Für »Born and raised in Accra« tauchen drei Studenten ins Leben von Straßenkindern ein

Film begleitet Kinder sechs Wochen – Maximilian Finckh aus Biberach als Kameramann dabei – Crowdfunding-Kampagne läuft

Drei Studenten fahren nach Accra. Sie studieren Mediengestaltung und -produktion an der Hochschule Offenburg. In der Hauptstadt Ghanas werden sie einen Dokumentarfilm drehen.

»Born and raised in Accra« heißt das Projekt. Maximilian Finckh aus Biberach ist als Kamera- und Tonmann mit dabei, ebenso Erwin Gepting aus Lahr. Der dritte im Bunde ist Jonas Geisler aus Dresden – nun wohnhaft in Offenburg – der sich um Regie, Produktion und Postproduktion kümmert. Susanne Vollrath hat Jonas Geisler und Maximilian Finckh in Zell a. H. getroffen, um mit ihnen über ihr Projekt zu sprechen. Erwin Gepting war noch auf Reisen.

Der Titel eures Films ist »Born and raised in Accra«. Worum geht es?

Jonas Geisler: Der Film wird ein Dokumentarfilm werden über das Leben der Straßenkinder in Ghana. Wir wollen zeigen wie eine Kindheit in Afrika aussieht und die Frage stellen, was es bedeutet in Armut aufzuwachsen. Ghana ist ein Land, das sich rasant wandelt. Das Viertel, in dem wir drehen werden, ist das ärmste in Accra. Der reiche Teil der Stadt ist trotzdem nicht weit weg. Der Kontrast ist riesig. Wir arbeiten für den Dreh mit dem Hilfsprojekt der Universal Wonderful Street Academy (UWSA) zusammen. Das ist eine informelle Schule in dem Armenviertel. Ihr Ziel ist es, armen Kindern eine Grundbildung zu vermitteln, damit sie langfristig die Chance auf ein besseres Leben haben. In dem Film wollen wir die Kinder vorstellen, die in den armen Vororten aufwachsen – und auch zeigen, wie ihnen geholfen werden kann.

 

Nach Ghana ist es eine lange Reise. Wie habt ihr den Kontakt geknüpft?

Maximilian Finckh: Das Thema hat sich durch einen privaten Kontakt nach Ghana aufgetan. Ein Studienkollege war schon dort und hatte davon erzählt. Ein Musiker, Louis Wonder, hat die Schule, die der Angelpunkt der Dokumentation ist, gegründet. Er spielt jeden Sommer für mehrere Wochen Konzerte in Deutschland, um Spenden zu sammeln. Als die Überlegungen zum Projekt konkret wurden, war er gerade da und wir konnten hier alles Wichtige mit ihm besprechen. Auch er war begeis­tert von dem Filmprojekt und wir freuen uns auf den gemeinsamen Dreh.

 

Wie finanziert ihr den Dreh?

Jonas Geisler: Das Budget für den Film liegt bei circa 5.000 Euro. Das sind die Flüge, die Visa, Mietkosten für Equipment, Versicherungen und Lebenskosten vor Ort. Wir wollen auch die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, finanziell unterstützen. 1.000 Euro haben wir über einen Finanzpitch für Studentenprojekte an der Hochschule generiert. Außerdem haben wir nach Sponsoren gesucht. Panasonic stellt uns zum Beispiel die Kameraausrüstung kostenfrei zur Verfügung. Ein Teil der Kosten ist aber noch nicht durch Sponsoring und Spendengelder finanziert. Wir freuen uns also über weitere Unterstützung!

 

Welche Herausforderungen gibt es?

Jonas Geisler: Bei den Vorbereitungen mussten wir sehr gründlich sein, weil man sich an extrem viele Regelungen halten muss. Das Visum zu beantragen ist zum Beispiel sehr aufwändig. Weil wir einen nicht-kommerziellen Studentenfilm drehen, brauchen wir keine Drehgenehmigung. Schwierig ist es allerdings, eine Drohne fliegen zu lassen. Wir haben früh genug mit der Produktionsphase angefangen, dass kein Zeitdruck entsteht.

Die großen Herausforderungen werden sich dann während des Drehs stellen. Als Europäer in einem Armenviertel zu drehen, in dem es sonst nie Touristen gibt, wird sehr spannend. Aber auch da wird uns die UWSA unterstützen.

