Die Chancen eines neuen Tourismuskonzepts ausloten: Bei einer öffentlichen Auftaktveranstaltung im Hotel Bären-Stube am 11. Juni 2026 sind alle Interessierten eingeladen, Ideen und Anregungen einzubringen.
Die Gemeinde Oberharmersbach gehört zu den fünf Orten im Schwarzwald, die bei der Entwicklung eines sogenannten „Albergo Diffuso“ unterstützt werden. Das neue Tourismuskonzept soll bestehende Gebäude besser nutzen, die Wertschöpfung im Ort stärken und neue Perspektiven für den ländlichen Tourismus eröffnen.
Entsprechend stand das Projekt „Albergo Diffuso: Schwarzwald.Dorf.Hotel“ im Mittelpunkt eines Treffens der Tourismusakteure in Oberharmersbach mit Bürgermeister Richard Weith und Touristikerin Jill Löffler. Rund 20 Vertreter aus Vermietung, Gastronomie und Tourismus sowie interessierte Bürger nahmen daran im Hotel Bären-Stube teil.
Gäste kommen gerne wieder
Bürgermeister Richard Weith begrüßte alle Anwesenden und übergab anschließend das Wort an Touristikerin Jill Löffler, die für den gemeinsamen Abend die wichtigsten Themen aufbereitet hatte. Wie schon in der Gemeinderatssitzung am 23. Februar, blickte sie zuerst auf das Tourismusjahr 2025 in Oberharmersbach zurück. 20.188 Gäste hatten für 75.791 Übernachtungen in 75 Betrieben gesorgt. Zwar war die Übernachtungszahl im Vergleich zu 2024 gesunken, doch konnte Löffler dies mit einem Rückgang an Betten aufgrund von Betriebswegfall und mit vorübergehenden Betriebsschließungen erklären.
Sehr wichtig war ihr dabei zu betonen, dass touristische Zahlen zwar bedeutungsvoll wären – vor allem aber Veränderungen bei den Beherbergungsbetrieben anzeigen würden. Qualitative Indikatoren für eine florierende Tourismusgemeinde, wie beispielsweise Gästezufriedenheit, Image und Bekanntheit des Ortes und die Akzeptanz von Tourismus in der Bevölkerung seien aber mindestens gleichbedeutend. „Und hier bekommen wir sowohl direktes als auch indirektes Feedback, dass wir sehr gute Arbeit leisten, unsere gemeinsamen Gäste sich sehr wohl fühlen, gerne wiederkommen und immer mehr Einheimische erkennen, welch wichtigen Beitrag der Tourismus zur Lebensqualität der Bevölkerung leistet“, so Löffler.
Highlights sind überregional bekannt
Im weiteren Verlauf der Präsentation wurden die wichtigsten Veranstaltungen und Projekte des vergangenen Jahres in Szene gesetzt. Medial sehr hohe Aufmerksamkeit hatten hier die Genusswochen im Frühling „Bärlauch trifft Vesper“ erhalten, für den Deutschen Mühlentag war ein neues Konzept erarbeitet worden, Wildniscoach Tobias Ohmann hatte für Aufmerksamkeit über die Landkreisgrenzen hinaus gesorgt, der Jubiläums-Naturpark-Markt war etwas umfangreicher in der Organisation, aber dafür auch sehr gut besucht gewesen und die Märchenhaften Weihnachtsfreuden hatten mit ca. 18.000 Besuchern wieder einmal für hohe Aufmerksamkeit und ein positives Image, sowie für eine geschätzte Wertschöpfung im sechsstelligen Bereich gesorgt.
