Turnusgemäße Neuwahlen haben zu einigen Änderungen im Biberacher Musikverein geführt. Der Jugendbereich ist dynamisch, eine Alterslücke bei den Aktiven will geschlossen werden.
„Die Erinnerung ist das Echo der Musik, die niemals verstummt“, zitierte Vorstandsmitglied Alexander Herde anlässlich der Totenehrung. Lebendig dann ging es weiter in der Hauptversammlung des Musikvereins Biberach, zu der sich am vergangenen Mittwochabend im Gasthaus „Linde“ rund 50 Mitglieder eingefunden hatten.
81 Aktive zählte der Verein Stand Ende 2025, davon 56 MusikerInnen, sechs Jungmusiker und vier Zöglinge. Hinzu kommen 13 Personen, die aus unterschiedlichen Gründen pausieren, meist wegen eines Studiums. Die Zahl der fördernden Mitglieder beträgt 100, die der Ehrenmitglieder sechs.
Auch dank herzlich bedankter Spendengelder bereitete die einwandfrei geführte Kasse keine Sorgen, so dass der Entlastung der Schatzmeister nichts im Wege stand. Ebenfalls Positives war den Jahresrückblicken der anderen Vereinsbereiche zu entnehmen.
Jugend-Kooperationen
Was den Jugendbereich mit seinen aktuell zwölf Mitgliedern betrifft, so findet das Kinderorchester mit wöchentlichen Proben seit Sommer 2025 in Kooperation mit dem Musikverein Prinzbach statt, unter der Leitung von Priska Walter. Für das Jugendorchester besteht seit Anfang 2026 eine Kooperation mit den Musikvereinen Prinzbach, Steinach und Welschensteinach.
„Dies gibt uns die Möglichkeit, den Kindern schon früh die Chance zu bieten, in der Gruppe gemeinsam Musik zu machen und regelmäßig an Proben teilzunehmen, in denen man mit einer guten Besetzung proben und sich musikalisch weiterentwickeln kann“, erläuterte Julia Schüle vom Vorstandsbereich Jugend.
Im aktuellen Schuljahr werden zwei Blockflötenkurse angeboten – in der Hoffnung, dass möglichst viele der acht teilnehmenden Kinder sich im Anschluss dafür entscheiden, ein Instrument zu lernen.
Insgesamt gesehen sei 2025 kein einfaches Jahr für den Jugendbereich gewesen, so Julia Schüle: Das Kinderorchester steckte noch in den „Kinderschuhen“ und fast alle MusikerInnen des Jugendorchesters kamen ins Blasorchester und hatten damit eine doppelte Terminbelastung. „Das machte die Probenarbeit nicht einfach.“ Dennoch gab es einige musikalische und außermusikalische Highlights, allen voran der rundherum gelungene Vorspielenachmittag des Kinderorchesters im November.
Julia Schüle bedankte sich bei dem siebenköpfigen „Projektteam Jugend“, das sie im vergangenen Jahr bei Planung und Entscheidungsfindung unterstützt hatte. In 2026 sollen die Kooperationen im Jugendbereich weiter wachsen und sich festigen, „sodass man hier langfristig ein gutes Konzept hat.“
Viel bewegt
Da Julia Schüle in ein anderes Vereinsamt wechselt, hielt sie Rückblick auf ihre acht Jahre im Jugendvorstand, sechs davon als hauptsächlich Verantwortliche. „In diesen sechs Jahren haben wir einiges geschafft“, hob sie hervor: Die Jugendarbeit wurde in das Blasorchester integriert und die Bläserjugend als eigenständiger Verein aufgelöst. „Dadurch konnten wir die Aufgaben neu strukturieren und sind als Jugend näher mit dem Blasorchester zusammengerückt.“
Des Weiteren wurde ein Konzept zur Finanzierung des Instrumentalunterrichts eingeführt. Die vereinsinternen Richtlinien zu den Jungmusikerleistungsabzeichen (JLMA) wurden grundlegend überarbeitet, Blockflötenkurse wieder regelmäßig angeboten. Durch Kooperationen mit benachbarten Vereinen konnte die Probenarbeit im Jugendbereich aufrechterhalten werden. „Wir haben uns um alle anfallenden Themen mit Lehrern, Eltern und Jungmusikern gekümmert und nicht zuletzt hatten wir tolle Auftritte und außermusikalische Events.“
Um den Kindern und Jugendlichen eine gute musikalische Ausbildung und eine tolle Zeit im Musikverein zu ermöglichen, werde es auch zukünftig zahlreiche Themen geben, die verfolgt werden müssen, mahnte Julia Schüle und hoffte, dass sich bei dieser Entwicklung alle Vereinsmitglieder beteiligen: „Vereine leben davon, dass Verantwortung übernommen wird.“
Wenn alle mit anpacken, könne im Bereich Jugend noch viel erreicht werden, fuhr sie fort. „Denn wir alle haben das gleiche Ziel, nämlich den musikalischen Nachwuchs im Orchester sicherzustellen um weiterhin gute Musik machen zu können und eine tolle, gemeinsame Zeit im Verein zu haben.“ Für ihre Arbeit erhielt die scheidende Jugendengagierte viel Applaus.