 

Mit welchen Erwartungen fährt ihr nach Afrika?

Maximilian Finckh: Meine Erwartungen sind offen. Ich erwarte, überrascht zu werden!

Jonas Geisler: Sicher ist, dass wir sehr auffallen werden. Und sicher werden sich auch die meisten Menschen freuen, wenn sie uns sehen, und sehr interessiert sein. Ich rechne mit viel Interaktion und hoffe, dass wir sechs gute Wochen haben werden und sich im Prozess ein guter Film entwickelt. Viel wird spontan entstehen. Wir werden unsere Geschichten in Accra finden, von Deutschland aus kann man das nicht so genau planen. Eine authentische Doku zeichnet sich besonders durch die echten Momente aus, die man nur vor Ort findet.

 

Sechs Wochen sind eine lange Zeit …

Maximilian Finckh: Wir wollen keinen Aquarieneffekt, sondern zeigen wie es dort wirklich ist, damit der europäische Zuschauer ein authentisches Bild bekommt. Wir zeigen die Herausforderungen der Menschen, aber auch ihre glücklichen Momente und Werte. Die ersten Tage wollen wir uns Zeit nehmen, um ins Leben der Menschen reinzufühlen. Bestimmt überwältigt uns die Situation dort.

Jonas Geisler: Für 20 bis 30 Minuten Film hören sich sechs Wochen Dreh lange an. Einige Zeit werden wir wie Max schon gesagt hat damit verbringen, die Menschen dort kennenzulernen und Vertrauen zu schaffen. Unser roter Faden sollen zwei oder drei Kinder sein, die wir im Alltag begleiten – in der Schule und vor allem auch außerhalb. In sechs Wochen können wir eine große Menge an Material sammeln, um einen spannenden Film zu erzählen.

 

Welche Stilmittel hat der Film dafür?

Jonas Geisler: In der Doku wird es keinen Sprecher geben, die Bilder und Menschen sprechen für sich. Deshalb werden wir auch sehr viele Interviews führen. Die Menschen sollen selbst zu Wort kommen, sich quasi selbst vorstellen. Es würde sich auch anbieten, dass Louis Musik beisteuert. Der Film soll im Kino funktionieren. Wir wollen ihn auf der großen Leinwand zeigen. Wir wollen einen cineastischen Look schaffen.

Maximilian Finckh: Ziel der Drehtage ist es, viel Material zu sammeln, damit wir genug Auswahl für den Schnitt haben. Was genau passiert, können wir vielleicht ein biss­chen lenken, aber sicher nicht bestimmen. Wir lassen laufen – mal ganz nah dran, mal weiter weg. Wir haben 40 Terabyte Speicherplatz dabei und werden 5 bis 6 Stunden pro Tag filmen. Der eigentliche Film entsteht im Nachhinein durch die Montage. 95 Prozent der Aufnahmen werden wohl nicht verwertet, aber das ist im Dokumentarfilm normal.

Jonas Geisler: Geplant ist, die meisten Szenen mit zwei Kameras aus unterschiedlichen Perspektiven zu filmen. So haben wir viel Spielraum im Schnitt.

 

Der Film entsteht im Rahmen des Vertiefungsmoduls »Film« in eurem Studium. Was macht den Dokumentarfilm für euch so attraktiv? Ihr hättet auch einen Spielfilm oder ein Musikvideo drehen können …

Jonas Geisler: Ich drehe fast nur noch Dokumentationen. Es ist super interessant in neue Kulturen einzutauchen. Ich finde auch die Geschichten, die eine Doku erzählt, viel wichtiger als die in einem Unterhaltungsfilm, den man schnell wieder vergisst. Ich möchte bei den Zuschauern Interesse und Verständnis für ein Thema gewinnen. Außerdem lerne ich selbst dabei viel.

Maximilian Finckh: Für mich ist es die erste Dokumentation in der Ferne. Ich finde es faszinierend, dass wir uns in Accra stark auf die Menschen konzentrieren. Ich freue mich auf eindrucksvolle und emotionale Bilder.

 

Was passiert mit dem fertigen Film?

