Das Loiretal gilt als „Garten Frankreichs“ und als Wiege der französischen Renaissance. Die Pfingstfahrt des Katholischen Bildungswerks Nordrach führte 31 Teilnehmer zu prächtigen Königsschlössern, mittelalterlichen Städten, historischen Klosteranlagen und an die Atlantikküste. Eine Reise voller Geschichte, Kultur und eindrucksvoller Landschaften.
Foto: Wolfgang Krämer
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Das Tal der Loire war seit dem 15. Jahrhundert das Tal der Könige Frankreichs – lange bevor sich die Regenten für Paris und später für Versailles entschieden. Auf den Spuren ihrer Residenzen mit den Parks und Gärten, die als erste Manifestation der Renaissance auf französischem Boden gelten, machten sich 31 Reisende aus der Ortenau kundig, erfuhren dabei viel über die Geschichte und die einzigartige, von der Loire geprägte Landschaft, über die der Schriftsteller Honoré de Balzac einst schrieb: „Diese schönen Ufer tragen Ort für Ort die Merkmale königlicher Zuneigung. Die Schlösser sind herrliche Baudenkmäler, die das Wunder dieses Zeitalters offenbaren.“
1. Tag: Klassizistische Fassaden und Kopfsteinpflaster
Reiseleiter Herbert Vollmer und Busunternehmer Bruno Meßmer hatten wie in den vergangenen Jahren ein interessantes Programm ausgearbeitet, das am ersten Tag bereits mit einer Überraschung begann: Den Spaziergang durch die Altstadt von Nantes leitete Guide André, den etliche Teilnehmer der letztjährigen Reise in die Bretagne ob seiner interessanten Führungen noch in guter Erinnerung hatten.
Beliebt bei jungen Menschen
Nantes gehört mittlerweile als sechstgrößte Metropole Frankreichs zu den aufstrebenden Städten, beliebt bei jungen Familien, Studenten und Start-ups. Die Stadtviertel sind kontrastreich. Um den Place Royale prägen Häuserreihen mit klassizistischen Fassaden das Bild, im Mittelpunkt ein überbordender Brunnen aus Granit. Die prächtige Einkaufspassage Pommeraye ist nach Pariser Vorbild gestaltet.
Das mittelalterliche Quartier mit Kopfsteinpflaster und Fachwerkhäusern präsentierte sich frisch restauriert. Gegen Mittag füllten sich die vielen Cafés und Restaurants. Die Cathédrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul im spätgotischen Stil sei nach einem verheerenden Brand 2020 noch nicht in Gänze zugänglich, erläuterte André. An dem Gotteshaus mit den beiden auffälligen quadratischen Türmen wurde – mit Unterbrechungen – von 1434 bis 1891 gebaut. Ungewöhnlich ist auch der aus einem alten Wehrturm bestehende Glockenturm der Église Saint-Croix.
Ein Schloss als Symbol der Unabhängigkeit
Vielerorts stieß man auf Spuren des größten Sohnes von Nantes – Schriftsteller Jules Verne –, etwa ein überdimensioniertes Graffiti-Portrait an einer Hauswand mit den Lebensdaten des Romanciers (1828 – 1905) sowie Figuren aus seinen Werken.
Andrés Führung endete am monumentalen Stadtschloss aus dem 15. Jahrhundert, das an die Macht der bretonischen Herzöge erinnert und in dem viele Einheimische ein Symbol für die einstige Unabhängigkeit von Frankreich sehen, wie der gebürtige Bretone André nachdrücklich betonte. Bekanntlich fiel mit dem Tod des letzten Herzogs und der Vermählung seiner Tochter Anne mit König Franz I. die Bretagne 1491 an die französische Krone. Vom halbseitig um das Schloss führenden Wehrgang bot sich dem Betrachter ein herrlicher Blick auf die Loire und auf einige Stadtviertel.
