Neue Züge, neue Technik – doch am Bahnhof Biberach ist von Aufbruch wenig zu sehen. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) machte sich am Freitag vor Ort ein Bild und kündigte an, sich mit einem Schreiben an die Deutsche Bahn für eine Perspektive des Bahnhofs einzusetzen.
Die Züge sind neu. Sie fahren mit Akku statt Oberleitung. Sie sind barrierefrei und mit Sicherheitskameras ausgerüstet. Die Harmersbachtalbahn gilt als Pilotprojekt für die Elektrifizierung ohne Oberleitungsbau. Und doch zeigt der Besuch von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Freitag vor allem eines: Moderne Technik allein löst die Herausforderungen des Nahverkehrs im ländlichen Raum nicht. Vor einer abendlichen Informationsveranstaltung zur „Mobilität der Zukunft“ im Rietsche-Saal nutzte Hermann die Gelegenheit zu einer Fahrt mit der Harmersbachtalbahn und einem Rundgang am Bahnhof Biberach.
Das Quietschen
Pünktlich um 15.33 Uhr verlässt die Harmersbachtalbahn (R12) Oberharmersbach-Riersbach. Mit im Zug sitzen Hermann, der Grüne-Landtagsabgeordnete Thomas Marwein, die Grüne-Landtagskandidatin Maren Seifert sowie die Bürgermeister Richard Weith (Oberharmersbach) und Jonas Breig (Biberach).
Thema ist schnell das Quietschen der neuen Züge in engen Kurven. Ein Fahrdienstleiter erklärt das mit dem längeren Radstand der Fahrzeuge. Eine verbesserte Spurkantenschmierung soll die Reibung zwischen Rad und Schiene künftig mindern.
Auch die morgendliche Inbetriebnahme in Biberach verursacht Lärm. Man prüfe, ob Züge künftig als Leerfahrt ab Offenburg anfahren könnten, um die Nachtruhe der Anwohner besser zu schützen. Hermann betont, Ziel sei eine bürgerfreundliche Verkehrsgesellschaft und leise Fahrzeuge. Zwei Beispiele für unerwartete Herausforderungen im ÖPNV – und es sind nicht die einzigen.
Die modernen Fahrzeuge benötigen wegen automatischer Türen und barrierefreiem Einstieg zum Beispiel auch mehr Zeit beim Halt. Das wirkt sich auf die Taktung im engen Fahrplan des Kinzigtals aus. In Biberach beziehungsweise Gengenbach hält deshalb nur noch jeder zweite Zug auf der Schwarzwaldbahn.
Volle Züge, lange Lieferzeiten
Auch die Auslastung zeigt die Grenzen des Systems. Gerade in der Schülerbeförderung sind die Züge voll. Die Fahrgastzählung läuft inzwischen automatisiert. Die Verkehrsgesellschaft erhält Echtzeitdaten zur Auslastung. Und doch gibt es keinen zweiten Wagen. Der sei nicht so einfach anzuhängen. Die SWEG fahre nach einem ausgeschriebenen Verkehrsvertrag. Ein zusätzliches Fahrzeug müsste zudem nur für wenige Fahrten am Tag bereitstehen. Hinzu kommt: Fahrzeuge seien europaweit knapp. Bei Neubestellungen müsse mit Lieferzeiten von bis zu vier Jahren gerechnet werden, so Hermann.
Den kompletten Bericht und weitere Bilder finden Sie in der Print-Ausgabe der Schwarzwälder-Post.




