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Zell am Harmersbach | 17.07.2023

Die grundlegende Analyse trifft heute noch zu

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Dr. Dieter Petri zeigte bei seinem Vortag im Rahmen der Ausstellung „Frieden und Klima“, wie über raschend aktuell die sogenannte „Fabrikrede“ von Franz Joseph Buß heute noch ist. Foto: Hansjörg Wörner
von Hansjörg Wörner

Wie überraschend aktuell die so genannte „Fabrikrede“ von Franz Joseph Buß heute noch ist, zeigte am Donnerstagabend ein Vortrag von Dr. Petri. Die sehr gut besuchte Veranstaltung im Rundofen fand im Rahmen der Ausstellung und Vortragsreihe „Frieden und Klima“ statt.

Gotthard Vetter hielt eine szenische Lesung.

Dass Zells bedeutendster Sohn in einer Reihe mit den größten Sozialpolitikern des 19. Jahrhunderts steht, hat sein Biograph Dr. Dieter Petri umfassend belegt. Bereits elf Jahre bevor das „Kommunistische Manifest“ von Karl Marx und Friedrich Engels erschien, behandelte Buß 1837 als damals jüngster Abgeordneter in der 2. Badischen Kammer und erster deutscher Politiker überhaupt die soziale Frage.

Wie überraschend aktuell die so genannte Fabrikrede von Franz Joseph Buß heute noch ist, zeigte am Donnerstagabend ein Vortrag von Dr. Petri – verbunden mit einer Rezitation von Gotthard Vetter und einer Aussprache mit Stefan Falk von der Kath. Arbeitnehmer-Seelsorge Offenburg. Die sehr gut besuchte Veranstaltung im Rundofen fand statt im Rahmen der Ausstellung und Vortragsreihe „Frieden und Klima“.

Illustriert mit Bildprojektionen auf der Großleinwand skizzierte Dieter Petri zunächst den Lebensweg des Zeller Schneidersohns, der mit sieben Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, von der Geburt 1803 bis zum Tod 1878 in Freiburg. Vielseitig begabt studierte Buß nach der Schulzeit in Offenburg Physik, Medizin und Jura und wurde bereits 1836 Professor für Staatswissenschaft in Freiburg.

Täglich 14 Stunden arbeiten

Anhand einer historischen Darstellung der 2. Badischen Kammer in Karlsruhe erläuterte der Referent die parlamentarische Arbeit in jener Zeit. Parteien, wie wir sie heute kennen, gab es noch nicht. Die Abgeordneten dieser Ständeversammlung konnten dem Großherzog lediglich Vorschläge unterbreiten. Der Fürst hatte das letzte Wort.
In Form einer szenischen Lesung gab Gotthard Vetter, katholischer Gewerkschafter aus Schnellingen, zentrale Forderungen der „Fabrikrede“ wieder, die sich wie eine Botschaft aus längst vergangenen dunklen Tagen anhörte: Erwachsene sollen höchstens 14 Stunden täglich arbeiten, Kinder im Sommer acht, im Winter sechs Stunden. Kinder sollen zum Besuch der Volksschule verpflichtet werden. Sicherheitsvorkehrungen an Maschinen sollen die Arbeiter schützen.

Es müssen Hilfskassen eingerichtet werden, in denen Fabrikbesitzer die Hälfte der Zahlungen übernehmen. Es müsse eine vierteljährliche Kündigungsfrist eingehalten werden. Sparkassenkredite für Fabrikarbeiter müsse es geben. Sonntagsarbeit wird verboten. Fabrikbesitzer und Arbeiter sollen dafür den Gottesdienst besuchen.

Vetters Vortrag machte deutlich, wie aktuell Buß’ Rede geblieben ist und wie wenig sich seither in der Grundanalyse geändert hat. Dazu ein Beispiel im Originalton: „Diese Brotlosigkeit des Arbeiters ist aber periodisch sogar eine notwendige Folge der Einführung eines Arbeiter ersparendes Verfahrens, nämlich in der Zwischenzeit von der Einführung einer solchen Methode bis zu der durch diese bewirkten Steigerung des Absatzes …“.