Ein „Dickhäuter“ aus Holz und Stahl
Der Nachmittag begann mit einem Abstecher auf die Ile de Nantes zu den ehemaligen Werftanlagen. Dort hatte eine Gruppe kreativer Köpfe – inspiriert von den Maschinen Leonardo da Vincis ebenso wie von den Phantasien Jules Vernes – eine der größten Attraktionen Frankreichs geschaffen: gewaltige Tierkreaturen aus Holz und Stahl. Man bestaunte einen über 20 Meter langen und 12 Meter hohen Elefanten („Grand Elephant“), dessen Kopf und Beine sich mechanisch bewegten und der aus dem Rüssel Wasser spritzte – sehr zum Vergnügen der Kinder, die neben ihm hin- und herrannten. Der „Dickhäuter“ sei mittlerweile zum Maskottchen der Stadt Nantes avanciert, verriet André während der Weiterfahrt an den Atlantik.
Dünen, Salinen und eine spektakuläre Brücke
Zwischen Saint-Gildas-de-Rhuys und Pornic zeigt sich die Küste von der schönen und ruhigeren Seite: neben schroffen Klippen auch lange Sandstrände, weite Dünenlandschaften und Salzgärten. Die Fotografen in der Reisegruppe gingen sofort auf Motivsuche. Für ein Fußbad blieb keine Zeit, denn das nächste Ziel war das Hafenstädtchen Pornic.
Fischerboote und kleine Segelyachten lagen dort am Kai. Der Erbauer des Chateaus, Marschall Gilles de Rais, kämpfte an der Seite der Jungfrau von Orléans erfolgreich gegen die Engländer. Das Schloss ist heute in Privatbesitz und konnte nur von außen betrachtet werden. Rund um den Hafen freuten sich zahlreiche Spaziergänger über das sonnige Wetter und die Cafés und Bistros waren entsprechend gut besucht.
Auf der Rückfahrt nach Nantes hielt André eine Überraschung bereit und der Meßmer-Bus machte einen Abstecher zum Pont de St. Nazaire. Die 3,3 Kilometer lange Brücke überspannt die Mündung der Loire an der Atlantikküste und galt bei ihrer Eröffnung 1975 als längste Brücke Frankreichs. Die steile Auffahrt bis zum Scheitelpunkt (61 Meter über dem Wasserspiegel) war spektakulär. Die Überquerung der Brücke sei jedes Jahr Bestandteil der Tour de France, sagte André.
2. Tag: Ein U-Boot-Bunker als Mahnmal
Die Schrägseilbrücke von Saint Nazaire wirkte bei dem rauen Wetter frühmorgens fast gespenstisch. Der Eindruck verstärkte sich beim Anblick der mächtigen Hafenanlage. Man stieg dort auf das Dach eines 200 Meter langen und 20 Meter hohen U-Boot-Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg. Heute dient der verwitterte Stahlbetonklotz zum einen als Mahnmal, zum anderen hat die Stadt im Innern ein Schiffserlebnis-Museum geschaffen. Von der weitläufigen Dachterrasse hatte man einen guten Rundblick auf den Hafen und auf Saint Nazaire.
Landschaft zwischen Sümpfen und Dünen
Die Halbinsel Guérande ist bekannt für ihre weiten Salinen und die wilde Küstenlandschaft der Côte Sauvage. Seit Jahrhunderten wird dort das berühmte Fleur de Sel gewonnen. Die Landschaft zwischen Sümpfen, Dünen und kleinen Fischerdörfern gilt auch als Vogelschutzgebiet, erklärte André.
Besonders reizvoll war der Gang durch die mittelalterliche Stadt Guerande mit vollständig erhaltener Stadtmauer, engen Gassen und Steinhäusern, was ihr den Beinamen „Carcassone der Bretagne“ einbrachte. Als Besucher fand man sich mitten auf einem großen Bauernmarkt wieder: Das passende Ambiente für Sightseeing oder für eine Erfrischungspause bei einem Imbiss mit Crèpes oder Galettes.
