, Machtspielen und genialen Erfindern. Ein Streifzug durch 13 turbulente Jahrhunderte.

Foto: Fotos/Repros: Dieter Petri
Die Miniatur aus dem „Gengenbacher Evangeliar“ zeigt den Evangelisten Matthäus mit Schreibfeder und einem Messer zum Nachschneiden der Gänsefeder.
Foto: Fotos/Repros: Dieter Petri
Das stattliche Portal führte früher ins Kloster, heute in die Fachhochschule für Betriebswirtschaft.
Foto: Fotos/Repros: Dieter Petri
Nahe der Stadthalle am Nollen erinnert ein Denkmal an den katholischen Pfarrer der Gegenreformation: Cornelius Eselsberger.
Foto: Fotos/Repros: Dieter Petri
Im Kinzigtal weithin sichtbar: die Jakobskapelle.
Foto: Fotos/Repros: Dieter Petri
Der Apostel Jakobus mit Pilgerstab, Wanderstab und Trinkflasche. Die Muschel an Hut und Umhang sollte belegen, dass man das Strandgut im Meer bei Santiago gefunden hatte.
Foto: Fotos/Repros: Dieter Petri
Das in der Jakobskapelle gezeigte Bild von der Himmelfahrt Mariens über dem Kloster und der Jakobuskapelle gilt als älteste Darstellung des Klosters.

Bis heute prägen die katholische Stadtkirche mit ihrem barocken Turm und der damit verbundene stattliche Gebäudekomplex das Gengenbacher Stadtbild. Die Gebäude werden heute von der Fachhochschule für Betriebswirtschaft und dem Pfarrbüro mit Pfarrerwohnung genutzt.

Wie mit Pirmin alles begann

Ihre Entstehung verdanken sie zusammen mit der Kirche dem einstigen Orden der Benediktiner. Ihr Kloster wurde 1807 vom Großherzogtum Baden aufgehoben und übernommen. Die Gründung geht auf den Wandermönch Pirmin zurück. Dieser kam um das Jahr 725 von der Insel Reichenau, wo er zuvor schon ein Kloster ins Leben gerufen hatte. Auf ihn gehen in der Ortenau auch die Klöster Schuttern und Schwarzach zurück.

Die politische Unterstützung zur Gründung des Klosters in Gengenbach kam 761 von Graf Ruthard, einem Gebietsherrn im Elsass, der auch rechtsrheinische Gebiete erworben hatte.

Glaube trifft Macht

Die Regel für das geistliche Leben in einem Benediktinerkloster geht auf den heiligen Benedikt von Nursia zurück, der im süditalienischen Montecassino 529 das erste Kloster gründete. Als sich das Römische Reich auflöste, kam es zur Völkerwanderung, in der beispielsweise die Goten ihre Siedlungsgebiete im östlichen Europa verließen und spanische Gefilde eroberten. In einer Zeit, in der vieles im Fluss war, stellten Klöster Orte dar, in denen Menschen zur Ruhe kamen.

Obwohl das gemeinschaftliche religiöse Leben im Vordergrund stehen sollte, bekamen die Benediktiner-Klöster meist auch eine wirtschaftliche Bedeutung. „Ora et labora“, bete und arbeite, lautete die Losung.

Das Kloster in Gengenbach machte sich im Einvernehmen mit der staatlichen Herrschaft und deren Schenkung die Rodung und Urbarmachung des Kinzigtals zur Aufgabe. Nicht von ungefähr hieß die heute blühende Ortenau vormals „Mortenau“ (Flur des Todes), vermutlich in Anspielung auf das von der Kinzig gespeiste Sumpfgebiet. Teils gründete das Kloster mit ihren nichtstudierten „Brüdern“ vereinzelt eigene Höfe, meistens aber „verlieh“ es öde Gebiete zur Urbarmachung an freie Bauern und ihre Nachkommen. Die Lehensnehmer („Lehmänner“) hatten dem Kloster dafür einen jährlichen „Zehnten“ in Form von Geld und Naturalien zu entrichten.

