Im Kindergarten fehlen zukünftig Kinder. Die Zahl der Geburten geht stark zurück, es fehlt jetzt schon eine komplette Gruppe. Beschlüsse des Gemeinderats.
Am Montagabend kam der Gemeinderat zu seiner Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stand die Feststellung der Jahresrechnung 2024, die Feststellung des Eigenbetriebs Nahwärmeversorgung 2024, die Kindergartenbedarfsplanung, der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung in der Grundschule und ein Baugesuch.
Haushaltsjahr 2024
Bürgermeister Carsten Erhardt stellte zu Beginn fest: „Wir haben das Jahr 2024 gut abgeschlossen.“ Es gelinge meistens besser, als wir erwartet haben, sagte er. Als Gründe nannte er, dass einige Maßnahmen zeitlich geschoben und nicht in 2024 ausgeführt wurden. Außerdem investiere die Gemeinde kontinuierlich in die Infrastruktur: „Das sind große Herausforderungen“, machte Erhardt deutlich.
Silja Windeck vom Rechnungsamt stellte das große Zahlenwerk vor: „Obwohl wir mit einem Defizit gerechnet haben, konnten wir das Jahr 2024 mit einem Plus von knapp 300.000 Euro abschließen.“
Den Erträgen von 6,4 Millionen Euro stehen Aufwendungen von 6,2 Millionen Euro gegenüber. Personaleinsparungen für nicht besetzte Stellen im Kindergarten brachten eine Einsparung von 176.000 Euro. Deutliche Einsparungen gab es ebenfalls bei der Unterhaltung von Grundstücken und baulichen Anlagen in Höhe von 443.000 Euro. Die Schlüsselzuweisungen erreichten die geplante Höhe von 1,1 Millionen Euro. Die Gewerbesteuerumlage war deutlich höher: Statt der geplanten 75.000 Euro musste eine Nachzahlung von 197.000 Euro erfolgen.
Weitgehend stabil oder leicht steigend sind die weiteren Steuereinnahmen: Grundsteuer A 44.000 Euro; Grundsteuer B 310.000 Euro; Gewerbesteuer 834.000 Euro; Gemeindeanteil Einkommensteuer 1,165 Millionen Euro; Gemeindeanteil Umsatzsteuer 195.000 Euro.
Größte Posten im Ergebnishaushalt Aufwendungen sind die Bewirtschaftung von Gebäuden (292.000 Euro) und besondere Verwaltungs- und Betriebsaufwendungen (211.000 Euro).
„Es mussten keine Kredite in 2024 aufgenommen werden“ erklärte Silja Windeck. Durch Tilgung sank der Schuldenstand sogar um 114.000 Euro und die Pro-Kopf-Verschuldung im Kernhaushalt beträgt somit 1.108 Euro.
„Der Haushaltsausgleich wurde erreicht und das Jahr 2024 mit einem Plus von 300.000 Euro abgeschlossen“, berichtete Windeck. Die wesentlichen Verbesserungen aus 2024 resultieren aus dem Kurtaxe (+31.000 Euro); dem deutlich geringeren Betriebskostenzuschuss für den Kindergarten (176.000 Euro Einsparung); der Erlös bei der Holzernte (+44.000 Euro) und den höheren Einnahmen bei den Schmutzwassergebühren (+37.000 Euro).
Die Jahresrechnung 2024 wurde vom Gemeinderat einstimmig beschlossen.
Eigenbetrieb Nahwärmeversorgung
Das Wirtschaftsjahr 2024 für den Eigenbetrieb Nahwärmeversorgung Hansjakob-Halle schließt mit einem Verlust von 8.000 Euro ab. Der Schuldenstand beim Eigenbetrieb konnte weiter abgebaut werden und beläuft sich zum 31.12.2024 auf 24.000 Euro.
Bürgermeister Erhardt sagte: „Damit endet die kommunale Nahwärmeversorgung.“ Der Verlust von 8.000 Euro wird in den Gemeindehaushalt überführt. Der Abschluss wurde einstimmig beschlossen.
Kindergartenbedarfsplanung
Hauptamtsleiter Jürgen Echle stellte die Überarbeitung und Fortschreibung der Kindergartenbedarfsplanung vor. Der Kindergarten hat eine Kapazität von 85 Plätzen. Aktuell startet das Kindergartenjahr 2026/2027 mit 54 Kindern, im Laufe des Jahres werden es 60 Kinder sein. „Es fehlt eine Gruppe zur Vollbelegung. Gleichzeitig wird Personal zur Vollbelegung vorgehalten.“
Anhand einer Grafik machte er deutlich, dass die Kinderzahlen in Nordrach stark rückläufig sind. In 2023 wurden 17 Kinder geboren, in 2024 11 Kinder und in 2025 15 Kinder. In den Jahren 2019, 2020 und 2021 waren es noch ca. 25 bis 30 Kinder pro Jahr.