Kurtaxe soll angepasst werden
Zum Ausblick auf das Jahr 2026 standen neben den alljährlichen, laufenden Projekten und Veranstaltungen auch drei ganz bestimmte Punkte auf der Agenda. Zum Thema „Konus digital“ zeigte Löffler einen kurzen Informationsclip der Schwarzwald Tourismus GmbH zum aktuellen Stand der digitalen Gästekarte. „Diese werden wir noch in diesem Jahr in Oberharmersbach zum Einsatz bringen“, kündigte die Touristikerin an. Anschließend wurde über den Vorschlag zur neuen Kurtaxesatzung berichtet, der in einer der kommenden Gemeinderatssitzungen zur Abstimmung gebracht werden soll. „Die wichtigsten Änderungen wurden innerhalb der Ferienlandschaft Mittlerer Schwarzwald abgestimmt, sodass wir in allen Mitgliedsorten ähnliche Bestimmungen aufweisen“, so Jill Löffler.
Konus-Kosten weitergeben
So könnte es sein, dass Kinder & Jugendliche zwischen 6 und 15 Jahren bald pauschal einen Euro Kurtaxe zahlen, es nicht mehr zwei, sondern nur noch eine durchgängige Saisonzeit gibt und im Ausweis eingetragene Begleitpersonen von Menschen mit Behinderung auf Antrag von der Kurtaxe befreit werden. „In jedem Fall wird die Kurtaxehöhe angepasst“, kündigte Löffler an und erklärte dies mit einer Erhöhung der KONUS-Abgabe, die von der Gemeinde für jeden Gast pro Nacht gezahlt werden muss. „Die KONUS-Abgabe wird voraussichtlich um etwa 20 Cent erhöht werden“, führte sie aus. „Um also nicht auf diesen Kosten sitzen zu bleiben, werden wir dem Gemeinderat empfehlen, auch die Kurtaxe um mindestens diesen Betrag zu erhöhen.“
Vom Wirtschaftsministerium gefördert
Zu guter Letzt wurde das Projekt „Albergo Diffuso: Schwarzwald.Dorf.Hotel“ ins Rampenlicht gerückt, das zum 1. September 2025 von der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) mit Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus gestartet worden war. Bürgermeister Richard Weith und Jill Löffler hatten eine der Informationsveranstaltungen besucht. „Aufgrund des Zeitaufwands, der in ein solches Projekt gesteckt werden muss, hatten wir zuerst über die Durchführbarkeit nachgedacht, uns dann aber dafür entschieden, eine Bewerbung von Oberharmersbach als Modell-Ort zu versenden“, so Löffler.
Investitionsstau auflösen
Am 15. April erhielten Weith und Löffler dann die Zusage, dass es mit der Bewerbung geklappt hätte und Oberharmersbach zu den fünf Orten gehöre, die bei der Entwicklung eines Umsetzungskonzeptes für ein mögliches „Schwarzwald.Dorf.Hotel – Albergo Diffuso“ durch die STG und die Partneragentur co:compass unterstützt würden.
Das Konzept biete insbesondere für ländliche Gemeinden im Schwarzwald eine vielversprechende Perspektive. Angesichts von Herausforderungen wie rückläufigem Tourismus, Leerstand und Investitionsstau eröffne das Albergo-Diffuso-Modell neue Chancen: Es kann zur Revitalisierung bestehender Bausubstanz beitragen, regionale Wertschöpfung stärken sowie lokale Netzwerke fördern. „Wir hatten bereits beim Projekt „Schwarzwald Dorfurlaub“ mit der STG und der damaligen Partneragentur sehr gut zusammengearbeitet und durchaus positive Strategien für Oberharmersbach entwickelt. Auch die touristischen Akteure rückten damals näher zusammen und erkannten, dass es für eine positive touristische Entwicklung enorm wichtig ist, an einem Strang zu ziehen. Wir hoffen, dass die Arbeit am Albergo-Modell an diesem Erfolg anknüpfen kann“, so Löffler.
Kick-off am 11. Juni
Für den 11. Juni um 18.30 Uhr ist im Hotel Bären-Stube eine Kick-off-Veranstaltung zusammen mit der STG und co.compass geplant, zu der alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, aber vor allem auch alle touristischen Leistungsträger-Innen eingeladen sind, die sich für das Projekt interessieren.