Infolge der Ansiedlung von klosterabhängigen Bauern entstanden z. B. unterhalb des Gengenbacher Klosters die Orte Reichenbach und Ohlsbach, oberhalb die Siedlungen Fußbach, Erzbach, Biberach, Zell, Unter- und Oberentersbach, Steinach und Fischerbach.

Das Kloster erlebte zunächst großen Zulauf an geistlichen Patres und handwerklich sowie landwirtschaftlich tätigen Brüdern. Hundert Jahre nach Gründung zählte die Gemeinschaft von Patres und Brüdern (Konvent) rund 100 Mitglieder.

Reichsabtei und Streit um Land

Im Jahr 1007 verlieh der deutsche König und spätere Kaiser Heinrich II. dem Gengenbacher Kloster den Status einer Reichsabtei mit Zuordnung zum Reichsbistum Bamberg.

Die von Mönch Bernold

geschriebene Gengenbacher Chronik berichtet vom gewaltsamen Tod eines Abtes namens Rupertus. Er wurde bei der Auseinandersetzung mit einem Lehensnehmer in Unterentersbach im Jahre 1075 erschlagen. Das Beispiel zeigt, dass die Vergabe von Lehen keineswegs immer konfliktlos verlief.
1139 bestätigt Papst Innozenz II. dem Kloster Gengenbach seine Besitzungen. Dabei werden auch die Orte Reichenbach unterhalb Gengenbachs, Zell a. H., Harmersbach, Nordrach und Steinach erwähnt. Die pionierhafte Rodungstätgkeit des Klosters war besonders im 11. und 12. Jahrhundert gefragt. Es wäre jedoch zu einseitig, neben dieser landwirtschaftlichen Tätigkeit das geistige Leben im Kloster zu übersehen.

Bücher, Bildung und ein besonderer Schatz

Seit dem 11. Jahrhundert lässt sich eine Schreibstube („Scriptorium“) nachweisen. Das sogenannte „Gengenbacher Evangeliar“ ist allerdings nicht im Kloster Gengenbach, sondern im oberelsässischen Kloster Marbach/Schwarztann um 1150 entstanden. Im Gengenbacher Kloster war das kostbare Evangelienbuch lediglich über die Jahre in Gebrauch. Nach der Aufhebung des Klosters gelangte es in die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart. Im Jubiläumsjahr 2025 wird das Prachtexemplar im Gengenbacher Museum Haus Löwenberg ausgestellt.

Neben der geistigen und landwirtschaftlichen Tätigkeit stand das gottesdienstliche Leben mit Stundengebet und heiliger Messfeier im Vordergrund. Von dieser religiösen Mitte aus lag dem Kloster auch die Förderung kirchlichen Lebens außerhalb der Klostermauern am Herzen. Das Kloster richtete in den anhängigen Siedlungsgebieten Pfarreien ein und besetzte diese mit ihren Patres. Dies hatte jedoch immer im Einvernehmen mit dem zuständigen Diözesan-Bischof zu geschehen. Für Gengenbach und Umgebung war dies bis Ende des 18. Jahrhunderts der Bischof von Straßburg. Den Pfarreien wurden Grundstücke in Wald und Flur als Pfründe zugesprochen. Aus deren Verpachtung waren die Gotteshäuser zu unterhalten.

Literatur: Reinhard End, Das Benediktinerkloster in Gengenbach. In: Die Klöster der Ortenau. Hg. Wolfgang Müller, Die Ortenau 1978, S. 25-242

Lambertus von Brunn: Der Aufsteiger

Zu den bedeutendsten Äbten des Gengenbacher Benediktinerklosters zählte Lambertus von Brunn. Ortshistoriker Winfried Lederer widmete ihm in seiner Chronik der Äbte von 2007 ein eigenes Kapitel. Die Beifügung „Brunn“ spielt auf den unterelsässischen Ort Niederbronn an, wo Lambert um 1320 als Sohn eines Ritters zur Welt kam. Sein Vater schickte ihn auf die Lateinschule des Klosters Gengenbach. Später trat Lambertus in das unterelsässische Kloster Neuweiler ein. 1356 wählte ihn der Konvent des Klosters Gengenbach zu seinem Abt.