Altbacken formuliert, aber zutreffend. Heutzutage führt der technologische Fortschritt dazu, dass Arbeitsplätze gestrichen werden. Und niemand weiß genau, wie die Arbeitslosigkeit in Zeiten des rasanten Wandels und der fortschreitenden Globalisierung zu beheben ist.

Als „zu radikal“ abgelehnt

Die Reaktionen auf Buß’ kämpferische Rede waren ernüchternd. Nur schleppend behandelten die Abgeordneten die Forderungen und leiteten sie auch nach zweimaligem Anlauf nicht an die Regierung weiter. Als „zu radikal“ und „nicht durchführbar“ wurden die Vorschläge bezeichnet.

Dabei war Buß weder ein Radikaler noch ein badischer Rebell wie etwa Friedrich Hecker oder Gustav Struve. Vielleicht war er ein „eigensinniger Schwarzwälder“, wie ein gewisser Heinrich Hansjakob als Student in Freiburg seinen Professor charakterisierte. Dieter Petri sieht Buß grundsätzlich dem ständischen Denken verhaftet. Als studierter Philosoph, Jurist und Mediziner glaubte er allerdings an „organische Lösungen“.

weifelsohne hat Zells größter Sohn das vorweg genommen, was zwei Generationen später in der Epoche Bismarcks wieder mühsam erkämpft werden musste.

Ablehnung wurde Buß wiederholt zuteil – selbst viele Jahre nach seinem Tod. So zeigte Dieter Petri eine Aufnahme der steinernen Buß-Büste, die heute wieder neben dem Geburtshaus im Zeller Städtle steht. Die ursprüngliche Büste aus Bronze hatten die Nationalsozialisten im Dritten Reich abreißen lassen. Während der Kriegsjahre wurde sie eingeschmolzen.

Nach dem Krieg wurde die Büste nicht mehr in teure Bronze gegossen, sondern aus Stein gehauen. Gespendet wurde sie von CDU-Abgeordneten. Der neue Standort des Denkmals war ab 1953 bei der Wallfahrtskirche in Unterharmersbach.

Dass es ausgerechnet Sozialdemokraten waren, die den Erzkatholiken Buß als den „ersten parlamentarischen Vertreter des Arbeiterschutzes“ würdigten, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Der SPD-Abgeordnete Adolf Geck aus Offenburg hatte die „Fabrikrede“ anno 1904 im Selbstverlag nachgedruckt, erläuterte Dr. Petri.

Das „Wir-Gefühl“ stärken

In der anschließenden Diskussion, die von Seelsorger Stefan Falk geleitet wurde, berichteten einige Teilnehmer von Erfahrungen im Beruf, z.B. Überlastung durch ungeregelte Arbeitszeiten oder Stress infolge der Auflage ständig erreichbar sein zu müssen. Wie lassen sich dadurch bedingte körperliche und seelische Erkrankungen, Burnout oder sogar De pressionen vermeiden? Was hat es mit „Resilienz“ oder der oft genannten „Work-Life-Balance“ auf sich?

Stefan Falk erzählte von seinen Erfahrungen im Bereich der Seelsorge und Therapie und gab Tipps und Hinweise. „Es geht nur miteinander“, sagte er und rief dazu auf, das „Wir-Gefühl“ zu stärken. Einige Besucher berichteten von ihren beruflichen Erfahrungen im Ausland und in der Begegnung mit fremden Kulturen. Das habe eine andere Einstellung zum Leben im Allgemeinen und zum Beruf im Besonderen bewirkt. Gottfried Vetter brachte es mit einer Bauernweisheit auf den Punkt (und das Publikum damit zum Lachen): „Man muss mit den Leuten reden, man schwätzt ja auch mit dem Vieh“. Damit war Vetter gar nicht weit entfernt vom Postulat der „organischen Lösungen“, wie Franz Joseph Buß sie angestrebt hatte.

Clemens Bühler vom Katholischen Bildungszentrum Offenburg dankte den Referenten des Abends und überreichte jeweils ein kleines Präsent. Nach dem Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung im Rundofen verweilten etliche Besucher noch beim persönlichen Gespräch. Erträgliche Sommerabendtemperaturen machten es angenehm, zumal die AWO-Ortsgruppe Zell a. H. mit kühlen Getränken bestens bewirtete.

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Schlagworte:
„Friedensklima“

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