Höchstmögliche Sicherheit in der Kirche

Erste Gottesdienste während der Corona-Pandemie – Ordner überprüften die Anmeldungen

Rund 30 Personen nutzten die Möglichkeit zu einem Gottesdienstbesuch in der Pfarrkirche am Samstagabend und weitere 30 Gläubige am Sonntagmorgen. Platz wäre für 50 Personen pro Feier gewesen. In der Wallfahrtskirche konnten die Kapuziner ca. 35 Besucher pro Heilige Messe zählen bei einem Platzangebot von 80 Sitzplätzen.  

Foto: Gisela Albrecht

Die Laufwege im Mittelgang der Kirche sind markiert. Im linken Teil des Weges kann man mit Sicherheitsabstand zur Kommunionausteilung anstehen. Im rechten Teil sind die Zugänge zu den Sitzbänken markiert.

Nach einem Erlass der Landesregierung sind Gottes­dienste ab dem 4. Mai wieder möglich. Für katholische Gottesdienste im Erzbistum Freiburg gelten strenge, einheitliche Sicherheits- und Hygienevorschriften.

Pfarrer Bonaventura Gerner begrüßte die Gemeindemitglieder am Sonntagmorgen. »Das Gemeindeteam, der Hausmeister und die Mesnerin sowie die Pfarrsekretärin haben umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um diesen Gottesdienst zu ermöglichen«, erklärte Gerner. Die Sitzplätze wurden gekennzeichnet, um den Sicherheitsabstand von zwei Metern zu gewährleisten. Laufwege waren durch Markierungen am Boden vorgegeben. Der Zutritt zur Kirche erfolgte über die beiden hinteren Eingänge, Ordner überprüften die Anmeldungen und hielten Desinfektionsspray für die Hände bereit. Das Tragen einer Schutz­maske wurde empfohlen und von den meisten Teilnehmern auch praktiziert. Nach der Feier wurden die Sitzbänke desinfiziert.

Kommunionausteilung wird sehr aufwändig

Die Kommunionausteilung wird bei Einhaltung aller Sicherheits- und Hygienevorschriften sehr zeit- und aufwändig. Pfarrer Gerner trägt Atemschutzmaske und Handschuhe und steht hinter einem Tisch. Darauf stehen vier kleine Teller mit Servietten. Er legt die geweihte Hostie auf einen Teller und tritt einen Schritt zurück, dann kann der Gläubige die Hostie nehmen. Bei der nächsten Person benutzt er dafür den nächsten Teller. Nachdem alle vier Teller gebraucht wurden, werden die Servietten durch neue Exemplare ersetzt. Auch bei der kleinen Teilnehmerzahl am Sonntagmorgen dauerte dieses Prozedere relativ lang.

Eine Kollekte mit der Weitergabe der Kollekten-Körbchen konnte nicht stattfinden. Die Kollekten-Körbchen standen an den Ausgängen bereit.

»Jesus der lebendige Stein«

Pfarrer Gerner ging in seiner Predigt auf den Text der Lesung ein, einen Brief des Apostels Petrus. Darin spricht dieser von »lebendigen Steinen« und bezeichnet Jesus als »lebendigen Stein«. »Das gibt es doch gar nicht, das ist doch ein Widerspruch in sich«, erklärte Gerner in seiner Predigt. Der Widerspruch sei Absicht des Autors und wecke Interesse, der Stein stehe nicht für Leben, sagte Pfarrer Gerner. Es gäbe auch etwas Positives in der Symbolik: Nur wer hart und widerstandsfähig ist, kann helfen. Ein Glaube, der nicht auf fes­tem steinigen Grund steht, trage nicht weit. »Jesus der lebendige Stein« – diese Aussage zeige, dass wir mit unseren gängigen Kategorien Jesus nicht erfassen können, führte Gerner weiter aus. Jesus sei der Eckstein, auf dem der Bau der Kirche ruhe. Einzelne Steine tragen kein Haus, nur alle Steine zusammen bilden das Fundament. In einer zunehmend individualisierten Gesellschaft sei es schwer zu verstehen, dass alle Steine zusammen notwendig sind für den Bau einer Kirche. Abschließend erklärte Pfarrer Gerner. »Die Corona-Krise zeige deutlich, wie wichtig es ist, aufeinander zu achten, füreinander zu sorgen und sich gegenseitig zu helfen.«

In den Fürbitten wurde u.a. für die Menschen gebetet, die im Gesundheitswesen tätig sind, für die Altenpflegerinnen und die Forscher, die neue Wege für eine Heilung der Corona-Kranken suchen. Es wurde für die Menschen gebetet, die Existenznöte erleben; die unter Aggression und Gewalt leiden und die in der Krise einsam sind.

Nur mit großem Aufwand möglich

Am Ende der Feier wandte sich Pfarrer Gerner in seinen Schlussworten an die Gemeinde: »Ich hoffe, dass Sie sich sicher gefühlt haben. Der Gottesdienst konnte nur mit einem großen Aufwand gefeiert werden. Der Vorstand des Pfarrgemeinderats und die Gemeindeteams überlegen, wie wir das zukünftig gestemmt bekommen.« Die beiden pensionierten Pfarrer, die bisher bei den Gottesdiensten ausgeholfen haben, können dies aus Alters- und Gesundheitsgründen nur noch eingeschränkt weiter machen, erklärte Gerner.

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