Lamberts diplomatisches Verhandlungsgeschick machte ihn über das Kloster hinaus bekannt. Nicht nur der Bischof von Straßburg, Johann II., sondern auch Kaiser Karl IV. nahmen seinen Rat in Anspruch. Schließlich setzten Papst Gregor XI. und Kaiser Karl IV. Abt Lambertus zum Fürstbischof von Bamberg ein. In Gengenbach hatte Lambert auf dem Rathaus den Alten Rat um den Jungen Rat ergänzt. Die Mitglieder des Alten Rats kamen aus dem Handel, die des Jungen Rats hingegen aus dem Handwerk. Beide Gruppen wählten je einen „Stättmeister“ (Vorläufer des Bürgermeisters), die sich jährlich in der obersten Verwaltung ablösten.

Lambert von Brunn hatte auch eingeführt, dass Gerichtsverfahren von einem Stadtrichter, sprich „Schultheiß“, geleitet wurden. Dessen Berufung sollte dem Abt des Klosters vorbehalten sein. Diese Regelung galt im Übrigen nicht nur für die Reichsstadt Gengenbach, sondern in gleicher Weise für die mit dem Kloster verbundene benachbarte Reichsstadt Zell a. H.

Literatur: Winfried Lederer, Benediktinerabtei und Reichsstadt Gengenbach. Abte und Mönche der Abtei. (Lindenberg) 2007

Reformation und Rückschlag

Das heute als katholische Pfarrkirche genutzte Gotteshaus stand einst nur den Mönchen des Benediktinerklosters und ihren Besuchern zur Verfügung. Als Pfarrkirche („Leutkirche“) diente die Friedhofskirche St. Martin, die außerhalb der Stadtmauern lag. Die Gottesdienste wurden hier von einem „Leutpriester“ gefeiert. Ursprünglich wurde dieser vom Kloster gestellt. Um 1525 kam es deswegen zum Konflikt mit der Stadt. Der Stadtrat verlangte nämlich, dass die Klosterkirche auch als Pfarrkirche dienen sollte. Dieses Ziel erreichte er erst 15 Jahre später, als Abt Horneck von Hornberg und sein Prior der Nutzungsänderung notgedrungen zustimmten.

Der Stadtrat war damals

der klosterkritischen Reformation durchaus zugeneigt. 1529 hatte er sich bereit erklärt, 39 evangelisch gewordene Bürger von Rottweil in Gengenbach aufzunehmen. Ein Jahr darauf bekannte sich der Beauftragte der Reichsstadt Gengenbach zusammen mit dem Vertreter der Reichsstadt Offenburg auf dem Reichstag zu Augsburg ausdrücklich zur Reformation. 1536 hat die Stadt sogar eine protestantische Schule eingerichtet und der Leitung des evangelischen Theologen Matthias Erb aus Ettlingen unterstellt. Dass die Idee der Reformation sich in Gengenbach so stark ausbreitete, hing mit dem Einfluss der Stadt Straßburg zusammen, in der die reformierten Prediger und Theologen den Ton angaben – so Martin Bucer und Caspar Hedio.

1545 gab die evangelische Geistlichkeit gar einen Katechismus zur Bekehrung der Katholiken heraus. Das Dokument ist uns als „Gengenbacher Katechismus“ erhalten. Möglich gemacht hatte diese Entwicklung der damalige Landvogt der Ortenau, Graf Wilhelm von Fürstenberg, im Volksmund auch der „wilde Wilhelm“ genannt.

Konfessionelle Wendungen

Der Erfolg der Reformation währte in der Klosterstadt jedoch nicht lange. 1550 lag das Recht, eine Schule einzurichten, wieder allein beim Kloster. Graf Wilhelm hatte nämlich 1547 abgedankt und die Herrschaft seinem katholisch gebliebenen Bruder Friedrich übergeben. Der in der Folge eingesetzte katholische Pfarrer von St. Martin, Cornelius Eselsberger, setzte sich persönlich für die katholische Ausrichtung der Klosterschule ein.

