39 Tage auf dem Camino del Norte

Zeller Gruppe erwanderte den spanischen Jakobusweg – Fotoshow am Gründonnerstag

815 Kilometer Fußmarsch bei nordspanischem Wind und Wetter, mit sämtlichem Gepäck und rund sechs Jahrzehnten auf dem Buckel: Vier Zeller Wanderer meisterten die selbstgestellte Aufgabe. Von den Eindrücken wird Wolfgang Hilzensauer am Gründonnerstag in einer Fotoshow erzählen.

Wolfgang Hilzensauer (65), seine Frau Elfriede (65) und deren Schwester Anita Bürk (62) waren sich mit Wanderfreundin Bärbel Berg (58) einig: Sich auf eine von einem Reiseveranstalter bequem vorbereitete Pilgerwanderung mit Gepäcktransport einzulassen, kam für die vier Wanderfans nicht in Frage.

»Wir haben alles selbst organisiert – und alles selbst getragen«, betonen die sportlich Geübten und schmunzeln mit Blick auf die Rucksacklast, die sie sich zugemutet hatten. Wieviel Gewicht? »Zuviel«, tönt es unter lautem Gelächter. So viel, dass sie unterwegs ein Paket schnürten und dies zur Endstation schickten, nach Santiago de Compostela. Unter anderem von Wolfgang Hilzensauers Tablet befreiten sie sich auf diese Weise.

»Man sagt, wenn man permanent wandert, dass man maximal mit zehn Kilo unterwegs sein sollte«, gibt er Ratgeberwissen wieder. Dennoch hatten die Frauen auch nach der »Abmagerungskur« noch 11,5 Kilo zu schleppen, der Herr der Runde einiges mehr: »Die Kunst ist halt, wenn man Trekking macht und aus dem Rucksack lebt, sich auf das Notwenigste zu beschränken«, sagt der Zeller Atelier-Künstler reumütig und die Frauen lachen: »Wenn jeder am Tag einen Apfel als Proviant für unterwegs dabei hatte, dann waren wir froh, wenn der gegessen war – wegen der paar Gramm weniger zum Tragen.«

Zwar hatten das Ehepaar Hilzensauer und Anita Bürk sich 2005 schon einmal auf den Weg gemacht. Etappenweise jedoch in drei aufeinanderfolgenden Jahren, da sie noch alle miteinander berufstätig waren. »Damals haben wir beschlossen: Wenn wir mal Rentner sind, machen wir die Strecke an einem Stück.«

Geheimtipp »Nordweg«

Die Strecke – das war der sogenannte »Camino del Norte«, der Nordweg. Als Pilgerweg gehört er zu jenen durch ganz Europa führenden Jakobswegen, die sämtlich das angebliche Grab des Apostels Jakobus im nordspanischen Santiago de Compostela zum Ziel haben. Als Hauptweg gilt der Camino Francés, der Französische Weg. Der heutige Kulturweg entstand im 11. Jahrhundert, führt von den Pyrenäen landeinwärts zum Jakobsgrab und wurde 1993 zum UNESCO-Welterbe erklärt.

Der wesentlich weniger frequentierte, weil ob seiner Höhenunterschiede schwieriger zu bewältigende Nordweg hingegen führt von Irun aus an der spanischen Atlantikküste entlang, durch die beeindruckenden Landschaften des Baskenlands, Kantabriens, Asturiens und Galiciens.

Die sportliche Herausforderung stellte für das natur- und landschaftsbegeisterte Wanderquartett denn auch einen der Beweggründe dar: »Wir waren nicht sicher, ob wir es schaffen würden, aber es war zu meistern«, resümieren sie. Nordic-Walking-Stöcke gaben Trittsicherheit, denn wider Erwarten zeigte sich das Wetter Anfang September zunächst kühl und regnerisch, »teilweise mussten wir richtige Schlammwege gehen und über glitschige Steine.«

Bewegung und Kultur

Wobei das Ehepaar Hilzensauer – beide mit Bandscheibenbeschwerden behaftet – feststellten, dass Bewegung die beste Medizin ist, »uns ging es so gut unterwegs, es war richtig toll.« So toll, dass sie sich einen Wiederholungsversuch vorstellen können. Sieben bis acht Stunden pro Tag marschierten sie, Pausen inklusive. Mit dem Resümee allerdings: »20 Kilometer pro Tag waren okay. Wenn’s darüber ging, hat man doch gemerkt: Jetzt reicht’s eigentlich für heute.«
Damit die Kultur nicht zu kurz kommt, gab es an besonders schönen Orten Aufenthalte von jeweils zwei bis drei Tagen. »Für mich war Historisches wichtig, die Geschichte rund um die Legende des Heiligen Jakobus«, erklärt Wolfgang Hilzensauer. Zudem interessierte er sich für Architektonisches, für die Werke alter Kirchenbaumeister beispielsweise.

Die Stopps waren von Anfang an geplant, wie auch das Unternehmen insgesamt einer dreimonatigen Intensiv-Vorbereitung unterlag. Schon wegen der Schwierigkeiten, auf dem Nordweg Übernachtungen für eine vierköpfige Gruppe zu organisieren. Umso mehr, als die vier Zeller sich den »Luxus« erlaubten, nicht in den Gemeinschafts-Schlafsälen der klassischen Pilgerherbergen zu nächtigen, sondern in einfachen Hotels oder Ferienappartements. Den Streckenplan minutiös einzuhalten stellte täglich aufs Neue eine feinabstimmungsbedürftige Aufgabe dar, die immer wieder mit Überraschungen aufwartete.

Über alledem stand eine weitere Herausforderung: Die Beschäftigung mit sich selbst, mit den eigenen Gedanken. »Man ist zwar in der Gruppe unterwegs, aber trotzdem ist man für sich, man geht eigentlich alleine und hängt seinen Gedanken nach«, erklärt das Quartett, das sich im Besitz einer Pilgerurkunde befindet, »man kommt bei sich selber an.« Frei mache das, und süchtig: »Man will gar nicht aufhören mit dem Laufen«, erzählen sie vom »Camino-Blues«, wenn das Ziel erreicht ist, die Pilger-Urkunden ausgehändigt sind.

Fotoshow

Der von Wolfgang Hilzensauer vorgestellte visuelle Reisebericht findet am Gründonnerstag, dem 29. März statt – um 19 Uhr. Der Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben. Eintritt frei, für Spenden offen. Platzreservierungen unter Telefon 07835/ 54600 (Hilzensauer) oder unter E-Mail: WHilzensauer@t-online.de.