Nach 31 Jahren endet für Klaus Laifer seine Dienstzeit als Kommandant und Vorstand in der Historischen Bürgerwehr Oberharmersbach – die längste ununterbrochene Dienstzeit eines Kommandanten überhaupt.
Ihm folgt mit Marc Herrmann der jüngste Vorstand und Kommandant der Wehr.
Das „Bürgerwehr-Gen“ hat der scheidende Kommandant wohl von seinem Vater Ewald geerbt, der selbst auch über 50 Jahre als Gewehrträger diente. Mit 13 Jahren ließ sich Klaus im Spielmanns- und Fanfarenzug der Historischen Bürgerwehr an der Trommelflöte ausbilden und trat 1978 in die Bürgerwehr ein, wo sehr bald höhere Weihen auf ihn warteten. 1989 wurde der gelernte Bankkaufmann zum Geschäftsführer des Vereins berufen.1994 starb Kommandant Günther Nock im Alter von nur 54 Jahren. Ein Jahr später wählte die Wehr Klaus Laifer als Nachfolger zum Vorstand und Kommandanten. Als Hauptmann führte er nun das Kommando.
„Ständiges Organisieren“
„Es war oft ein Spagat zwischen Beruf, Verein und Familie, wobei meine Frau Manuela mich immer unterstützte“, weiß der Familienvater dankbar zu erwähnen. Neben den Gewehrträgern sind da die Abteilungen Spielmanns- und Fanfarenzug, Trachtentanzgruppe und Kindervolkstanzgruppe, insgesamt an die 150 Aktiven. „Da ist ständiges Organisieren und mitunter auch Motivieren angesagt“, verweist Laifer auf sein Betätigungsfeld.
Aufmarsch an religiösen Festen
Der Aufmarsch der Historischen Bürgerwehr ist regelmäßig gefragt bei örtlichen Festen und Jubiläen oder runden Geburtstagen sowie Hochzeiten von Vereinsmitgliedern. Mitunter gilt es auch, einen langjährig gedienten Kameraden auf seinem letzten Weg zu begleiten. Marschproben stehen an vor Fronleichnam und dem Kirchenpatrozinium. „Seit jeher verschönern die Traditionsvereine unsere religiösen Feste“, lobt Laifer nicht ohne Stolz die Spielleute und Gewehrträger in ihren farbenprächtigen Uniformen.
Gern gesehene Gäste
Man kennt auch anderorts die Bürgerwehr und ihre Abteilungen als „Aushängeschild der Gemeinde“. Regelmäßig kommen Anfragen aus dem ganzen südwestdeutschen Raum für eine Beteiligung der Historischen Bürgerwehr an großen Festen. „Da haben wir dann die Qual der Wahl, weil wir nicht jede Einladung annehmen können“, bedauert der Kommandant. Schließlich wolle man die Mannschaft zeitlich nicht zu sehr belasten, zumal allein die Wehr zahlenmäßig zu den größten im Landesverband zählt. Gerade wegen des disziplinierten Auftretens, etwa beim Zapfenstreich, bei Besuchen bei benachbarten Wehren oder beim Festumzug auf dem Cannstatter Wasen, waren und sind die Oberharmersbacher gern gesehene Gäste. Umgekehrt nehmen die Wehren des Landesverbandes auch Einladungen der Oberharmersbacher gerne an. Im Jahre 2010, anlässlich der ersten urkundlichen Ersterwähnung der Harmersbacher Schützen vor 350 Jahren, folgten Gruppen aus über 60 Städten und Gemeinden der Einladung zum Jubiläumsfest mit Zapfenstreich und Feldgottesdienst.
Italienische Vorderlader
Hin und wieder fällt auch mehr Arbeit an. „Wir haben hohe Ausgaben für unsere Ausrüstung“, verweist Laifer auf deren Anschaffung und Unterhaltung. Die Bewirtung der Kilwi in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen ist eine wichtige Einnahmequelle, allerdings verbunden mit hohem Arbeitseinsatz der Mitglieder. So war im Jahr 2000 die Ersatzbeschaffung der über 50 Jahre alten Schwarzpulvervorderlader unabdingbar. „Die 50 original nachgebauten Gewehre (Muskete Modell 1777 der Fa. Pedersoli aus Italien) kosteten rund 60.000 Mark (ca. 30.000 Euro)“, rechnet Laifer vor. Zuvor galt es, die „Schwarzpulver-Erlaubnis“ im Verein durch Lehrgänge sicherzustellen.
Träger des Großen Verdienstordens
Klaus Laifer hat sich über drei Jahrzehnte für die Historische Bürgerwehr engagiert. Die Wehr ist personell gut aufgestellt. Sein Nachfolger findet geordnete Verhältnisse vor. Für dieses Engagement wurde der scheidende Kommandant nicht nur mit den üblichen Auszeichnungen geehrt. Da er seit 1995 unter anderem auch im Landesverband als Kassierer tätig war, wurde ihm 2023 die höchste Auszeichnung des Verbandes, der Große Verdienstorden, verliehen und die Beförderung zum Major ausgesprochen. „Einen höheren Dienstgrad hätte ich bei der Bundeswehr auch nicht erreichen können“, schmunzelt Laifer, der nach seiner Wehrpflichtzeit 1985 die Truppe als Gefreiter verlassen hatte.