Als 1551 Erzherzog Ferdinand von Vorderösterreich die Landvogtei Ortenau übernahm, hielt der kloster-freundliche Wind für Gengenbach an. Er währte dann etwa ein Jahrhundert, bis der Dreißigjährige Krieg im Land wütete. Im Jahre 1643 besetzten die protestantischen Truppen des Bernhard von Weimar die Stadt. Und vier Jahrzehnte später, am 8. September 1689, steckten die katholischen Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. die Stadt Gengenbach mitsamt dem Kloster in Brand. Sowohl die Klosterkirche Unserer Lieben Frau als auch die Leutkirche St. Martin wurden zerstört.

Die Wallfahrtskapelle auf dem „Bergle“

Im Kinzigtal weithin sichtbar ist die Kapelle auf dem Gengenbacher Hausberg. Sie wurde 1682 von Abt Placidus Thalmann erweitert. Sie ist dem Apostel Jakob gewidmet, dessen Grab in Santiago de Compostela an der Nordwestküste Spaniens verehrt wird. In unseren Tagen erfreut sich die Wallfahrt nach Santiago wieder großer Beliebtheit. Begonnen hat diese Tradition im Mittelalter. Die erste Jakobuskapelle wurde bereits 1289 auf dem Bergle errichtet. Abt Placidus hat demnach in der Gegenreformation die ältere Tradition wieder aufgegriffen und gefördert.

Der Zeller Ortshistoriker Thomas Kopp hat im Archiv der Stadt Zell Belege für zwei Gesellen gefunden, der eine ein Bäcker, der andere ein Maurer, die 1610 beim Stadtrat um Erlaubnis nachgesucht haben, nach dem fernen St. Jakob in Spanien pilgern zu dürfen. Das städtische Begleitschreiben sollte bestätigen, dass die als rechtschaffene Bürger und nicht als Vagabunden unterwegs seien. Für die Aufnahme in den Pilgerherbergen war dieses Zeugnis sicherlich hilfreich.
Nicht alle konnten und wollten das Abenteuer einer langen Reise nach dem Wallfahrtsort im Nordwesten Spaniens auf sich nehmen. Für sie gab es ersatzweise die Tageswallfahrt zur Jakobskapelle in Gengenbach am Sonntag nach dem Jakobitag am 25. Juli. Dies wurde im „aufgeklärten“ 18. Jahrhundert von der Obrigkeit lieber gesehen. In deren Augen bedeutete eine über viele Monate währende Abwesenheit von der Arbeit für die Gesellschaft ein wirtschaftlicher Verlust.
Literatur: Thomas Kopp, Kinzigtäler pilgerten einst nach Santiago de Compostela. In: Die Ortenau 1982, S. 69-82

Abt, Künstler, Unternehmer

Im 18. Jahrhundert blühte das Kloster nochmals auf. 1726 wurde Paulus Seeger zum Abt gewählt. Er entstammte einer Familie in klösterlichen Diensten, die um 1640 von Nordrach nach Gengenbach gezogen war. Als Mönch des Gengenbacher Klosters wurde er in jungen Jahren zu Studienzwecken ins Kloster St. Blasien geschickt. Dank seiner künstlerischen Begabung als Maler beauftragte man ihn dort mit der Ausgestaltung des Ostflügels im Kloster. Es folgte eine vierjährige Tätigkeit als Hofkaplan beim Fürsten von Fürstenberg in Donaueschingen. Nach seiner Rückkehr nach Gengenbach wurde er zunächst als Stellvertreter des Abtes (Prior) eingesetzt und nach dem Tod des Abtes selbst zum Abt gewählt.

Barocke Blüte

Zu den großen Herausforderungen von Abt Paulus Seeger gehörte der Wiederaufbau der Klosterkirche, die zuletzt im Pfälzischen Erbfolge-Krieg Ludwig XIV., 1689, zerstört worden war. Ursprünglich war sie um 1125 im romanischen Stil des Mittelalters errichtet worden. Die Neugestaltung orientierte sich nun am zeitgenössischen Barockstil – für den kunsterfahrenen Abt die richtige Aufgabe! Dazu gehörte auch eine Orgel mit barockem Aufbau. Nach der Aufhebung des Klosters 1807 wurde das Schmuckstück abgebaut und ins Augustinermuseum Freiburg verbracht, wo sie heute noch zu besonderen Anlässen erklingt.

