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Biberach | 22.12.2017

Der Fachkräftemangel fordert einen mutigen Schritt:

Nordrachs Kämmerer wechselt ins Biberacher Rathaus

Foto:
Eine einmalige Lösung für ein drängendes Personalproblem wurde zwischen den Gemeinden Nordrach und Biberach gefunden. Nicolas Isenmann (links) wechselt unter Bürgermeisterin Daniela Paletta (Mitte) ins Biberacher Rathaus und wird als Kämmerer stundenweise nach Nordrach abgeordnet, wo er das Team von Bürgermeister Carsten Erhardt (rechts) fachlich unterstützt. Foto: Susanne Vollrath
von Susanne Vollrath

Lange Zeit war die Stelle des Kämmerers in Biberach verwaist. Jetzt hat sich eine überraschende und überaus innovative Lösung für das Personalproblem gefunden.

Ein besonderer Wechsel steht im Rathaus Biberach an. Nicolas Isenmann, aktuell noch Rechnungsamtsleiter in Nordrach, wird zum 1. Februar die Gemeindeverwaltung in Biberach verstärken.

Um die vakante Stelle des Fachbediensteten für das Finanzwesen in Biberach neu besetzen zu können, musste ein ungewöhnliche Weg beschritten werden. Nicolas Isenmann wird ab Februar zu 100 Prozent in Biberach eingestellt sein. Damit das Problem der Mitarbeitersuche nicht einfach an Nordrach weitergereicht wird, wird Isenmann 90 Prozent seiner Arbeitszeit in Biberach investieren. Für die restlichen zehn Prozent wird er nach Nordrach abgeordnet. Die Gemeinde Nordrach kauft somit einen Teil der Kompetenz ihres langjährigen Mitarbeiters zurück. Die Zusammenarbeit basiert auf eine öffentlich-rechtlichen Vereinbarung, die zunächst für den Zeitraum von drei Jahren geschlossen wird. Jede Gemeinde kann die Vereinbarung jederzeit kündigen, sollten sich die Gegebenheiten verändern. Beide Gemeinderäte haben bereits zugestimmt. Alle Beteiligten betonen, dass Isenmann Nordrach nicht mit einem grimmigen Gefühl im Bauch verlässt. Es besteht eine gute Zusammenarbeit zwischen beiden Gemeinden, die in Zukunft noch intensiviert werden wird.

Eigentlich hätte die Stadt Zell am Harmersbach als Kopf der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft einspringen müssen. Da das dortige Rechnungsamt jedoch noch nach altem Haushaltsrecht arbeitet, hat die Kommunalaufsicht sofort grünes Licht für das völlig neuartige Biberach-Nordrach-Modell gegeben.

Nordrachs Bürgermeister Carsten Erhardt ist überzeugt, dass das Modell zukunftsfähig ist: »Herr Isenmann kennt Nordrach aus dem Effeff und wird auch Biberach bald aus dem Effeff kennen.« Weiter sagt er: »Das ist eine zukunftsweisende Stufe der interkommunalen Zusammenarbeit« und bedankt sich bei Daniela Paletta und Nicolas Isenmann für die Bereitschaft, an diesem innovativen Ansatz mitzuwirken. Selbstverständig bleibt die Souveränität der Gemeinden vollständig erhalten und auch die Bücher sind nach wie vor getrennt, betont Daniela Paletta.

Ein Modell für die Zukunft?

Notwendig wurde die wahrscheinlich nicht nur im Ortenaukreis einmalige Lösung aufgrund des Fachkräftemangels im öffentlichen Dienst. Kämmerer sind generell schwer zu finden, beide Gemeinden haben zudem bereits auf die neue Rechnungslegung umgestellt, was den potenziellen Bewerberkreis noch zusätzlich verengt. Lediglich zwei Bewerber hatten sich auf die Ausschreibung der Stelle gemeldet. »Biberach und Nordrach haben schon viele Projekte zusammen realisiert«, blickt Erhardt zurück. Und nicht zuletzt sei auch die für das Gelingen nötige räumliche Nähe gegeben. In Nordrach wird zukünftig Angelina Sum, bisher zuständig für Hauptamt, Kasse und Steueramt, viele Aufgaben übernehmen, die bisher in den Zuständigkeitsbereich von Nicolas Isenmann gefallen sind. Außerdem wird eine neue Stelle geschaffen, dessen Inhaber viele der bisherigen Aufgaben von Angelina Sum erledigen soll.

In Biberach wird ebenfalls umstrukturiert. Carola Welle, die Kassenverwalterin, wird Arbeitszeit aufstocken, um die zehn Prozent, die Biberach seinen Kämmerer an Nordrach abordnet, aufzufangen.

Deutlich größeres Haushaltvolumen

Nicolas Isenmann steht hinter dem neuen Konstrukt. Er freut sich nach mehr als acht Jahren in Nordrach auf die neue Herausforderung mit einem deutlich größeren Haushaltsvolumen und meint:

»Ich hätte es nicht überall gemacht.« Ganz unbekannt ist ihm sein neuer Arbeitgeber nämlich nicht. Bereits letzten Sommer half er bei der Umstellung des Rechnungswesens im Biberacher Rathaus aus.

Seine Ausbildung absolvierte der bald 40-jährige bei seiner Heimatgemeinde Friesenheim. Dort hat er sich auch weitergebildet und an der Verwaltungsschule in Karlsruhe den Verwaltungsfachwirt gemacht. 2012 begann er ein berufsbegleitendes Studium an der Steinbeiß-Hochschule in Berlin, die er als Bachelor of Arts Public Management abschloss. Als Fachbediensteter für das Finanzwesen war und ist er – zukünftig für seinen neuen Arbeitgeber Biberach und in Abordnung für seinen alten Arbeitgeber Nordrach – für die Aufstellung des Haushaltsplans, des Finanzplans, des Jahresabschlusses und des Gesamtabschlusses, die Haushaltsüberwachung sowie die Verwaltung des Geldvermögens und der Schulden verantwortlich.

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Schlagworte:
Gemeinde Biberach, Gemeinde Nordrach

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