Kleine Buchten, schöne Strände
Eindrucksvoll bleibt die nachmittägliche Fahrt entlang der „wilden Küste“ in Erinnerung – mit einer Fülle schönster Fotomotive: kleine Buchten, Sandstrände nebst bizarren Felsformationen. Bei La Baule konnte man einen Blick auf den acht Kilometer langen halbmondförmigen Sandstrand werfen, als längster Badestrand Frankreichs bekannt. Elegante Villen aus der Zeit der Belle Époque erinnerten entfernt an den berühmten Badeort Deauville in der Normandie.
3. Tag: In der historischen Hauptstadt des Anjou
Auf der Busfahrt nach Angers erzählte André von den Vorlieben mancher Landsleute am Sonntagmorgen, etwa gemütlich frühstücken – am besten mit einem „Café au lait au lit“. Im Deutschen wortspielerisch nicht adäquat wiederzugeben: „(Mit) Milchkaffee im Bett“.
Angers liegt an der Maine, einem Nebenfluss der Loire, und bei der Ankunft fiel sofort auf, wie sich Alt und Neu, Geschichte und Gegenwart, im Stadtbild harmonisch vereinen.
Zunächst begab man sich durch verwinkelte mittelalterliche Gässchen zur Cathédrale St. Maurice, flankiert von zwei 75 Meter hohen Türmen. Frisch renoviert glänzte die steil aufragende Fassade. Im Innern beeindruckten das monumentale Gewölbe und die originalen Buntglasfenster aus dem 13. Jahrhundert.
Farbenprächtig zeigte sich auch das Fachwerk am sechsstöckigen Maison d’Adam aus dem 16. Jahrhundert, das zudem mit Skulpturen und kunstvollen Schnitzereien an den Holzbalken verziert ist.
Ein Meisterwerk des Mittelalters
Nach der Mittagspause gesellte sich Céneri, ein weiterer Guide zur Gruppe, der als besonderer Kenner des Château d’Anjou und dessen berühmten „Teppich der Apokalypse“ gilt. Trotz etlicher Umbauten sieht man dem Schloss mit dem massiven Mauerwerk und den 17 Rundtürmen an, dass es ursprünglich eine stark befestigte Trutzburg war. Im Innenhof hat man mittlerweile gepflegte Gärten angelegt und eine kleine Fläche mit edlen Reben bepflanzt.
In einem klimatisierten, abgedunkelten Raum des Châteaus erwartete die Besucher aus der Ortenau ein einzigartiges Meisterwerk des Mittelalters: der so genannte Teppich der Apokalypse; der älteste und größte Bildteppichzyklus jener Epoche und seit 2023 Weltkulturerbe. Vom Herzog von Anjou beauftragt, wurde die 103 Meter lange und 4,5 Meter hohe Tapisserie zwischen 1373 und 1382 in Paris hergestellt. Sie zeigt die biblische Vision des Weltuntergangs, wie sie die Offenbarung des Johannes wiedergibt.
Der letzte große Wildwasserfluss
Nach der Besichtigung hieß es Abschied nehmen von André und Céneri. Die Rückfahrt von Angers auf der Panoramastraße entlang der Loire offenbarte eine einzigartige Flusslandschaft. Der letzte große Wildwasserfluss Europas durchquert Frankreich auf einer Länge von 1.012 Kilometern, wie er es will. Das hat die Wiesen, Wälder und Weinberge geprägt, auch die geschichtsträchtigen Städte und Dörfer. Der Dichter François Rabelais hat schon im 14. Jahrhundert vom „lieblichen Garten Frankreichs“ gesprochen. Am Abend bezog die Gruppe das Hotel in Tours.
4. Tag: Chambord: Extravaganz eines Königs
Am Montagmorgen schloss man Bekanntschaft mit Reiseführerin Natalie, die das „königliche“ Tagesprogramm vorstellte – der Besuch der ersten beiden Loire-Schlösser, die unterschiedlicher nicht sein können.