Vom Abt zum Fabrikdirektor

Eine andere Persönlichkeit, die sich als Leiter des Benediktiner Klosters Gengenbach einen Namen gemacht hat, ist Abt Benedictus Rischer. Er war 1710 als Sohn des Barockbaumeisters Johann Jakob Rischer und dessen Frau Anna-Maria Siebert, einer Gengenbacher Wirtstochter, in Mannheim zur Welt gekommen. Zu den heute noch sichtbaren Zeichen seiner Amtszeit (1710-1763), gehört der Wiederaufbau des Prälatenturms hinter der Klosterkirche an der Stadtmauer.

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts hatte Abt Augustin Müller, Amtszeit von 1696-1726, auf dem Mitteleck über Nordrach eine Glashütte errichtet. Das Kloster beschäftigte zu diesem Zweck anerkannte Glasmeister, die ihrerseits Glasknechte anwarben. Zum ersten Brennofen gehörten acht Arbeitsplätze für die Glasherstellung. Hinzu kamen Schürer zur Unterhaltung des Feuers, Holzhacker für das Fällen der Bäume, Fuhrleute für die Anlieferung des Holzes und des Quarzes und schließlich Glasträger, welche die Ware zu den Kunden brachten.

Als Benedikt Rischer Abt wurde, errichtete er 1750 in Nordrach-Kolonie einer Fabrik für Blaufarben. Der nötige Grundstoff, das Kobalt-Erz, wurde aus dem fernen Böhmen angekarrt. Die für die Gewinnung des Farbstoffs zudem erforderlichen Kieselsteine (Kalkspat) und Quarzsand wurden in der näheren Umgebung abgebaut. Das Endprodukt (Kobaltoxid) wurde zur Färbung oder Verzierung von Glas und Keramik (Steingut und Porzellan) verkauft. Zeitweise übernahm Abt Rischer selbst die Leitung des Betriebes, was ihm den Argwohn seiner Mitbrüder einbrachten. Sie hatten vom Amt eines Klostervorstehers eine andere Vorstellung.

1743 legte Benedikt Rischer sein Kloster-Amt nieder und ließ sich in den Laienstand zurückversetzen. Er zog in das „Herrenhaus“ ein, das er neben der Fabrik in Nordrach Kolonie hatte errichten lassen. 1763 ist Rischer in Gengenbach verstorben und wurde in der nördlichen Seitenkapelle der Gengenbacher Klosterkirche, dem sog. „Frauenchörle“ beigesetzt.

Literatur: Christa Kirn, Glashüttenbetrieb und Kobaltwerk in Nordach. In: Die Ortenau, 1956, 239-248.

Auskünfte von Egbert Hoferer und Thomas Laifer, Nordrach.

Die letzten Jahre

Bis zur staatlichen Vereinnahmung (Säkularisation) des Klosters und seiner Besitzungen im Jahr 1807 amtierten noch zwei Äbte: Jakobus Trautwein und Bernhard Maria Schwörer. Letzterer war der Sohn des Gengenbacher Adlerwirts. Als er 1792 zum Abt gewählt wurde, ahnte er noch nichts von der kommenden Auflösung des Klosters. 1802 zählte das Kloster immerhin noch 30 Mönche. Sechs der Patres hatten in umliegenden Gemeinden die Aufgaben von Pfarrern übernommen.

1803 ging zwar die Reichsstadt Gengenbach in das Großherzogtum Baden über, das Kloster wurde aber zunächst noch nicht aufgelöst. Es sollte noch die Mönche der beiden bereits aufgehobenen Klöster Ettenheimmünster und Schwarzach aufnehmen, soweit sie nicht als Weltpriester eingesetzt oder pensioniert worden waren.

