Revierförster Hans Lehmann und Forstbezirksleiterin Therese Palm sprachen bei der jährlichen Waldbegehung über spezifische Ergebnisse und Probleme des Kommunalwaldes.
Die jährliche Waldbegehung gibt dem Gemeinderat vielfältige Informationen über die Bewirtschaftung des Kommunalwaldes und veranschaulicht gleichzeitig die damit verbundenen umfangreichen Aufwendungen und mögliche Gefahren durch Kalamitäten.
Für die Gemeinde Oberharmersbach hat der rund 1000 Hektar große Gemeindewald eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung. „Wir stehen beim Holzeinschlag derzeit bei rund 9.200 Festmeter und werden, wenn das Wetter mitspielt, die geplanten 10000 Festmeter erreichen“, weckte Revierförster Hans Lehmann Hoffnungen für den Gemeindehaushalt. Grund dafür seien die etwas höheren Erlöse im zweiten Halbjahr. „Diese brauchen wir auch, da die diesjährigen Arbeiten im blocküberlagerten Gelände schwieriger waren“ verwies er auf die teuren Hiebe und dämpfte gleichzeitig zu großen Optimismus.
Dass zu einer zufriedenstellenden und beständigen Holzernte etliche Begleitmaßnahmen zählen, zeigte das Exkursionsprogramm, das der Revierleiter zusammen mit Therese Palm, Leiterin des Forstbezirks Offenburg am Amt für Waldwirtschaft des Ortenaukreises, ausgearbeitet hat.
Besonders Aufmerksamkeit fanden die Wegunterhaltungsarbeiten. Gut 80 Kilometer Fahrwege und rund 40 Kilometer Maschinenwege erschließen den Gemeindewald. „Natürlich fallen jährliche Unterhaltungsarbeiten an. Schwerpunkt waren in diesem Jahr immer noch Instandsetzungsarbeiten nach Schäden durch den Sturm Lothar. Die Höhe dieser Aufwendungen muss sich auch am Holzertrag orientieren, um das Betriebsergebnis nicht zu gefährden“, verwies Lehmann auf die aktuellen Ausgaben von rund 41.000 Euro. Zwar sei die Erschließung insgesamt gut, aber
man müsse über die eine oder andere Verbreiterung von Wegen nachdenken und möglicherweise hie und da eine zusätzliche Verbindung anlegen, um die Holzabfuhr zu erleichtern.
Betriebsplanung für die kommenden zehn Jahre
Für die im kommenden Jahr anstehende Forsteinrichtung (Zehnjahresplanung) laufen die Vorbereitungen. „Eine vorbereitende Stichprobenaufnahme liefert unter anderem erste Zahlen über die Vorratsentwicklung des aktuellen Waldbestandes. Das entstehende Zahlenwerk soll im Folgejahr die Betriebsplanung für die kommenden zehn Jahre festlegen und bildet die Grundlage für die tägliche Arbeit der Förster“, erläuterte Therese Palm am Beispiel eines Messpunktes.
Insgesamt 468 Messpunkte überziehen bei der vor kurzem abgeschlossenen Stichprobenaufnahme den Gemeindewald in einem Gitter der Größe von 100 x 200 Meter. An der Entwicklung des Gesamtvorrats orientiert sich auch der Hiebsatz (jährlich möglicher Holzeinschlag) im kommenden Jahrzehnt, wobei eine Über- oder Unterschreitung des Hiebsatzes Flexibilität ermöglicht, ohne langfristig die Nachhaltigkeit zu gefährden.
Die Forstbezirksleiterin erläuterte die für die Planung zu formulierenden Eigentümerziele im Gemeindewald, die der Gemeinderat im Vorfeld beschließen muss. Damit entscheidet der Waldeigentümer über die Ausrichtung der Planung. „Besonders wichtig ist für die Gemeinde natürlich die Haushaltsfunktion“, stellte Palm diese Vorrangigkeit fest. Aber der Gemeindewald hat durch seine Lage auch eine wichtige Funktion für die Trinkwassergewinnung und die Artenvielfalt insgesamt. Nicht minder bedeutend ist die Erholungsfunktion für den Ort als Tourismusgemeinde.
Invasive Arten bereiten Sorge
Sorgen bereiten nicht nur im Oberharmersbacher Gemeindewald invasive Arten. „Gekommen, um zu bleiben“ lautet das griffige Schlagwort für diese „Neobiota“ (neu auftretende Tier-, Pflanzen- und Pilzarten). Sehr unterschiedliche Faktoren, wie die höheren Temperaturen oder der internationale Warenhandel, begünstigen deren Ausbreitung und führen mittlerweile bei vielen Baumarten zu erheblichen Schäden.
Schon länger in dieser Rublik läuft die massive Ausbreitung des Japanknöterichs, der sehr schwer zu bekämpfen ist. In Oberharmersbach angekommen ist auch die Asiatische Hornisse, die vor allem durch die Gefährdung der heimischen Bienen eine enorme Gefahr darstellt. Eine ganze Reihe dieser invasiven Arten ist in unserer Region seit Jahrzehnten auf dem Vormarsch.
Abgerundet wurde die Exkursion mit ersten Einschätzungen zum Betriebsergebnis, das vor allem im letzten Jahr durch einen erhöhten Holzeinschlag sehr positiv ausgefallen ist.





