Der Dörfleball in „Over Hämmers River“ ein Feuerwerk an Ideen.
Spektakulär ging es los: Ein würdevolles „Howgh“ erfüllte am vergangenen Samstagabend, zum Programmstart des närrischen Dörfleballs, die vollbesetzte Reichstalhalle. Doch wo kommt die Stimme her?
Wohl mehr als 600 Köpfe sind es, die sich heben: Auf dem Dach des in der Halle aufgebauten „Saloons“ leuchtet ein lebensgroßes Tipi, „stabiler als mancher Bauantrag“. Davor hat sich eine Indianergestalt platziert, in edler Winnetou-Manier hebt sie die Hand: „Seid gegrüßt, meine roten Brüder und Schwestern, und auch ihr weißhäutigen Blutsverwandten des guten Humors.“
„Mein Herz schlägt heute wie die Trommel beim Freudentanz, und mein Blut rauscht durch die Adern wie das Wasser durch den Hämmersbach-River“, fährt der Häuptling fort. Und lässt einen wohltuend wallenden Schwung weiterer wohlgesetzter Worte folgen: Die anwesenden Stämme stellt er vor, darunter das tapfere Volk der Dörflianer, „zäh, gesellig und absolut trinkfest.“, beschwört dazu den „großen Weit-weg-Manitu“.
Sheriff Poundstone
Womit sich das Geschehen auf die Bühne verlagert, in einen wahrlich Wilden Westen. Hier zieht der einsame Cowboy Flex mit seinem sprechenden Pferd, der gewitzten Illy, durch das Kinzig Valley, auf der Suche nach einem Schatz in einem Ort namens Over Hämmers River.
Zwar besitzt der Abenteuerlustige eine Schatzkarte, doch die ist unvollständig. Den fehlenden Teil hat Illy zufolge Sheriff „Poundstone“ in der Zeller City (Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind – natürlich – rein zufällig). Auf besagten Poundstone setzt Flex zwei Gehilfen an. Die wüsten Gesellen rücken dem Sheriff dermaßen derb auf – und in – die Pelle, dass das Publikum grölt, wenngleich mit dem einen oder anderen verschämt bedeckten Auge.
Nicht weniger Skurriles schließt sich an, als die Schatzkarte endlich zu Tage befördert wird. Denn dank des Sprachnachrichten rappenden Buschmannes Bus(c)hido funktioniert der Busch- respektive Dorffunk blöderweise bestens. Die Dörflianer, die Ureinwohner von Over Hämmers River und Hüter des Schatzes, haben daher Wind von der Sache bekommen. Auf wilden Wegen folgen Gefangennahme und Rettungsmission und schließlich die Auflösung: Der Schatz ist ein mit Moschd gefülltes Fass. Ein Teil seines Inhalts floss dereinst in den Hämmers River, ohne dass sich der Geschmack jedoch verflüchtigte. Und so ward der Bach zum ewigen Schatz von Over Hämmers River…
Sheriff Richard MacWeith
Szenenwechsel: einige Jahrzehnte später. Der Süden mit seinen Regionen und Tälern ist inzwischen unabhängig und Over Hämmers River ein eigenständiges Dorf geworden. Um es zu einem Vorzeige-Dorf zu etablieren verhängt der dortige Sheriff Richard MacWeith, unterstützt von seinem weiblichen Co-Sheriff Dominika, ein generelles Alkohol-Verbot. Das kommt ob der gesundheitlichen Vorteile teils gut an, doch längst nicht überall. Schließlich setzt der Sheriff einen – obendrein auch noch machtgierigen – Kopfgeldjäger auf die unzüchtigen Dörflianer an.
Diese aber können fliehen und machen ihre Drohung wahr, das hochheilige Moschd-fass auszugraben. Während eines irrwitzigenTumults wird MacWeith kopfüber in das Fass gesteckt. Von der Wirkung des Moschd geläutert hebt der Sheriff das Alkoholverbot wieder auf – was der Wirtschaft zudem neuen Schwung verleiht.
Und noch viel mehr
Zusätzlich gewürzt wurde das vielfältige Geschehen mit gekonnt komödiantisch begleitetem Gesang, Klatsch und Tratsch der Filitier-Wieber von der Fischzucht Strübing, einem Männerballett in aufgeblasenen Kuhkostümen sowie keck tanzenden Cowgirls. Musikalisch und bewegungstechnisch auf Trab halten ließ sich das Publikum von der Band Sascha (alias puderrosa Winnetouch) & Co.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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