In Zell entsteht mitten in der Stadt ein neues Lebenshilfe-Wohnhaus für 24 Menschen mit Behinderung. Im Jahr 2027 wird die Einrichtung bezugsfertig sein.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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Foto: Inka Kleinke-Bialy„Der Stadt und dem Gemeinderat war es ein Herzensanliegen, dieses Grundstück hier auf dem Bahnhofsareal der Lebenshilfe zur Verfügung zu stellen“, betonte Bürgermeister Günter Pfundstein in seiner Begrüßungsansprache auf der Großbaustelle an der Hindenburgstraße 8. Seine Worte richteten sich an jene zahlreich Erschienenen, die am vergangenen Mittwochnachmittag dem ersten Spatenstich für den Neubau des Lebenshilfe-Wohnhauses beiwohnten.
Unter den zahlreichen Ehrengästen befanden sich unter anderem die Architekten Guido Schuler und Markus Schmieder. Als Vertreter der Sparkasse Kinzigtal kam der Vorstandsvorsitzende Sebastian Lebek gemeinsam mit den Kollegen Frank Weber und Sven Devantier. Sie überbrachten einen Hefezopf in Form eines Spatens in Originalgröße.
Bisheriges Domizil verliert Betriebserlaubnis
Das sanierungsbedürftige bisherige Lebenshilfe-Wohnhaus im Lärchenweg in Unterharmersbach habe keine Betriebserlaubnis mehr erhalten, führte Bürgermeister Pfundstein in seinem Grußwort weiter aus. Insofern habe man mit dem in direkter Bahnhofsnähe liegenden Areal in der Hindenburgstraße den richtigen Platz für ein neues Wohnhaus gefunden: „Mit Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr und Bushaltestelle – besser kann es eigentlich gar nicht gehen.“
Zentral im Bahnhofsareal
Hinzu komme die im Gegensatz zum bisherigen Standort fußläufig schnell erreichbare Innenstadt. „250 Meter und Sie sind mitten in der Stadt“, verdeutlichte der Rathauschef, besser könne man Inklusion kaum realisieren, als die Menschen, die Unterstützung benötigen, mitten in den Ort zu holen. „Auf dem Bahnhofsareal wird dies mit Sicherheit bestens gelingen“, ist sich das Ortsoberhaupt sicher, zumal es auf dem Areal künftig weitere Veränderungen geben werde. Den Projektbetreibern wünschte er viel Erfolg und „alles, alles Gute“.
Baugenehmigung in drei Monaten
Zudem erläuterte er: Zwar sei der Geländeverkauf – zu überdies attraktiven Konditionen – bereits vor einigen Jahren erfolgt. Doch weil die Lebenshilfe zunächst an den Standorten Elzach und Hausach investiert habe, sei schon damals klar gewesen, „dass wir noch etwas warten müssen“. Als dann Zell am Harmersbach an die Reihe gekommen war, nahm die Baugenehmigungszeit lediglich drei Monate in Anspruch. Dies stellte Günter Pfundstein als bemerkenswert heraus und bat um kräftigen Applaus für das Stadtbauamt um Stadtbaumeister Tobias Hoffmann, der denn auch prompt lautstark erscholl.
Grafmüller baut
Vonseiten der Lebenshilfe im Kinzig- und Elztal e.V. hatte zunächst der Vorstandsvorsitzende Martin Schmid alle Anwesenden begrüßt, darunter die künftigen Bewohner des Wohnprojekts, die künftigen Nachbarn – und natürlich „den wichtigsten Mann: Hannes Grafmüller“. Dessen Firma wird die Rohbauarbeiten ausführen, mit den Erdarbeiten hat sie bereits begonnen.
Neubau bietet zehn Wohnplätze mehr
Das neue Lebenshilfe-Wohnhaus wird ein Zuhause für insgesamt 24 Menschen mit Behinderung bieten. 14 dieser Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich, weiterhin in ihrem Heimatort leben zu dürfen: Sie werden vom bisherigen Wohnhaus im Lärchenweg in das neue Wohnhaus in der Hindenburgstraße umziehen. Außerdem entstehen zehn neue Wohnplätze sowie Raum für eine Senioren-Tagesgruppe mit ebenfalls zehn Personen.