Das Chateau Chambord liegt in einem Waldgebiet, das zugleich Jagdrevier ist, umgeben von einer 32 Kilometer langen Mauer. Bei der Anfahrt auf der schmalen Route blickte man näherkommend auf eine schier endlose weiße Fassade und ein Gewirr von kleinen und großen Türmen. Natalie sprach von der Extravaganz und Machtentfaltung des jungen Königs Franz I., der 1519 den Startschuss für den gewaltigen Prachtbau gab und damit die Renaissance in Frankreich einläutete. 400 Räume und eine Dachlandschaft, die mit ihren Türmen, Schornsteinen und Gauben eher an eine orientalische Stadtsilhouette erinnere als an ein europäisches Jagdschloss, meinte die Reiseführerin augenzwinkernd.
Verstecken auf der Treppe
Das Herzstück im Innern ist die berühmte doppelläufige Wendeltreppe, die angeblich Leonardo da Vinci entworfen hat. Zwei Personen können diese Treppe gleichzeitig hinauf- und hinabsteigen, sich sehen, aber sie begegnen sich nicht; gewissermaßen ein architektonisches Versteckspiel.
Über eine Stunde lang spazierte man durch zahlreiche Räume, endlose Korridore und um verwinkelte Ecken. Dachterrassen boten schöne Ausblicke. König Franz I. und seine Nachfolger haben sich nie lange im Schloss aufgehalten, erläuterte Natalie. Man bevorzugte das Jagdrevier. Und den Damen der königlichen Entourage sei es ehedem viel zu kalt und zugig gewesen.
Chenonceau: Das Schloss der Damen
Eine knappe Autobusstunde entfernt zeigte sich die Renaissance von einer anderen Seite: Das elegante Wasserschloss Chenonceau ruht auf massiven Bögen über dem Cher – ein kleinerer Nebenfluss der Loire. „Es ist das Schloss der Damen, keine Männerdomäne“, betonte Natalie. Seine Geschichte haben ausschließlich Frauen geschrieben; allerdings nicht weniger geprägt von Rivalität und persönlichen Ambitionen.
Diane de Poitiers, die Mätresse König Heinrichs II., hat das Schloss um die markanten Brücken erweitert. Nach dem Tod des Königs warf dessen Witwe, die legendäre Katharina von Medici, die Rivalin kurzerhand aus dem Schloss und ließ eine zweistöckige Galerie auf die Brücke bauen.
Im Krieg ein Lazarett
Beim Gang durch die 60 Meter lange Galerie und einem Blick hinüber auf das Wasser des Cher konnte man etwas vom Prunk der höfischen Feste jener Zeit erahnen. Bildtafeln verstärkten diese Eindrücke, vermittelten darüber hinaus ein ganz anderes Geschehen: Im Ersten Weltkrieg diente die Galerie nämlich als Lazarett, in dem über 2.000 Soldaten gepflegt wurden. Nach dem gemeinsamen Rundgang erkundete man die prachtvollen Gärten auf eigene Faust. Bei der Rückfahrt ins Hotel hatte sich jedenfalls der Eindruck verfestigt: Diese Schlösser sind keine verstaubten Museen, vielmehr die zeitlose Bühne für die großen Dramen der französischen Geschichte.
5. Tag: In der größten Klosterstadt des Kontinents
Eine gute Stunde benötigte der Meßmer-Bus für die Fahrt zur Abtei Fontevraud. Dieser größte Klosterkomplex Europas bestand ursprünglich aus vier Abteien (Abbaye royale Notre Dame). Anno 1201 gegründet, wurde das Kloster bis zur Auflösung 1792 ausschließlich von Frauen geleitet. Darunter waren drei Töchter französischer Könige, berichtete Natalie. Kurios ist, dass die Besucher nur durch den Ticketshop zu der Kirche gelangen können, um die imposante Fassade und die beiden Türme zu betrachten. Im Innern vor dem Querschiff befinden sich die berühmten Grabfiguren von König Heinrich II. Plantagenet und seiner Gemahlin Eleonore von Aquitanien – Könige von England und Eltern des legendären Richard Löwenherz.
