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Oberharmersbach | 13.09.2024

„Ist diese invasive Art in Ihren Beständen, handeln Sie sofort!“

Foto:
Enormes Verbreitungspotential: Die Beerenstände eines einzigen Sprosses bringen bis zu 32 000 Samen hervor. Foto: Therese Palm
von Inka Kleinke-Bialy

Die verdrängungs- und überlebensstarke Kermesbeere macht sich in unseren Wäldern breit.

Foto: Therese Palm
Die invasive, mehrjährige Kermesbeere stellt eine Gefahr für heimische Wälder dar.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Oberforsträtin und Leiterin des Forstbezirks Offenburg beim Amt für Waldwirtschaft: Therese Palm warnt Waldbesitzer:innen eindringlich vor der amerikanischen Kermesbeere.

Hübsch anzusehen ist sie, die amerikanische Kermesbeere, und genau deswegen ist die aus Nordamerika stammende Pflanze hierzulande anzutreffen. Im Rahmen der jüngsten Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Oberharmersbach warnte Oberforst rätin Therese Palm nun vor dem Wildstrauch.

„Seit dem 17. Jahrhundert wird die Kermesbeere in Europa kultiviert“, erklärt die Leiterin des Forstbezirks Offenburg beim Amt für Waldwirtschaft, „weil sie so schön ist, wurde sie aktiv in Gärten eingebracht.“ In Baden-Württemberg war der Neophyt, als den man eine gebietsfremde Pflanze bezeichnet, zunächst nur im nördlichen Oberrheingraben zu finden, „wahrscheinlich ist sie aus dem Botanischen Garten in Göppingen ausgebrochen.“

Seit den 1990er Jahren jedoch zeigt das bis zu drei Meter hoch werdende, krautige Gewächs ein deutlich invasiveres Verhalten: Die Phytolacca Americana beginnt, zum Problem zu werden. Therese Palm hat sie beispielsweise in Waldbeständen Biberachs gefunden.

Gefährlich genügsam

Unter anderem in lichten Wäldern wächst sie, entlang Gewässerrändern und auf Störstellen beziehungsweise Schadflächen. Und sie ist genügsam. Mit nur geringen Ansprüchen vermag sie sich auf unterschiedlichsten Böden massiv auszubreiten. „Wenn das der Fall ist, bildet sie dichte, dschungelartig wirkende Bestände“, beschreibt Therese Palm ein Wuchsverhalten, das in Licht-, Wasser- und Nährstoffkonkurrenz zur heimischen Flora steht. „Außerdem geht man davon aus, dass die Kermesbeere einen alkalischen Wirkstoff in sich hat, so dass unter ihr nichts wächst.“

Im Klartext bedeutet das: Die Beere verdrängt die heimische Bodenvegetation. Und sie unterdrückt die natürliche Verjüngung des Waldes – lässt den aus den gekeimten Samen von Altbäumen entstehenden „Babybäumen“ also keine Chance. Was umso schlimmer ist, als es sich bei dem Eindringling um einen Überlebenskünstler handelt.

Rüben als Powerspeicher

Zum einen überwintert die mehrjährige Pflanze als Rübe im Boden, mit bis zu zwei Meter langen Wurzeln. Da die Rübe aufgrund ihrer Größe viel Kraft speichert, kann die Kermesbeere schon sehr früh austreiben, nämlich ab März. Und das sehr stark, mit bis zu zehn Sprossen. Die hübschen Blütenstände, weiß und kolbenförmig, erscheinen von Mai bis Herbst. Die daraus entstehenden grünen, kugelig-abgeflachten Beeren reifen bis zu den ersten Frösten im Spätherbst und glänzen appetitlich, von aubergine bis tiefschwarz.

Vögeln schmecken diese süßen Früchtchen ganz hervorragend, neben anderen Tieren sorgen daher vor allem sie für die Ausbreitung der Samen. Mit sage und schreibe bis zu 32 000 Samen pro Spross hat die schnellwachsende Pflanze ein enormes Verbreitungspotential in petto. Therese Palm weiß: „Rheinau und Kehl kämpfen schon stark mit der Kermesbeere.“ Die wartet zudem mit dem Trick auf, dass ihre Samen bis zu sechs Jahre lang keimfähig bleiben. Regelrechte Samenbänke können sich auf diese Weise bilden, die bei günstigen Verhältnissen dann zum Leben erwachen, samt ihrer Verdrängungskünste.

Hohe Konkurrenzkraft

„Da die Pflanze durch ihre hohe Konkurrenzkraft unmittelbare Auswirkungen auf (Natur-) Verjüngungsbetriebe und den Erhalt lichter, artenreicher Wälder haben kann, wird zu einem effektiven Zurückdrängen der Pflanze geraten“, betont die Oberforsträtin, „dies sollte möglichst frühzeitig und schnell erfolgen, solange der Bestand noch nicht zu stark aufgebaut und die Aussamung noch nicht erfolgt ist.“

Dazu rät sie Folgendes: Junge Pflanzen können samt Rübe mechanisch mit der Hand herausgezogen werden. Ältere Pflanzen müssen mit der Wurzel ausgegraben werden. Wichtig hierbei sind zwei Dinge. Zum einen müssen sämtliche Pflanzenteile aus dem Gebiet entfernt werden. Zum anderen gilt es, diese unbedingt sachgerecht als Sondermüll zu entsorgen.

Nur Verbrennen hilft

Denn: Werden die Pflanzen „nur“ auf einen Haufen geworden um zu verrotten, reifen unreife Früchte nach und bilden vitale Samen aus. Überdies reicht die bei der Verrottung freiwerdende Wärme und Feuchtigkeit aus, dass sowohl die Wurzeln einwachsen und wieder austreiben, als auch Sprossabbrüche sekundäre Wurzeln bilden. Therese Palm mahnt eindringlich: „Nur die thermische Entsorgung kann diese sehr überlebensstarke Pflanze töten.“

Befinden sich Kermesbeeren in der Nähe von bisher dunkel gehaltenen Waldbeständen, die nun geöffnet werden sollen, empfiehlt sich eine unmittelbare Kontrolle und sofortige regelmäßige Pflege der Bestände.

Giftig!

Bei der Bekämpfung der amerikanischen Kermesbeere ist darüber hinaus zu beachten, dass alle Pflanzenteile giftig sind. Kleidung mit langen Ärmeln, enganliegende Schutzbrille, Handschuhe und Atemmaske sind daher ein Muss. Andernfalls kann es zu Haut- und Augenreizungen inklusive allergischer Reaktionen kommen, sowie zu einer Belastung der Atemwege.

Da die Kermesbeere ein Profiteur des Klimawandels zu sein scheint, wird das von ihr bespielbare Standortpotential hierzulande größer. Eindringlich mahnt Therese Palm: „Für Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen gilt somit: Ist die Kermesbeere bei Ihnen in den Beständen, handeln Sie sofort“!

Als Vorsitzender der FBG Oberharmersbach fragte Bürgermeister Richard Weith nach, ob es zur Bekämpfung der invasiven Pflanze finanzielle Hilfen gebe. Dies ist (noch?) nicht der Fall.

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