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Offenburg | 5.12.2025

Reinhold Messner: „Der Nanga Parbat hat mir beigebracht, wie Mensch und Bergnatur funktionieren.“

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Reinhold Messner im Porträt: Ein Leben zwischen Risiko, Leidenschaft und Vorbereitung. Foto: Reinhold Messner / Mundologia
von Schwarzwälder Post

Alpinismus-Ikone, Grenzgänger, Bergpionier und Abenteurer: Reinhold Messner spricht im Interview mit der Sektion Offenburg des Deutschen Alpenvereins über Glück, Angst und die Frage, warum er trotz großer Risiken immer wieder weitergeht. Das Interview öffnet den Blick auf ein Leben am Limit.

Bereits in den 1970er Jahren haben Sie Vorträge für die Sektion Offenburg des Deutschen Alpenvereins gehalten. Der damalige Vorsitzende Roland Neugart hatte eine tiefe Verbindung zu Südtirol. Können Sie sich noch an diese Zeit erinnern?

Ja, damals kamen über 1.000 Menschen zu den Veranstaltungen, sie waren restlos ausverkauft. Die Offenburger hatten einen Journalisten bei der hiesigen Zeitung, der sich sehr für das Bergsteigen interessiert und über die Vorträge geschrieben hat.

 

Wie hat sich das Bergsteigen seit dieser Zeit verändert?

Es hat sich sehr verändert: Das Klettern findet heute überwiegend in der Halle statt, ist olympisch geworden. Ein großartiger Sport, sehr gesund. Es gibt Weltmeisterschaften an künstlichen Wänden in klimatisierten Räumen. Das hat mit dem traditionellen Alpinismus, wie ich ihn verstehe, nichts mehr zu tun. Das eine ist Sport mit Wettkampf. Das andere kennt keinen Wettkampf, sondern ist ein Abenteuer in der Auseinandersetzung mit der wilden Natur.

Auch das Höhenbergsteigen hat sich verändert. 55 Jahre lang haben die besten Bergsteiger der Welt versucht, einen Achttausender zu besteigen und keinem ist es gelungen. Und jetzt steigen im Sommer 500 Leute innerhalb von zwei Wochen – länger ist das Wetter nicht gut – auf den Mount Everest.

Aber nur, weil alles vorbereitet ist.

Weil alles vorbereitet ist und weil das Klima sich verändert hat. Der Jetstream funktioniert nicht mehr wie früher, der Monsun wird damit abgelenkt. Es gibt heute viel längere Schönwetterperioden. Aber in erster Linie haben sich Angebot und Nachfrage entwickelt. Es ist eine richtige Konsumgeschichte. Ich nenne das den Pisten-Alpinismus. Vor allem die Sherpa-Agenturen bereiten den Berg vor und holen sich dann Klienten aus aller Welt, die sie hochbringen.

 

Was halten Sie davon, dass es in den Bergen immer mehr Tourismus gibt?

In den wirklichen Bergen gibt es weniger Tourismus als früher. Die meisten Kletterer sind heute in der Halle. Es gibt zwar viel mehr Wanderer als früher, aber die machen nichts kaputt. Die Alpen gehen nicht wegen der Wanderer kaputt, sondern weil es in den großen Ballungszentren viel Verkehr herrscht und viel Energie verbraucht wird.

Wenn behauptet wird, die Alpen seien überlaufen, dann sage ich: Das ist nur an wenigen Stellen so, 99 Prozent der Alpen sind kaum überlaufen. Ich treffe nie jemanden, wenn ich auf den Berg gehe.

 

1974 haben Sie mit Peter Habeler den Rekord durch die Eiger Nordwand in 10 Stunden aufgestellt. Heute liegt der Rekord bei Ueli Steck in 2 Stunden und 22 Minuten. Hätte man sich damals diese Leistungen überhaupt vorstellen können?

Ja, das war vorstellbar. Wir haben zehn Stunden gebraucht mit der ganzen Ausrüstung, der Rucksack war schwer. Heute wird ohne Rucksack gestiegen. Übrigens brauche ich, wenn ich allein steige, nur die Hälfte der Zeit einer Seilschaft.

Diese Rekordzeiten beeindrucken mich wenig, viel weniger als eine unbekannte Route an einem unbekannten Berg. Die Rekorde sind auch nur möglich, wenn die Leute genau wissen, wie die Verhältnisse sind. Wenn die Schneedecke im Frühling hart ist und wenn die Route schon durchgestiegen ist.

Wir waren damals die ersten in diesem Jahr, die zum Gipfel kamen. Wir waren nicht nur schnell, sondern auch auf traditionelle Weise unterwegs.

 

Wenn Sie auf 1974 und den Beginn Ihrer Karriere zurückblicken: Gibt es etwas, was Sie heute anders machen würden?

Darüber denke ich nicht nach. Wir Menschen haben eine Chance und dann wieder eine. Wenn sie vertan ist, ist sie vertan.

 

Welchen Tipp geben Sie jungen Bergsteigern und Bergsteigerinnen heute mit?

Es ganz langsam zu lernen. Mein „Berg Heil“ heißt „Kalipe!“. Das ist Tibetisch und bedeutet „immer ruhigen Fußes“. Die jungen Bergsteiger sollten verstehen, dass es ein himmelweiter Unterschied ist, ob ich auf einer präparierten Piste – egal ob in der Kletterhalle oder am Mount Everest – unterwegs bin, oder in Eigenverantwortung in der Wildnis.

