Vorbereitungen für die Landtagswahlen sind weitgehend abgeschlossen. Anzahl der Briefwähler liegt unter dem Niveau der Bundestagswahl 2025.
Harmersbach- und Nordrachtal. Am Sonntag entscheiden rund 7,7 Millionen Wahlberechtigte, wer das Land Baden-Württemberg in den kommenden fünf Jahren regiert. Etwa 320.000 Bürgerinnen und Bürger sind im Ortenaukreis zur Stimmabgabe abgerufen. Genau 12.522 Wahlberechtige sind es zusammen in der Stadt Zell sowie in den Gemeinden Biberach, Nordrach und Oberharmersbach.
Alle Wahlberechtigten haben zwei Stimmen
Zur Landtagswahl am 8. März 2026 dürfen in Baden-Württemberg erstmals auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Neu ist außerdem das Abstimmen mit zwei Stimmen. Es gibt eine Erststimme für die Wahl einer Wahlkreisbewerberin oder eines Wahlkreisbewerbers auf der linken, schwarz gedruckten Hälfte des Stimmzettels und eine Zweitstimme für die Landesliste einer Partei auf der rechten, blau gedruckten Hälfte.
„Pro Hälfte darf jeweils nur ein Vorschlag markiert werden. Mehrere Kreuze führen dazu, dass die jeweilige Stimme ungültig wird. Erst- und Zweitstimme können auch unterschiedlichen Parteien gegeben werden. Wer nur eine Stimme abgibt, lässt die andere Stimme ungenutzt“, so Georg Schrempp, Leiter des Kommunal- und Rechnungsprüfungsamts des Ortenaukreises.
Um die Erststimmen im Wahlkreis 51 Offenburg, zu dem die vier Gemeinden unseres Verbreitungsgebiets gehören, bewerben sich Maren Seifert (Grüne), Volker Schebesta (CDU), Richard Groß (SPD), Ann-Kathrin Stulz (FDP), Taras Maygutiak (AfD) und Amelie Vollmer (Die Linke).
Weniger Briefwähler als bei der Bundestagswahl
Eine Tendenz lässt sich im Vorfeld der Landtagswahlen am Sonntag erkennen. Die Zahl der Briefwähler liegt unter dem Niveau der Bundestagswahl 2025. In der Stadt Zell wurden im letzten Jahr 1749 Briefwähler gezählt. Bis Mittwoch haben 1385 Wahlberechtigte eine Briefwahl beantragt, davon haben 800 ihre Stimme bereits abgegeben. Vor fünf Jahren gab es ein ganz anderes Bild. 2021 hatte sich die Anzahl der Briefwähler mehr als verdoppelt. Allerdings standen die Landtagswahlen 2021 im Schatten von Corona mit Maskenpflicht, Hygienekonzept und Abstand halten.
Die Tendenz bei der Anzahl der Briefwähler wird auch in den Nachbargemeinden bestätigt. In Nordrach haben, Stand Donnerstag, 330 Wählerinnen und Wähler ihre Briefwahl beantragt und es gibt 242 Rückläufer. Bei der Bundestagswahl 2025 lag die Zahl bei 450.
In Oberharmersbach gab bis Wochenmitte 394 Briefwahlanträge gegenüber 478 bei der Bundestagswahl. In Biberach waren es bis Donnerstag 887 Briefwahlanträge gegenüber 1070 bei den Bundestagswahlen 2025.
Zell a. H.: Es gibt zwei Briefwahlbezirke „Kernstadt“ und „Ortsteile“
In Zell a. H. sind 6250 Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Insgesamt 72 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer sorgen in Zell a. H und den Ortsteilen für einen reibungslosen Ablauf der Landtagswahl. Die Fäden laufen bei Hauptamtsleiter Ulrich Reich sowie den Mitarbeiterinnen Monika Selinger und Kathrin Hummel zusammen.
Die Wahllokale in der Kernstadt befinden sich im Rathaussaal sowie im Tellerbau der Oberen Fabrik. In Unterharmersbach erfolgt die Stimmabgabe in der Schwarzwaldhalle, in Unterentersbach im Dorfgemeinschaftshaus und in Oberentersbach in der Imkerschule.
Für die Briefwähler gibt es in Zell die beiden Bezirke „Zell Kernstadt“ und „Zell Ortsteile“. In diesem Zusammenhang ist es Ortsvorsteher Jürgen Isenmann wichtig, darauf hinzuweisen, dass bei der Betrachtung des Wahlergebnisses die Briefwähler nicht den einzelnen Ortsteilen zugeordnet werden können. Bei der Bundestagswahl habe sich dadurch ein „verzerrtes“ Bild ergeben. Bei der Urnenwahl in Unterharmersbach lag der Stimmenanteil der AfD bei 30,5 Prozent. Bei den Briefwähler „Zell Ortsteil“, darin enthalten auch rund 600 Stimmen aus Unterharmersbach, lag der AfD-Anteil bei 13,2 Prozent. Um ein genaues Bild des Wahlergebnisses zu erhalten, wäre die Einrichtung eines eigenen Briefwahlbezirks für Unterharmersbach erforderlich. Dazu hätte ein zusätzlicher Wahlbezirk geschaffen und ein Wahlvorstand gebildet werden müssen. In Absprache mit der Verwaltung wurde man sich einig, dass dieser Aufwand zu groß ist. In der Konsequenz wurde deshalb an den beiden Briefwahlbezirken „Kernstadt“ und „Ortsteile“ nichts geändert.
