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Zell am Harmersbach | 10.07.2024

Harmoniereich und kraftvoll

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Waltraud Baumann vom Stadtmarketing (links) überreicht den drei Musikerinnen am Ende des be glückenden Konzertabends die weiße „Sommermusik“-Rose. Foto: Hansjörg Wörner
von Hansjörg Wörner

Ein musikalischer „Sommernachtstraum“ in der Evangelischen Kirche.

„Erleben Sie einen sommerlichen, tänzerischen Sommernachtstraum!“ Mit diesen Worten begrüßte Waltraud Baumann vom Stadtmarketing die Gäste in der Evangelischen Kirche. Das 3. Konzert der „Sommermusik“ überraschte mit einer Lesung aus William Shakespeares berühmtem Schauspiel „Ein Sommernachts traum“, das über die Jahrhunderte viele Künstler und Komponisten inspirierte.

Shakespeares Verse – von Flötistin Sonja Kanno-Landoli in fünf Abschnitten vorgetragen – und die Musik aus verschiedenen Epochen sorgten für einen stimmungsvollen und hochmusikalischen Abend in der Kirche.

Ein perfekt harmonisierendes Trio

Ganz im Zeichen Mozarts stand der Auftakt des Programms. Das „Divertimento IV, KV 229“ zeigte drei Musikerinnen bereits als perfekt harmonisierende Partner: Wie ein Gespräch mit einem Hauch von Melancholie wirkte das Spiel von Traversflöte (Sonja Kanno-Landoli) und Blockflöte (Ulrike Wettach-Weidemeier), während das Barock-Cello von Katrin Ziegler rhythmische Akzente setzte.

Spielerische Fertigkeiten überzeugten bei den 5 Sätzen des „Divertimentos …“ gleichermaßen; samtene, weich fließende, dann wieder forcierte Flötentöne, untermalt vom sonoren, mitunter pulsierend bassbetonten Celloklang. Man spürte, dass die Interpretinnen das Spiel ebenso genossen wie die Zuhörer.

Fein ausbalanciert und melodisch

Henry Purcell, ein großer Verehrer Shakespeares, beschritt im 17. Jahrhundert einen eigenen Weg des Musiktheaters, lange bevor Händel seine Opern komponierte. Heute spricht man von ‚Musical‘, wenn sich Tanz, Gesang und Schauspiel zu einem Gesamtkunstwerk vereinen.

Frei nach Shakespeares „Sommernachtstraum“ mit seinen Mythen, Liebeswirren und dem Elfenvolk im Zauberwald komponierte Purcell Instrumental- und Loblieder auf die Natur und die Liebe. „Reigen“ und „Elfentanz“ erfreuten mit der Energie und Artikulationsklasse des Trios. Außerordentliche Gewandtheit und Expressivität hoben das Tänzerische und Spielerische der Musik des englischen Barockmeisters hervor. Farben und fein ausbalancierte melodische Linien gaben Raum für das Lyrische. Reicher Beifall des Publikums.

Technisch souverän und beseelt

Keine Frage, der Süden schwingt mit in den Werken von Domenico Gabrielli und Antonio Vivaldi, die sowohl der Virtuosität als auch dem gefühlvollen Interagieren verpflichtet sind. Den Werken der bedeutenden italienischen Komponisten ließen die Musikerinnen souveräne Auslegung angedeihen.

Auch ein begnadeter Cellovirtuose schuf Gabrielli mit seinen ‚Ricercari‘ die ersten Werke für das Cello als Soloinstrument. Der improvisierende Stil als Kennzeichen des Komponisten kam bei „Ricercar Nr. 7“ zum Ausdruck. Technisch souverän und in der beseelten Gestaltung gänzlich frei, schien Katrin Ziegler eins zu sein mit ihrem Instrument.

Dunkle und mit viel Bogengewicht gespielte Basslinien wechselten mit federleichten Tönen. Spielerisches Können bei noch so rasant gewählten Tempi und expressiv modellierten Tonfolgen. Eine lebendige Interpretation, die mit viel Beifall honoriert wurde.

Mannigfaltige Schattierungen

Klangschönheit und Kunstfertigkeit zu vereinen, gelang den Musikerinnen bei Vivaldis Concerto „Il Gardelino“ („Der Distelfink“) und „Cantabile“ – gleichsam populäre Hits der Flötenliteratur – bis heute. Triller, Vorhalten, stilsicheres Phrasieren, das sich nicht auf bloße Imitation des Vogelzwitscherns fokussiert, sorgten für mannigfaltige Schattierungen. Die Zuhörer im Jubel vereint.

Was mit einer einfachen Blockflöte alles möglich ist, demonstrierte Ulrike Wettach-Weidemaier bei Jan van Eycks „Engels Nachtgegaeltje“: Hochvirtuos, dennoch feinfühlig, vereinzelt nahezu wahnwitzig schnell ließ sie die C-Flöte erklingen. Bei aller Rasanz blieb der Vortrag stets transparent und kultiviert. Eine interpretatorische Meisterleistung.

Lange Melodiebögen und kristalline Flötentöne

Gerade weil es auf einer einfachen, eingängigen und ansprechenden Melodie beruht, gehört Vivaldis „La Follia“ zu den beliebtesten Barockwerken. Für gut eingespielte Ensembles ist es ein Kabinettstück, wie man es auch an diesem Abend in der Kirche erleben konnte.

In Spanien war ‚Folia‘ ursprünglich ein zumeist feuriger Tanz. Auch Vivaldis Komposition entfacht nach und nach ein rhythmisches Feuerwerk, beflügelt vor allem von Katrin Zieg lers Cello. Expressiv aufgeladen erklangen die Variationen. Die Flötistinnen warfen sich in kurzen Phrasen die Soloparts zu. Ein Höhepunkt des Abends.

Leichtigkeit und Esprit prägten die Darbietung der „Recercata primera“ aus der Feder von Diego Ortiz, ein Spanier, der als Kapellmeister und Komponist in Bologna wirkte. Sein Stil verweist deutlich auf die Ornamentik der Renaissance. Im Anschluss intonierte das Trio das bekannte Traditional „Green sleeves“ – mit Feingefühl und voller Spielfreude. Lange Melodiebögen und kristalline Flötenklänge, die berührten.

Süffige Kantilenen begeisterten

Der Violinvirtuose Jean-Marie Leclair gilt mit seinen Concerti und Sonaten als der französische Vivaldi. Als Komponist versuchte er den französischen und italienischen Stil zu verschmelzen. „Deuxième Récréation de Musique“ und nachfolgend „Tambourin“ waren mit ihrem tänzerischen Duktus ein kammermusikalischer Hörgenuss. Brillante Soli, präzise Pizzicati und süffige Kantilenen begeisterten, auch wenn die subtilen Töne der Traversflöte sich stellenweise nicht genug gegen das kraftvoll aufspielende Cello behaupten konnten.
Dennoch ließ das Trio die Musik atmen: Tonschönheit in allen Lagen, Spannung allerorten. Als Zugabe noch einmal Variationen zu „Greensleeves“, passend zum „Sommernachts traum“ souverän und beseelt gespielt.

Reicher, anhaltender Beifall, als Waltraud Baumann den Musikerinnen die weiße „Sommermusik“-Rose überreichte. Ein beglückender Konzertabend.

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