In der Gemeinschaft etwas bewegen

Alfred Siegesmund ist im Turnverein 1898 Unterharmersbach seit über 40 Jahren ein Dreh- und Angelpunkt bei der Organisation von Laufveranstaltungen – Als 2. Vorsitzender sorgt er immer wieder für frischen Wind

»Ich hänge nicht an alten Zöpfen«, schmunzelt Alfred Siegesmund. Seit weit über einem halben Jahrhundert ist er beim Turnverein (TV) Unterharmersbach Mitglied, fungiert dort seit fast 30 Jahren als zweiter Vorsitzender und sorgt immer wieder für frischen Wind, für neue Impulse.

»Es sind ganz viele im Verein, die im Ehrenamt ganz viel leisten«, will sich der 65-Jährige keinesfalls herausheben. Beruflich war der vor zwei Jahren ins Rentnerdasein Gewechselte in der Reprobranche tätig und dort als Auftragsbearbeiter und Koordinator in der Medienlandschaft zuhause.

Daher kommt es, dass er sich in dem rund 900 Mitglieder zählenden TV zum einen um alles kümmert, was medienlastig ist: von grafischen Gestaltungsarbeiten wie Urkunden oder sonstigen Vereinspapieren über die Vereins­zeitschrift hin zu Plakaten oder Werbung für die Sporthalle.

Überdies kümmert sich der passionierte Hobby-Fotograf um die Pressearbeit samt Archivbearbeitung, schießt bei Veranstaltungen die Fotos. Aber auch der Bühnendeko zur Nikolausfeier nimmt er sich an sowie der Vereinskleidung. Und wenn Not am Mann ist, stellt er sein handwerkliches Geschick bei Arbeiten in und an der Vereinshalle zur Verfügung.

Vor allem aber das Organisieren von Lauf-Veranstaltungen zählt zu seinem Aufgabenbereich, seit über 40 Jahren nun schon. Mit Cross-und Waldläufen fing es an, die boomten vor rund 40 Jahren. Anschließend waren Triathlonveranstaltungen der Renner, auch hier befanden sich die Unterharmersbacher unter den ersten Ausrichtern in Deutschland. Als dieser Trend ebenfalls abebbte, folgten Bergläufe.

»Das war eigentlich das Highlight, vom Organisatorischen her«, so Alfred Siegesmund, denn sein Verein richtete Deutsche Meisterschaften, Europa- und gar Weltmeisterschaften aus. »Da ist man immer mehr reinge­kommen«, erzählt der Sportbegeis­terte, »das hat immer mehr Spaß gemacht und sich immer weiter gesteigert.«

»Wenn man so etwas macht, ist das natürlich ein enormer Zeitfresser«, gesteht der Organisationsversierte und berichtet als Beispiel von der Deutschen Berglaufmeisterschaft, die eigentlich Anfang Oktober stattfinden sollte. Eigentlich wollte der TV keinen Brandenkopf-Berglauf mehr ausrichten, weil angesichts rückläufiger Teilnehmerzahlen das finanzielle Risiko zu groß geworden war und sich der enorme Aufwand für den Verein nicht mehr lohnte.

Doch wie so oft übernahm Alfred Siegesmund die Initiative und konnte die Vereins­kollegen davon überzeugen, nochmals eine Deutsche Meisterschaft auszurichten, denn bei einer DM sind genügend Teilnehmer garantiert und das finanzielle Risiko hält sich in Grenzen.
Eine (im letzten Herbst erfolgte) Bewerbung, Vertragsverhandlungen mit den Verbänden und generell viel Bürokratie seien mit dem Ganzen verbunden, »was ich eigentlich richtig hasse«, wie der in Neuenburg Geborene und in Unterharmersbach Aufgewachsene gesteht, »ich hab’s lieber unkompliziert, aber es geht nun mal nicht anders.«