Bewohner freuen sich auf Umzug
Zwischen den Ansprachen geführte, herzerwärmende Kurzinterviews mit einigen der Bewohnerinnen und Bewohner des bisherigen Domizils im Lärchenweg ergaben beispielsweise: Sie sind gespannt auf ihre neuen Zimmer, auf die Möblierung und darauf, mit wem sie sich eine Wohnungseinheit teilen. Besonders freuen sie sich über die kleine Gruppengröße, die Nähe zum Zentrum, zu den Geschäften, den Eisdielen, laufen immer mal wieder an der Baustelle vorbei.
„Sicher, einige der Bewohner werden mit ein bisschen Sehnsucht nach dem Lärchenweg umziehen“, weiß der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Burger, „Veränderung ist immer etwas Besonderes. Aber ich glaube, im Großen und Ganzen freuen sie sich dann auf die neuen Zimmer und das neue Haus.“
Ausstattung gesetzlich geregelt
Dass mit dem Neubau in der Stadt das Lebenshilfe-Wohnhaus in Unterharmersbach ersetzt wird, erläuterte er. Und erklärte weiterhin: Seit 2009 gibt es die Landes-Heim-Bau-Verordnung. Sie schreibt vor, welche baulichen Voraussetzungen sogenannte „Heime“ in Baden-Württemberg erfüllen müssen.
Hierzu gehört einerseits die Barrierefreiheit. Andererseits müssen die Bewohnerzimmer über eine Mindestfläche verfügen, dürfen nur einzeln belegt werden und sollten jeweils mit eigener Dusche und Toilette ausgestattet sein. Um bestehende Heime, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, entsprechend umbauen oder ersetzen zu können, räumte das Gesetz eine zehnjährige Frist zur Umsetzung ein.
Verlängerung der Ausnahmegenehmigung nötig
„Da diese 2019 auslief und wir nachweisen konnten, dass wir ernsthaft an einer Umsetzung arbeiten, erhielten wir für mehrere bestehende Lebenshilfe-Wohnhäuser eine Übergangs-Betreiber-Genehmigung, die in Unterharmersbach Ende 2026 enden wird“, so Karl Burger. „Zum Ablaufdatum müssten wir dort eigentlich ausziehen“, legte er dar. Doch da der Neubau bis dahin deutlich fortgeschritten sein wird, geht die Lebenshilfe davon aus, dass sie bis zur geplanten Fertigstellung in 2027 nochmals eine Ausnahmegenehmigung zum Weiterwohnen in Unterharmersbach erhalten wird.
Sanitärausstatter unter-stützen das Projekt
Aufgrund der zahlreichen Duschen und Toiletten, die es einzubauen gilt, nahm der Verein Kontakt zu zwei regional verankerten „Global Playern“ auf. Diese – die renommierten Firmen Hansgrohe und Duravit – sicherten für den Sanitärbereich jeweils eine „äußerst großzügige Spende“ zu.
Mit von Herzen kommendem Dank freut sich die Lebenshilfe, aufgrund dieser einzigartigen Unterstützung eine hohe Wohnqualität sichern zu können. Nicht weniger groß die Freude über eine Spende in sechsstelliger Höhe, die der Verein im Vorfeld des Spatenstichs dank einer Leser-helfen-Aktion erhielt.
Barrierefreiheit wird wichtiger
Zu ergänzen ist: Die teilweise fehlende Barrierefreiheit beim zu ersetzenden Wohnhaus bereitet einigen der Bewohnerinnen und Bewohner zusehends Schwierigkeiten. Denn durch die oftmals mit dem Älterwerden schwindende Mobilität wird beispielsweise das Treppensteigen oder die Benutzung einer Badewanne erschwert oder gar unmöglich gemacht. Insbesondere für die älteren Menschen, die ins neue Lebenshilfe-Wohnhaus im Städtle einziehen werden, gibt es künftig eine eigene „inklusive und innovative“ Tagesgruppe.
Tiefer in Zell verankern
Bislang mussten die Senioren zur Tagesgruppe nach Haslach gefahren werden. In Zell jedoch werden sie vor Ort die Tagesgruppe besuchen können. In diesem Zusammenhang strebt die Lebenshilfe eine Zusammenarbeit mit Zeller Vereinen und anderen Akteuren an. Einige Kooperationsverträge sind bereits abgeschlossen worden, nach Bezug des neuen Wohnhauses sollen sie mit Leben gefüllt werden.