Kloster und Haftanstalt
Der riesige Kreuzgang mit gepflegtem Garten führt zum Kapitelsaal, in dem etliche Wandfresken aus dem 16. Jahr-hundert erstaunlich gut erhalten sind. Beim Rundgang fi el ein Gebäude besonders auf. Es war die ursprüngliche Klosterküche, erklärte Natalie. Auf den Betrachter wirkte der romanische Rundbau mit den Türmchen und dem Spitzdach eher orientalisch. Eine weitere Kuriosität: Damit das Kloster während oder nach der Grande Revolution nicht wie viele andere beschädigt oder zerstört wurde, wandelte man es in ein Gefängnis um. Bis in das Jahr 1963 blieb es eine Haftanstalt, wie eine Reihe von Bildtafeln dokumentierte.
Ein Picknick stärkt Leib und Seele
Auf der Weiterfahrt erblickte man vom Bus aus an einigen Stellen Höhlen in den Tuff-steinwänden – charakteristisch für die Region Pays de la Loire. Früher wurden die Höhlen sogar bewohnt, heute vorwiegend für die Zucht von Speisepilzen genutzt, erfuhr man von Natalie. Vielleicht hatte Bruno Meßmer ein Gespür dafür, dass bei einigen Mitreisenden mögliche Gedanken oder Gespräche über „Pilze“ den Appetit angeregt hatten. Denn auf dem Parkplatz in Rochemenier wurden kurzerhand Klapptische aufgestellt und ‚Patron‘ Bruno servierte frisches Baguette und Platten mit Wurst und Käse. Dazu gab es ein oder zwei Gläschen Weiß- oder Rotwein, womit sich der rege Gedankenaustausch in der Gruppe noch intensivierte.
Landwirtschaft „unter Tage“
Dergestalt an Leib und Seele gestärkt, besichtigte man das befremdlich wirkende unterirdische Village des troglodytes in Rochemenier, das einst aus rund 40 Bauernhöfen bestand. Tageslicht dringt lediglich durch einige wenige atriumartige Öffnungen nach unten. Ställe, Scheunen, Brunnen, Wohn-räume und sogar eine Kapelle konnten besichtigt werden. Ungläubiges Staunen, als Natalie erzählte, dass hier Menschen bis ins 20. Jahrhundert gelebt und gearbeitet haben. Noch beim Abendessen in Tours sorgten diese Eindrücke für Gesprächsstoff. Das Restaurant, das Bruno Meßmer für die Gruppe ausgesucht hatte, heißt seltsamerweise „Gelber Hund“ („Chien jaune“) und überraschte mit einem Retro-Dekor aus den 1950er Jahren.
6. Tag: Die Terrassengärten von Villandry
Gespannt waren die Ortenauer auf den Besuch von Chateau Villandry, dessen Aushängeschild die kunstvoll gestalteten Terrassengärten sind. Bereits im 16. Jahrhundert hatte der Fi-nanzminister von König Franz I. die alte Burg zum „Garten-palais“ im Renaissancestil um-bauen lassen; nur der Wehr-turm mit den Zinnen blieb erhalten.Von außen betrachtet wirkt das Schloss wenig spektakulär, zumal einige Gebäude privat genutzt werden und nicht zu besichtigen sind. Sehenswert ist das Mobiliar aus unter-schiedlichen Epochen, vor al-lem in den liebevoll eingerich-teten Kinderzimmern.
Kunstsinniger Wissenschaftler
In der holzgetäfelten Bibliothek befindet sich die private Büchersammlung des letzten Schlossherrn. Dieser, ein spanischer Wissenschaftler namens Carvallo, liebte auch die Kunst – in der Gemäldegalerie groß-zügig ausgestellt. Ein Juwel im Chateau ist der orientalische Salon, dessen reich verzierte Decke aus dem Palast von Toledo stammt und von Carvallo für sein Schloss erworben wurde. Von einigen Zimmern des Schlosses hatte man einen schönen Blick auf die motivisch gestalteten Gärten: Sonnen-, Wasser- und Musikgarten sowie sorgsam angelegte Blumenbeete und Gemüsegärten. Beim Rundgang durch die Anlagen konnte man sich ein Bild von der akribischen Gartenarbeit machen. Zehn Gärtner sind mit der Pflege des Bestands und dem üppigen Blumenschmuck in den Gebäuden betraut, er-klärte Natalie.
