Auf der Suche nach Wegen aus der Krise

MGV Liederkranz will und wird wieder singen – Sängerinnen und Sänger wollen Dirigenten selbst finanzieren

Der Gesangverein Liederkranz durchlebt schwere Zeiten. Er kann inzwischen von Corona sein Liedlein singen. Schon die Frage der Sänger: »Wo proben wir,« ist unbeantwortbar.

Für die Pausenhalle der Grundschule genehmigt die Stadt – auch sie muss sich an Regeln halten – bis zu 20 Sängern, die proben dürfen. Da 34 Sänger gerne singen wollen, kommt die Pausenhalle nicht in Frage. Und die Schwarzwaldhalle, die ja wirklich groß wäre, um allen Sängern im Abstand von mindestens 1,50 m genügend Platz zum Proben zu bieten, wird für den Sport benötigt. Bleibt die Cafeteria der Schwarzwaldhalle, das ist aber nicht praktikabel – die Hallengeräusche sind einfach zu laut.

Ja, und wenn sich dann doch noch einen Raum finden ließe, kommt die nächste Frage. Wer dirigiert? Der langjährige, hervorragende Dirigent Thomas Dreher liegt im Krankenhaus – zwar auf dem Weg der Besserung. Aber das haben ihm die Ärzte schon signalisiert, zunächst muss er sich vor allem schonen. Andere Vorschläge, dass der Verein einen neuen Dirigenten sucht, der vorübergehend den Chor leitet, bis Thomas Dreher wieder als Kapitän an Bord ist, sind einfach nicht realistisch. Die Sänger, an der Spitze der langjährige Vorsitzende Manfred Herrmann, sprechen sich klar dafür aus, dass Thomas Dreher alle Zeit zum wieder Gesundwerden bekommen muss. Ein Sänger: »Er ist der Beste und passt zu uns.« Und alle
nicken.

Auch die CanTanten vom Frauenchor des  MGV, machen sich schon länger über die weitere Zukunft Gedanken. Ihre langjährige Dirigentin, Bärbel Neunzig, möchte gerne kürzertreten und hat das auch kundgetan. Doch eine neue Dirigentin zu finden ist nicht leicht und sie kostet Geld.

Dirigentenhonorar

Bisher waren die beiden Dirigenten des MGV Liederkranz für ihre Arbeit mehr oder weniger mit einem Geschenk zufrieden. Ein Chor im Verband Kinzigtal hat klipp und klar erklärt: Wenn wir unsere Jahresveranstaltung nicht durchführen können, stehen wir finanziell im Aus. Wir können dann den Dirigenten nicht mehr zahlen. Es gibt im Raum betroffene Gesichter.
Da ergreift Petra Glaser als Sprecherin der CanTanten das Wort mit einem positiven Signal: »Dass eine Dirigentin kostet, ist uns klar und wir haben bei uns schon geregelt, dass monatlich dafür ein fester Betrag von uns aus unseren privaten Mitteln bezahlt wird. Bei uns ist alles schon in trockenen Tüchern. Wir wollen wieder singen.«

Auch die Männer nicken bei diesem Satz und dann auch beim Vorschlag des Vorsitzenden Karl-Michael Kunner, dass ein Euro pro Woche hochgerechnet auf 50 Euro pro Jahr statt der bisherigen 15 Euro als künftig neuer Jahresbeitrag der aktiven Sänger für die Entlohnung des Dirigenten doch möglich ist. Keine Wortmeldungen mehr, Abstimmung: Alle Sänger, bis auf zwei Enthaltungen, stimmen zu.

Frischer Wind

Das Eis ist gebrochen und Aufbruchstimmung und  Hoffnung füllt den Sitzungsraum. Karl-Michael Kunner, spricht noch verschiedene Themen an, die im kleinen Kreis der Vorstandschaft diskutiert werden. So das Thema »Frischer Wind«, was bedeutet, es muss nicht alles so bleiben wie es war. Auch Traditionen sind antastbar, wenn der Vereinszweck, zu singen, nicht mehr erfüllt werden kann.

Warum also nicht statt Osterkonzert einmal ein Frühlingsfest rund um den Fürstenberger Hof? Sagt einer und alle nicken. Wer dann dort singen könnte? Natürlich der gemischte Projektchor mit je zehn oder zwölf Männern und Frauen, der jetzt als weiteres gutes Ergebnis dieses Abends auch aus der Taufe gehoben wird – und das natürlich alles mit Thomas Dreher als Chef und Ideengeber des Ganzen. Er wird es wieder packen und den MGV in neue Gefilde der Lieder führen.

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