„Tatsächlich gibt es durch die vereinbarten Kooperationen schon jetzt in Unterharmersbach wertvolle Begegnungen, die das Leben aller Beteiligten ungemein bereichern“, hieß es vonseiten der Lebenshilfe im Kinzig- und Elztal, „wir freuen uns, dass viele unserer künftigen Bewohnerinnen und Bewohner bereits heute fester Bestandteil der inklusiven Zeller Gesellschaft sind.“
Vor knapp 58 Jahren wurde die Lebenshilfe als Elternverein gegründet mit dem Ziel, Menschen mit Behinderung in der Region eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. „Wir erfüllen damit als Leistungserbringer einen öffentlichen Auftrag des Ortenaukreises“, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Burger. Wie alle Aufsichtsratsmitglieder der Lebenshilfe agiert er ehrenamtlich.
Förderbescheid steht noch aus
6,6 Millionen Euro wird das neue Wohnprojekt kosten. Um nicht nur den Verein, sondern auch den Ortenaukreis zu entlasten, war es erforderlich, öffentliche Fördermittel des Landes in Höhe von 1,75 Millionen zu beantragen. Hierzu mussten bei der Planung und Vorbereitung des Bauvorhabens viele bauliche und konzeptionelle Voraussetzungen erfüllt werden, um im vergangenen Juli schließlich eine Förderempfehlung zu erhalten.
Der dazugehörige Förderbescheid steht allerdings noch aus. „Weil wir nicht länger warten konnten und wollten, beantragten wir beim Kommunalverband Jugend und Soziales die Zustimmung zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn“, erläuterte Karl Burger. Die Zustimmung wurde dem Verein Mitte September 2025 erteilt, „so dass wir heute zum Spatenstich schreiten können“.
Die Sozialamtsleiterin des Ortenaukreises Ingrid Oswald, die gemeinsam mit der Sozialplanerin Silke Martens an der Feier teilnahm, übermittelte die besten Wünsche von Landrat Thorsten Erny und Heiko Faller, Sozialdezernent Ortenaukreis.
Mehr als ein Dach über dem Kopf
„Wohnen bedeutet weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf“, unterstrich sie, „Wohnen heißt Sicherheit, Geborgenheit und Selbstbestimmung.“ Mit dem neuen Wohnhaus schaffe die Lebenshilfe einen Ort, an dem Menschen mit Behinderungen ihr Leben gestalten, Gemeinschaft erleben und sich wirklich zuhause fühlen können.
Dank der engagierten Arbeit vieler Beteiligter – neben der Lebenshilfe nannte Ingrid Oswald stellvertretend die Planer und kommunalen Partner – könne dieses Projekt nun umgesetzt werden, und es zeige auch, „dass wir zusammen viel Gutes erreichen können“.
Denn: Die Umsetzung eines solchen Projekts sei keine einfache Aufgabe, unterstrich sie: Die Anforderungen der Landesheimbauverordnung stellen eine personelle wie finanzielle Herausforderung dar – sowohl für die Einrichtung selbst als auch für den Landkreis. Gemeinsam habe man einen Plan entwickelt, um die Anforderungen der Verordnung zu erfüllen und gleichzeitig ein Zuhause zu schaffen, das hohen Qualitätsstandards entspräche.
Zusätzliche Plätze entlasten
Die Sozialamtsleiterin hob zudem hervor: „Die Erweiterung von derzeit 14 auf 24 Plätze wird dringend benötigt, um den Bedarf an passendem Wohnraum für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung im Einzugsgebiet des Kinzigtals zu decken.“ Dass zehn neue zusätzliche Wohnplätze entstehen, sei dabei ein großer Gewinn, denn viele Menschen warteten schon seit Jahren auf einen geeigneten Platz.
Ebenso begrüßte sie das Entstehen einer Tagesgruppe für zehn Seniorinnen und Senioren samt der damit einhergehenden Begegnungsmöglichkeiten, steige doch insgesamt der Bedarf nach einer geeigneten Tagesstruktur für ältere Menschen. Sehr herzlich bedankte sie sich für die durchweg hervorragende und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Kinzig- und Elztal e.V.
Letztere betonte den Dank an die Stadt Zell, „auf diesem Grundstück in hervorragender Lage ein neues Zuhause bauen zu können – einen Wohnort, um sich rundum wohlzufühlen“.