„Wir überraschen“
26 hauptsächlich örtliche Auftritte hatte das Blasorchester im vergangenen Jahr, für 2026 stehen bereits 20 Termine. Hinzu kam die Ausrichtung des Dorffestes sowie Bewirtungen an einem Tavernenabend und an einem gewerblichen Tag der offenen Tür.
Das Jahreskonzert allerdings hatte aufgrund einer Erkrankung des Dirigenten Axel Berger kurzfristig abgesagt werden müssen. Umso mehr freute dieser sich über ein „tolles Adventskonzert“, wie seinem Bericht zu entnehmen war. Der wurde verlesen, da der Verfasser sich derzeit in Reha befindet. Er befand: „Musikalisch sind wir offen, zielstrebig, motiviert und überraschen immer wieder damit, was wir alles auf die Beine stellen können. Gemeinsam sind wir stark!“
„Ich finde es erstaunlich, wie Ihr Euch professionalisiert und aufgestellt habt“, und auch dem selbstbewussten Auftreten der Jugend gebühre Respekt, lobte Bürgermeister Jonas Breig. Er übernahm die Aufgabe der Entlastung des Gesamtvorstands, diese erfolgte einstimmig.
Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens
Das Ortsoberhaupt dankte dem Musikverein im Namen der Gemeinde sehr herzlich: „Wenn man sich Euren Jahresrückblick anschaut, dann hat man fast schon den Jahresrückblick der politischen und der kirchlichen Gemeinde wegen all der Veranstaltungen, die ihr begleitet. Und dazu kommen ja noch die Veranstaltungen anderer Vereine, bei denen ihr dabei seid.“
Überdies dankte er für die Unterstützung bei der Modernisierung der Technik in der Sport- und Festhalle. Bei der Gelegenheit informierte er über das im kommenden Sommer anstehende 25-jährige Jubiläum der Tavernenabende sowie über vereinfachende Änderungen im Gaststättenrecht: Eine gastschankrechtliche Erlaubnis benötigt ein Verein nur noch, wenn er Alkohol im Verkauf ausschenkt, betreffs der Anzeigepflicht hofft Jonas Breig auf eine künftig digitale Abwicklung zwecks Reduzierung des Verwaltungsaufwands für beide Seiten.
Wahlen
Die turnusgemäß durchgeführten Vorstandswahlen ergaben Folgendes: Alexander Herde, Annette Isen und Mareike Serrer verbleiben im Bereich Verwaltung, Jürgen Kürner im Bereich Finanzen, Simon Moser und Sabrina Uhl im Bereich Presse, Medien und Werbung. In letzteren wechselt die bisherige Jugendverantwortliche Julia Schüle, Stefan Witschel gibt sein Amt ab. Neu im Jugendbereich sind nun Nils Kürner und Priska Walter, Luisa Joos scheidet aus.
Sabrina Brüschke (bislang Wirtschaftsbetrieb) und Manfred Herde (bislang Beisitzer) übernehmen den Bereich Orchesterbetrieb, aus dem die bisher Zuständigen Joachim Bächle, Lucas Benz und Rudi Fautz ausscheiden. Magdalena Feger und Thomas Kürner verbleiben im Bereich Organisation und Feste. Als Beisitzer fungieren künftig Andrea Braun, Manfred Gutmann, Anne Parisi und Marie Walter (Michael Himmelsbach und Harry Serrer scheiden aus). Jürgen Bohnert und Markus Müller prüfen weiterhin die Kasse des 200-Mitglieder-Vereins.
Neue Mitglieder gesucht!
Schlüsselthemen für 2026 sind laut Alexander Herde die Integration der neuen Verwaltungsmitglieder in die Organisation. Zudem sollen Verwaltung und Organisation auf eine noch breitere Basis gestellt werden: „Wir haben schon viele Schultern, aber wir brauchen noch mehr.“
Bedarf herrscht nach wie vor auch an neuen Mitgliedern. Der Altersdurchschnitt der Aktiven beläuft sich auf 37 Jahre. „Das klingt zunächst einmal gut“, erläuterte Alexander Herde. Es gebe viele Junge und viele Ältere, in der Altersspanne von 21 bis 50 Jahre klaffe jedoch eine Lücke, die es dringend zu schließen gelte.
Spaß an der Musik und an der Probenarbeit – das müsse nach außen hin vermittelt werden, um für andere MusikerInnen attraktiv zu werden, so der Vorständler. Wobei sich jeder Aktive im Blasorchester Biberach über seine Unverzichtbarkeit im Orchester bewusst sein sollte. Auch soll die Reaktivierung ehemaliger MusikerInnen weiterhin motiviert betrieben werden.





