Spenden bieten Chance zum Überleben

Anna Niederberger engagiert sich für die German Doctors in Kenia und Sierra Leone

 »Für Ihre Arbeit in Afrika« – immer wieder geben Menschen aus Zell und Umgebung Anna Niederberger Geld dafür. Eine Menge Geld kommt zusammen, das sich die einzelnen Spender absparen für Menschen, für die eine ordentliche Wohnung, täglich mehrfache Mahlzeiten, Schulbildung, medizinische Ver­sorgung in der Schwangerschaft und bei Krankheiten gar nicht oder kaum erschwinglich sind. Die Ärztin berichtet, wie die Spenden in Afrika eingesetzt werden:

Kenia/Nairobi: Drei Mal habe ich über Monate im ältesten Slum von Nairobi – rund 500.000 Einwohner leben dort – in einer Ambulanz der German Doctors gearbeitet und dort erlebt, unter welchen hier kaum vorstellbaren Bedingungen die Menschen dort leben. Wellblechhütten ohne Wasser und Strom, natürlich ohne Toiletten. Müll überall, Müllabfuhr gibt es nicht. Was konnte hier mit Ihren Spenden erreicht werden! Kinder mit Malaria, Lun­genentzündung, Durchfall, schlimmen Verbrennungen (gefährliche offene Feuerstellen vor den Hütten) können für einen erschwinglichen Eigenbeitrag, der bei etwa zwei Euro liegt, mehrmals behandelt werden. Die Behandlung im Krankenhaus ist für die meisten nicht finanzierbar. Mütter und Väter werden während der Wartezeit in der Ambulanz zum Beispiel über Hygiene, die auch im Slum möglich ist, Infektionen, Tuberkulose, HIV und mehr unterrichtet. Auch wichtig: wöchentlich regelmäßige Fortbildung der bis auf die Ärzte einheimischen Mitarbeiter, die ihr Wissen bei Außensprechstunden und »Hausbesuchen« – man müss­te eher sagen »Hüttenbesuchen« – im Slum weitergeben. Bei geringstem Verdacht auf HIV-Infektion entsprechende Untersuchung, meist mit Untersuchung auf Tuberkulose, da beides oft zusammen vorkommt, und dann konsequente Behandlung, um die Krankheit so weit wie möglich einzudämmen und dem Mann oder der Frau ein weithin normales Leben und die Versorgung der Familie zu ermöglichen. Ein bis zwei Euro beträgt der Tageslohn … Schwangerenbetreuung zur sicheren Geburt gehört ebenfalls dazu – auch, um die Übertragung von HIV auf das Neugeborene zu vermeiden.

Im Ernährungszentrum bekommen Mütter und Kinder Informationen über einfache, finanzierbare Nahrung, die Bedeutung des Händewaschens und vieles mehr. Kinder und schwer kranke Erwachsene bekommen eine warme Mahlzeit. Sie herzustellen kostet etwa 60 Cent, die über Spenden finanziert werden. Hungrige Kinder, die satt werden, Mädchen, die für die Geschwister nicht die verstorbene Mutter ersetzen müssen, sondern zur Schule gehen und etwas lernen können statt in der Prostitution zu landen, Mütter und Väter, die mit der Nahrung wieder zu Kräften kommen und die Familie versorgen, vielleicht sogar arbeiten können – das zu erleben, war auch für mich immer wieder Geschenk. All das ist nur möglich dank der Spenden wie oben beschrieben.

Das schwere Erbe des Bürgerkriegs

Sierra Leone/ Serabu: Am Krankenhaus in Serabu/Sierra Leone habe ich mehrfach gearbeitet. Das Land ist schwer geschüttelt: Zehn Jahre Bürgerkrieg bis 2001, Zerstörung der Infrastruktur, kaum Ausbildung von Ärzten und Krankenschwestern, Rekrutierung von Kindersoldaten. Dann Ebola; an einem größeren Krankenhaus starben während der Epidemie 15 Ärzte und Krankenschwester. Das heißt, es war kaum mehr einer da, um die Patienten zu versorgen.

Durch Spenden konnten am Krankenhaus in Serabu die Mitarbeiter so gut geschult werden, dass dort kein einziger vom Personal an Ebola erkrankt ist.

