Hand in Hand durchs Leben

Eine Liebesgeschichte von Gottfried Zurbrügg

Gottfried Zurbrügg ist pensionierter Lehrer, Buchautor – und Prädikant. Er liebt das Leben und die Menschen, beobachtet genau und macht sich seine Gedanken. Die teilt er gerne mit den Lesern der »Schwarzwälder Post«. Er schreibt …

Mir begegnet bei meinen kleinen Wanderungen oft ein älteres Ehepaar. Beide sind sicherlich schon über 80 Jahre alt und wie ich so nebenbei hörte auch über 60 Jahre verheiratet. Hier im Land des Lächelns gibt es das oft, dass man schon sehr lange gemeinsam den Lebensweg gegangen ist.

Wenn ich die beiden sehe, wird mir warm ums Herz. Genauso sind sie auch vor 60 oder 65 Jahren durch das Leben gegangen. Sie halten sich stets bei der Hand. Vor fast 60 Jahren habe ich auch vorsichtig die Hand meiner jungen Frau genommen. Das war damals schon ein Wagnis und mancher Versuch wurde mit einer Ohrfeige bestraft. Gemeinsam Hand in Hand zu gehen, bedeutete damals schon eine Verlobung. Alle sahen, dass die beiden zusammengehören. Nein, es war gar nicht so einfach, sich dazu öffentlich zu bekennen.

Ich wandte damals einen kleinen Trick an, um so an die Hand zu kommen. Wir waren verabredet und meine Freundin bat mich, zwei Schirme mitzubringen, da Regen angesagt war. Der Regen war in den sechziger Jahren das Normalwetter. In alten Filmen sieht man das, wie häufig es regnet. Natürlich sagte ich gerne zu und versprach die Schirme da zu haben. Aber leider war ich erstaunlich »vergesslich« und brachte doch nur einen großen Schirm, den ich mir geliehen hatte. Meine Freundin hat das natürlich sofort gesehen, aber nichts gesagt. Ich gebe zu, selten habe ich so auf Regen gehofft und mein »Gebet« wurde beantwortet: Es goss in Strömen! Natürlich bot ich der Freundin den Schirm an und wurde selber nass, aber sie konnte das nicht mit ansehen und bot mit einen Platz unter dem Schirm an. Gerne nahm ich an und wir gingen Arm in Arm. Ich war 18 Jahre und restlos glücklich. Natürlich hielt ich den Schirm und das Gespräch in Gang, denn es war nur ein Schauer. Die Sonne schien lange wieder und wir zwei gingen immer noch unter dem Schirm. Plötzlich fiel es ihr auf. Sie sagte: »Der Regen hat aufgehört. Wir brauchen den Schirm doch gar nicht.« Sie sah mir ins Gesicht und sah mein Lächeln. Natürlich verstand sie und nahm meine Hand, als ich den Schirm enttäuscht zusammenfaltete.

Von da ab gingen wir über 52 Jahre Hand in Hand. Später haben wir uns gestützt und ich habe sie manches Jahr auch an der Hand geführt. Hand in Hand durchs Leben – bei Sonne, Regen und Sturm haben wir uns festgehalten.

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