Jenny Zimmermann (18) wird sich in Thailand engagieren, dazu will sie im Vorfeld einen Spendenkreis aufbauen. Wir haben uns mit der angehenden Abiturientin unterhalten.
„Im Februar ist der AFS Bescheid bekommen – seitdem habe ich schon ein bisschen angefangen, Thailändisch zu lernen“, lacht Jenny Zimmermann. Viel Zeit für die fremde Sprache mit der obendrein gänzlich fremden, mit vielen Kreisen und Schnörkeln versehenen Schrift hat die 18-Jährige im Augenblick nicht, denn die Abiklausuren stehen an. Sobald diese jedoch absolviert sind, wird vieles im Zeichen ihres anstehenden freiwilligen Auslandsdienstes in Thailand stehen.
Dazu gehören im Juni Vorbereitungsseminare, unter anderem im Raum Kassel, Ende Juli schließlich wird die Reise beginnen. Bei „AFS interkulturelle Begegnungen e.V.“ handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein für Jugendaustausch und interkulturelles Lernen im sozialen, ökologischen und entwicklungspolitischen Bereich. Auf ihn gestoßen ist Jenny im Zuge des Besuchs einer Berufs- und Ausbildungsmesse. Dort hatte sie von „weltwärts“ eine Liste mit allen Organisationen und Institutionen sowie Parteien erhalten, die Freiwilligendienste anbieten.
Erwerb interkultureller Kompetenz
Da die junge Oberharmersbacherin nicht in eine festgelegte programmatische Richtung, sondern „einfach allgemein ins Ausland“ gehen wollte, fiel ihre Wahl auf besagten AFS. Dazu erläutert sie: „Die haben das Ziel, den Kontakt zwischen verschiedenen Menschen, Bevölkerungsgruppen und Kulturen herzustellen.“
Eine Wikipedia entnommene Grundsatzerklärung formuliert es so: „AFS ist eine internationale, unabhängige und gemeinnützige Ehrenamtlichenorganisation.“ Diese führt interkulturelle Programme durch, die Menschen in der Entwicklung ihres Wissens, ihrer Fähigkeiten und ihres Verständnisses unterstützen – in der Hoffnung, durch ein besseres Verständnis zwischen den Kulturen eine gerechtere und friedvollere Welt zu schaffen.
Jenny wird sich sieben Monate in Asien aufhalten, davon sechs Monate als sogenannte Lehrassistenz in Thailand. Wieso ausgerechnet dort? Nun: Angesichts der Vorgabe „globaler Süden“ musste sie sich zunächst zwischen Afrika oder Asien entscheiden, innerhalb Asiens dann zwischen Indien und Thailand. In Indien jedoch hätte sie sich auf ein bestimmtes Projekt oder eine bestimmte Schule und damit auf einen bestimmten Ort festlegen müssen.
Spannende Fragezeichen
In Bezug auf Thailand dagegen hat sie sich lediglich für das Land beworben. Dieses wird hierzulande zunächst einmal mit Urlaub in Verbindung gebracht. Tatsächlich ist für das laut Wikipedia „Schwellenland mittleren Einkommens, das vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen als Land mit einer hohen menschlichen Entwicklung eingestuft wird“, der Tourismus die größte Einnahmequelle.
„Die AFS schickt mich dann in eine Einsatzstelle, ohne dass ich vorher weiß, wo das genau sein wird“, erzählt die junge Frau. Thailand entpuppte sich für sie obendrein als “tolles Angebot“. Denn: Sie hat eine Halbchinesin zur Freundin, die in dem Zeitraum „im Reich der Mitte“ weilen wird. Und weil Jenny nach ihrem halbjährigen Freiwilligendienst noch vier Wochen frei durch Asien reisen darf, „habe ich die Möglichkeit meine Freundin zu besuchen.“ Als schöner Zufall habe sich das ergeben, freut sie sich.