Neue Aufgaben für die Patres

Im Oktober 1806 bat Abt Bernhard Schwörer, dem eine Auflösung des Klosters schwante, die großherzogliche Regierung, das kleine Gymnasium des Klosters wenigstens bis zum Jahresende weiterführen zu dürfen. Am 3. April 1807 besiegelte indessen der großherzogliche Erlass das endgültige Ende der klösterlichen Gemeinschaft. Die jüngeren Patres sollten als Gemeinde-Pfarrer eingesetzt und die älteren pensioniert werden. Der Abt selbst wurde Pfarrer der Stadt Gengenbach. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Klosterkirche endgültig Pfarrkirche.

Die Schätze der Klosterbibliothek gingen teilweise an die Hofbibliothek des Großherzogtums Baden in Karlsruhe über und gelangten schließlich in die „Badische Landesbibliothek“ Karlsruhe. Der Rest wurde den Universitätsbibliotheken in Heidelberg und Freiburg überlassen. Die Archivalien der Klosterverwaltung wanderten in das General-Landes-Archiv Karlsruhe.

Ein genialer Erfinder

Nicht unerwähnt bleiben soll ein Professor der einstigen Klosterschule, der eine bedeutsame technische Erfindung gemacht hat: Pater Coelestin, mit bürgerlichem Namen Friedrich Alois Quintenz. 1774 wurde er in Gengenbachs Kinzigvorstadt geboren und besuchte zunächst die Elementarschule des Klosters und danach dessen Lateinschule. Zum damaligen Lernprogramm gehörten auch die Fächer Mathematik und Naturwissenschaften, die den Schüler besonders interessierten.

Kein Wunder, dass Friedrich später selbst die Fächer Mathematik, Physik und Mechanik an der Klosterschule unterrichtete. Berühmt geworden ist er in der Folge als Erfinder der Dezimalwaage und der Zentesimalwaage. Erstere dient dem Abwiegen von mittelschweren Gütern, mit letzterer konnte gar das Gewicht ganzer Transportwagen ermittelt werden.

Noch vor dem offiziellen Ende des Gengenbacher Klosters ließ sich der erfinderische Pater in den Laienstand zurückversetzen und trat damit aus dem Kloster aus. Zunächst errichtete er in Straßburg eine Mechaniker-Werkstatt. 1814 folgte er einem Ruf als Fabrikdirektor nach St. Blasien. Dort wurden im gleichfalls aufgehobenen Kloster im Auftrag der badischen Regierung Gewehre und Spinnereimaschinen hergestellt.

Literatur: Winfried Lederer: Äbte und Mönche der Abtei, (Kunstverlag Josef Fink) 2007

Frauen übernehmen

Dass sich in Gengenbach im 19. Jahrhundert, als die Geschichte des Benediktinerklosters zu Ende ging, wiederum eine klösterliche Gemeinschaft, diesmal von Schwestern entwickelte, ist indirekt einem großherzoglichen Verbot zu verdanken. Auf dem Tretenhof in Seelbach hatte der katholische Pfarrer von Seelbach, Wilhelm Berger, Mitte des 19. Jahrhunderts ledige Frauen zusammengeführt, die bereit waren, Kranke in deren zuhause zu pflegen. Die badische Regierung verbot diese Initiative – nicht der Krankenpflege, sondern des gemeinsamen religiösen Lebens wegen. „Klöster“ galten als passé!

Einige der Frauen kehrten auf den elterlichen Bauernhof zurück, andere wanderten in das freiheitsliebende Nordamerika aus, wieder andere fanden eine Anstellung im städtischen Krankenhaus von Gengenbach. Als die Regierung der Wiedergeburt einer klösterlichen Gemeinschaft gegenüber duldsamer wurde, bot sich Gengenbach als Ort für ein Mutterhaus für die „Franziskanerinnen vom göttlichen Herzen Jesu“ an. Nach jahrzehntelangem Zustrom von Schwestern hat die Gemeinschaft heute Nachwuchsprobleme. Der alttestamentliche Prediger/Kohelet weiß (3,1): „Alles hat seine Zeit“!

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Schlagworte:
Historisches

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