Photo-Painting-Künstler nun in Zell

In seinem neuen Zeller Privatstudio experimentiert Dieter Hans Atz mit verschiedenen Techniken und mehreren Ebenen

Dieter Hans Atz lebt in Lahr, arbeitet als kaufmännischer Angestellter in Steinach – und hat sich im Juli nun in einer Wohnung in der Zeller Grabenstraße ein professionelles Fotostudio eingerichtet. Um sich, auch mit Blick auf den zukünftigen Vorruhestand, hier in Ruhe seiner Kunst widmen zu können.

Fotograf hätte der kaufmännische Angestellte eigentlich werden wollen, »das war mein Traumberuf«, so Dieter Atz. Doch des Lebens Widrigkeiten ließen ihn eine andere berufliche Laufbahn einschlagen. »Im Nachhinein gesehen ist das in Ordnung, muss ich sagen«, resümiert der zweifache Familienvater, hat er durch den anderen als ursprünglich gewünschten Berufsweg doch seine Frau kennengelernt. Zum anderen sieht er einen entscheidenden Vorteil für das Fotografieren, mit dem er immer verbunden blieb: »Ich konnte mir grundsätzlich aussuchen, was ich fotografisch mache«, schließlich musste er sich keinen Notwendigkeiten unterwerfen, wie sie ihm diese Tätigkeit als Brotberuf auferlegt hätte.

Auch ließ ihm das – stets sehr ernsthaft betriebene – »Nebenher-Fotografieren« den Freiraum, sein diesbezügliches Können nach Gusto zu entwickeln, »die Sache in mir zu verändern.« Dass sich Fotografie in viele Bereiche teile, erklärt Dieter Atz. Reine Porträt-, Industrie- und Modefotografie gehören beispielsweise dazu. »Man muss sich für
ein Thema entscheiden«, so der leidenschaftliche Kamera-Mann, »und mein Thema war anfangs die Reportage.«

Im Jahre 1975 war es, dass er begann, sich intensiv mit dem Medium Fotografie zu beschäftigen. Mit den Reportagen im Stil des in Österreich bekannten Fotografen Ernst Haas als Vorbild. «In der Reportage-Fotografie erzählt man mit einem Bild eine Geschichte«, erläutert Dieter Atz, »man kann es sozusagen lesen, ohne dass man einen Text dazu schreiben muss.« Will heißen: Der Betrachter erkennt, »dass die Situation so oder so gewesen sein muss, damit das Bild hat zustande kommen können – das hat mir Spaß gemacht«, erzählt der 62-Jährige.

Einige Jahre beschäftigte er sich mit diesem Gebiet, bis er sich in der Landschaftsfotografie und dann in der Architektur erprobte. »Aber nie im Wechsel«, betont er, »ich habe immer probiert, einen Stil so weit durchzuhalten, bis ich mit meinen Ergebnissen zufrieden war.« Erst dann stellte er sich jeweils eine neue Aufgabe.

Preise bei Fotowettbewerben

Wobei er seine Fotos mit denen anderer verglich. Insbesondere, indem er in den 80er und 90er Jahren an Wettbewerben teilnahm, »um nach außen zu sehen: Wie stehe ich da mit meiner Qualität, ist das so in Ordnung?« Nachdem ihm einige gewonnene Preise bestätigt hatten, dass dem so war, legte er die Teilnahme an Wettbewerben ad acta.

Um die Mitte der 90er Jahre experimentierte er damit, auf Dias – die anschließend »ganz normal« im Fotolabor entwickelt wurden – den Hintergrund farbig zu lasieren. Eine Sisyphos-Arbeit. Vor 13 Jahren dann begann er mit dem Photo-Painting. Begann also damit, seine Fotos auf großformatigem Fotopapier teils in mehreren Schichten zu übermalen, um sie anschließend erneut abzufotografieren. Ölfarben verwendet er für diese Technik, weil ihm deren lange Trocknungszeit eine lange Zeitspanne für die Bearbeitung gewährt.

Aber auch den umgekehrten Weg ist der immer wieder auf Ausstellungen Vertretene schon gegangen: Indem er seinen Fotos nicht etwas hinzugefügt, sondern von dem Papierabzug etwas abgeschabt hat. Denn weil eine Farbfotografie aus mehreren Ebenen besteht, kommt durch den Abrieb eine untere – beispielsweise gelbe – Schicht zum Vorschein, die wie Lichteinfall anzumuten vermag. »Ich will immer wieder überraschen – vor allem mich selbst«, so lautet das Credo von Dieter Atz.

Gemäldetrans­formationen

Aktuell arbeitet er selbst erstellte Porträtfotografien in die abfotografierten Ölgemälde alter Meister ein. Ohne dass bei dem mithilfe von digitaler und malerischer Bearbeitung entstandenen Endergebnis die Transformation auf Anhieb erkennbar sein soll. Was unter anderem bedeutet, dass er das eingearbeitete neuzeitliche Porträt mit jenen feinen Rissen versehen muss, wie sie für alte Ölgemälde typisch sind. Wie ihm das gelingt? »Das ist ein mit viel Aufwand verbundenes Betriebsgeheimnis«, lacht der Künstler.
Jenen »Gemäldetransformationen« gingen andere Collagen voraus, in denen er in seinem Studio aufgenommene Personen fotografisch in gänzlich andere Hintergründe einarbeitet. Überhaupt können es viele verschiedene einzelne Aufnahmen sein, die er zu einem Foto zusammenfügt.

Mit Blick auf seinen vorgezogenen Ruhestand, in den er sich in ein oder zwei Jahren begeben will, hat sich der in Lahr Lebende ein solches Foto-Studio in seinem jüngst in Zell am Harmersbach bezogenen zweiten Wohnsitz eingerichtet. Hier kann er sich in Ruhe seiner Kunst widmen, ist abgeschieden, ohne Handy, wohingegen ihm zuhause in Lahr »immer Kinder am Hosenbein hängen«, lacht er herzlich, »meine Frau ist Tagesmutter.«

»Wie ist das gemacht?«

Dass sich der 62-Jährige – mit dem vollsten Verständnis seiner Frau Elisabeth – das Zeller Städtle als neue Stätte seines künstlerischen Wirkens ausgesucht hat, liegt daran, dass seine Großeltern hier ein Haus besaßen. »Das haben meine Frau und ich verkauft. Und als in der Grabenstraße eine Eigentumswohnung angeboten wurde, hat die einfach gepasst«, so der Mann, der hier einen großen, lichtdurchfluteten Raum mit allem ausgestattet hat, was das Fotografenherz begehrt.

Ebenfalls im Hinblick auf die Beendigung seiner Berufstätigkeit studiert Atz seit 2014 an der Akademie für bildende Künste in Lahr. Nicht zuletzt mit dem Ziel, sich mit seiner Photo-Painting-Kunst verstärkt nach außen zu öffnen. Und von dem Ehrgeiz beseelt, den Betrachter zum genauen Hinschauen und zu der Frage zu bewegen: »Wie ist das gemacht, aus welchen Komponenten besteht das Bild?«

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