Horst Petrich und seine Frau Marianne Wörner-Petrich nahmen das Publikum mit auf eine eindrucksvolle Rundreise durch den Nordwesten Indiens.
Foto: Horst Petrich
Foto: Ulla Specken
Foto: Horst PetrichDer Seniorennachmittag im Pfarrheim in Zell stand diesmal ganz im Zeichen Indiens: Ein Diavortrag über die Vielfalt der Provinz Rajasthan begeisterte die Besucherinnen und Besucher. Farbenreichtum, eindrucksvolle Paläste sowie Einblicke in Kultur, Geschichte und Religion machten eine ferne Welt anschaulich erlebbar.
Bunt dekorierte Tische im Pfarrheim ließen bereits beim Eintreten erkennen, dass dieser Seniorennachmittag unter einem besonderen Motto stand. Nach der Begrüßung der zahlreich erschienen Seniorinnen und Senioren durch das Leitungsteam von FORUM älterwerden wurde der Nachmittag mit einer Gedenkminute eröffnet. In stillem Erinnern wurde dabei vier Seniorinnen und Senioren gedacht, die im Jahr 2025 verstorben sind und über viele Jahre regelmäßig an den Veranstaltungen teilgenommen hatten.
Mit dem von Lilo Schwarzer vom FORUM älterwerden vorgetragenen Text „Auf eine große Reise gehen“ wurde die Überleitung zum anschließenden Bildvortrag geschaffen. Unter dem Titel „Rajasthan – Eine Reise durch das Land der Maharadscha“ nahmen Horst Petrich und seine Frau Marianne Wörner-Petrich das Publikum mit auf eine eindrucksvolle Rundreise durch den Nordwesten Indiens. Rajasthan, das „Land der Könige“, ist etwa so groß wie Deutschland und zählt 70 Millionen Einwohner.
Zur Geschichte von Rajasthan
Horst Petrich spannte den historischen Bogen von frühen Einwanderungen aus dem Raum des Kaspischen Meeres über die Entstehung des Kastensystems bis hin zur islamischen Herrschaft und zur Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947.
Vom 18. bis 15. Jahrhundert vor Christus kamen Einwanderer vom Kaspischen Meer nach Nordindien, die sich dort sesshaft machten. In dieser Zeit entstand auch das Kastenwesen – eine strenge gesellschaftliche Rangordnung. Offiziell ist es heute nun verboten, prägt jedoch weiterhin den Alltag vieler Menschen.
Im 8. Jahrhundert breitete sich der Islam aus, um etwa 1200 gab es den ersten islamischen Herrscher. Innerhalb der muslimischen Territorien bildeten sich hinduistische Fürstentümer, an deren Spitze jeweils ein Maharadscha stand. Der Begriff bedeutet übersetzt „großer Herrscher“. Mit der Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien im Jahr 1947 endete auch die politische Macht der Maharadschas. Aus den ehemaligen Fürstenstaaten entstand der heutige Bundesstaat Rajasthan.
Der Tag der Tränen
Der Vortrag begann mit einem Hochzeitsfoto, das ein Brautpaar und die Schwiegermutter der Braut zeigte. „Der wichtigste Tag im Leben ist die Hochzeit. Die Schwiegermutter der Braut hat alle Fäden in der Hand“, erklärte Horst Petrich und gab damit einen Einblick in gesellschaftliche Traditionen.
Die beiden Referenten durften selbst an einer indischen Hochzeit teilnehmen. Dieses Fest dauerte drei Tage und fand im Freien auf einem Gelände statt, das etwa drei Fußballfelder groß war. Rund 700 bis 800 Gäste waren geladen. Der Bräutigam sieht die Braut dabei zum ersten Mal. In rund 90 Prozent der Fälle organisieren die Eltern die Hochzeit. Die Familie der Braut tragen die Kosten und stellt die Mitgift. Der Tag, an dem die Braut in das Haus der Schwiegermutter zieht, wird als „Tag der Tränen“ bezeichnet.
Pulsierende Mega-Städte
Mit Musik untermalt begann die bildgewaltige Reise in der Metropole Delhi.