Die ersten beiden Male, als ich dort war, gab es für das im Bürgerkrieg zerstörte Krankenhaus, das etwa 50.000 Menschen versorgt, kein fließend Wasser und keinen Strom. Entbindung, Petroleumlampe nachts zur Versorgung von Verletzten, Anlegen einer Infusion bei einem malariakranken Baby – eine Herausforderung. Inzwischen wurde eine Solaranlage eingerichtet. Welch eine Erleichterung! Ebenso ist eine Pumpe für fließend Wasser installiert. Das Land hat eine extrem hohe Mütter- und Kindersterblichkeit. Schätzungen zufolge stirbt jede achte Frau bei der Geburt eines Kindes. Tausende von Frauen sterben während Schwangerschaft und Geburt, weil sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Ich habe selbst mehrere Frauen während der Geburt sterben sehen. Sie müssen mit Wehen oft viele Kilometer laufen und sterben manchmal schon unterwegs. Die einheimischen Hebammen auf den Dörfern haben gar keine oder minimale Kenntnisse über Risiken während der Schwangerschaft. In sechs der 13 Bezirke des Landes gibt es keinerlei Notfallversorgung für Schwangere.

Ein Schwerpunkt der Arbeit dort war und ist die Ausbildung der lokalen Hebammen über die wichtigsten, leicht erkennbaren Risiken, wann eine Frau frühzeitig ins Krankenhaus geschickt werden muss. Eine Neugeborenen-Station wurde eingerichtet, die Ausbildung der Mitarbeiterinnen der Entbindungsstation wesentlich verbessert. Welch ein Erlebnis, wenn eine Frau, die bei Geburten zu Hause schon zwei oder mehr Kinder verloren hat, nun rechtzeitig ins Krankenhaus kommt, mit einem gesunden Kind und selbst gesund nach Hause geht! In der Kindersprechstunde erfahren die Mütter, wie sie ihre Kinder mit in der Region erhältlichen und preisgünstigen Lebensmitteln ernähren können, um immer wiederkehrende Katastrophen schwer unterernährter Kinder zu vermeiden. Im Krankenhaus und bei den Sprechstunden auf den Dörfern werden die Kinder regelmäßig gewogen und geimpft. Gleichzeitig wird eine Schwangerenbetreuung durchgeführt.

Viel hat sich in der Ausbildung der Mitarbeiter getan. Seit vier Jahren werden so genannte »medical health officers« ausgebildet. Das ist eine Ausbildung zwischen Arzt und Krankenschwester, die vieles selbständig machen können. Versorgung von Notfällen, Wundversorgung bis hin zu Operationen, wie einem Kaiserschnitt. Das Konzept der German Doctors ist auch, dass Projekte nicht auf Dauer von deutschen Ärzten geführt werden, sondern wenn irgendmöglich ganz in einheimische Hände übergeben werden. Ein Narkosearzt wurde ausgebildet, ebenso die Mitarbeiter in der Apotheke. Als ich dort war, war es notdürftig angelerntes Hilfspersonal. In den letzten Monaten hat sich gezeigt: Die Kinderstation ist zu klein. Sie platzt aus allen Nähten, es gibt keine Möglichkeit, Kinder mit ansteckenden Krankheiten zu isolieren. Ein Neubau ist geplant und muss teilweise über Spenden finanziert werden.

All das heißt: Durch Spenden kann sowohl im Slum in Nairobi als auch am Krankenhaus in Serabu und auf den Dörfern Arbeit geleistet werden, die durch Ausbildung der einheimischen Mitarbeiter immer weiter von ihnen übernommen werden kann. Für Patienten und ihre Familien kann oft Gesundheit wieder erreicht werden, damit Eltern und viele Kinder nicht mehr sterben. Bei aller Armut, Krankheit, Not immer wieder beeindruckend ist der Lebensmut, die Fröhlichkeit und Herzlichkeit der Menschen. Davon können wir eine Menge lernen.

Anna Niederberger sagt allen Spenderinnen und Spendern ein ganz herzliches Dankeschön: »Gerne würde ich Sie teihaben lassen an all dem Guten, das mit Ihrem Geld getan wird.«

Wer die Projekte der German Doctors unterstützen will, kann das durch eine Spende auf das Konto der Organisation bei der Evangelischen Bank tun: IBAN DE 12 5206 0410 0004 8888 80.

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