Im Alter von 96 Jahren starb am vergangenen Sonntag, 12. April 2026, der älteste Oberharmersbacher Bürger Arthur Berger. Zeitlebens hat er sich für seine Heimatgemeinde engagiert und sich so Verdienste und Ansehen über seinen Tod hinaus erworben.
Arthur Berger, Jahrgang 1930, wuchs mit sechs Geschwistern in der „Nockenstadt“ auf. Schon in jungen Jahren war Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft angesagt, „um mitessen zu können“, wie er oft zu erzählen wusste. Sein Vater kehrte erst 1946 aus norwegischer Gefangenschaft heim.
Musikalische Anfänge
Während seiner Schulzeit (1936–1944) erkannte Lehrer Adolf Bueb sein Talent für Musik und Gesang. Seine ersten „Gehversuche“ unternahm Arthur im Männergesangverein „Frohsinn“ und spielte dort auch im Zither-Doppelquartett. Es folgten Auftritte mit der Tanzkapelle Haag, auch bekannt unter den Namen „Pinguins“, „The Flames“ und schließlich „The Evergreens“, die bis in die 1990er-Jahre bei Hochzeiten zum Tanz aufspielte, Fasentbälle in Stimmung brachte und Heimatabende verschönerte. Mögen auch die Namen gewechselt haben, immer dabei war – schier unzertrennlich, den siamesischen Zwillingen gleich – Arthur Berger mit seinem Akkordeon. Die jahrzehntelange „Bindung“ an dieses Instrument hatte begonnen, als er sich in jungen Jahren während einer längeren Krankheit als Autodidakt das Spielen beibrachte.
Engagement in Musik und Verein
Der versierte Musiker war bereits 1958 mit dem Schülerchor unter der Leitung von Erwin Küderle im Südwestfunk zu hören. Er begleitete in den 1950er-Jahren die Trachtentanzgruppe bei verschiedenen Auftritten und war beim VdK und Altenwerk ein gern gesehener Alleinunterhalter. Der Volksliedersingkreis wusste ebenfalls die Unterstützung des Akkordeonisten zu schätzen. Von 2003 bis zu seiner Verabschiedung 2015 gab der Musiker, Sänger und Dirigent der begeisterten Sängerschar wertvolle Impulse.
Fast ein Dreivierteljahrhundert widmete sich Arthur Berger dem Chorgesang. 1946 meldete er sich als 16-jähriger Bursche bei dem Verein an, und damit begann eine nachhaltige Zusammenarbeit. Als 1974 ein Dirigent gesucht wurde, übernahm er diese Aufgabe und führte mit seiner Arbeit den damaligen „Männergesangverein Frohsinn“ zum Leistungschor im Badischen Sängerbund.
Auszeichnungen und Ehrungen
Ein besonderes Ereignis stand im Jahr 1985 an. Bei der Jubi-läumsfeier anlässlich der Gründung des Vereins vor 100 Jahren wurde dem „Frohsinn“ die Zelter-Plakette verliehen. Als Zeichen der Würdigung dieser Verdienste wurde Arthur Berger zum Ehrenchorleiter ernannt und erhielt auch von Verbandsebene zahlreiche Ehrungen. Es war sein Zeichen der Verantwortung, als er in einer schwierigen Zeit 2005 nochmals den Chor dirigierte. Erst 2019 nahm er Abschied von seiner aktiven Sängerlaufbahn.
Engagement in Gemeinde und Beruf
Als förderndes Mitglied unterstützte er etliche Oberharmersbacher Vereine und engagierte sich auch in der Gemeindepolitik. Von 1962 bis 1974 war er für die Freien Wähler im Gemeinderat aktiv und ließ sich für vier Jahre als Stellvertreter des Bürgermeisters in die Pflicht nehmen. Für seine vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten erhielt er 1994 die Landesehrennadel.
Beruflich führte ihn die Ausbildung nach der Schule in die Firma Prototyp, er wechselte 1959 zur damaligen Firma Holzer und war von 1966 bis zu seinem Ruhestand in der Firma Benz in Haslach beschäftigt, davon 17 Jahre als Leiter der Arbeitsvorbereitung.
Familie und Abschied
Seine Frau Edith heiratete er 1952. Gemeinsam mit der Tochter Marita, deren Lebenspartner Hans und dem Enkelsohn Christian feierte das Ehepaar Berger am 5. Juli 2017 nach 65 Jahren gemeinsamen Lebenswegs das seltene Fest der Eisernen Hochzeit. Seine Ehefrau Edith starb am 15. April 2022.
Mit seiner Familie trauert Oberharmersbach um einen geschätzten und verdienten Mitbürger. Die Beerdigung ist am Freitag, 24. April 2026. In diese Trauer mischt sich die Erinnerung an das musikalische Erbe, für das Arthur Berger gelebt hat.