Steht der Vertrag, gilt es, eine Strecke zu finden, Pläne sowie Höhenprofile zu erstellen, Sponsoren zu suchen, die Ablauf- und Personalplanung zu machen. Im direkten Vorfeld der Veranstaltung dann steht die Werbung an, das Erstellen und Verteilen von Plakaten und Programm, das Einrichten des Anmeldeverfahrens – nicht zu vergessen die Abstimmungen mit der Stadt. »Da ist man ständig gefordert«, weiß Alfred Siegesmund nur zu gut. Zumal nun täglich Fragen von Wettkampfteilnehmern eintrudeln – wobei ihm wichtig ist, »dass die Leute gleich eine Rückmeldung kriegen. Dass sie sehen, es kümmert sich jemand.«

Coronabedingt fielen die Deutschen Meisterschaften in Zell zwar aus – wie nahezu die gesamte Wettkampfsaison. Stattdessen fand am vorletzten Wochenende jedoch ein offener TrailRun21 in Kombination mit den ersten baden-württembergischen Trailmeisterschaften statt. Die Corona-Auflagen umzusetzen stellte eine neue Herausforderung dar und erforderte Ideenreichtum.

Im Schnitt zwei Stunden täglich verwendet der passionierte Laufsportler und Leichtathletik-Kampfrichter auf sein ehrenamtliches Tun, erfährt dabei die volle Unterstützung seitens seiner Frau Luitgard und seiner »tollen Vereinskollegen«. Das Praktische dabei: Wenn er mit anderen Läufern oder mit Vorstandsmitgliedern vereinsintern sportlich unterwegs ist, »kriegt man Ideen und man kann sich während des Laufens nebenher unterhalten – man macht sozusagen eine ›laufende Sitzung‹«, feixt er.

Direkt vor dem Start einer Laufveranstaltung in Unterharmersbach sei die nervliche Anspannung zwar groß. »Aber wenn dann alles gut gegangen ist und das Lob kommt, dann freut sich jeder im Verein, auch der »›kleins­te‹ Helfer.« Und genau das sei für ihn das Wichtigste, unterstreicht Alfred Siegesmund: dass man sehe, dass man in einer Gemeinschaft etwas bewegen könne. »Aber es braucht halt jemanden, der das ein bisschen anschiebt«, sieht er, der gerne experimentiert, sich Neuem gegenüber aufgeschlossen zeigt: »Die Zeiten ändern sich, es gibt neue Anforderungen. Die muss man im Vorfeld erkennen und rechtzeitig reagieren.«

So kommt es, dass er seit sechs Jahren für den TV sogenannte Trailläufe organisiert – ganz nach dem Geschmack einer Zeit, in der die Menschen sich ob des alltäglichen Drucks nach Natur und der Ruhe des Waldes sehnen. »Das ist inzwischen der Boom, das sehen wir an den ständig steigenden Teilnehmer­zahlen, unser Verein hat rechtzeitig umgeschwenkt.«

Wozu unter anderem gehört, im Wald keine Plastikbänder mehr zwecks Absperrung zu verwenden. »Die Läufer können sich an alternativen Markierungen orientieren. Sie sollen umdenken, so wie wir auch als Verein immer wieder zum Umdenken gefordert sind«, unterstreicht der Jungsenior.

Der organisiert seit 15 Jahren zudem die vereinsübergreifende »Laufgemeinschaft Brandenkopf« sowie die außerhalb des Vereins durchgeführte Schwarzwald-Berglauf-Serie, hilft bei Bedarf auch anderen Vereinen mit seinem Können und Wissen.

Für das, was er selbst gibt, erhält Alfred Siegesmund im Gegenzug viel zurück. »Man lernt so viel dazu und man kommt mit neuen Leuten zusammen.« Aber auch andere Gegenden lernt er kennen, wenn er selbst große Laufveranstaltungen besucht um zu schauen, wie es andere machen, was sein Heimat­verein vielleicht besser machen kann.

In den Alpen, in Frankreich, Italien, im Bayerischen Wald oder auf Gibraltar ist er dazu schon unterwegs gewesen, dann stets in Begleitung seiner Frau: »Von solchen Reisen profitiert man auch persönlich, das ist immer schön.«

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