Mit dem Wahlergebnis wird in Zell a. H. am Sonntag bis gegen 20.30 Uhr gerechnet. Dies ist letztlich auch der Aufteilung in Erst- und Zweitstimmen geschuldet. Das Wahlergebnis kann auf der Homepage der Stadt Zell und selbstverständlich in der Montagsausgabe der „Schwarzwälder Post“ nachgelesen werden.
Biberach und Prinzbach: Wahlsonntag mit viel Routine
In Biberach und Prinzbach gibt es 2896 Wahlberechtigte. „Im dritten Wahljahr in Folge ist eine gewisse Routine eingekehrt“, stellte Silke Geiger von der Gemeindeverwaltung fest. Sie ist für die Durchführung der Wahlen verantwortlich. Nach den sehr aufwändigen Kommunalwahlen im Jahr 2024 und den Bundestagswahlen im Jahr 2025 mit der äußerst knappen Vorbereitungszeit folgen nun am Sonntag die Landtagswahlen mit einem regulären Zeitfenster.
34 Personen sind am Sonntag im Einsatz, um die Landtagswahl sicher durchzuführen. Die Wahllokale in Biberach befinden sich in der Sport- und Festhalle. Im Prinzbach sind die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, im Probelokal des Musikvereins ihre Stimme abzugeben.
Nordrach: „Wir sind absolut im Zeitplan“
In Nordrach sind 1475 Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen und damit 36 Personen mehr als bei der Bundestagswahl vor einem Jahr. Insgesamt 21 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer werden benötigt, um den Urnengang durchzuführen. Mit dabei ist auch der Hausmeister, für den der Wahlsonntag „Kraft Amtes“ ein ausgefüllter Arbeitstag ist.
„Wir sind absolut im Zeitplan“, sieht Hauptamtsleiter Jürgen Echle sich und sein Rathausteam gut vorbereitet. Das Wahllokal befindet sich wie schon bei den Bundestagswahlen 2025 im Bürgersaal des Rathauses im 2. Obergeschoss. Dies habe sich gegenüber der Wahl im Lesesaal der Hansjakob-Halle bewährt.
Im Rathaussaal werden nach 18 Uhr dann auch die Stimmen ausgezählt. Zwischen 19.30 und 20 Uhr sollte das Landtagswahlergebnis für Nordrach feststehen.
Oberharmersbach: Wahllokal in der Reichstalhalle
In Oberharmersbach sind bei den Landtagswahlen 1901 Mitbürgerinnen und Mitbürger ab 16 Jahren wahlberechtigt. Unter der Regie von Hauptamtsleiterin Dominika Hättig sind 19 Personen, hauptsächlich aus der Gemeindeverwaltung und aus dem Gemeinderat, am Sonntag im Wahleinsatz.
Das barrierefreie Wahllokal befindet sich wie gewohnt in der Reichstalhalle und ist von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Die Stimmauszählung und die Ermittlung des Wahlergebnisses findet danach im Sitzungssaal des Rathauses statt. Hauptamtsleiterin Hättig geht davon aus, dass um ca. 20 Uhr das Wahlergebnis feststeht.
Forschungsgruppe Wahlen in Oberharmersbach und Unterentersbach
Wenn am Sonntagabend nach 18 Uhr die Wahlurnen geleert werden und mit der Stimmenauszählung begonnen wird präsentieren die großen Fernsehsender schon ihre ersten Wahltrends. Dies gelingt dadurch, dass Wählerinnen und Wähler am Sonntag direkt nach der Stimmabgabe befragt werden.
Die Gemeinde Oberharmersbach und die Ortschaft Unterentersbach gehören im Rahmen der Landtagswahl zu den Wahlbezirken, die ausgewählt wurden, um Informationen für die Hochrechnungsstichprobe des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) zu liefern.
Von der Forschungsgruppe Wahlen e.V. – Institut für Wahlanalysen und Gesellschaftsbeobachtung in Mannheim – werden am Wahltag jeweils zwei Personen in Oberharmersbach und Unterentersbach vor Ort sein, die eine Befragung der Wählerinnen und Wähler (jede 6. Person) durchführen, nachdem diese das Wahllokal verlassen haben. Die Teilnahme an der Befragung, die aus dem Ausfüllen eines kleinen Fragebogens besteht, ist freiwillig und anonym. Mit dem Umfrageergebnis lassen sich dann die ersten Prognosen zum Wahlergebnis berechnen.
Den kompletten Bericht und weitere Bilder finden Sie in der Print-Ausgabe der Schwarzwälder-Post.





