Gottfried Zurbrügg gewinnt mit Kurzgeschichte Schreibwettbewerb

Jury zeichnet »Zehn Kontakte« unter mehr als 100 Geschichten aus – Preisverleihung am 13. November in Calw

Gottfried Zurbrügg war Lehrer, ist Prädikant und schreibt gerne gute Geschichten. Jetzt hat er zum ersten Mal einen Preis in einem Schreibwettbewerb gewonnen. Eingesendet werden konnten Geschichten zum Thema »Vom guten Umgang miteinander …«. Die Preisverleihung findet am 13. November in Calw statt.

Der 74-Jährige hat die Jury der Stiftung der Sparkasse Pforzheim Calw »Mit Herz + Hand« unter mehr als 100 Einsendungen mit einer Geschichte überzeugt, die er vor einigen Jahren bei einem seiner Prädikanten-Einsätze in den neuen Bundesländern erlebt und aufgeschrieben hatte. Die Kurzgeschichte heißt »Zehn Kontakte« – ein Thema, das nicht nur Zurbrügg bei seinem Einsatz in Brandenburg umgetrieben hat, sondern auch Prof. Bernd Fischer seit Langem beschäftigt. Die These: Ein Mensch muss zehn Kontakte am Tag haben, um nicht zu verarmen an Körper und Geist. Von dem, was diese These in ebenjenem Dorf in Brandenburg bei einem von Zurbrüggs Prädikanteneinsätzen bewirkte, handelt die Geschichte.

Mit dem ehemaligen Chefarzt der Memory Klinik in Nordrach Prof. Bernd Fischer verbindet den Autor eine Freundschaft. Und so war es Fischer, der den Anstoß dazu gab, die Geschichte einzusenden. Fischer ist sich sicher, dass Regeln, wie »Du sollst bis ins hohe Alter zehn Bekannte haben« oder »Du sollst bis ins hohe Alter mit zehn Menschen pro Tag sprechen« dazu beitragen, dass sich die Einsamkeit verringert und geistige Vitalität erhalten bleibt. Die Zauberkraft solcher Regeln liege darin, dass sie mit einfachsten Mitteln helfen, das Selbstwertgefühl zu stärken. Sie seien offensichtlich, direkt, beinhalten ein konkretes Ziel und sorgen dafür, dass man jeden Tag einen Erfolg verbuchen kann.

Das Dorf in Brandenburg verändert sich in Zurbrüggs Geschichte, nachdem die Bewohner ihr eigenes Verhalten reflektierten. Fest verschlossene Türen und Hoftore öffneten sich, die Menschen suchten das Gespräch miteinander und die Leute merkten, wie sehr sich ihr Leben seit der Wende verändert hatte: Die Sicherheit hinter den Türen hatte irgendwann einen höheren Stellenwert gewonnen als der offene Umgang miteinander. Die Kommunikation blieb auf der Strecke, die Einsamkeit nahm zu.

Ist die Tür nicht nur bildlich, sondern tatsächlich zu, ist auch die Kommunikationsstruktur zu, schlägt Fischer den Bogen ins Hier und Heute. Digitale Medien seien kein adäquater Ersatz für das Miteinanderreden, die 10-er Regel versuche die Tür zur Kommunikation wieder zu öffnen. Leben ist etwas anderes als Technik, da sind sich die Freunde einig. Dabei geht es bei der Kommunikation gar nicht unbedingt um tiefschürfende Gespräche. Auch ein nettes Wort, das Erkundigen nach dem Wohlbefinden reicht schon. Und was, wenn man nicht der geborene Small-Talker ist, der schnell ins Gespräch kommt? Auch für die hat Fischer einen Rat. »Suchen Sie eine Gemeinsamkeit, um das Gespräch zu eröffnen«, fordert er auf. Ist das erste Eis erst einmal gebrochen, vergeht seiner Erfahrung nach die Zeit selbst mit Fremden wie im Flug. Das sei eine Fähigkeit, die man trainieren kann. Auf andere zugehen und zuhören, was sie zu sagen haben, fördere die Empathie. Eine Fähigkeit, von der man übrigens auch selbst profitiert, wenn sie ein anderer an den Tag legt.

Zurbrügg schreibt am Ende seiner Geschichte: »…Ich blieb noch eine Woche und freute mich an jedem Gruß. Ob es so geblieben ist, weiß ich nicht, aber ich achte seitdem auch mehr auf meine persönlichen Kontakte, den Gruß vom Nachbarn, ein nettes Wort an der Kasse. Ich glaube, es tut sehr gut.«

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