Dichter Verkehr, hupende Fahrzeuge, geschäftige Märkte und Garküchen mit würzigen Düften prägten das Stadtbild.
Marianne Wörner-Petrich schilderte die Vielfalt der Gewürze – von Kurkuma und Kardamon bis zu Chili und Kreuzkümmel – sowie die großen Auslagen mit Nüssen und Trockenfrüchten auf den Basaren.
Für europäische Augen ungewohnt, für die Menschen vor Ort jedoch selbstverständlich, sind Kühe mitten im Straßenverkehr. Im Hinduismus gelten sie als heilig und sind fester Bestandteil des Alltags.
Die Rundreise führte dann nach Bikaner mit seinem prachtvollen Maharadscha-Palast, nach Jaisalmer, der „goldenen Stadt“ in der Wüste Thar, sowie zu beeindruckenden Festungen und Palästen aus Sandstein und Marmor.
Religionen und gelebter Glaube
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der religiösen Vielfalt Indiens. Mit rund 80 Prozent der Bevölkerung ist der Hinduismus die größte Religion des Landes. Er entwickelte sich über mehr als 3.500 Jahre und ist geprägt vom Glauben an die Wiedergeburt. Tempel, Rituale, Götterverehrung und farbenprächtige Feste gehören zum Alltag.
Etwa 13 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an, der sich insbesondere während der Mogulzeit von 1526 bis 1858 stark verbreitete und Architektur sowie Kultur nachhaltig beeinflusste.
Auch der Jainismus wurde
vorgestellt, der strikte Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen fordert. Besonders beeindruckend war der Jain-Tempel von Ranakpur, ein Bauwerk aus weißem Marmor mit 1.444 kunstvoll gestalteten Säulen, von denen keine der anderen gleicht.
Der Sikhismus lehnt das Kastensystem ab und lebt Nächstenliebe ganz praktisch: Bedürftige werden täglich mit kostenlosen Mahlzeiten versorgt.
Begegnungen
Großen Eindruck hinterließen auch die Bilder der Menschen. Frauen in farbenfrohen Saris, schwere Lasten auf dem Kopf tragend, waren ebenso zu sehen wie die Offenheit vieler Einheimische, die sich gerne fotografieren ließen.
Persönliche Erlebnisse machten den Vortrag besonders lebendig. Marianne Wörner-Petrich berichtete von einem anstrengenden Kameltrekking und von einem gemeinsamen Essen mit einer indischen Familie, bei dem traditionell auf dem Boden sitzend gegessen wurde. Zuvor durfte sie beim Kochen mithelfen. Auch dabei tragen indische Frauen Saris – Wickelkleider aus Stoffbahnen von fünf bis neun Metern Länge.
Um diese besondere Kleidung zu veranschaulichen, breiteten die Referenten eine mehrere Meter lange Stoffbahn eines Saris vor dem Publikum aus.
Große Baukunst und Weltwunder
Weitere Stationen der Reise waren Jodhpur, die „blaue Stadt“, mit dem hoch über der Stadt thronenden Mehrangarh-Fort, Udaipur, die „weiße Stadt“, sowie Jaipur, die „rosarote Stadt“, mit dem Palast der Winde, dem Stadtpalast und dem Amber Fort. Auch Pushkar, eine der ältesten und religiös bedeutendsten Städte Indiens, fand Erwähnung.
Den Abschluss bildete das weltberühmte Mausoleum Taj Mahal in Agra, eines der sieben Weltwunder. Mit dem Symbol hoher indischer Baukunst endete ein informativer und professionell gestalteter Diavortrag mit beeindruckenden Fotografien. Mit langanhaltendem Applaus dankte das Publikum den Referenten.
Auch das Leitungsteam von FORUM älterwerden sprach seinen Dank aus und überreichte Horst Petrich und Marianne Wörner-Petrich ein Präsent – als Anerkennung für einen Nachmittag, der die Seniorinnen und Senioren gedanklich auf eine große Reise durch Rajasthan geführt hatte.