Der Alpinismus begann als Möglichkeit, Abenteuer in den Alpen oder im Himalaya zu erleben. Die Abenteuer davor waren vor allem Seeabenteuer. Die großen Seefahrer sind hinausgefahren ins Unbekannte und kamen heim oder auch nicht.

Die Alpinisten haben schließlich im 18. Jahrhundert entdeckt, dass man in den Alpen die Möglichkeit hat, ähnlich große Abenteuer zu erleben.

 

Hatten Sie als junger Bergsteiger ein Vorbild?

Für mich war Hermann Buhl eine Schlüsselfigur. Aber auch Walter Bonatti, ein Italiener, der in den 50er und 60er Jahren die Szene beherrschte.
Sie haben mal gesagt, beim extremen Alpinismus muss man auch Glück haben, um alt zu werden.

Das ist ein großer Streitpunkt. Viele junge, gute Kletterer sagen, das ist nicht gefährlicher als Autofahren. Das ist Blödsinn. Ich würde sagen, innerhalb von 15 Jahren hat jemand den Höhepunkt seiner Möglichkeiten erreicht.

Von den absoluten Spitzenbergsteigern – zu diesem Kreis der Allerbesten zählen vielleicht 10 oder 20 Alpinisten – kommt im Gebirge die Hälfte um. So wie vor kurzem die junge Biathletin und Bergsteigerin Laura Dahlmeier am Laila Peak in Pakistan.

 

Sie sind im September 2025 81 Jahre alt geworden. Bei all den Risiken Ihrer Abenteuer: Wie haben Sie es geschafft, so alt zu werden – und wie viel Glück gehörte dazu?

In meiner starken Zeit habe ich gedacht, wenn ich 40 werde, wäre das ein Glück. Über die 40 Jahre hinaus habe ich lange Zeit nicht gedacht und damals auch in keine Pensionskasse eingezahlt. Inzwischen bin ich ein braver Bürger geworden, der ab und zu ein kleines Abenteuer wagt.

 

Was braucht ein Abenteurer, um alt zu werden?

Ich gehe nur dann los, wenn ich sehr gut vorbereitet sein bin. Denn ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch, das glaubt zwar niemand, aber das ist so.

 

Aber da gab es doch folgendes Ereignis: Bei der Besteigung des Mount Everest im August 1980 sind Sie in eine Gletscherspalte geraten und haben sich geschworen: Wenn ich wieder rauskomme, kehre ich um. Sie sind herausgekommen – und weiter gen Gipfel gestiegen. Warum?

Weil die Motivation in diesem Moment viel stärker war als die Verzweiflungsentscheidung da unten in der Gletscherspalte.

 

Verraten Sie uns Ihre größte Schwäche?

Ich habe jede Menge Schwächen. Zum Beispiel bin ich sehr fokussiert auf neue. Dadurch haben es die Menschen um mich herum manchmal nicht leicht.

 

Welcher ist für Sie der größere Glücksmoment: Wenn Sie den Gipfel erreicht haben, oder wenn Sie wieder heil im Tal sind?

Wenn ich heil zurück bin. Wir Menschen brauchen Sicherheit. Doch die meisten Staaten sind nicht mehr in der Lage, ihren Bürgern Sicherheit zu geben. Wir leben gerade in einer schwierigen Zeit, auf der Welt gibt es so viele Spannungen wie selten zuvor. Und wir Europäer wissen nicht mehr richtig, woran wir uns orientieren sollen. Vieles driftet auseinander.

 

Gibt es einen Berg, der Sie besonders geprägt hat?

Der Nanga Parbat. Er hat mir beigebracht, wie Mensch und Bergnatur funktionieren.

 

Bergsteiger sind keine besseren Menschen, sondern ganz normale. Sie sind auch als Motivationstrainer aktiv. Was möchten Sie vermitteln?

In meinen Vorträgen zeige ich, wie Erfolgsmodelle funktionieren. Viele gute Alpinisten haben gezögert – und sind nie losgegangen. Ich aber wage es, gut vorbereitet und trainiert. Man muss seine Schritte planen, die Angst klein halten und einfach anfangen. Dann wird die Angst weniger, und wenn etwas passiert, kann man immer noch umkehren.

 

Herr Messner, welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Bei Fragen, die die Zukunft betreffen, bin ich ziemlich zugeknöpft. Wenn ich Projekte plane, will ich nicht zu früh zu viel verraten, sonst verliert die Idee an Kraft. Was ich voraussehe, ist nur eine Anfangsidee, ich bin jemand der Stückchen für Stückchen plant. Aus einer Kopfgeburt wird langsam etwas Konkretes. Das schenkt mir ein gelingendes Leben.

 

Was würde der 81-jährige dem 30-jährigen Reinhold Messner mit auf den Weg geben?

Suche deinen Weg, folge deiner Begeisterung und lass dich nicht beirren. Neugierde gibt die Richtung vor.

Das Interview führte der DAV Offenburg.

Tickets und weitere Informationen zu Reinhold Messners Auftritt sind unter www.mundologia.de zu finden.

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Alpenverein Sektion Offenburg

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