Und was sich hinter dem Begriff „Lehrassistenz“ verbirgt? „Das weiß ich jetzt noch nicht“, lacht sie mit blitzenden Augen, „das macht es ja auch spannend.“ An einer Schule oder einem schulähnlichen Ort werde sie vermutlich Englischunterricht geben, meint sie. Wo und um welche Art von Schule und um welche Schüler welchen Alters es sich handelt, wird sie möglicherweise im Vorbereitungsseminar erfahren. Und wenn nicht dort, dann in einem weiteren Seminar in Thailand. „Und wenn ich wieder nach Deutschland zurückkomme, habe ich ein Nachbereitungsseminar.“ Unterkommen wird sie bei einer Gastfamilie.
In Kanada „geübt“
Dass Jenny so gelassen all dem bislang Unbekannten entgegenblickt, gleichzeitig neugierige, selbstbewusste Zuversicht versprühend, kommt nicht von ungefähr: Mit sechzehn Jahren bereits war sie ohne Familie in der Welt unterwegs gewesen. Einen Monat lang in Kanada, in Toronto. Auf eigene Initiative hin, um in einer Sprachschule Englisch zu lernen, mit Unterkunft bei einer „sehr netten Gastfamilie“.
„Ich denke, ich hatte mir gedacht: Ich fange mal mit vier Wochen an“, reflektiert Jenny schmunzelnd ihr erstes eigenständigen Schnuppern fremder Luft, das Ausloten der wortwörtlichen Verschiebung ihrer bisherigen Grenzen. Was sie sich im Nachhinein gesehen jedoch „tatsächlich spannender vorgestellt“ habe.
„Im Vorhinein wusste ich schon alles“, rekapituliert sie, „ich wusste, wo ich hingehe und dass ich Englisch lerne mit ganz vielen anderen Menschen, mir da vermutlich mit einer zweiten Person das Zimmer teile und sicherlich viele Kontakte knüpfen werde.“ Und sie wusste, dass sie vormittags Unterricht und den Nachmittag sowie das Wochenende zur freien Verfügung hat.
Baustein fürs Leben
Alles ganz anders also als bei ihrem nun anstehenden AFS-Vorhaben. Doch was diesbezüglich nach Abenteuerlust klingt, wirkt gleichzeitig wohl überlegt. Von daher verwundert es nicht, dass Jenny nach ihrer Auslandsrückkehr ein Architekturstudium anstrebt. Oftmals werde sie gefragt, was das denn mit ihrem Freiwilligendienst in Thailand zu tun habe, erzählt die Abiturientin mit offenem Lachen. „Nichts“, laute ihre Antwort dann stets.
Gleich darauf wird sie ernst und verdeutlicht: Diesen Freiwilligendienst sieht sie als einen Baustein fürs Leben: „Ich treffe dort dann Leute, die man besser kennenlernt und mit denen man Freundschaften schließt. Das sind Verbindungen, die einem nachher dann auch wieder das Leben bereichern können.“
Schon vor zwei Jahren in Kanada habe sie „ganz viele Verbindungen in ganz unterschiedliche Regionen der Welt“ geknüpft. So habe sie seither eine recht gute Freundin in Japan, die ihr bei einer Schulpräsentation über Chinesisch und Japanisch habe helfen können – „andere Sprachen und andere Schriften faszinieren mich“, sagt die junge Frau. Genauso stehe sie seither in Kontakt zu jungen Leuten, die beispielsweise in Mexiko, Südkorea oder Chile wohnen.
Kurzum: Als Freiwillige im Auslandsdienst erweitert Jenny ihren persönlichen Horizont und trägt gleichzeitig ganz unmittelbar zum Verständnis zwischen den Kulturen bei.