Ein Schloss mit Billardzimmer
Das Chateau d’Azay-le-Rideau gilt vielen als „Perle der französischen Renaissanceschlösser“, liegt es doch malerisch auf einer Insel im Indre – ebenfalls ein Nebenfluss der Loire. Betritt man das Gebäude, führt eine offene Ehrentreppe bis zum Dachstuhl empor. Ungewöhnlich war, dass die Reiseführerin die Besichtigung von oben begann. Sie wies darauf hin, dass die Treppe mit Geländer für die damalige Epoche ein Novum darstellt. An vielen Stellen prangte das königliche Wappen: Salamander und Hermelin. Ein Blickfang im königlichen Schlafzimmer war das scharlachrote Baldachinbett mit filigranen Schnitzereien. Wirkte der sparsam eingerichtete große Saal im Erdgeschoss eher kühl und unpersönlich, zeugte der Salon mit erlesenem Polstermobiliar und einem verzierten Kamin von einstigem Prunk und Glanz. Wert gelegt wurde immer auf ein edel ausstaffiertes Billardzimmer – schon zur Zeit des Sonnenkönigs Louis XIV., wie Natalie schmunzelnd erzählte. Vorratskammer, Küche und Esszimmer gaben den Besuchern interessante Einblicke in die kulinarischen Gewohnheiten früherer Epochen. Mit einem Spaziergang im Schloss-park klang die Erkundungstour in Azayle-Rideau am frühen Nachmittag aus.
Tours und der Heilige Martin
Mit dem Bus ging es zurück nach Tours – für viele laut Natalie die schönste Stadt im Westen Frankreichs. Geschichte, Kultur und modernes Leben verbinden sich hier auf besondere Weise. Von der Bushaltestelle gegenüber der Universität führte Natalie die Gruppe mitten ins Herz von Tours zur Place Plumereau mit wunderbar restaurierten Fachwerkhäusern. Viele Cafés und Bistros waren bei den sommerlichen Temperaturen gut besucht. Vorbei an den Markthallen ging es zur Basilika des Heiligen Martin, im 4. Jahrhundert Bischof von Tours. Alljährlich ist sie das Ziel vieler Pilger. Die Gebeine von Sankt Martin wurden am 11. November des Jahres 397 in der Basilika bestattet, was auch die traditionellen Laternenumzüge am Gedenktag erklärt. In der Krypta besichtigte man den Hauptaltar mit den Marmorsäulen.
Bildwirksame Renaissance-Türme
Die legendäre Szene, in der Martin als römischer Soldat seinen Mantel mit einem Bettler teilt, findet sich auf einem der Kirchenfenster in der Cathédrale Saint Gatien, der größten gotischen Kirche, die 1547 nach über 300-jähriger Bauzeit fertiggestellt wurde. Sie ist das Wahrzeichen von Tours. Besonders bildwirksam sind die beiden grazilen Renaissance-Türme und die Skulpturen und Ornamente über den drei Portalen. Vom nördlichen Querschiff der Kathedrale führte der Weg vorbei am einstigen Kloster de la Psalette, wo man von außen eine wunderschöne Wendeltreppe mit pittoresken Wasserspeiern sehen konnte.
30.000 Studenten
An der Universität verabschiedete sich Natalie von den Ortenauern. „Auch wenn man vieles vom historischen Tours gesehen hat, ist es keinesfalls eine ‚alte‘ Stadt“, sagte die Reiseführerin. Allein die 30.000 Studenten sorgten für Lebendigkeit. Herbert Vollmer dankte Natalie für die dreitägige hervorragen-de Begleitung und überreichte unter viel Beifall ein Präsent. Den lauen Sommerabend verbrachten einige in einem der vielen Lokale in der Altstadt oder mit einem Bummel durch die hell beleuchtete Rue Nationale mit ihren exklusiven Geschäften und Galerien.