Jonas Geisler: Wenn der Film fertig ist, wird er als Semesterarbeit präsentiert. Vor allem möchten wir ihn aber auf Filmfestivals zeigen. Weil der Film in englischer Sprache produziert ist, geht das auch international. Bis zu den »Shorts« in Offenburg muss er auf jeden Fall fertig sein. Im März ist deshalb unsere selbst gesetzte Deadline. Später könnte ich mir vorstellen, dass man auch bei kulturellen Veranstaltungen die Doku zeigt und dazu über das Leben im Armenviertel von Accra erzählt.

 

Wieviel Kreativität und wieviel Handwerk steckt in solch einem Projekt?

Jonas Geisler: In der Planung eines solchen Films steckt viel Zeit und viel Fleißarbeit. Ich habe riesige Listen zuhause, auf denen ich vermerke, welche Sponsoren ich angeschrieben habe, wie der Stand ist, welche Aufgaben noch offen sind usw. Da muss man sehr organisiert sein. Der Dreh und der Schnitt sind dann viel kreativer, denn da kommt es besonders auf ein gutes Gespür für schöne Bilder und Schnitte an.

Maximilian Finckh: Filmen ist bei mir ungefähr 70 Prozent Kreativität und 30 Prozent Handwerk. Wenn man die Technik nicht beherrscht, klappt es mit dem Doku-Dreh nicht. Da muss man individuell auf die Situation eingehen können und dazu sein Handwerk sehr gut beherrschen.

 

Wann geht die Reise los?

Jonas Geisler: Wir sind vom 21. Oktober bis 1. Dezember unterwegs. Das ist zwar mitten im Semester, doch an der Hochschule haben wir die Möglichkeit, solche Projekte trotzdem umzusetzen. Wir erfahren von den Professoren viel Rückhalt. Das Projekt
ist auch für sie etwas Besonderes.

Maximilian Finckh: Wir bekommen wirklich viel Unterstützung. Das, was wir wegen des Drehs verpassen, können wir nachholen. Im Studium können wir uns komplett ausprobieren. Wenn der Film fertig ist, können wir wirklich sagen: Den haben wir von vorne bis hinten selbst gemacht.

Info

Das Filmprojekt »Born and raised in Accra« entsteht als Projektarbeit im sechsten Semester des Studiums Mediengestaltung und -produktion an der Hochschule Offenburg. Es zeigt den Alltag der Straßenkinder in Accras Armenviertel Jamestown. Jonas Geisler, Maximilian Finckh und Erwin Gepting werden von Dr. Heiner Behring betreut. Der fertige Film soll auf Festivals und im Rahmen von Kulturveranstaltungen vorgeführt werden. Die Macher wünschen sich, den Zuschauern ein konkretes und möglichst objektives Bild der Situation vor Ort zu geben mit dem Ziel, sie zur Mithilfe zu ermutigen.

Alle Infos zum Projekt findet man unter www.baria-film.de. Dort ist auch auf die Schule UWSA und zum Crowdfunding verlinkt. Etwa 2.000 Euro fehlen noch, damit die Studenten die Kosten für den Film vollständig decken können. Überschüssiges Budget wird nach Ende der Produktion vollständig der UWSA zur Verfügung gestellt.

Die Macher der Dokumentation

Maximilian Finckh (Kamera, Sound) hat viel Erfahrung hinter der Kamera. Sein Studienpraktikum verbrachte er bei einer Werbefilmagentur. Neben dem Studium ist er als Fotograf und Filmemacher tätig. Dabei sind Menschen für ihn als Motiv immer interessant und spannend in Szene zu setzen. www.maximilian-finckh.de

Jonas Geisler (Produktion, Regie, Postproduktion) ist, wenn immer es das Studium erlaubt, als (Reise-)Fotograf, Filmemacher und Blogger in vielen Ländern der Welt unterwegs. Letztes Jahr lebte er für sechs Monate in Panama City, um Dokumentarfilme über die Kultur und Lebensweise in Panama zu drehen. www.jonas-reiseblog.de

Erwin Gepting (Kamera, Sound) hat Feuer für den Dokumentarfilm gefangen, als er 2016 in Nicaragua auf Reisen war. Er hat als Assistenzkameramann in Kanada gearbeitet und sechs Monate als Kameramann auf Zypern verbracht. Er fotografiert auch und hat schon für viele Ortenauer Unternehmen gearbeitet. https://erwingepting.portfoliobox.net

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