Ein Problem verschärft die Situation des Kindergartens: 24 Kinder aus Nordrach besuchen Kindergärten außerhalb. Gründe dafür sind andere pädagogische Konzepte der Kindergärten (Waldkindergarten, Montessori-Kindergarten) oder Berufstätigkeit der Eltern außerhalb.
Die Gemeinden, in denen die Nordracher Kinder angemeldet sind, nehmen die Gemeinde Nordrach finanziell in Regress: „Wir müssen jährlich eine Summe von 60.000 Euro dafür aufwenden, das tut uns weh“, informierte Bürgermeister Erhardt. Dabei haben wir die Kapazitäten, haben in das Gebäude investiert und das Personal ist auch da, führte er weiter aus. Die fehlenden Kinder würden sich langfristig auch auf die Schule und die Vereine auswirken, machte er deutlich.
Gemeinderat Michael Welle machte den Vorschlag, die guten Bedingungen im Kindergarten nach außen zu kommunizieren: „Die Qualität der Betreuung hat sich sehr verbessert und das Gebäude ist auf die Zukunft ausgerichtet.“
Der Kindergartenbedarfsplan der Jahre 2026/2027, 2027/2028 und 2028/2029 wurde einstimmig beschlossen.
Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung
Mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagesbetreuung für die Schulkinder ab dem Schuljahr 2026/2027 ist die Erstellung einer Schulkind-Betreuungs-Satzung erforderlich. Bislang verfügte die Gemeinde Nordrach darüber nicht. Hauptamtsleiter Jürgen Echle hat die Satzung erarbeitet und stellte sie vor.
Es gibt sechs verschiedene Module, die gewählt werden können. Es kann gewählt werden: nur Betreuung in der 1. Unterrichtsstunde, nur in der letzten Unterrichtsstunde und vier Varianten während der Mittagsbetreuung. Mittagessen wird angeboten. Die Gebühren sind mit den Preisen in den anderen Kommunen des Harmersbachtales identisch.
„Die bisher geübte Praxis soll in ein öffentlich-rechtliches Regelwerk überführt werden“, erklärte Bürgermeister Erhardt. Die Gebühren seien sehr moderat, wir möchten, dass die Angebote angenommen werden, betonte er. Mitarbeiterinnen stehen bereit und können ihre Arbeitszeit bei Bedarf aufstocken. Auch an den Ferientagen gibt es Betreuungsangebote: Modul 1 von 7.30 Uhr – 13.00 Uhr (80 Euro pro Woche) oder Modul 2 von 7.30 – 15.30 Uhr (125 Euro pro Woche). Die Satzung wurde einstimmig beschlossen.
Baugesuch: Schuppen mit Wohnung
Der Bauherr beabsichtigt in der Talstraße 19a den Neubau eines Schuppens mit einer Wohnung. Das Bauvorhaben befindet sich im Außenbereich Stollenberg. Es wurden der Lageplan und die Ansichten gezeigt. Der Gemeinderat stimmte dem Bauantrag zu.
Stadtradeln in Nordrach
Bürgermeister Erhardt lud zur Teilnahme am Wettbewerb Stadtradeln ein (Zeitraum 1.5. bis 21.5.). Anmeldung erfolgt über www.stadtradeln.de/nordrach. Ein besonderes Highlight ist der Fahrradtag der Motorradfreunde Nordrach am Samstag, 9. Mai. Die Teams mit den meisten Kilometern werden prämiert, die Siegerehrung erfolgt beim Frühlingsfest Nordrach am 22. Mai.
Kritik von Gemeinderat Bendler
Gemeinderat Markus Bendler stellte die kritische Frage, ob die Gemeinde Nordrach zahlenmäßig immer größer werden solle. Der Neubau von Wohngebäuden und die geplante Tiny House Siedlung würde zu mehr Einwohnern führen. Er regte an, eine Bürgerversammlung zu veranstalten, in der diese Frage geklärt werden kann.
Bürgermeister Erhardt antwortete: „Es geht darum, die Einwohnerzahl zu stabilisieren.“ Nordrach dünne sich aus, in vielen Gebäuden würden nur noch ein bis zwei Personen wohnen: „Es gibt weniger Personen auf derselben Fläche“, machte Erhardt deutlich. Zudem werden weniger Kinder geboren. Ohne Zuzug von außen könne die Einwohnerzahl nicht gehalten werden. Weniger Einwohner hätten Auswirkungen auf die Grundschule, die Vereine, die Einkaufsmöglichkeiten. Er kenne Gemeinden, die wegen der weniger werdenden Einwohner diese Probleme hätten. Die Idee einer Bürgerversammlung unterstütze er, wenn es gewünscht werde.