7. Tag: Orléans und Jeanne d’Arc – eine Legende lebt fort
Der Abschied von Tours und dem Loire-Tal fiel nicht so schwer, freute man sich doch auf die Stadt, von der es heißt, sie sei das „Herz von Frank-reich“: Orléans. Das liegt vor allem an der legendären Jeanne d’Arc – Schutzpatronin der Me-tropole. An ihrem Gedenktag (8. Mai) feiert Orléans jedes Jahr die Befreiung von den Eng-ländern anno 1429.Da vor Ort kein Guide zur Verfügung stand, erkundete man bei sommerlichem Wet-ter die Sehenswürdigkeiten per Bimmelbahn (Petit Train Touristique). Erklärungen in deutscher Sprache kamen über Lautsprecher vom Band.Das Bähnle ruckelte durch die Altstadt, vorbei an meist schön restaurierten Fachwerk-häusern. Am Place du Martroi fanden die Fotografen ein un-verzichtbares Motiv: das be-rühmte Reiterstandbild der Jeanne d’Arc. Das Haus, in dem die Jungfrau seinerzeit mit ih-ren Brüdern logierte, ist heute ein Museum. Eine Bronzefi -gur der Johanna steht vor dem malerischen Renaissance- Rat-haus. Entlang der Kais an der Loire hatte man einen guten Blick auf den Fluss und einige tradi-tionelle Fischerboote. Zurück im Zentrum endete die Bähnlefahrt am Touristbüro, wo sie begonnen hatte.
Spektakuläre Säulenkränze
Je nach Lust und Laune erkundete manche die Kathedrale mit den von spektakulären Säulen-kränzen gekrönten Türmen. Saint Croix ähnelt im gotischen Stil Notre Dame de Paris. Ab 1287 hatte man mit dem Bau auf den Resten eines romanischen Gotteshauses begonnen. Querschiff und Türme waren erst 300 Jahre später fertig-gestellt. Vollendet wurde der Dom erst im Jahr 1829. Zehn eindrucksvolle Fenster im Innern zeigen Lebensstationen der Johanna von Orléans – von der ersten Vision der Dreizehn-jährigen in der lothringischen Heimat bis zum grausamen Tod auf dem Scheiterhaufen in Rouen – mit nicht einmal zwanzig Jahren.
Resümee auf der Heimreise
Die Rückfahrt in die Orten-au verlief planmäßig. Herbert Vollmer ließ noch einmal die Höhepunkte der vergangenen erlebnisreichen Tage Revue passieren und sparte dabei nicht mit Lob. Wie es auf den „Pfingstfahrten“ des Bildungswerks gepflegte Tradition ist, gab es Dankesworte und Präsente für Teilnehmende, die mehrfach mit dabei waren. Für die Teilnahme an zehn Fahrten wurde Ulli Vogt-Lehmann geehrt; Astrid Litty so-wie Werner und Magret En-gelbrecht-Krieg für jeweils 15 Fahrten. Bernhard und Monika Kähms sind in der „Reisechronik“ des Bildungswerks sogar mit 31 Fahrten verzeichnet. Fest etabliert hat sich mittlerweile die von Gabi Walter ins Leben gerufene WhatsApp-Gruppe – gewissermaßen als „Timer“ und zuverlässiges Portal für Infos, Fotos und Kommentare.
„Kopf und Herz“
Er sei „Kopf und Herz“ der Gruppe, sagte Herbert Vollmer an Bruno Meßmer gerichtet. Nicht nur als souveräner Fahrer mit einem reichen Erfahrungsschatz in der Reiseorganisation habe er sich bei jeder „Pfingst-fahrt“ erwiesen, sondern auch als jemand, der sich kümmert und für Zusammenhalt sorgt – auch mit seinen fast schon legendären Picknicks unter freiem Himmel. Lang anhalten-der Beifall bestätigte Vollmers Worte. Über eine „Pfingstfahrt“ im nächsten Jahr und ein mögliches Reiseziel wird bei einem Nachtreffen entschieden. Auf Nachfrage erklärte sich Herbert Vollmer bereit, weiterhin die Reiseleitung zu übernehmen.