Das Handy als Ass im Ärmel
Vielleicht interessiere sie das Ausland und globales Engagement so sehr, weil sie in Oberharmersbach in einem recht kleinen Rahmen aufgewachsen sei, meint die angehende Abiturientin, die in Offenburg das Gymnasium „Klosterschulen Unserer Lieben Frau“ besucht. Daher sei sie daran interessiert, viele neue Menschen, andere Kulturen, andere Sitten kennenzulernen, „und vielleicht auch einfach viele neue Sachen, die man entdecken und lernen kann.“
Gleichzeitig bewusst ist der begeisterten Hobby-Bäckerin, die überdies Reiten, Radfahren und Zeichnen zu ihren Freizeitbeschäftigungen zählt: „Vor zehn, 15 Jahren wäre das nochmal eine ganz andere Hausnummer gewesen.“ Wenn sie dagegen heutzutage ein Problem habe, dann schaue sie auf ihr Handy, rufe jemanden an, oder sie schaue auf Google Maps, wo sie hin müsse. „Also von dem her: So viel kann da in Thailand ja eigentlich nicht passieren, worauf ich nicht reagieren kann.“ Umso mehr, da das dortige Funknetz großflächiger ausgebaut ist als hierzulande, wo man immer wieder von Funklöchern überrascht werden kann.
Zusätzliches Lernen als Spendenscout
Jennys AFS-Freiwilligendienst wird durch öffentliche Zuwendungen und private Spenden finanziert. Seit 2008 fördert das Bundeministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit dem „weltwärts“-Programm freiwilliges Engagement. Das Ministerium bezuschusst das Programm anteilig, sodass die Kosten zur Programmdurchführung nicht vollständig gedeckt sind. Daher bittet der AFS die Freiwilligen, als Spendenscouts aktiv zu werden und einen sogenannten Spendenkreis zu initiieren.
Die Freiwilligen lernen durch das Spendensammeln, ein Projekt wie die AFS-Freiwilligendienste vorzustellen und inhaltlich zu vertreten. Zugleich vermitteln sie die Idee von weltweit ehrenamtlichem Engagement.
Die Spenden helfen AFS, die Freiwilligendienste im Ausland anbieten zu können und damit einen wichtigen Beitrag für die interkulturelle Bildung von Nachwuchskräften zu leisten. Die Spenden haben keinen Einfluss auf Auswahl und Teilnahme der Freiwilligen.
Spendenquittungen
Die Freiwilligen überweisen die akquirierten Spenden vor der Ausreise gesammelt an AFS. Zuvor lassen sie der Organisation eine Liste zukommen, aus der hervorgeht, wer die SpenderInnen sind und welchen Betrag sie gespendet haben. Jeder Spender erhält eine Spendenquittung:
Sparkasse Kinzigtal
Kontoinhaber:
Jenny Zimmermann
IBAN: DE 55 6645 1548 0010 9686 36
Stichwort:
Freiwilligendienst Thailand.
„Außerdem möchte auch ich selbst Bestandteil des Spendenkreises sein“, betont Jenny Zimmermann, „ich habe schon einige Ideen.“
Zum AFS
AFS steht ursprünglich für „American Field Service“ und wurde 1914 in Paris von jungen Amerikanern gegründet, die in beiden Weltkriegen freiwillige Sanitätstransporte durchführten. Laut Homepage und Wikipedia begann man bereits zwischen den beiden Kriegen mit einem Austauschprogramm für französische und amerikanische Studenten.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Schüleraustausch ins Leben gerufen – von der Idee gestützt, dass junge Menschen die besten Vermittler zwischen verschiedenen Kulturen seien. So entwickelte sich aus dem Sanitätsdienst eine globale Jugendorganisation mit Friedensmission.
AFS stellt eines der größten Netzwerke von gemeinnützigen Austauschorganisationen für junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren dar, die als Austauschschüler oder Freiwillige in sozialen oder ökologischen Projekten längere Zeit im Ausland verbringen.
Der Austausch findet derzeit zwischen rund 60 Ländern auf allen Kontinenten statt. Deutschlandweit gibt es 2.000 und weltweit 40.000 ehrenamtliche Mitarbeiter, deren wichtigste Aufgabe in der Vorbereitung, Betreuung und Nachbereitung der Programmteilnehmer besteht.





