Die Grünen-Landtagskandidatin informierte sich im Wahlkampf bei einem Rundgang durch die Zeller Innenstadt über die Situation des Einzelhandels. Es ging um Stärken, Service und aktuelle Herausforderungen.
In Begleitung von Gemeinderat Stefan Stehle, dem ehemaligen Gemeinderat Martin Teufel sowie dem Beauftragten des Grünen Ortsverbandes Kinzigtal, Wolfgang Mössinger, besuchte Maren Seifert bereits zum vierten Mal innerhalb weniger Wochen Zell. Unter der fachkundigen Führung von Petra Brosemer, Vorstandsmitglied des HGV Zell, führte der Rundgang durch mehrere eigentümergeführte Geschäfte in der Zeller Innenstadt.
Fachgeschäfte in Zell
Maren Seifert gewann einen Eindruck von der Vielfalt des Angebots: von Schreibwaren bei Febon und Bechert über Mode im Trendhouse und Bücher bei Richter und Kopf bis hin zu Blumen Grass, der Metzgerei Damm, Schulbedarf Schmidt und Messerschmiedemeister Kneissler. Zahlreiche weitere Geschäfte konnten aus Zeitgründen nicht mehr besucht werden.
Allen eigentümergeführten Betrieben ist der Anspruch gemeinsam, ihre Kundschaft individuell, fachkundig und sorgfältig zu beraten. Das ist zeitaufwendig und erfordert eine dauerhafte Präsenz der Eigentümer sowie qualifiziertes Personal. Diese persönliche Kundenorientierung stellt jedoch einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Online-Handel dar. Gleichzeitig sind die Händler gefordert, sich breit aufzustellen und ihr Angebot über das jeweilige Kerngeschäft hinaus zu erweitern. „Ich bin beeindruckt von der Leistungsfähigkeit und dem ausgeprägten Servicegedanken der Zeller Geschäfte. Es lohnt sich, in Zell einen Stadt- und Einkaufsbummel zu machen“, sagte Seifert.
Leerstände trüben das Stadtbild
Trotz des überwiegend positiven Eindrucks sind Leerstände in der Zeller Innenstadt nicht zu übersehen. Petra Brosemer erläuterte anhand konkreter Beispiele die Ursachen: fehlende Nachfolger, unrealistische Pachtforderungen der Hauseigentümer sowie bürokratische Hürden und Verzögerungen. Der HGV stehe hierzu in ständigem Austausch mit der Stadt, um Leerstände zu vermeiden oder zu füllen. „Wir müssen an einem Strang ziehen“, betonte das Vorstandsmitglied.
Forderungen an die Politik
Die starke Kundenorientierung erfordert Fachpersonal über die Eigentümer und deren Familien hinaus. Mit Kreativität und einem guten Betriebsklima gelingt es vielen Geschäftsinhabern derzeit noch, ausreichend Personal zu finden und zu halten. Dennoch sehen einige Händler politischen Handlungsbedarf – etwa bei Sozialleistungen oder bei Erleichterungen für die Einstellung arbeitswilliger und -fähiger Geflüchteter.
Zudem wurde die Frage aufgeworfen, ob Folgekosten des Online-Handels zu niedrig angesetzt seien und dadurch den stationären Einzelhandel benachteiligten. Genannt wurden unter anderem Portokosten für Rücksendungen sowie der zunehmende Lieferverkehr.
Mit Blick auf die Verkehrssituation zeigten sich die besuchten Geschäftsinhaber weitgehend zufrieden mit den Parkmöglichkeiten in Zell. Eine Umgehungsstraße würde aus ihrer Sicht eher negative Folgen für die Besucherfrequenz haben, wie Beispiele aus umliegenden Städten zeigten. Für eine lebendige Fußgängerzone brauche es vielmehr zusätzliche attraktive Gastronomieangebote. Maren Seifert wies darauf hin, dass in ihrem Wohnort Offenburg das gegenteilige Problem bestehe: Dort nehme die Zahl gastronomischer Betriebe, häufig Ketten, stark zu, während Fachgeschäfte fehlten.
Urlaubsgäste sind zufrieden
HGV-Vorsitzender Paul Lehmann bedankte sich für den Besuch. Als größter Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten in Zell nehme er wahr, dass Besucher die Stadt häufig positiver einschätzten als Einheimische – was angesichts unterschiedlicher Bedürfnisse nachvollziehbar sei. Ein häufiger Kritikpunkt seiner Gäste betreffe die Konus-Karte, die über die Kurtaxe finanziert wird und nicht bis nach Straßburg gilt. Dadurch werde der Besuch eines der attraktivsten Ausflugsziele unnötig erschwert. Maren Seifert kannte das Thema aus Diskussionen um das Deutschland-Ticket und regionale Angebote und kündigte an, es beim Verkehrsministerium anzusprechen.
Lehmann berichtete zudem über die Bemühungen des HGV, leerstehende Schaufenster zwischenzeitlich zu vermarkten, um das Stadtbild aufzuwerten. Als Imker wies er außerdem auf die wachsende Bedrohung durch die Asiatische Hornisse hin, die eine existenzielle Gefahr für heimische Bienen und damit für lokale Imker darstelle. Maren Seifert berichtete in diesem Zusammenhang von ihrem Besuch an der Badischen Imkerschule in Oberentersbach, bei dem das Thema ebenfalls im Mittelpunkt stand.
Stammtisch bespricht Schulfragen
Beim anschließenden Stammtisch der Grünen Liste Zell ging es vor allem um die Qualität der Grundschulbildung und der Ganztagsbetreuung in Baden-Württemberg. Maren Seifert ging auf Fragen zur Grundschulbildung und zur Ganztagsbetreuung in Baden-Württemberg ein und stellte Maßnahmen vor, die aus ihrer Sicht zur Verbesserung der Situation beitragen könnten. Dabei verwies Seifert auf laufende Zuständigkeiten innerhalb der Landesregierung im Bereich der Grundschulbildung. Geplant sei insbesondere eine bessere personelle Ausstattung: durch mehr Studienplätze für angehende Grundschullehrerinnen und -lehrer, die Anhebung der Besoldung auf A13 sowie die stärkere Förderung pädagogischer Fachkräfte für die Nachmittagsbetreuung. Beim Ganztagsangebot sehe sie derzeit noch einen Zielkonflikt: Würde man warten, bis ausreichend Fachkräfte ausgebildet seien, könne das Angebot nicht ausgebaut werden. Übergangsweise müsse daher weiterhin auf freiwillige Organisationen zurückgegriffen werden.
Zum Abschluss ihres Besuchs hob Maren Seifert die Bedeutung Zells innerhalb des Wahlkreises Offenburg hervor und betonte die vielfältigen Eindrücke, die sie aus den Gesprächen und Begegnungen mitgenommen habe.





