Tierisch gut!

Warum Zell mehr als nur einen Vogel hat Text und Fotos von Ulrich Spitzmüller

Zell am Harmersbach hat einen Vogel – und das gleich dreifach: Das Wappen der ehemals kleinsten freien Reichsstadt ziert ein schwarzer Adler, das Hahn-und-Henne-Geschirr hat das Keramikstädtchen in aller Welt berühmt gemacht und der auf dem Storchenturm nistende Storch sorgt dafür, dass das his­torische Gemäuer aus dem Jahr 1331 seinen Namen wieder zu Recht trägt.

Aber nicht nur das Federvieh sorgt dafür, dass Zell am Harmersbach einfach tierisch gut ist. Im träge dahinfließenden Harmersbach baden Enten, im Stadtbrunnen tummeln sich orangefarbene Fische, vor der Sparkasse lässt ein störrischer Bronze-Esel Golddukaten plumpsen und in der Oberstadt haben die Dörfleburen dem bäuerlichen Leben ein Brunnendenkmal mitsamt zwei Ochsen gesetzt.

Den »Adler« gibt’s als Wirtschaft noch, an den »Hechten« in der Oberstadt erinnert seit seinem Abriss im vergangenen Herbst nur noch ein Parkplatz: Er ist ebenso Geschichte wie der »Löwen«, der immerhin einige Jahre noch als Café »Domizil« das Zeller Städtle bereicherte. Der einstige »Bären« lebt mit dem urigen »Bärenkeller« als Veranstaltungs-Lokalität weiter.

Aber bald verschwindet ein weiteres tierisches Wahrzeichen, wenn das »Haus Meier« – der ehemalige »Meier-­Metzger« – nach Ostern dem Neubau der Rathauserweiterung Platz macht. Der bullige Stierkopf über dem einstigen Verkaufsladen ist schon länger abmontiert. Auch der braune Wildsaukopf, der jetzt noch den weißen Klinkerbau ziert und ein beliebtes »Örtchen« für Tauben ist, wird dem Wandel zum Opfer fallen.

Wie gut, dass es noch den Widderkopf mit goldenen Hörnern über dem Eingang zum »Grill« gibt. Er war einst das Wahrzeichen des »Bisser-Metzgers«, ehe die Räumlichkeiten in den 1980-er Jahren erst zu einer Grillstube und danach zum legendären Zeller Pils Pub wurden.

Wenn es noch eines Beweises bedarf, dass hier alles einfach tierisch ist, dann liefert ihn jedes Jahr die Zeller Fasend. Im Narrenmarsch schnurrt die berühmte »Hoorig Katz« mit Unterstützung durch die »Fedrig Henn‘« und die »Borschdig Sau« von Dreikönig bis Aschermittwoch durch die fünfte Jahreszeit. In diesem Sinne: Frohe Ostern! Aber hat das nicht auch irgendwie mit einem Tier zu tun?

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