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Zell am Harmersbach | 25.03.2020

Händler und Wirte werden Lieferanten

Corona-Verordnung veränderte das Leben – Eine lebendige Einkaufsstadt ist Lebensqualität

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Der Saisonstart ist verschoben. Andrea Giesler vom Vorstandsteam des Handels- und Gewerbevereins inmitten von ihres großen Modehauses in der Zeller Oberstadt. Zumindest ein Teil der Waren soll trotz geschlossener Geschäfte über Bestell- und Lieferservice den Weg zur Kundschaft finden. Foto: Hanspeter Schwendemann
von Hanspeter Schwendemann

Wenn gewohnte Wege nicht mehr gegangen werden können, müssen neue Wege gesucht werden. Die Corona-Verordnung zwingt zahlreiche Geschäfte und die Gastronomie dazu, ihre Betriebe zu schließen. Jetzt sind viele der Geschäftsinhaber und Gastronomen per Telefon, über die sozialen Medien oder per Mail erreichbar und bieten ihre Waren und Speisen mit Lieferdienst an. Das kann zwar das Einkaufs- und Einkehrerlebnis nur teilweise ersetzen, hilft aber dabei, die Krise zu überwinden.

Foto: Hanspeter Schwendemann
Auch für die noch geöffneten Geschäfte sind es keine einfachen Zeiten. In den Bäckereien sind die Aufenthaltsbereiche abgesperrt, und die Zahl der Kunden im Verkaufsraum ist beschränkt.
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Abstand halten ist für die meisten Kunden, wie hier im Bistro der Metzgerei Wagner, zur selbstverständlichen Übung geworden.

Andrea Giesler vom Vorstandsteam des Handels- und Gewerbevereins steht mitten in ihrem großen Modekaufhaus in der Zeller Oberstadt. Die Auslagen sind gefüllt mit der aktuellen Frühjahrs- und Sommermode, die auf die Kundinnen wartet. Corona hat den Saisonstart verschoben. Dennoch sind Andrea Giesler und das Team aller Filialen von Mode Giesler für die Kundschaft erreichbar, bieten Beratung an und liefern die Waren direkt nach Hause.

Wir möchten auch weiterhin für Sie da sein

So wie die Modehäuser Giesler bieten inzwischen viele der Zeller Fachgeschäfte ihre Waren über Bestell- und Lieferservice an. »Wir möchten auch weiterhin für Sie da sein« rufen die Geschäftsinhaber die Bevölkerung dazu auf, ihren täglichen Bedarf auch weiterhin vor Ort zu decken. »So können wir zumindest die kurzfristigen Wünsche unserer Kundschaft erfüllen«, betont HGV-Vorsitzende Jutta Schmid mit Blick auf die nahen Osterfeiertage, wo so manches Geschenk eine Freude bereiten soll.

Mit dem Frühlingsbeginn ist in vielen Bereichen Saisonstart. Schuh- und Sporthändler Walter Beck verweist auf seine Homepage, wo die aktuellen Frühjahrsangebote abgebildet sind. Die Ware wird nach Absprache direkt nach Hause geliefert. »Man macht das Beste aus der Lage«, stellt Petra Kühnpast, Inhaberin von Rund ums Leben Kopf fest. Die Online-Bestellung von Büchern ist bei ihr längst geübte Praxis. Jetzt, kurz vor Ostern, liefert sie aber auch alle anderen Waren aus ihrem reichhaltigen Angebot gerne aus. Nach persönlicher Absprache ist vieles möglich.

In der Gastronomie ist der »Pizza-Service« längst etabliert und wird von der Bevölkerung ganz selbstverständlich genutzt. Nachdem die Gaststätten nun geschlossen bleiben müssen, bieten auch viele weitere Gastronomen ihr Speisen- und Getränkeangebot zum Liefer- oder Abholservice an.

Viele Geschäfte sichern die Grundversorgung

Neben den geschlossenen Geschäften und Gaststätten gibt es aber auch viele Anbieter, die die Grundversorgung der Bevölkerung sichern. Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien und Metzger gehören ebenso dazu wie Anbieter aus dem Gesundheitswesen wie Apotheken oder Augenoptiker. Auch die Post und der Zeitschriftenhandel bleiben weiterhin geöffnet.

»Der Bedarf ist da«, stellt Inhaber Harald Hoferer vom Papierhaus Bechert fest und berichtete von einer regen Kundenfrequenz. Für die Kundschaft sei es inzwischen selbstverständlich, dass Abstand gehalten werde. »Wir sind dankbar, dass unser Geschäft weiterhin angenommen wird«, betont Harald Hoferer. Auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Zeller Hauptstraße kann Inhaberin Tanja Hoch von Papier-Febon die Bevölkerung mit Zeitschriften versorgen, den Paketkshop und die Reinigungsannahme offen halten. In den Bäckereien oder im Bistro-Service der Metzgerei Wagner sind die Aufenthaltsbereiche mit Absperrband vom Bedienbereich abgetrennt. Auch hier heißt es Abstand halten, um die Ansteckungsgefahr auf ein Minimum zu reduzieren.

Hoffen auf die Zeit nach der Corona-Krise

»Keiner hat eine Chance. Wir alle sitzen im gleichen Boot«, macht HGV-Vorsitzende Andrea Giesler die Lage deutlich. Und sie wünscht sich gemeinsam mit vielen anderen Einzelhändlern, dass die Kundinnen und Kunden ihre Shopping-Lust auf die Zeit nach der Corona-Krise aufbewahren und sich dann wieder ihr persönliches Einkaufserlebnis vor Ort gönnen. Die jetzige Situation hält der gesamten Bevölkerung aber auch deutlich vor Augen, dass ein florierender Einzelhandel und eine lebendige Gastronomie ein großes Stück Lebensqualität bedeuten. »Jeder Einzelne kann mit seinem Verhalten dazu beitragen, dass diese Qualität vor Ort dauerhaft erhalten bleibt«, betont Andrea Giesler.

Zentraler Informationsservice wird eingerichtet

Das Vorstandsteam des HGV mit Jutta Schmid, Paul Lehmann und Andrea Giesler steht im ständigen Kontakt. Gemeinsam mit dem Stadtmarketing der Stadt Zell wird eine zentrale Informationsliste erarbeitet, wo die Verbraucher nachlesen können, welche Geschäfte ihre Angebote über einen Bestell-Servie anbieten. Ab Freitag heißt es dann: »Schätzle gell, wir bestellen in Zell!«

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Schlagworte:
Corona-Virus, Handels- und Gewerbeverein Zell am Harmersbach, Stadt Zell am Harmersbach

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